ADB:Simbschen, Karl Freiherr von

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Artikel „Simbschen, Karl Freiherr von“ von Adolf Schinzl in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 34 (1892), S. 346–348, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Simbschen,_Karl_Freiherr_von&oldid=- (Version vom 23. Juni 2021, 12:26 Uhr UTC)
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Simbschen: Karl Freiherr v. S., k. k. Feldmarschalllieutenant und Ritter des Militär-Maria-Theresien-Ordens etc., wurde am 26. Juli 1794 – nach anderen 1796 – zu Mailand geboren und starb am 26. März 1870. Als Sohn des Feldzeugmeisters Josef Anton Freih. v. S. erhielt er seine militärische Ausbildung in der k. k. Ingenieurakademie, aus welcher er am 27. Juni 1813 als Lieutenant in das Ulanenregiment Nr. 1. trat. Dem jungen Officier bot sich bald Gelegenheit, sich durch Tapferkeit in den Gefechten bei Krainburg (30. Aug.), Feistritz (1. Sept.), Hollenburg (19. Sept.) und bei der Cernirung von Laibach (30. Sept.) in vortheilhafter Weise bemerkbar zu machen, so daß ihm die Führung eines Streifcommandos gegen Idria anvertraut werden konnte. Im Herbste desselben Jahres war er bei der Cernirung von Palmanuova und später bei jener von Venedig. Im Feldzuge 1815 kämpfte S. – mittlerweile am 17. April 1814 Oberlieutenant geworden – im Gefechte bei Schlettstadt und wurde nach geschlossenem Frieden dem Generalquartiermeisterstabe zugetheilt und bei der Triangulirung verwendet. Am 1. August 1828 rückte er zum Rittmeister vor, wurde 1831 Escadronscommandant, im August 1838 Major beim Ulanenregiment Nr. 4 und 1843 Oberstlieutenant. Am 12. Mai 1847 zum Obersten und Commandanten des damaligen Dragonerregiments Nr. 6 (jetzt Nr. 12) befördert, stand er October 1848 mit seinem Regimente vor Wien, wo er am 19. October das Brigadecommando interimistisch übernahm und wegen thätiger und ausgezeichneter Verwendung das Militärverdienstkreuz erhielt. Am 16. December kämpfte er bei Parendorf und wurde vom Banus wegen der Verdienste, die er sich bei der Vorrückung erworben, namhaft gemacht. Bei der Einschließung von Komorn wirkte er mit seinem Regimente mit, übernahm hierauf am 13. April 1849 in Pest das Commando einer Cavalleriebrigade im 1. Armeecorps, führte am 21. April in dem Gefechte am Rakos in Abwesenheit des Feldmarschalllieutenants Ottinger dessen Cavalleriedivision so geschickt in des Feindes linke Flanke, daß dieselbe zum Rückzuge sich entschließen mußte, bei welchem S., sich persönlich an die Spitze einer Division stellend, den Gegner verfolgte. Bei dem feindlichen, von den kaiserlichen Truppen zurückgeschlagenen Ausfalle bei Puszta Herkaly und Acs am 26. April trug S. durch seine guten Dispositionen wesentlich zum Gelingen bei und wurde für die mit Gewandtheit und Sicherheit gelöste Aufgabe durch die Verleihung des Ordens der Eisernen Krone II. Classe ausgezeichnet. Bei der Vertheidigung der großen Schüttinsel war S., welcher am 12. Mai zum Generalmajor befördert wurde, in hervorragender Weise in dem anstrengenden Sicherheitsdienste thätig und es wird die Festhaltung dieser Insel zum Schutze gegen die feindlichen Operationen an der unteren Waag in erster Linie seinem richtigen Verständnisse der gesammten Kriegslage, wie seiner ausgezeichneten Führung – allerdings im Zusammenwirken mit der an ihn anschließenden Infanteriebrigade – zugeschrieben. [347] Außer diesen Anstrengungen betheiligte sich seine Brigade auch in mehreren Gefechten, so bei Vásárut am 14. Juni, Nyárasd am 19. Juni, Nyárasd und Aszód am 21. Juni. Als er bei Pered eine Recognoscirung gegen die von Komorn anrückenden Colonnen Klapka’s vorzunehmen hatte, fiel er so gewaltig und schnell mit der Reiterei und fast der gesammten Artillerie über den Feind, daß dieser augenblicklich geworfen und zum Rückzug gezwungen wurde. Die Schlacht bei Komorn am 2. Juli gab ihm glänzende Gelegenheit, sich als Reiterführer zu bewähren, indem er in richtiger Erkenntniß der Gefahr einer überraschend schnellen Versammlung feindlicher Kräfte, welche die in ihr Lager zurückgekehrten eigenen Heerestheile zu trennen drohen, sich entschließt, „gegen“ einen schriftlichen Befehl Haynau’s, sofort auf eigene Faust einzugreifen. Er nimmt seine schwachen 12 Escadronen und 2 Batterien, läßt 2 Escadronen und 6 Geschütze auf einer Hügelreihe, zu deren Besetzung wohl eine ganze Brigade gehört hätte, und eilt mit dem Reste gegen den Feind, überfällt ihn aus deckenden Höhengruppen und jagt ihn gegen die Festung. Auch das Erscheinen Görgey’s mit 48 dicht geschlossenen Halbescadronen am Schlusse des Tages hindert S. nicht, mit seinen erschöpften Escadronen in die Reitermasse einzuhauen und sie in die Flucht zu schlagen. Für dieses entschlossene und den siegreichen Ausgang der Schlacht herbeiführende Verhalten wurde S. der Auszeichnung mit dem Militär-Maria-Theresien-Orden würdig erkannt, welchen aber nicht er, sondern seine ganze Brigade einstimmig für ihn erbeten hatte. Auch am zweiten Schlachttage vor Komorn am 11. Juli, dann in der Schlacht bei Szöreg am 5. August, in den Gefechten bei O-Besenyö am 6. August und bei Csatád am 8. August zeigte S. jene Entschlossenheit und jene Ruhe, die den wirklichen Reiterfeldherrn charakterisiren. Vor Temesvár am 9. August bestand S. sein letztes großes Gefecht. Als nämlich der Gegner mit 8 Escadronen und 1 Batterie gegen Bessenova vorbrach und die österreichische Geschützstellung links zu umgehen drohte, sagte Haynau zu dem gerade in seiner Nähe weilenden S. in seinem kurzen, klar befehlenden Tone und mit dem Finger gegen Bessenova weisend: „Fegen Sie mir das weg.“ Diese Aufgabe war eben schwieriger, als man auf den ersten Blick denken mochte, weil die hohen Kukuruzfelder die Bewegung hemmten und fast gar keine Rundsicht gestatteten. S. zieht mit seinen Reitern durch den Mais, bis er knapp am Rande, als ob er aus der Erde stiege, erscheint, sich auf den Feind stürzt und 1 Batterie erobert. Am Abend zog S. mit seiner Brigade in die Festung Temesvár ein, nahm am 13. August Lugos ohne Kampf und erhielt nun die Aufgabe, dem Feinde so rasch als möglich in die außerordentlich bergige Gegend bis an die türkische Grenze zu folgen und dessen Auflösung zu beschleunigen. Dieser Aufgabe entsprechend, besetzte er am 16. August Jakul nach kurzem Geplänkel, nahm am 19. August Karansebes mittels Handstreiches, fand daselbst einiges Kriegsmaterial, sowie bedeutende Vorräthe an Lebensmitteln und machte mehrere Stabs- und Oberofficiere und 200 Mann zu Gefangenen. Hiermit beschloß S. seine kriegerische Thätigkeit, bei welcher sich Leistung an Leistung derart reihte, daß die seiner Leitung anvertrauten Truppen, welche im Laufe des Feldzuges 48 Geschütze eroberten und 281 Medaillen erwarben, sich mit vollem Rechte „die nie besiegte Brigade“ nennen konnten. Am 17. Mai 1854 wurde S. Feldmarschalllieutenant und Divisionär im 2. Cavalleriearmeecorps, am 30. Januar 1857 Inhaber des Husarenregiments Nr. 7 und 1858 Festungscommandant von Theresienstadt. Im Herbste 1864 trat S. in den Ruhestand, bei welcher Gelegenheit ihm der Orden der Eisernen Krone I. Classe verliehen wurde. Fortan lebte er in Schönau bei Teplitz, wo die Jagd, die er leidenschaftlich liebte, sein Hauptvergnügen bildete und wo er 70jährig starb. Mit ihm verlor die Armee einen [348] der tüchtigsten Reiterführer. Jeder Zoll ein Soldat, war er streng und wohlmeinend, ohne Pedanterie, selbstbewußt, furchtlos und praktisch vom Scheitel bis zur Zehe.

Wurzbach, Biogr. Lex. des Kaiserthums Oesterreich. 34. Th. Wien 1877. – Hirtenfeld, Der Militär-Maria-Theresien-Orden etc. Wien 1857. – Demel, Die Cad.-Brig. d. Gen. v. Simbschen 1849 in Streffleur’s österr. milit. Zeitschrift 1865 und 1866. – Thürheim, Die Reiterregimenter der k. k. österr. Armee (2. Aufl.). Wien 1866. – Jedina, Gesch. des 1. österr. Uhl.-Regts. Wien 1845. – Strack, Gesch. des 6. Drag.-Rgts. Wien 1856. – Streffleur’s österr. milit. Zeitschrift 1870.