ADB:Stoerck, Anton Freiherr von

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Artikel „Stoerck, Anton Freiherr von“ von Julius Pagel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 36 (1893), S. 446–447, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Stoerck,_Anton_Freiherr_von&oldid=- (Version vom 25. April 2019, 08:28 Uhr UTC)
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Stoerck: Anton Freiherr v. St., Arzt, wurde am 21. Februar 1731 als Sohn eines Schmieds zu Sulzau im vorderösterreichischen Schwaben geboren. Er kam frühzeitig nach Wien, wurde als Waise im Armenhause erzogen, studirte an der Wiener Universität Medicin und erlangte hier 1757 unter van Swieten die Doctorwürde mit der Abhandlung „De conceptu, partu naturali, difficili et praeternaturali“. Bald darauf wurde er de Haën’s Assistent und im folgenden Jahre übernahm er die ärztliche Besorgung des Parzmayr’schen Hospitals, wie man damals das Bäckenhäusel nannte (ursprünglich Versorgungsanstalt für alte, gebrechliche Mitglieder der Bäckerzunft, seit 1656 Unterkunftsstätte für verarmte Wiener Bürger), nachdem die Pfleglinge des ehemaligen Parzmayr’schen Hauses am Tiefen Graben, welches als Stadtkrankenhaus verwendet wurde, dahin versetzt worden waren. 1760 wurde St. zum k. k. Hof- und Leibmedicus ernannt und hatte als solcher einzelne Mitglieder der kaiserlichen Familie auf Reisen zu begleiten; 1766 erhielt er die Würde eines Decans der medicinischen Facultät, 1768 diejenige eines Rectors der Universität. Zur Erleichterung des mit Geschäften überbürdeten van Swieten wurde St. 1771 ferner zum Assessor bei der k. k. Studien- und Bücherrevisions-Hofcommission, nicht lange danach zum 2. Präses, Director der medicinischen Facultät und des medicinischen Studiums an der Wiener Hochschule, in demselben Jahre außerdem noch zum Protomedicus und 1772 zum 1. Leibarzt mit dem Hofrathstitel ernannt, 1775 wurde er in den österreichischen Freiherrnstand erhoben und 1777 in den niederösterreichischen Herrenstand aufgenommen. St., der am 11. Februar 1803 starb, verdankte seine rasche Carrière zum großen Theile der bemerkenswerthen litterarischen Thätigkeit, die er auf einem bisher nur wenig bearbeiteten Gebiete entfaltete, nämlich dem der experimentellen Erforschung der Wirkungen der Arzneistoffe. Indem er erkannte, daß „die Kluft zwischen der medicinischen Theorie und Praxis durch die Pharmacodynamik überbrückt werden müsse, faßte er das große Ziel ins Auge, die Arzneiverordnungslehre aus einer empirischen Kunst in eine nach bestimmten Gesetzen geordnete Wissenschaft umzuwandeln“. Er experimentirte mit dem Schierling, dem Stechapfel, Bilsenkraut, Eisenhut, der Herbstzeitlose, Waldrebe u. v. a., indem er zunächst die betreffenden Medicamente bei Thieren anwandte und dann durch Versuche an sich selbst die physiologische Wirkung, d. h. die am gesunden Organismus statthabende feststellte, um dann erst die passende Anwendung am Krankenbett folgen zu lassen. Daß er hierbei nicht zu ganz richtigen und nur mangelhaften Resultaten gelangte, lag daran, daß er es nicht verstand aus den Untersuchungsergebnissen die richtigen Schlüsse zu ziehen. Die Titel einiger hierauf bezüglichen Schriften sind: „Libellus quo [447] demonstratur, cicutam non solum usu interno tutissime exhiberi etc.“ (wien 1760–1761; deutsch: 1774; französisch: 1771); „Libellus quo demonstratur: Stramonium, Hyoscyamum, Acconitum non solum tuto posse exhiberi etc.“ (Ebd. 1762, 1776; deutsch von G. Neuhofer, Augsburg 1763; 2. Uebersetzung: Zürich 1763; französisch: Paris 1763); „Libellus quo demonstratur: Colchici autumnalis radicem non soulm tuto posse exhiberi hominibus etc.“ (Ebd. 1773); „Libellus quo demonstratur: Herbam veteribus dictam flammulam Jovis posse tuto et magna cum utilitate exhiberi aegrotantibus“ (1769, deutsch von S. Schintz). Außerdem verfaßte St. u. a. noch: „Medicinisch-praktischer Unterricht für die Feld- und Landwundärzte der österreichischen Staaten“ (2 Thle., 1776; 1786; 1789; lateinisch von J. M. Schosulan, 1776; 1791); „Abhandlung von der Einpfropfung der Kinderblattern“ (1771; französisch 1778) und gab zusammen mit Schosulan und Jacquin 1794 die „Pharmacopoea Austriaco-provincialis emendata“ heraus. – Auch als energischer Reformator des österreichischen Medicinal- und Unterrichtswesens machte sich St. speciell in seiner Eigenschaft als Oberdirector des allgemeinen Krankenhauses und Präsident des gesammten medicinischen Studiums verdient. Ihm ist u. a. auch die Wahl Stoll’s als Leiters der medicinischen Universitätsklinik zu verdanken.

Vgl. Puschmann, Die Medicin in Wien während der letzten 100 Jahre (Wien 1884) an verschiedenen Stellen. – Biogr. Lexikon hervorr. Aerzte, herausg. von A. Hirsch und E. Gurlt V, 546.