ADB:Stademann, Adolf

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Stademann, Adolf“ von Hyacinth Holland in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 54 (1908), S. 426–427, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Stademann,_Adolf&oldid=- (Version vom 22. Juli 2019, 06:07 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Sprinzl, Joseph
Band 54 (1908), S. 426–427 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Adolf Stademann in der Wikipedia
GND-Nummer 11719526X
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|54|426|427|Stademann, Adolf|Hyacinth Holland|ADB:Stademann, Adolf}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=11719526X}}    

Stademann: Adolf St., Landschaftsmaler, geboren am 19. Juni 1824 in München, † am 30. October 1895 (Sohn des nachfolgenden Regierungsrathes Ferdinand v. Stademann) besuchte das Gymnasium, prakticirte im Forstfach, bethätigte sich aber frühzeitig als Landschaftsmaler – ein größeres Bild des Neunzehnjährigen wurde von der herzoglich Leuchtenbergschen Galerie angekauft – und trat bald bleibend zur Kunst über. St. liebte flache oder hügelige Dorfpartien, mit Regen- oder Mondschein-Stimmungen, wobei sich alsbald eine Neigung zu Schnee- und Winterbildern ergab, welche dann, beinahe überwiegend, in den Vordergrund traten. Diese wiederholte er mit unermüdlicher Bravour und Ausdauer ganz im Sinne der alten Niederländer; nach ihrem Vorbilde schuf St. winterliche Küstenscenen, gefrorene Canäle und Flußgegenden, gab ihnen kleine Städte mit trotzigen Festungsmauern und Windmühlen zum Hintergrunde und als Staffage ein buntes Getriebe von Schlittschuhläufern und Schlittenfahrern, die im fröhlichen Trubel sich durcheinander auf den spiegelglatten Eisflächen bei bleischwer bewölkten Nachmittagen, abendlicher Dämmerung oder im hellsten Mondenscheine vergnüglich tummelten. Eine vornehme Jagdgesellschaft um einen erlegten Hirsch, mit dem Motiv von [427] Schloß Kalkberg an der Saar und schlitternde Kinder enthält die Münchner Neue Pinakothek; einen schneidigkalten Wintertag mit rodelnden Kindern die Schackgalerie. Seit 1850 war St. ein regelmäßiger, gerngesehener Gast in allen Kunstvereinen und Ausstellungen; Regenwetterscenen wechselten mit einem „Mondschein an der Elbe“ (1860), Wintermorgen (1860), Herbstabenden (1871), Dorfstraßen (1873), ländlichen Partien an der Isar (1876) oder Amper (1882), Fischerhäusern bei Scheveningen, „Mondaufgang bei Dordrecht“, Holländer Wasserlandschaften, Erinnerungen „Aus der Normandie“, stillen Weihern mit der Staffage von Rehen, Eisfestfreuden und Fackeltänzern. Dergleichen Bilder gingen ihm leicht und flüchtig aus der Hand; manche mit feinster Empfindung, überraschend wahrer Tongebung und liebevoller Durchbildung. Bisweilen aber, wenn gerade Zeit, Umstände und Laune drängten, wurden die Sächelchen auch schneller vom Stapel gelassen, als gerade zum Ruhme des Künstlers nothwendig und nützlich schien. Alle aber trugen ein unverkennbares, interessantes, geniales Gepräge und ein „guter Stademann“ ist heute noch ein gesuchter Artikel. Persönlich war der Maler von chevaleresken, gewinnenden und glatten Allüren. Frühe verheirathet und mit zahlreicher Familie gesegnet, mögen wohl vielfache Krankheiten, Leiden und Heimsuchungen zu schnellerer Production getrieben haben, die jedoch den poetisch-künstlerischen Sinn nie zu untergraben vermochten. Im J. 1880 starb nach mehrjährigen schweren Leiden ein vielversprechender Sohn, Ludwig St.; 1884 folgte dessen Bruder Wilhelm St., der als Landschafter gerade begonnen hatte, einen guten Namen zu erwerben; dann starb 1889 nach jahrelanger Krankheit seine vielerprobte Lebensgefährtin und Gattin Ferdinanda St. und 1895 „schied auch sein Geist nach schwerem, langem Ringen ruhig und sanft in eine bessere Welt“.

Sein als Zeichner und Lithograph wohlbekannter Vater Ferdinand v. Stademann (geboren 1791 zu Berlin), war 1812 nach München gekommen, that sich, gleichfalls schon in jüngeren Jahren, durch geschmackvolle Aufnahmen von bairischen Burgen und Schlössern hervor, trat in den Staatsdienst, ging 1832 als expedirender Geheimer Secretär der Regentschaft mit König Otto nach Griechenland und sammelte daselbst eine Fülle von landschaftlichen und architektonischen Studien; seine Hauptleistung aber bildete ein vom Nymphaion aus aufgenommenes „Panorama von Athen“, welches der Künstler in 11 großen Blättern nebst 6 Vignetten (darunter auch die von Oberbaurath Ludwig Lange [s. A. D. B. XVII, 647] gezeichnete Porträtfigur Stademann’s) von Karl August Lebschée (s. A. D. B. XVIII, 103), auf Stein gezeichnet (München 1841 bei Franz Wild) herausgab. Ferdinand v. St. starb am 15. October 1873 als kgl. bair. Regierungerath und Geheimer Secretär des Staatsraths, Ritter des Verdienstordens der bair. Krone, des hl. Michael, des kgl. Ludwig- und Officier des kgl. griech. Erlöser-Ordens geehrt.

Vgl. 304 d. Allgem. Ztg. v. 2. November 1895. – Kunstvereinsbericht für 1895, S. 82. – Fr. v. Bötticher, 1891. II, 795. – Singer, 1901. IV, 325 (vier Zeilen).