ADB:Dillis, Georg von

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Artikel „Dillis, Johann Georg von“ von Rudolf Marggraff in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 5 (1877), S. 229–237, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Dillis,_Georg_von&oldid=- (Version vom 13. Oktober 2019, 20:44 Uhr UTC)
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Band 5 (1877), S. 229–237 (Quelle).
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Dillis: Johann Georg v. D., Maler und Radirer, königl. baierischer Centralgalleriedirector in München, ältester Bruder des vorigen, wurde am 26. Decbr. 1759 in Grüngiebing geboren. Sein Vater, Wolfgang D., aus einer alten Jägerfamilie stammend, würde außer Stande gewesen sein, dem mit trefflichen Anlagen ausgestatteten Knaben eine entsprechende Erziehung zuzuwenden, wenn nicht der damalige Kurfürst Maximilian III. von Baiern ihn veranlaßt hätte, seinen Sohn zum Zweck höherer Ausbildung nach München zu einer nahen Verwandten in Pflege und Aufsicht zu geben. Dies geschah mit kurfürstlicher Unterstützung, als der Knabe, einer nicht ganz sicheren Nachricht zufolge, erst 6 Jahre alt war. Hier besuchte er das Gymnasium und wenn eine mit G. D. 1771 bezeichnete Radirung, von welcher Brulliot (II. Nr. 964) berichtet, wie kaum zu zweifeln, wirklich von Georg D. gearbeitet war, so würde darin ein Beleg für die Nachricht zu finden sein, daß D. bereits auf dem Gymnasium sich mit Kunstübungen befaßt und möglicherweise schon damals, wie behauptet wird, den Unterricht des Vicedirectors J. J. Dorner genossen habe. Doch widmete er sich auch ferner vorzugsweise den gelehrten Studien, und nachdem er das Gymnasium verlassen, begab er sich nach Ingolstadt, um sich auf der dortigen Universität durch das Studium der Philosophie für die Theologie vorzubereiten, welche er, dem Wunsche seiner Eltern gemäß, um so lieber erwählte, als Kurfürst Maximilian III. im J. 1777 gestorben und damit auch seine Unterstützung aus der kurfürstlichen Cabinetscasse für immer erloschen war. Nachdem er die theologischen Studien beendigt und hierauf in dem Albertinum zu Ingolstadt während zweier Jahre seine praktische Ausbildung als Geistlicher empfangen hatte, wurde er am 21. Decbr. 1782 daselbst zum Priester geweiht. Dann aber verfolgte er, der lange niedergehaltenen Liebe zur Kunst nachgebend, die geistliche Laufbahn nicht weiter, sondern widmete sich ganz dem Studium der Landschaftsmalerei. Zunächst besuchte er die in München seit 1770 bestehende Zeichnungs-Akademie, um sich daselbst nach Gyps- und Naturmodellen im Zeichnen von Figuren und Köpfen zu üben, wol zuerst unter der Leitung des akademischen Zeichnungsmeisters Ott (geb. 1735, † um 1797), später unter der des Prof. Ignaz Oefele. Im Porträt- wie im Landschaftsfach scheint er denn, einer weiteren Nachricht zufolge, auch den Unterricht mitgenossen zu haben, den Dorner in der neuerrichteten Gallerie am Hofgarten damals an schon fortgeschrittene Künstler zu ertheilen pflegte. Im J. 1786 wurde ihm der Zeichenunterricht bei den kurfürstlichen Edelknaben übertragen, was von Seiten des bischöflichen Ordinariats Freising seine Enthebung von der Verpflichtung zu seelsorgerischen Verrichtungen zur Folge hatte. Durch seinen Unterricht kam er mit mehreren der angesehensten adelichen Familien der Hauptstadt – wir nennen hier nur die Grafen von Salern und von Seinsheim, desgleichen die Freiherren v. Aretin und v. Stengel – und durch diese mit dem bei dem kurfürstlichen Hofe in Gunst und Einfluß stehenden Grafen Benjamin Thompson von Rumford in nähere Berührung. Seine Verhältnisse waren um jene Zeit schon so gesichert, daß er nach und nach seine Brüder Ignaz, Cantius und Joseph zu sich nehmen konnte, um ihren Unterricht, zumal im Zeichnen, zu überwachen und zu leiten. Er wohnte damals im Hause des Freiherrn v. Aretin, dessen 3 Söhnen er im Zeichnen Unterricht ertheilte, wodurch ein reger Wetteifer unter den jungen Leuten entstand, der sich auch der Familie des Geheimraths Freiherrn v. Stengel mittheilte und in des letzteren Hause zu Abendunterhaltungen führte, an welchen auch andere in München lebende Künstler, wie Karl Heß, Ferdin. und Franz Kobell u. A., theilnahmen. Man zeichnete, betrachtete und besprach ältere und [230] neue Kupferstiche oder unterhielt sich in belehrenden Gesprächen über Kunst und ihre Interessen, deren belebender und leitender Mittelpunkt Georg D. war. Ein reger Sammlergeist erwachte; an der Prüfung der eignen wie der fremden Arbeit schärfte sich das Verständniß für das Wahre und Wesentliche der Kunst, und Keime wurden damals hier gelegt, die in anderer Richtung später zu reichem Kunstwirken und Kunstschaffen emporwuchsen. Auf Veranlassung des Grafen Rumford zeichnete er um jene Zeit die anmuthigsten Partien des von letzterem seit 1783 angelegten englischen Gartens in Aquarell. Eine mit demselben beabsichtigte Reise nach England mußte der politischen Verhältnisse wegen aufgegeben werden. Statt dessen nahm ihn der Graf mit auf einer malerischen Reise ins baierische Gebirge, während er später mit kurfürstlicher Unterstützung die Gegenden von Traunstein, Reichenhall, Starnberg, Tegernsee, Miesbach etc. besuchte, um auch dort die schönsten Ansichten in Aquarellzeichnungen aufzunehmen, die in das Schloß zu Nymphenburg kamen und später durch Simon Warnberger publicirt wurden. Eine erste weitere Reise machte er im J. 1788, auf Unkosten des würdigen alten Grafen Max von Preysing, mit dessen Sohn Karl und dem Staatskanzler v. Vacchiery in die Schweiz und oberen Rheingegenden, wo er in Straßburg den zweijährigen Pfalzgrafen Karl Ludwig August, nachmaligen König Ludwig I., zeichnete und in Kupfer stach. Auch sah er damals zuerst die berühmte Gemäldegallerie zu Mannheim und die Kunstsammlungen zu Frankfurt a/M. und in Mainz. Damit schließt die Periode seiner Vorbereitung und Bildung als Künstler. – Nach München zurückgekehrt, wurde er im J. 1790, auf Rumford’s Verwendung, von dem Kurfürsten Karl Theodor als Inspector bei der neuen Gallerie am Hofgarten mit einem Gehalt von 300 Gulden angestellt. Rumford war auch Ursache, daß er 1792 einer nach Sachsen bestimmten Militärcommission als Zeichner mit dem Auftrage beigegeben wurde, von den Ergebnissen dieser Sendung, zumal in Bezug auf Landessitten und Gebräuche, die nöthigen Zeichnungen zu entwerfen, aber was ihm vor allem erwünscht und förderlich war, er fand auf dieser Reise auch Gelegenheit, die Kunstsammlungen in Dresden, Prag und Wien zu sehen, am letzteren Orte in der Begleitung Heinrich Füger’s, des Vicedirectors der dortigen Akademie. – In die Zeit von 1793 auf 1794 fallen seine Versuche mit einem neuen Malverfahren für Porträt und Landschaft mittelst Wachsfarben, die er in Gemeinschaft mit dem Hofmaler Moritz Kellerhoven anstellte, aber nicht zum Abschluß gebracht zu haben scheint. Durch den Grafen Rumford wurde er damals mit der in München aus Rom eingetroffenen englischen Familie Palmerston bekannt, die ihn zur Begleitung nach Salzburg mitnahm und bei dieser Gelegenheit ihrem Freunde Sir Gilbert Elliot als Gesellschafter zu einer Reise durch Italien empfahl. Für das Zusammentreffen wurde Livorno bestimmt. Dort angekommen, benutzte D. die Zeit eines 14tägigen Aufenthalts bis zur Ankunft Elliot’s, der inzwischen zum Vicekönig von Corsica ernannt worden war und deshalb seine italienische Reise aufgeben mußte, um Ansichten des Meeres, des Hafens und des mannigfach regen Volksverkehrs zu zeichnen, die rasch von anwesenden Fremden gekauft wurden und fast sämmtlich nach England kamen, wo sie noch heute sind. Auch in Corsica zeichnete er Landschaftliches und Volksthümliches und, für den Vicekönig, Uferansichten der Insel und die imposante Kriegsflotte des Admirals Hood, welche nach der Capitulation von Bastia im Mai 1794 noch vor Anker lag. Fortwährende Zwistigkeiten zwischen Corsen und Engländern verleideten ihm indeß den dortigen Aufenthalt; er verließ daher noch in demselben Jahre Corsica, um sich, auf Unkosten des Vicekönigs, über Civita Vecchia nach Rom zu begeben, das er jetzt zum ersten Male sah. Hier hatte er den Verlust seiner Zeichnungen aus Corsica zu beklagen. Betrübt hierüber, doch reich an neuen Kenntnissen und Bekanntschaften, die [231] Mappen und Skizzenbücher mit italienischen Zeichnungen angefüllt, kehrte er 1795 nach München heim. – Als im Herbst 1796 Napoleon die Alpen überstiegen hatte und ein französisches Heer auch Baiern zu bedrohen schien, erhielt D. den Auftrag, die Gemälde der Münchener Gallerie nach Linz und, als die Franzosen über Kärnthen und Steiermark weiter vordrangen, auf der Donau nach Passau und von da nach Straubing zu bringen, wobei ihm sein Bruder Cantius treuen Beistand leistete. Erst nach dem Frieden zu Campo Formio im Frühjahr 1797 konnten diese Kunstschätze wohlerhalten wieder nach München in das Galleriegebäude am Hofgarten zurückgebracht werden. Ein kürzerer Ausflug mit Lord Ossulton über Zürich und Lausanne in die Eisgebirge der Schweiz und von da nach Mailand war, wie es scheint, auch nicht ganz ohne Gewinn für seine künstlerischen Studien. Vier Landschaften, die er dort zeichnete, befanden sich später im Cabinet des Kronprinzen Nymphenburg. Als im J. 1800 Baierns Hauptstadt von einer noch dringenderen Gefahr durch die Nähe der Franzosen bedroht war, hatte er abermals die Galleriegemälde in Sicherheit zu bringen und zwar nach der damals preußischen Stadt Ansbach, von wo sie erst nach Verfluß eines Jahres, als der Friede zu Luneville geschlossen war, nach München zurückgelangten. Das J. 1803 brachte ihm den Auftrag, aus den aufgehobenen Klöstern Baierns die besten Gemälde für die königl. Gallerie auszuwählen, dessen er sich mit Kenntniß und Anstand zu entledigen wußte. Eine größere Reise, die er, nach dem Ableben seines Vaters, im Mai 1805, mit seinem Bruder Cantius, den die baierische Regierung reisen ließ, über Constanz und Zürich durch die Schweiz zu Fuß über den St. Gotthardt, dann durch das südliche Tirol über Como zunächst nach Mailand unternahm, fiel namentlich für seine kunstwissenschaftlichen Studien, die ihn überhaupt längst mehr als seine künstlerischen Arbeiten beschäftigten, lohnend aus. Sein Tagebuch bringt über die Kirchen, die er besuchte, über die darin befindlichen Kunstwerke und deren Urheber die anziehendsten Bemerkungen. Nach Mailand kam er zu einer sehr merkwürdigen Zeit, da eben die Krönung Napoleon’s zum Könige von Italien stattfand und eine öffentliche Ausstellung von Werken einheimischer Künstler in der Brera ihm die erwünschte Gelegenheit bot, die lombardische Schule aus den Werken ihrer Hauptvertreter selbst kennen zu lernen. Am 2. Juni 1805 begab sich G. D. mit seinem Bruder über Lodi und Piacenza nach Parma und von da über Modena, Bologna und Florenz, wo ihn hauptsächlich die Meisterwerke aus der Blüthezeit der italienischen Kunst in Anspruch nahmen, zum zweiten Mal nach Rom. Hier, in den Werkstätten und im Umgange älterer Freunde und Bekannten, des Malers Cramer aus Dänemark, der noch immer thätigen Angelica Kauffmann, der Landschaftsmaler Jos. Koch und Rhoden, der Kupferstecher Gmelin und Metz, der Bildhauer Martin Wagener und Thorwaldsen, eröffnete sich ihm diesmal, abgesehen von allem, was öffentliche und Privatsammlungen, Kirchen und Paläste an Kunstgenüssen ihm darboten, eine so reiche Welt des Schönen, Belehrenden, Anregenden, aus allen Gebieten und Perioden der Kunst, daß für ihn seitdem eine neue Epoche seiner kunstkritischen Anschauungsweise und Thätigkeit herzuleiten ist. Er erkannte, daß allein in der vergleichenden Betrachtung der Werke eines Künstlers aus den verschiedenen Epochen seines Schaffens ein vollständig befriedigendes Bild seiner geistigen und technischen Eigenart gewonnen werden könne, was vor allem für den Conservator einer öffentlichen Gallerie, wie er es war, nöthig ist. An die Ausflüge in die Campagna, nach Tivoli, Subiaco, Albano, knüpfte sich im Spätherbst ein weiterer mit seinem Bruder nach Neapel und über Portici nach Pompeji, der seine Reiseskizzensammlung mit vielen interessanten Zeichnungen bereicherte. Unruhige Ereignisse trieben beide Brüder nach Rom zurück, wo sie im Winter von 1805 [232] auf 1806, zum Theil im Verein mit anderen Künstlern, sich mit Malen und kunstgeschichtlichen Studien beschäftigten. Einem Rufe des Kronprinzen Ludwig Folge leistend und seinen Bruder allein in Rom zurücklassend, begab sich G. D. im Anfang Februar 1806 über Florenz und Mailand durch die Schweiz nach Paris. In Florenz benutzte er den diesmaligen längeren Aufenthalt hauptsächlich dazu, die Meister aus der Frühzeit der dortigen Schulen, von Cimabue bis Francesco Francia, Fra Bartolommeo und Andrea del Sarto nicht nur aus ihren Oelgemälden, sondern vor allen auch aus ihren Handzeichnungen gründlich zu studiren. Die Anordnung nach Schulen und chronologischer Reihenfolge der Meister und ihrer Werke, welche der Galleriedirector Puccini bei Aufstellung der Bilder einzuführen im Begriff war, fand D. musterhaft und nachahmungswerth. Er fand die hervorragendsten Kunstwerke aller Zeiten aus den hauptsächlichsten Sammlungen Europa’s damals in den dortigen Museen aufgehäuft, und außerdem genoß er die Ehre, bei dem baierischen Kronprinzen den Cicerone zu machen. Nichts entging seiner Aufmerksamkeit, was die Einrichtung der Kunstsammlungen und Kunstlehranstalten, was die Anlage und Beleuchtung der Säle, die Anordnung und Aufstellung der Gemälde, der Marmorwerke und Gypsabgüsse in den Gallerien, die unentgeltliche und entgegenkommende Benutzung der letzteren betrifft, überall sammelte er Erfahrungen zu dem Zweck und in der Hoffnung, sie einst für die königl. baierischen Kunstsammlungen praktisch verwerthen zu können. Mit lernbegierigem, kundigem Blick durchforschte er die öffentlichen und die besseren Privatsammlungen. Sein Tagebuch enthält darüber die belehrendsten, für die Geschichte der Sammlungen und einzelner Bilder werthvollsten Mittheilungen. Auch den Kupferstich- und Handzeichnungssammlungen widmete er eine reichliche Zeit. Sein Augenmerk war hauptsächlich den ältesten Producten der Grabstichelkunst zugewendet. Nach dem Muster des kaiserl. Kupferstichcabinets beschloß er, später auch in München die dort vorhandenen Originalzeichnungen der Künstler, so weit möglich, chronologisch zu ordnen und die vorzüglicheren unter Glas und Rahmen dem Kunstpublicum zu unbeschränktem Genusse vorzuführen. Wenn dies in der Folge geschah, so ist die erste Anregung dazu von D. ausgegangen. Sein ästhetisches Interesse und Urtheil stand auf kunstgeschichtlichem Boden und machte sich rein objectiv geltend ohne einseitige Vorliebe für diese oder jene Zeit, für diesen oder jenen Meister. Nichts war ihm unter solchen Umständen schmerzlicher, als daß die vom Kronprinzen projectirte Reise nach Spanien, auf welcher er denselben begleiten sollte und von der er sich mit Recht für die Erweiterung seiner Kenntnisse sowol wie bezüglich neuer dortiger Bilderankäufe für die königl. baierische Gallerie die besten Erfolge versprach, nicht vollständig zur Durchführung gelangte. Er kam mit dem hohen Reisenden über den Mont Cenis und das südliche Frankreich, überall die pittoresken Naturscenen und Ansichten in geistreichen Skizzen, deren gegen hundert in das Reisejournal des Kronprinzen gelangten, festhaltend, nur bis zur spanischen Grenze bei Figueras, wo der Kronprinz sich genöthigt sah, umzukehren, um sich zu dem im Felde stehenden Heere nach Deutschland zu begeben. D. begleitete ihn bis Berlin und kehrte von dort zu Anfang des Jahres 1807 allein nach München zurück. Als er im August wiederum in Begleitung seines Bruders Cantius nach Italien ging, geschah es, um im Auftrage des Kronprinzen geeignete Werke der Kunst für dessen Privatsammlungen anzukaufen. Diesmal waren es daher vorzüglich die im Besitz von Privaten und in Privatgallerien befindlichen Gemälde und Sculpturen, die er bei seinen Nachforschungen zu Venedig, Bologna, Florenz, Rom und anderwärts ins Auge zu fassen hatte, und was hierüber aus den J. 1808 und 1809 seine Tagebücher an Verzeichnissen dem Verkauf zugänglicher Gallerien oder einzelner Werke und an abbildlichen [233] Skizzen derselben enthalten, ist von bleibendem kunstgeschichtlichem Interesse. Damals gelang es ihm, in Florenz das vielbesprochene Altovitibildniß von Rafael und die Madonna di Tempi, in Rom aus der Sammlung des Duca Braschi eine Anzahl werthvoller Antiken, darunter die merkwürdige Dianenstatue (Glypt. Nr. 93) und den sandalenbindenden Mercur (Glypt. Nr. 151) zu erwerben. Von Rom aus kehrte D. über Spoleto, Foligno, Assisi, Perugia, Arezzo nach Florenz und von da durch Tirol, im J. 1809 nach München zurück. Auch die J. 1811 und 1812 sahen ihn wiederholt in Italien, das letztgenannte Jahr zugleich in Rom, wohin er sich im Auftrage des Kronprinzen begab, um für denselben theils wiederum neue Ankäufe, theils die richtige Verpackung und Versendung früher erworbener zu besorgen. Erfolgreich für die königl. Sammlungen wurde im J. 1815 seine Sendung nach Paris nicht nur dadurch, daß es ihm gelang, die bei der schnellen Flucht der Münchener Gallerie im J. 1800 von den Franzosen dorthin aus Baiern entführten und nunmehr reclamirten Gemälde wohlerhalten nach München zurückzubringen, sondern mehr noch durch den damit verbundenen weiteren Auftrag, zugleich den Ankauf mehrerer zur selben Zeit in Paris verkäuflicher Gemälde vorzüglichen Kunstwerthes zu vermitteln. D., dessen Leben sich immer enger mit der Geschichte der königl. baierischen Gemäldesammlungen verknüpfen sollte, war denn auch so glücklich, eine Reihe von Bildern aus der italienischen und spanischen Schule zu erwerben, welche gegenwärtig zu den hervorragendsten Zierden der älteren königl. Pinakothek gehören. Im J. 1816 wurde D. durch seinen vieljährigen Freund, den Domherrn B. Speth, veranlaßt, gemeinschaftlich mit ihm eine Kunstreise nach Italien zu unternehmen, wozu derselbe sich um so lieber entschloß, als auch ein längerer Besuch Neapels mit seinen Naturschönheiten, Kunstschätzen und Alterthümern im Plane lag. Speth gedenkt in der Vorrede zu seinem dreibändigen Reisebericht „Die Kunst in Italien“, München 1819–22, seines kunstverständigen und landeskundigen Begleiters mit dankbaren Worten, da dessen bewährtem, scharfem Kennerblick auch das unscheinbar Herrlichste nicht unbemerkt bleiben konnte. Für D. aber war es damals besonders erfreulich, zu Rom die von ihm ein Jahr vorher in Paris auf Ansuchen des Marchese Canova für den päpstlichen Stuhl verpackten kostbaren Gemälde wohlerhalten im Vatican aufgestellt wieder zu erblicken. An diese größere Reise schloß sich ein kurzer Ausflug nach Como in Oberitalien. Doch kaum nach München zurückgekehrt, erhielt er von dem Kronprinzen die Einladung, ihn auf einer Reise durch Italien nach Rom und von da über Neapel nach Sicilien zu begleiten. Diesmal war es vorzugsweise die Natur und das Leben des Volkes, was ihn beschäftigte. Seine Tagebücher von 1817 auf 1818 enthalten eine Menge Zeichnungen von Figuren und Figurengruppen: Lastträger, Matrosen, Schiffsjungen, alles aus dem Leben gegriffen, wie er sie auf der Straße, am Ufer des Meeres, auf dem Verdeck des Schiffes gesehen. Das unendliche Meer, die Flachlandschaften am Ufer mit schroffen Felsen und wildem Gestrüpp, mit zerstörten Tempeln und baulichen Ueberresten vergangener Größe und Herrlichkeit liehen seiner Phantasie den mannigfaltigsten Stoff zu Bildern, die er theils flüchtig umrissen in sein Tagebuch einzeichnete, theils an Ort und Stelle in ausgeführteren Zeichnungen vollendete, welche später als Geschenk des Meisters in die Privatsammlung seines kronprinzlichen Gönners übergingen. – G. D., der 20 Jahre lang ein Gegner der neuen Senefelder’schen Vervielfältigungsmethode gewesen war, machte ums J. 1817 den ersten lithographischen Versuch, der auch sein einziger geblieben ist, doch wurde sein Blatt nicht, wie anfangs bestimmt war, in der bei Zeller in München erscheinenden „Sammlung lithographischer Originalzeichnungen Münchener Künstler“ mit ausgegeben. – Im J. 1820 wurde ihm die Ausscheidung, Ordnung und Neuaufstellung [234] der in den königl. Schlössern zu Nürnberg, Bamberg, Würzburg und Aschaffenburg befindlichen Gemälde übertragen, eine Aufgabe, die er in Gemeinschaft mit seinem Bruder Cantius in Erledigung brachte. Von Aschaffenburg aus unternahm er alsdann, gleichfalls in Begleitung des Bruders, einen Ausflug nach Frankfurt a/M., um dort seinen Jugendfreund und eifrigen Kupferstichsammler, den damaligen königl. baierischen Bundestagsgesandten Adam v. Aretin, wiederzusehen und die Kunstschätze des Städel’schen Instituts, sowie einige werthvolle Privatsammlungen in Augenschein zu nehmen.

Was D. einst in seinem Pariser Tagebuch von 1806 als Wunsch ausgesprochen, daß ihn nichts mehr in seinen Bestrebungen ermuntern würde, als einen eigenen Wirkungskreis zu erhalten, in welchem er seine in allen Theilen der Kunst erworbenen Kenntnisse praktisch und wissenschaftlich verwerthen könne, das sollte für ihn nun auch wirklich in reichste Erfüllung gehen. Nachdem am 2. Jan. 1822 der um eine zweckmäßigere Aufstellung der königl. baierischen Gemäldesammlungen vielverdiente Centralgalleriedirector Christ. v. Mannlich gestorben war, wurde die erledigte Stelle bereits am 5. März dem bisherigen Gallerieinspector G. D. als dem hierzu durch Kenntnisse, sachgemäße Grundsätze und praktische Erfahrung würdigsten übertragen. Die neue Verwaltung hatte eine Reihe von Arbeiten und Verbesserungen im Gefolge, die für die leichtere Uebersicht und Benutzung der königl. Sammlungen von Bedeutung waren. Sämmtliche Inventarien wurden der Revision unterworfen, über die in Augsburg befindlichen Gemälde des königl. baierischen Staatsbesitzes von D. ein Inventar angefertigt (1822) und für die Gallerie am Hofgarten als Leitfaden für die Besucher gleichfalls von D. ein Katalog herausgegeben, der über 900 Nrn. umfaßte. Wenn damals schon, im J. 1822, der allerhöchste Beschluß gefaßt wurde, ein neues, der Größe und Bedeutsamkeit des vorhandenen Bilderschatzes und den erhöhten Anforderungen zweckmäßiger Räumlichkeit und Beleuchtung entsprechendes Galleriegebäude in München zu errichten, so hat sicherlich der neue Director das seinige zur Förderung dieses Beschlusses beigetragen. Ihm lag es jetzt ob, die räumlichen und anderweitigen praktischen Erfordernisse für den projectirten Bau festzustellen und mit dem Architekten, Hofbau-Intendanten Leo v. Klenze, behufs des von diesem zu entwerfenden Plans und Kostenvoranschlags, darüber zu verkehren, so daß am 7. April 1826 die Grundsteinlegung zur Pinakothek stattfinden konnte. – Inzwischen war (1824) der Münchener Kunstverein ins Leben getreten. D., obgleich sein Kunstfach dabei vorzüglich bedacht war, betheiligte sich doch nur wenig an den Bestrebungen und Zwecken des Vereins – die ihm in ihrer oppositionellen Richtung gegen die aufblühende monumentale Kunst nicht völlig zusagen mochten – sei es durch Ausstellung seiner Bilder im Vereinslocal oder durch Theilnahme an den Arbeiten des Ausschusses, in den er wiederholt gewählt wurde, ohne von der Wahl Gebrauch zu machen. – Als im J. 1826 die Gebrüder Boisserée und ihr gemeinschaftlicher Freund Bertram wegen ihrer Sammlung altober- und altniederdeutscher Gemälde Verkaufsanträge stellten, wurde D. vom König Ludwig mit den Verhandlungen des Kaufs beauftragt und im folgenden Jahre nach Stuttgart zur Uebernahme der Gemälde entsendet, die gegenwärtig den eigenthümlichsten, kunstgeschichtlich überaus werthvollen Theil der alten Pinakothek bilden. Gleicherweise war D. bei der Erwerbung der fürstl. Wallerstein’schen Sammlung altdeutscher Gemälde betheiligt, die im darauffolgenden Jahre (1828) ebenfalls aus der königl. Hofcasse bewerkstelligt wurde. Als hierauf der König aus eigenem Antriebe beschloß, Nürnberg, die Wiege der deutschen Kunst, der es an classischen Belegen dafür fehlte, mit einem Bildersaal der alten ober- und niederdeutschen Malerschulen aus den neuen Erwerbungen zu schmücken, wurde auf Dillis’ Vorschlag [235] zum Local dafür die seit Jahren zum Holzmagazin herabgewürdigte gothische Moritzcapelle gewählt und eingerichtet (1829). Auch für diese Sammlung besorgte D. die Aufstellung und einen Katalog, der sich in den Benennungen der Meister und Schulen an die von den früheren Besitzern der Bilder gegebenen Namen hielt. – Im Mai 1830 begleitete D. den König auf einer Erholungsreise durch Italien nach den Bädern von Ischia, von der er viele zum Theil gleich nach der Natur in Farben gesetzte Skizzen der malerischsten Punkte der Insel und des Golfs von Neapel heimbrachte. Im folgenden Jahre (1831) erschien von ihm ein Verzeichniß der Gemälde in der königl. Gallerie zu Schleißheim. – Im J. 1832 wurde D. noch einmal durch allerhöchsten Auftrag zu einer Reise nach Unteritalien veranlaßt, bei welcher Gelegenheit er den in Rom so lange gefangen gehaltenen barberinischen Faun nach München brachte. Im folgenden Jahre sehen wir ihn mit der Einrichtung der neuen Gallerie in Augsburg beschäftigt, die, nach dem Beschluß der königl. Staatsregierung, in ihrem Kern aus den vorräthigen Werken der schwäbisch-augsburger und der ihr verwandten schwäbisch-ulmer Schule bestehen und durch Gemälde anderer Schulen vermehrt als eine Filiale der Centralgallerie in München gelten sollte. Unterdessen war der Bau der Pinakothek im Aeußeren und Inneren so weit vollendet, daß im Frühjahr 1836 mit der Aufstellung der inzwischen zur Aufnahme in das neue Galleriegebäude ausgewählten Gemälde begonnen werden konnte. Es handelte sich dabei um die zweckmäßige Vertheilung und Einreihung von nahezu 1400 theils sehr umfangreichen, theils sehr kleinen Gemälden in 9 Sälen und 23 Cabineten, und wenn es auch nicht gelang, das kunstgeschichtliche Princip, wie D. es beabsichtigte, bei der Aufstellung nach Schulen und Zeiten streng durchzuführen und mit dem ästhetischen in einen vollständig befriedigenden Einklang zu bringen, so war im ganzen die schwierige Aufgabe doch sehr glücklich gelöst. Am 16. Octbr. desselben Jahres bereits konnte die Gallerie dem Publicum geöffnet werden. D. empfing als Anerkennung für seine bei diesem Anlaß bewiesenen Verdienste am 1. Januar 1837 das Commandeurkreuz des königl. Civilverdienstordens der baierischen Krone. Ein Jahr später erschien auch der von ihm verfaßte Katalog zur Pinakothek, der mit Sorgfalt bearbeitet doch eben nur dem damaligen Standpunkt der Bilderkritik entsprach und überhaupt keinen weiteren Zweck erstrebte, als dem besuchenden Publicum zum Wegweiser durch die Sammlung zu dienen. – Als D. im Herbst 1837 eine von seinem Freunde, dem Domherrn Speth, nach Venedig und Mailand beschlossene Reise mitzumachen wünschte, um noch ein Mal die Werke der Venezianer und Lombarden an Ort und Stelle zu genießen und zu studiren, bewilligte ihm der König hierzu nicht nur gern Urlaub mit dem Wunsche, daß die Reise ihm Erheiterung und Kräftigung bringen möge, sondern er überließ ihm auch einen Hofreisewagen zu der Fahrt, die heiter und glücklich von Statten ging. Dies war die letzte Reise in das gelobte Land der Kunst, das er nun, unter den günstigsten Umständen, zehn Mal in verschiedenen Richtungen durchzogen hatte. Dem Glücklichen wurde aber auch noch die Freude zu Theil, am 21. April 1840 sein 50jähriges Dienstjubiläum zu feiern, bei welchem Anlaß er vom König eigenhändig mit dem Ehrenkreuz des Ludwigsordens geschmückt wurde. Nachdem er indeß jetzt, hochbetagt, noch ein Mal, im Mai 1841, eine amtliche Commissionsreise über Neuburg nach Ansbach und Nürnberg und von da über Regensburg und Landshut nach München zurück unternommen hatte, von der er merklich geschwächt heimkehrte, konnte er sich seitdem nicht mehr völlig erholen. Zuletzt warf ihn eine schnell überhandnehmende Unterleibskrankheit aufs Lager, von dem er nicht wieder aufstand, und so starb er im Alter von 81 Jahren und 9 Monaten am 28. Sept. 1841.

[236] G. D. war ein bis zur Selbstaufopferung treuer Beamter von seltenster Thätigkeit und Ehrenhaftigkeit, dem baierischen Regentenhause in unwandelbarer Anhänglichkeit ergeben, um Ehre und Auszeichnung nicht buhlend, aber auf sein amtliches Ansehen haltend, der Tageskritik entschieden abgeneigt, ein erprobter Freund und ein Künstler von achtbarem Talent und Streben, der die Natur und wenige gleichgesinnte Meister zu Vorbildern für sein Studium nehmend, in anspruchsloser feiner Nachempfindung seine Eigenart zu wahren wußte. Er zeichnete, malte und radirte Landschaften, Bildnisse und Allegorien. Er ist meist glücklich in der Wahl seiner Vorwürfe; seine Behandlung ist leicht und frei, in den ausgeführteren Arbeiten aber bis zur Peinlichkeit sorgfältig, seine Auffassung sinnig. Die Färbung, seiner Gefühlsstimmung entsprechend, meist lichtvoll, wahr und harmonisch, ohne gesuchte, aufdringliche Effecte. Seine Bilder entsprachen seinem Charakter, und wie er im Leben Stille und Zurückgezogenheit, selbst in der Umgebung der großen Welt liebte, so auch in seinem künstlerischen Schaffen wie amtlichen Walten. D. war von Natur mit entschiedener Anlage zur bildenden Kunst ausgestattet, aber in reicherem Maße vielleicht zur empfindungsvollen Betrachtung und Insichaufnahme des Schönen in der Kunst, als zur freien selbständigen Wiedergabe und Schaffung desselben. Seine vielen Amtsgeschäfte, seine häufigen und meist langwierigen und anstrengenden Reisen, endlich seine kunstwissenschaftlichen Studien, denen er viele Zeit widmete, ließen ihn übrigens nur wenig zur Ausführung zumal größerer Gemälde in Oel kommen.

Wir besitzen verschiedene Bildnisse, die ihn darstellen. Er selbst hat sich in einer Silhouette in einer radirten Landschaft von c. 1788 angebracht. Das 1794 von M. Kellerhoven versuchsweise mit Wachsfarben ausgeführte Bildniß desselben scheint verschollen. Th. Mottenheimer lithographirte, wol nach eigener Aufnahme, sein Bildniß 1831 und 1883 ließ König Ludwig sein Bildniß durch Liberat Hundertpfund zu Augsburg in Oel malen, das nach Schleißheim kam und von J. W. Wölffle lithographirt wurde.

Seine hinterlassenen Werke bestehen in Handzeichnungen, Oelgemälden und Radirungen. – Die Handzeichnungen haben sich theils in einzelnen Blättern, theils in zahlreichen Skizzenbüchern erhalten. Von jenen gelangten nur wenige in die Hände seiner Freunde, eine größere Zahl kam in die Sammlung des Kronprinzen und nachmaligen Königs Ludwig, die meisten und vorzüglicheren nach seinem Tode in den Besitz seiner Familie. Sie sind theils mit Kreide, theils mit der Feder umrissen und braun oder schwarz angetuscht, zuweilen mit Weiß gehöht, oder in Farben, meist ganz oder theilweise gleich nach der Natur, gewöhnlich auf farbigem Papier ausgeführt. Verzeichnisse landschaftlicher Zeichnungen finden sich bei Maillinger, Bilder-Chronik I. 1278. 1282. 1288 (8 Z. unter 1 Nr.). 1788. 1789. 2333–63 (32 Stück, II. 229. – Halm’sche Handzeichnungssamml. Bd. IX. Nr. 94–100 (10 Stück); Supplement-Bd. Nr. 51. In sehr viel geringerer Zahl sind seine Bildnißzeichnungen auf uns gekommen, darunter die des Königs Ludwig I. als sechsjähriger Knabe in ganzer Gestalt, in Aquarell von 1792 (Maill. II. 519) und das Brustbild des Grafen Rumford in farbiger Kreide, aus der nämlichen Zeit (Maill. I. 1444). – Seine Oelgemälde fertigte D. zunächst für Freunde und Bekannte. Sie sind auf Holz, auf Leinewand oder auf Kupfer gemalt und meist die Frucht seiner Erholungszeiten, die er auf dem Lande bei Freunden und Verwandten zubrachte. Die Oelbildnisse, meist kleineren Formats, verrathen das Studium Rembrandt’s. Die Bildnisse des Oberfinanzdirectors Clemens Neumayer, des ehemaligen Landshuter Prof. Drechsel und des Oberforstraths Matthias Schilcher befinden sich bei der Familie des letzteren, die auch zwei seiner größten und vorzüglichsten Landschaftsbilder besitzt: der Wasserfall am Kesselberg und eine Ansicht von [237] Dietramszell, dem Schilcher’schen Gute. Auch die „Herbstliche Waldpartie“ in der Schleißheimer und die „Bergmühle“ in der Leuchtenberg’schen Gallerie, ferner zwei Landschaften im herzogl. Schlosse zu Tegernsee und die „Ohlstadter Mühle“ in der v. Heydeck’schen Sammlung (gemalt 1820) gehören zu seinen gelungensten Landschaftsbildern. Die neue Pinakothek enthält von ihm eine Ansicht von Grotta Ferrata mit der Bergstadt im Mittelgrunde, auf Holz, dann eine Ansicht von Tegernsee mit der Quirinscapelle auf Kupfer, die sich durch ihren duftig heitern, feinen Ton auszeichnet. Aus dem Nachlaß des jüngeren J. J. Dorner wurden 1853 zwei Landschaften von D. versteigert: eine idyllische mit weidendem Hornvieh und eine Felslandschaft mit Wasserfall. Seine Muster in der Landschaft waren anfangs A. v. Everdingen und Waterloo, später die beiden Ruysdael, Berghen und Fr. J. Beich. – Was die Radirungen betrifft, so läßt ihn Fr. Brulliot, wie bemerkt, schon 1771, als er noch nicht ganz 12 Jahre alt, aber bereits in München war, eine Radirung mit den Initialen G. D. fertigen. Das nächste, das Bildniß des Max de Comes, ist von 1783; die übrigen fallen in die Zeit bis 1806, wo D. in Paris zum letzten Mal die Nadel gebrauchte. Dem erwähnten Bildniß folgten noch einige weitere: sein Bruder Cantius (1786), Pfalzgraf Karl Ludwig August (1788), Pfalzgraf Pius Augustus (1789), sein Bruder Eustachius, den er zwei Mal radirte: 1792 („Der Mann mit der Pelzmütze“, von Andresen nicht erkannt) und um 1795 („Der Förster Eustachius“), endlich Schauspieler Baron Binder (nach J. J. Dorner d. ä.). Auch drei Genrestücke, nach Nicol. König (der sein Geld zählende Leiermann, das Mädchen mit der Tasse, die Alte mit der Brille – letztere beide Brustbilder –) und ein Versuch in Aquatintamanier (Amorbüste nach A. Carracci) finden sich unter seinen Radirungen, desgleichen 13 Vignetten, sehr artige Blättchen, zur Verzierung von Büchertexten; die übrigen sind Landschaften meist eigener Composition, einige nach andern Meistern (Everdingen, Berghen, F. Kobell). „Das kleine Jägerhaus“ (die elterliche Wohnung des Künstlers), dann zwei Blätter Waldgegenden und ein Dorf unter Bäumen versteckt, sämmtlich von 1793, ferner ein Wasserfall von 1801, endlich der große und kleine Isarsteg, beide von 1806, gehören, zumal das letztgenannte schön und malerisch behandelte Blatt, nicht nur zu den vorzüglichsten seiner eigenen Originalradirungen, sondern überhaupt zu den geschätztesten und seltensten Arbeiten dieser Art. Sein Werk besteht aus 52 Nummern und vielleicht darüber. Andresen, Die Maler-Radirer IV. S. 182 ff. zählt sie ohne systematische oder chronologische Ordnung von Nr. 1–52 auf und fügt ihnen als Nr. 53 die Lithographie bei. Doch ist Nr. 39 (die hölzerne Brücke am Canal) wahrscheinlich von Cantius D., das Aquatintablatt Nr. 51 (der Fischer im Kahn) wahrscheinlich von J. J. Dorner d. j. und das Aquatintablatt Nr. 48 (die Häuser am Wasser) als echt zu bezweifeln. An ihre Stelle treten drei von Andresen nicht gekannte Blätter (Maill. I. 2389–91). Ueber das Vorhandensein weiterer von Nagler und Anderen aufgeführter Blätter ist noch zu entscheiden. Die einzige von D. gefertigte, mit G. v. D. bezeichnete Lithographie, „Der Gebirgsstrom“ von 1817, zählt zu den größten Seltenheiten.

Lipowsky, Baier. Künstlerlex. 1810, Bd. I. S. 50 u. 222; II. S. 221 f. – A. v. Schaden, Artistisches München im J. 1835. 1836 (nach autobiograph. Mittheilungen S. 16 ff.) – Biograph. Skizze (von B. Speth) im Bericht des Kunstvereins zu München für 1841, München 1842. S. 100 ff. – Erinnerungen an Joh. G. v. Dillis (von B. Speth), München 1844. – Andr. Andresen, Die deutschen Maler-Radirer IV, Leipzig 1870. S. 137–200 (genauer Abdruck der vorigen Schrift nebst einem Verzeichniß der radirten Arbeiten des G. v. D.).