ADB:Stutterheim, Joachim Friedrich von

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Artikel „Stutterheim, Joachim Friedrich von“ von Bernhard von Poten in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 37 (1894), S. 74–75, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Stutterheim,_Joachim_Friedrich_von&oldid=- (Version vom 12. Dezember 2019, 03:13 Uhr UTC)
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Stutterheim: Joachim Friedrich v. St. („Alt-Stutterheim“), königlich preußischer Generallieutenant, ward am 2. November 1715 zu Sellendorf in der Niederlausitz geboren. Hier sah ihn zufällig König Friedrich Wilhelm I. von Preußen als er im Winter 1728 nach Dresden reiste. Der Knabe gefiel ihm und da der Vater, welcher kursächsischer Capitänlieutenant gewesen war und jetzt als Gutsbesitzer lebte, einverstanden war, ward St. 1729 in das Berliner Cadettencorps aufgenommen, aus welchem er 1732 als Fahnenjunker zum Infanterieregimente v. Kröcher (Nr. 18) kam; 1735 wurde er Fähnrich und 1739 Secondlieutenant. Als solcher zog er in den 1. schlesischen Krieg und that sich schon vor der Schlacht von Molwitz bei einem scharfen Commando so hervor, daß der König, welcher damals jede Gelegenheit benutzte den Ehrgeiz seiner Officiere anzuspornen, ihm den Orden pour le mérite, eine Domherrnstelle zu Cammin und eine Compagnie beim Infanterieregimente La Motte (Nr. 17) gab. St. focht dann tapfer in den Kämpfen bei Chotusitz, Hohenfriedberg und Soor, wurde in letzterer Schlacht verwundet, ward 1747 zum Major befördert, war als solcher bei Lowositz, that sich hier von neuem so hervor, daß ihm der König eine außerordentliche Pension von jährlich 500 Thalern verlieh, erhielt im Mai 1757 als Oberstlieutenant das Commando des Regiments, focht in diesem Jahre, in welchem er Oberst wurde, bei Prag, Kolin und Breslau, im nächsten bei Hochkirch, ward am 1. Januar 1759 Generalmajor und erhielt ein eigenes Infanterieregiment, bisher Karnacker (Nr. 30), dann Alt-Stutterheim (Nr. 30) [75] geheißen. Er kam jetzt zur Armee des Prinzen Heinrich; am 13. Sept. 1759 meldete dieser von Görlitz aus, daß St. zu Friedland ein feindliches Magazin verbrannt und 700 Gefangene gemacht habe. 1760 war dieser bei den Schlachten von Liegnitz und von Torgau zugegen, die letztere leitete er durch den Angriff einer von ihm geführten Grenadierbrigade ein, wurde aber hierbei verwundet und außer Gefecht gesetzt. 1761 befand er sich wieder bei der Armee des Prinzen Heinrich, welcher ihn mit 1600 Mann entsandte um die Mark gegen einen Einfall der Schweden zu schützen. Auch den letzten Feldzug, den vom Jahre 1762, machte er unter Prinz Heinrich mit; bei dem Schlußacte, der am 29. October gelieferten Schlacht bei Freiberg, befehligte er den linken Flügel der angreifenden Linie. Der Dank seines Kriegsherrn für den Antheil Stutterheim’s am Siege war die Verleihung eines Kanonikats am Sanct Nicolaistifte zu Magdeburg; der König wie Prinz Heinrich bewahrten ihm bis zu seinem Lebensende ihre Gunst und das Gedächtniß seiner Tapferkeit. Als der Friede geschlossen war sandte der König St. als Inspecteur der ostpreußischen Infanterie nach Königsberg. Es war ein Vertrauensposten. Truppentheile, welche von älteren Generalen befehligt wurden, waren seinen Besichtigungen unterworfen. 1768 erhielt er, nachdem er am 24. August 1767 Generallieutenant geworden war, den Schwarzen Adlerorden und ein anderes Regiment, das Infanterieregiment v. Kanitz (Nr. 2), auch wurde er Gouverneur von Königsberg, Pillau und Memel. Im Bairischen Erbfolgekriege stand er bei der Armee des Könige an der Spitze eines abgesonderten Corps in Oberschlesien, am 16. August 1778 nahm er Troppau ein. Er starb am 26. August 1783 zu Königsberg i. Pr.; noch am 30. Juli schrieb ihm der König, welchem er angezeigt hatte, daß wenig Hoffnung auf Erhaltung seines Lebens vorhanden sei, einen theilnehmenden Brief und versicherte ihm, daß er seine treuen und ersprießlichen Dienste nie vergessen werde und daß er ihn bei Unvermögen zu ferneren Diensten nie versäumen noch weniger verstoßen werde. Mit Stutterheim’s Friedensleistungen war der König nach dem siebenjährigen Kriege nicht immer zufrieden gewesen. Wenn er dies bei den Musterungen geäußert hatte, so erinnerte er sich hinterher der guten Dienste, welche jener im Felde geleistet hatte und gab ihm seine Dankbarkeit für dieselben durch Geschenke und Aufmerksamkeiten zu erkennen (Militär-Wochenblatt Nr. 8, Berlin 1868). Stutterheim’s Name ist am Denkmale Friedrich’s des Großen unter den Linden in Berlin angebracht.

Genealogisch-militärischer Kalender. Berlin 1789. – A. C. von der Oelsnitz, Geschichte des königlich Preußischen Ersten Infanterie-Regiments. Berlin 1855. – F. Mebes, Beiträge zur Geschichte des Brandenburg-Preußischen Staates und Heeres, 1. Band, Berlin 1861.