ADB:Sonntag, Christoph

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Artikel „Sonntag, Christoph“ von Paul Tschackert in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 34 (1892), S. 642, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Sonntag,_Christoph&oldid=- (Version vom 23. September 2019, 05:46 Uhr UTC)
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Sonntag: Christoph S., evangelischer Theologe, † 1717. S. wurde zu Weida im Voigtlande am 28. Januar 1654 in bürgerlichen Verhältnissen geboren und erhielt seine Vorbildung zu Schulpforta. Er studirte seit 1671 zu Jena zunächst Sprachwissenschaft und Philosophie und erwarb sich hier am 10. September 1674 die philosophische Magisterwürde. Von da an studirte er besonders unter Johann Musäus daselbst Theologie, bis er als Erzieher der Söhne des Grafen von Bieberstein nach Oppurg berufen wurde. Hier erhielt er auch zwei Jahre darauf die Pfarrstelle und verwaltete sie zehn Jahre lang. Darauf folgte er einem Rufe als Superintendent nach Schleusingen. Fünf Jahre darauf berief ihn der Rath der freien Reichsstadt Nürnberg zum ersten ordentlichen Professor der Theologie und zum Superintendenten des dortigen geistlichen „Ministeriums“ nach Altdorf 1690. S. nahm den Ruf an, promovirte als Doctor der Theologie im October d. J. zu Jena und traf noch in demselben Monate in Altdorf ein. Hier hat er nicht nur seinen theologischen Beruf erfüllt, sondern bei seiner großen Kenntniß der griechischen Sprache sogar 1699 (so Zeltner s. u.) noch eine eben vacant gewordene Professur derselben übernommen. Er konnte nämlich auch das Griechische wie seine Muttersprache sprechen. Mit einer seltenen körperlichen Gesundheit beglückt, blieb er arbeitsfrisch bis in sein hohes Alter in Vorlesungen, Disputationen, schriftstellerischen Leistungen, Ordinationen der Candidaten des geistlichen Amtes und anderen Obliegenheiten seiner zahlreichen Aemter. Berufungen nach auswärts, z. B. 1693 nach Lüneburg, 1696 nach Weimar lehnte er alle ab. Er war viermal Rector der Universität und achtmal Decan der theologischen Facultät. Hauptsächlich geschah es durch seine Bemühungen, daß die Altdorfische Akademie 1697 das kaiserliche Privileg erhielt, theologische Doctorpromotionen vorzunehmen. Im J. 1717, am 6. Juli, starb er in Folge eines Schlaganfalles. Seiner geistigen Richtung nach war S. ein mild orthodoxer Lutheraner: „quo propior Luthero, eo melior theologus“, pflegte er zu sagen (Zeltner p. 453 s. u.); er stimmte zwar principiell mit den Wittenberger und Leipziger Theologen gegen die eben damals aufkommende pietistische Theologie, äußerte sich aber rücksichtsvoll über die Lehrer derselben. Man merkt ihm die Schule des Musäus an, dem die lutherische Frömmigkeit doch höher stand als die lutherische Schulformel.

Sein Leben beschrieb Zeltner, vitae theologorum Altorphinum 1722 (4°) p. 448 sqq. Daselbst das Verzeichniß der Schriften Sonntag’s, 119 lateinische und deutsche, dazu 12 griechische Disputationen. Bei Zeltner a. a. O. befindet sich auch Sonntag’s Porträt.