ADB:Lebschée, Carl August

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Artikel „Lebschée, Karl August“ von Hyacinth Holland in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 18 (1883), S. 103–104, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Lebsch%C3%A9e,_Carl_August&oldid=- (Version vom 27. Juni 2019, 00:38 Uhr UTC)
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Lebschée: Karl August L., Architektur- und Landschaftsmaler, geb. am 27. Juli 1800 zu Schmiegel (Posen), kam 1807 nach München, besuchte im Alter von 14 Jahren die Akademie, zeichnete Figuren unter dem Schlachtenmaler W. v. Kobell, Thiere bei Wagenbauer, malte Landschaften unter Dillis und Dorner und versuchte sich als Kupferstecher und Radirer im Atelier von Karl Ernst Christoph Heß. Nach einer so gründlichen Vorbildung begann er eine Reihe von Werken in Steindruck und Radirung, welche durch ihre detaillirte Sauberkeit, durch schlichte Naturwahrheit und historische Treue den Namen des Künstlers zu Ehren brachten. Absonderliches Augenmerk verwendete er auf alle mit historischen Traditionen in Beziehung stehender Ueberreste und Merkwürdigkeiten, zeichnete Ansichten, copirte Denkmale aller Art, insbesondere die älteren Bauten Münchens. Der Magistrat der Stadt, ebenso der Historische Verein von Oberbaiern erwarben eine werthvolle Sammlung von darauf bezüglichen Aquarellen und Handzeichnungen des Meisters. Vieles davon wurde in Stahlstich herausgegeben. L. beschäftigte sich auch mit Daguerrotypie und längere Zeit mit photographischen Reproductionen, doch gewann alsbald der Künstler und Zeichner die Oberhand. Am schätzbarsten sind seine Radirungen, welche mit großer Feinheit der Empfindung sich im Gebiete des landschaftlichen Genre oder im humoristischen Thierbilde („Sillo, der Hund als Soldat“, 1828) bewegten; seine wenigen Oelbilder sind steif und trocken; in seinen Aquarellen verband er öfters einen zarten Ton mit der historischen Treue, doch verleitete ihn letztere häufig zu sehr nüchternen Veduten. Der nicht nach Verdienst beachtete Künstler [104] wuchs allgemach zu einem Menschenfeind und Sonderling aus, hatte mit schweren Sorgen zu kämpfen und erschwerte selbst den wenigen Freunden, welche sein an herben Erfahrungen reiches Alter erträglicher zu machen suchten, ihren Liebesdienst, bis ihn am 13. Juni 1877 der Tod erlöste. Zu seinen besten Aquarellen gehören 27 „Erinnerungsblätter aus Münchens Vergangenheit“ (im Besitze des Magistrats); 96 Ansichten „Altbaierischer Schlösser, Märkte und Städte“ (im Besitze des Historischen Vereins von Oberbaiern) nach den im Antiquarium der kgl. Residenz von Peter Candid und dessen Schülern ausgeführten Wandgemälden. Als Radirungen erschienen: „Darstellung des englischen Gartens in München“, 9 Blätter, mit Text von Lipowsky (München, 5. A. bei Hermann u. Barth, die Originalplatten in England); „Sechzehn componirte und radirte Blätter“ (München 1827); 5 „Nachtstücke“ (München 1828 bei Hermann); „Sechs Landschaftsstudien nach der Natur“ (1828). In Lithographie gab L. heraus: „Album Russe ou fantaisies dessinées lithographement, d’aprés Alex. Orlowsky“ (München 1826), zwölf Blätter verschiedener Ausrufer und Straßenverkäufer; „See-Landschaftsstudien“ (ebendas. 1829); „Malerische Topographie des Königreichs Baiern“ (1830) in 73 Stücken; eine „Sammlung malerischer Burgen und geschichtlich merkwürdiger Baudenkmale der baierischen Vorzeit“ (1844) in 12 Blättern: „Panorama von Athen“, gezeichnet von Ferd. Stademann (1841, in 11 Blättern und 6 Vignetten); „Thurnau und seine Umgebung“ (Schloß des Grafen v. Giech) 38 Blätter. Außerdem lieferte L. 30 Initialen in Holzschnitten zu den „Alt-Münchner Wahr- und Denkzeichen“ von Franz Trautmann (1864). Eine große Anzahl von Lebschée’s Zeichnungen finden sich als Stahlstiche in dem dreibändigen Werke: „Das Königreich Baiern in seinen alterthümlichen, geschichtlichen, artistischen und malerischen Schönheiten“ (München 1843 ff. bei G. Franz) u. s. w.

Vgl. Nagler 1839, VII. 379. Raczynski 1840, II. 450. Nagler, Monogrammisten, 1858, I. 939, II. 122, IV. 232. Realencyklopädie, Regensburg 1869, VIII. 928. Nekr. in Beil. 183 Allgem. Ztg. 2. Juli 1877. Lützow XII. 643. Seubert 1879, II. 422. Oberbaierisches Archiv 1879, XXXVIII. 127–164 mit Lebschée’s Porträt in Lichtdruck (wo der erste Versuch gemacht wurde, die über siebenhundert Blätter zählenden Arbeiten dieses höchst achtenswerthen Künstlers beiläufig zu ordnen und zu verzeichnen). Ein großer Theil befindet sich auch in Maillinger’s „Bilder-Chronik der Stadt München“.