ADB:Stürenburg, Rudolf

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Stürenburg, Rudolf“ von Heinrich Klenz in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 36 (1893), S. 762–763, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:St%C3%BCrenburg,_Rudolf&oldid=2493713 (Version vom 16. November 2018, 12:10 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Nächster>>>
Sailer, Sebastian
Band 36 (1893), S. 762–763 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Diedrich Rudolf Stürenburg in der Wikipedia
GND-Nummer 117357456
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Kopiervorlage  
* {{ADB|36|762|763|Stürenburg, Rudolf|Heinrich Klenz|ADB:Stürenburg, Rudolf}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=117357456}}    

Stürenburg: Rudolf Diederich St., verdienter Philolog und Schulmann, geboren am 26. April 1811 zu Aurich in Ostfriesland, † am 9. Juni 1856 zu Hildburghausen. St. war der Sohn eines Justizcommissarius. Er erhielt seine erste Schulbildung an dem Gymnasium seiner Vaterstadt, und vollendete dieselbe an der ehemalig sächsischen, jetzt preußischen Landesschule Pforta von 1827–1830. Dieser Anstalt hatte er, wie er selbst gestand, viel zu verdanken, namentlich dem als Gelehrten und Schulmanne gleich ausgezeichneten Rector Dr. Ilgen und dessen Collegen und späterem Nachfolger im Amte, dem „edlen“ Lange. Beide wurden ihm Vorbilder: jener im unermüdlichen Forschen, dieser in der Veredlung des sittlichen Charakters. Darauf studirte St. in Leipzig unter Gottfried Hermann’s und Christ. Dan. Beck’s Leitung classische Philologie. Noch als Student veröffentlichte er eine mit Anmerkungen versehene kritische Ausgabe einer Rede des Cicero, sowie eine mit Abhandlungen begleitete kritische Ausgabe einer philosophischen Schrift desselben Classikers. („M. Tullii Ciceronis oratio pro A. Licinio Archia poeta. Recensuit Rud. Stuerenburg. Accedunt annotationes.“ Lipsiae 1832. – „M. Tullii Ciceronis de officiis libri III. Recensuit Rud. Stuerenburg. Accedunt commentationes.“ Lipsiae 1834.) Nach vollendetem Studium wurde St. Michaelis 1834 als ordentlicher Lehrer an der großen Stadtschule in Wismar angestellt. Im Herbste des Jahres 1837 erhielt er auf Grund seiner beiden Ausgaben Ciceronianischer Schriften von der philosophischen Facultät der Universität Tübingen die Doctorwürde. In Wismar entstand eine neue Bearbeitung der Rede Cicero’s für den Dichter Archias, die St. nunmehr mit deutschen Anmerkungen herausgab. („M. Tullii Ciceronis Oratio pro A. Licinio Archia poeta. Mit Anmerkungen vom Gymnasiallehrer Dr. Rudolf Stürenburg.“ Leipzig 1839.) Johannis 1839 folgte St. einem Rufe als Gymnasialdirector nach Hildburghausen. Hier veröffentlichte er außer einigen Schulprogrammen (z. B. „De verbis arcessendi et accersendi“, 1839) eine neue kritische Ausgabe von Cicero’s Schrift über die Pflichten mit Commentar. („M. Tullii Ciceronis de officiis libri III. Recensuit Dir. Dr. Rud. Stuerenburg. Accedit commentarius.“ Lipsiae 1843.) Ein von ihm angelegtes Lexikon des Ciceronianischen Sprachgebrauches ist leider unvollendet geblieben. Seiner rastlosen Wirksamkeit wurde durch ein Rückenmarksleiden ein zu frühes Ziel gesetzt; er starb im 46. Lebensjahre, nachdem er kurz vorher unter höchster Anerkennung seiner Verdienste pensionirt worden war. St. besaß hervorragende Kenntnisse in den beiden alten Sprachen; besondere Aufmerksamkeit wandte er grammatischen und synonymischen Fragen zu. Von allen Schriftstellern war ihm Cicero am vertrautesten; auf Grund der sprachlichen Verhältnisse vertheidigte er die Echtheit der Ciceronianischen Rede für den Dichter [763] Archias – ingenii acumine et doctrinae copia adjutus, wie ihm ein anderer Ciceroforscher (Wilh. Büchner, Commentatio, qua M. Tullium Ciceronem orationis pro Archia poeta auctorem non esse demonstratur, part. I., p. 2. Schwerin 1839) nachrühmte. Seine Belesenheit, sein Sammlerfleiß, seine scharfsinnige Kritik stehen außer Zweifel. Als Lehrer und Schulleiter zeichnete er sich durch einen lebendigen Vortrag, unentwegte Berufstreue und humane Erziehungsgrundsätze aus. Sein sittlicher Charakter machte ihn allen Guten lieb und werth.

Hildburghauser Schulprogramm von 1857. – C. F. Crain, Beiträge zur Geschichte der Wismarschen großen Stadtschule. 2. Abtheilung (Progr.). S. 2–4 u. 31. Wismar 1863.