ADB:Sperling, Paul (Schulmann)

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Artikel „Sperling, Paul“ von Richard Hoche in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 35 (1893), S. 138, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Sperling,_Paul_(Schulmann)&oldid=3459203 (Version vom 16. Dezember 2018, 08:51 Uhr UTC)
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Sperling: Paul S., Schulmann des 16. und 17. Jahrhunderts. Er wurde im Jahre 1560 in Eckernförde als der Sohn eines gleichnamigen Goldschmiedes, der auch zeitweilig Bürgermeister gewesen zu sein scheint, geboren, kam 1572 auf die Cantorei in Glücksburg, dann 1577 auf die lateinische Schule in Flensburg. Da er mittellos war, wurde er hier, wie schon in Glücksburg, von wohlthätigen Menschen erhalten; der Flensburger Bürger Hans Kellinghusen nahm ihn in sein Haus und ließ ihn auch nach Beendigung der Schullaufbahn auf seine Kosten studiren. S. besuchte die Universität Straßburg und widmete sich hier vornehmlich theologischen und philologisch-philosophischen Studien. Nachdem er hier im Herbst 1583 Magister geworden war, besuchte er in den folgenden drei Jahren noch die Universitäten Basel, Tübingen, Jena und Wittenberg und wurde dann 1586 vom Könige von Dänemark als Rector an die Flensburger Schule berufen. Für diese Anstalt verfaßte er einen ausführlichen Einrichtungs- und Lehrplan nach den Grundsätzen seiner Straßburger Lehrer Johannes Sturm und Melchior Junius, der unter dem Titel „Gymnasii Flensburgensis administratio“ in Wittenberg 1589 im Druck erschien und für zahlreiche andre Lateinschulen der Zeit maßgebend wurde. Am 9. Februar 1591 wählte der Rath von Hamburg S. zum Rector der St. Johannis-Schule; aber erst am 28. Juni trat er das neue Amt an, dessen Einkommen ihm 1594 durch die Uebertragung einer Dompfründe erhöht wurde. Die Schule nahm unter ihm rasch einen bedeutenden Aufschwung, der sich namentlich auch in dem starken Anwachsen der Schülerzahl zeigte: 1603 sollen 1100 Schüler, darunter 130 Primaner vorhanden gewesen sein. Allerdings führte die bei solcher Schülerzahl sich bald bemerklich machende Unzulänglichkeit der Lehrkräfte und sonstigen Einrichtungen schon nach wenigen Jahren einen Rückschlag herbei, der sich namentlich in starker Auswanderung von Schülern auf benachbarte Anstalten geltend machte. Um dem zu wehren, wurde unter Sperling’s wesentlicher Mitwirkung ein akademisches Gymnasium mit dem Johanneum verbunden und am 2. September 1612 eröffnet; S. übernahm an diesem 1613 die Professur der Beredtsamkeit und Dichtkunst. – So lange seine Kräfte es gestatteten, führte S. die beiden Aemter zusammen fort; 1615 ist noch eine wesentlich von ihm herrührende Schulordnung für das Johanneum erlassen worden. 1619 erbat er körperlicher Schwäche willen seine Entlassung aus dem Rectorate, die ihm vom Rathe in ehrenvoller Weise gewährt wurde; die Professur hat er, wenn auch in den letzten Lebensjahren durch wiederholte Schlaganfälle sehr behindert, bis an seinen Tod beibehalten. Er starb am 1. Juni 1633; die fast 30jährige Zeit seiner Rectoratsführung ist eine der Glanzperioden in der Geschichte des Hamburgischen Johanneums. Seine Schriften, welche das Hamburger Schriftsteller-Lexicon aufführt, haben keinen dauernden Werth gehabt.

Moller, Cimbr. lit. I, 617. – Calmberg, Gesch. d. Hamb. Johanneums, S. 80–90. – Otto Sperling’s (des Enkels von P. S.) handschriftliche hamb. Chronik. – Hamb. Schriftsteller-Lexicon VII, 247 f. – Jöcher IV, Sp. 732.