ADB:Sommer, Hinrich Hieronymus

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Artikel „Sommer, Hinrich Hieronymus“ von Carsten Erich Carstens in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 34 (1892), S. 602–603, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Sommer,_Hinrich_Hieronymus&oldid=- (Version vom 19. Juli 2019, 01:57 Uhr UTC)
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Sommer: Hinrich Hieronymus S., geboren am 22. März 1804 in der Stadt Husum in Schleswig-Holstein; ein nordischer Hans Sachs. Der Vater war seines Handwerks ein Schuhmacher, in religiöser Beziehung sehr lau, eine reizbare, zornige Natur und dabei trunkfällig. Die Familienverhältnisse waren daher nur dürftige. Der Sohn besuchte bis zu seiner Confirmation die Stadtschule und eignete sich, bei guter Begabung, eine gute Schulbildung an, jedoch ohne irgend höhern Unterricht zu genießen. Die Confirmation hinterließ bei ihm einen gewissen sittlichen Ernst. Er trat nun bei dem Vater als fleißiger und tüchtiger Lehrling ein. Nach vollendeter Lehrzeit mußte er, damaligem Gesetz zufolge, wandern und ging 1825 als Geselle nach Flensburg. Zu dieser Zeit fing es an, in seinem Innern zu gähren; ein Suchen und Streben nach Reinheit und Freiheit von den Fesseln der Sünde lebte in ihm auf. Nach dem Standpunkt seiner damaligen Erkenntniß konnte er aber sein Ziel nicht erreichen. Darüber ward er mißmuthig und finster und verfiel bald dem Spott seiner Mitgesellen. Er suchte daher die Einsamkeit, wanderte Sonntags gern allein durch die Felder. „Könnten die Felder reden“, äußerte er später, „sie würden Zeugniß geben von der Seelennoth, in welcher ich um Gnade schrie“. Nach längern Kämpfen fühlte er sein Gebet erhört; den 27. Juni 1827 hat er selbst als die Stunde seiner Wiedergeburt bezeichnet und davon gesungen:

Unter allen schönen Stunden,
Die im Leben ich gefunden,
Bleiben die mir immer neu,
Da, nach hundert bittern Schmerzen,
Ich erfuhr in meinem Herzen,
Wer für mich gestorben sei.

Doch damit war nur erst der Anfang gemacht, noch sollten viele schwere Schwankungen und Kämpfe folgen, unter denen ihm ein fromm gläubiger Geistlicher (Volquards) mit seinem Rath und seinen Predigten treu beistand. Auch schloß er sich einer Gemeinschaft Erweckter an, die mit der Herrnhuter Gemeinde in Christiansfeld in Verbindung stand. Nun aber rief ihn der Vater nach Haus. Es wurde ihm recht schwer, von dem ihm liebgewordenen Flensburg sich zu trennen, doch sein geistlicher Rathgeber verwies ihn auf das vierte Gebot. Er zog also nach Haus. Bald verheirathete er sich hier und wandte nun allen Fleiß und Eifer auf sein Fortkommen als ein besonders geschickter Schuhmacher, ausgezeichnet durch Berufstreue und Redlichkeit. Gott gab zu der redlichen Arbeit auch seinen Segen, so daß er, nach seinen Verhältnissen, sich in guter Lage befand. – Was aber in ihm lebte, mußte doch auch seinen Ausdruck finden und er redete bei dieser Gelegenheit gern Worte in Beweisung der Kraft und des Geistes. So sammelte sich nach und nach um ihn ein Kreis gläubiger Seelen und er hielt Zusammenkünfte in seinem Hause zu Bibelbesprechungen und Gebet. In diesen ward auch die Heidenmission Gegenstand der Verhandlung. Er hat hier schon reiche Saat gestreut. Dabei war er selbst unablässig bemüht, sich geistig zu fördern. Durch Selbststudium hat er’s dahin gebracht, [603] daß er das griechische Neue Testament in der Grundsprache lesen konnte. Die dänische Sprache hat er sich zu schriftlichem wie mündlichem Gebrauche angeeignet, später lernte er auch das Englische mit Leichtigkeit lesen. Im J. 1851 ward S. von schwerer Krankheit heimgesucht. Er war zum Sterben bereit; sein Siechbett als ein rechtes Siegesbett gereichte seiner Umgebung zu großer Erbauung. Als er wider Erwarten doch wieder genas, äußerte er: „Ich meinte, Herr, daß ich nun zu dir kommen dürfte, aber willst du, daß ich noch hier bleiben soll, so mußt du auch mir versprechen, daß ich noch etwas in deinem Reiche wirken kann.“ Und das wurde ihm gewährt. Wie er immer bekannter ward, so ward er auch immer mehr gesucht und hat so zunächst im Stillen viel gewirkt. In seiner letzten Lebenszeit aber trat er förmlich in den Dienst des holsteinischen Vereins für innere Mission, damals unter Leitung des Pastors Decker in Leezen. Er ward Reiseprediger und hat an vielen Orten Ansprachen und Vorträge gehalten. Gewohnt alles, was er sich vornahm, mit Eifer zu treiben, entwickelte S. auch hier eine ungewöhnliche Thätigkeit, an sich dabei nicht denkend. Im J. 1860 z. B. hat er von Januar bis October in 131 Orten 153 Vorträge gehalten. – Auch hatte er eine nicht geringe poetische Ader. Seine geistlichen Lieder sind zuerst gedruckt in der, im Verlag des Goßner’schen Verlagsvereins in Berlin erschienenen Sammlung „Glaubenslieder und Herzensklänge aus Zion“. Nachher sind sie, gesammelt von Missionar Schmidt, als „Geistliche Gedichte von H. H. Sommer aus Husum“ 1885 herausgegeben. Die meisten sind nach bekannten Melodien gedichtet und also für den Gesang bestimmt. Vor Juni 1861 mußte S. seine Reisen aufgeben, wegen beständigen Kränkelns. Er hat dann seine Muße angewandt, sein Leben zu beschreiben. In Druck ist von ihm sonst nur noch erschienen; „Das Anschauen des Herrn“, Tractat der Niedersächsischen Tractatgesellschaft und „Bekehrungsgeschichte der Diakonissin Mary Steenhusen“. In seiner Krankheit war sein Trost, den er gern wiederholte „Du kannst durch des Todes Thüren träumend führen und machst uns aufeinmal frei!“ Am 20. December 1861 ist er sanft und selig entschlafen.

Sommers Leben. Aus dem Dänischen. Brecklum 1878. – Th. Schäfer in Neuer Kalender. Brecklum 1879. – Alberti, S.-H. Schriftstellerlexicon II, 268. Kiel 1886.