ADB:Stumpf, Johann Georg

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Artikel „Stumpf, Johann Georg“ von Carl Leisewitz in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 36 (1893), S. 754–755, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Stumpf,_Johann_Georg&oldid=- (Version vom 17. Juli 2019, 19:17 Uhr UTC)
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Stumpf: Johann Georg St., katholischer Theologe und Karthäusermönch, später Professor der Oekonomie und Statistik in Jena und Greifswald, Mitglied mehrerer ökonomischen und gelehrten Gesellschaften, † am 30. Mai 1798. Er war am 1. Januar 1750 zu Würzburg geboren und wurde durch seinen als Kammerdiener bei dem dortigen Weihbischof bediensteten Vater zu einem Berufe im Dienste der Kirche bestimmt. Zur Wahrung dieses väterlichen Wunsches kam er schon früh in die Jesuitenschule, wo er solche Fortschritte machte, daß er noch vor Vollendung des 17. Lebensjahres zum Magister der Philosophie und zum Candidaten des Jesuitenordens ernannt werden konnte. Nachdem er die nächsten vier Jahre dem theologischen Studium gewidmet hatte, entschloß er sich aus Neigung zur Zurückgezogenheit, Mönch zu werden, und ließ sich im J. 1771 als Ordensbruder in der Karthause zu Erfurt aufnehmen. Obwohl er bereits nach vier Jahren in Anbetracht seiner weitgediehenen Studien und seines diensteifrigen Verhaltens zum Ordensvicar befördert und dadurch mit freieren Befugnissen ausgestattet war, so konnte ihm doch das nach den Ordensregeln eingeengte Leben keine Befriedigung auf die Dauer gewähren. Seine Abneigung gegen das geistlose Treiben der Conventualen wurde so mächtig, daß er auf Befreiung aus den Banden des Ordens sann und im Einverständniß mit mehreren Freunden geistlichen und weltlichen Standes den Entschluß zur Flucht fassen mochte. Nach mehreren vereitelten Versuchen konnte endlich im Juli 1781 unter dem Beistande vertrauter Freunde seine Flucht bewirkt und ein sicheres Asyl für ihn auf kursächsischem Boden gewonnen werden. Der weiteren Fürsorge von jener Seite verdankte er bald eine Verwendung als Lehrer am Philanthropin in Dessau, wo er etwa zwei Jahre hindurch hauptsächlich Unterricht in der lateinischen Sprache ertheilte. Während dieser Zeit fand er auch Gelegenheit, einer lebhaft empfundenen Neigung zur Oekonomie Folge zu geben, indem er sich nebenbei mit dem Studium ökonomischer Schriften, sowie mit Gartenbau und Bienenzucht beschäftigte und auch Belehrung im Feldbau bei dem Oberamtmann Holzhausen im benachbarten Orte Gröbzig suchte. Dort wurde sein Interesse für die wirthschaftliche Thätigkeit bald so weit gesteigert, daß er im Herbste 1783 seine Lehrstelle aufgab und sich ganz der Oekonomie widmete, was ihm theils unter Holzhausen’s Leitung, theils im Verkehr mit anderen Landwirthen von Distinction erleichtert wurde. Durch Hofrath Schubart von Kleefeld, bei dem er ebenfalls [755] Belehrung gesucht hatte; sah er sich sodann veranlaßt, einer Aufforderung des Fürsten von Fürstenberg in Böhmen zu folgen, um aus dessen Gütern wirthschaftliche Verbesserungen nach Schubart’s Methode einzuführen; Nach drei Jahren von dort zurückgekehrt, ohne in der organisatorischen Function Befriedigung gefunden zu haben, versuchte er es zunächst mit der Bewirthschaftung eines erkauften Gutes, mußte aber wegen Unzulänglichkeit seiner Mittel bald wieder davon abtreten und zog im Herbste 1788 nach Jena, wo er anfänglich sich mit Privatunterricht und mit schriftstellerischen Arbeiten beschäftigte. Auf Grund seiner inzwischen erfolgten Ernennung zum Professor der Oekonomie befaßte er sich später auch mit einer Lehrthätigkeit an der Universität und verfolgte dabei den Plan, ein landwirthschaftliches Institut unter Mitwirkung der städtischen Verwaltung ins Leben zu rufen. Seine dortige Wirksamkeit führte indeß, abgesehen von einigen litterarischen Leistungen, in keiner Richtung zu Erfolgen, da er wohl verschiedene Mißgriffe begangen und in studentischen Kreisen kein Interesse für seine ökonomisch-cameralistischen Lehren gefunden haben mochte. Aus dieser mißlichen Lage befreite ihn im Herbst 1794 ein von der Universität Greifswald erhaltener Ruf zur Uebernahme einer Professur für Cameralwissenschaft und Statistik. Hiermit waren ihm schärfer abgegrenzte Aufgaben gestellt, an deren Lösung er vielleicht mit besserem Erfolge gearbeitet haben würde, wenn nicht der Tod seinem Wirken bald ein Ziel gesetzt hätte.

Vgl. Schlichtegroll, Nekrolog der Deutschen, Jahrg. 1798.