ADB:Suckow, Friedrich Joachim Philipp von

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Suckow, Friedrich Joachim Philipp von“ von Adolf Häckermann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 37 (1894), S. 110–111, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Suckow,_Friedrich_Joachim_Philipp_von&oldid=- (Version vom 11. Dezember 2019, 22:02 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Suckow, Emma von
Nächster>>>
Suckow, Karl von
Band 37 (1894), S. 110–111 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Friedrich von Suckow in der Wikipedia
GND-Nummer 115342087
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|37|110|111|Suckow, Friedrich Joachim Philipp von|Adolf Häckermann|ADB:Suckow, Friedrich Joachim Philipp von}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=115342087}}    

Suckow: Friedrich Joachim Philipp v. S., als Dichter wie Erzähler, insbesondere als Begründer und vieljähriger Redacteur der „Sundine“ bekannt, ward geboren am 26. September 1789 auf dem Gute Goldberg bei Neu-Buckow in Mecklenburg-Schwerin als Sohn des Oberforstmeisters v. S. und starb am 10. Januar 1854 zu Wernigerode. Anfangs mit seinen Geschwistern in einer Pensionsanstalt zu Barth erzogen besuchte er sodann mit dem älteren Bruder die Schule zu Schwerin, später noch allein die zu Wismar. Früh für den Soldatenstand eingenommen trat er mit Bewilligung des Vaters schon im 14. Jahre als Fahnenjunker in das zu Berlin garnisonirende Regiment v. Möllendorff, machte als Fähnrich den unglücklichen Feldzug von 1806 mit, kehrte jedoch nach der Capitulation bei Prenzlau zu seinem damals in Wismar lebenden Vater zurück. Zur Vervollständigung seiner Kenntnisse besuchte er aufs neue die Schule daselbst, folgte dann aber dem Beispiele seines älteren Bruders Karl (s. u.), welcher im Mai 1808 königlich württembergische Dienste nahm und machte als Lieutenant bei der Garde zu Fuß im J. 1809 den Feldzug in Vorarlberg gegen die Tiroler mit. Drei Jahre darauf vertauschte er den württembergischen mit dem badischen Militärdienst und zog als Lieutenant bei dem Leib-Infanterieregiment mit nach Rußland. Glücklich heimgekehrt trat er beim Ausbruch der Freiheitskriege als begeisterter Kämpfer in das neuerrichtete Reiche’sche Jägerbataillon, rückte bald zum Officier auf und wohnte vielen Gefechten der nachfolgenden Kriegsjahre besonders in Mecklenburg und in Holland bei, woselbst er sich vielfach hervorthat, so das er die Anwartschaft auf das später erhaltene eiserne Kreuz erwarb und zum Premierlieutenant avancirte. Im J. 1815 war er eine Zeit lang Commandant von Andernach gab jedoch bald darauf eines Augenleidens wegen die militärische Laufbahn auf, diente bis 1826 vornehmlich in Hinterpommern als Gensdarmerielieutenant, ward wegen Kränklichkeit aus dem Dienste entlassen und mit Wartegeld pensionirt. Im Spätsommer 1827 wählte er Stralsund zum Aufenthaltsort und lebte daselbst litterarisch thätig mit kurzer Unterbrechung bis zum J. 1844. Hier begründete er sogleich nach seiner Ansiedelung mit dem bekannten Dichter Karl Lappe die Wochenschrift „Sundine“, zu welcher er selber als Hauptredacteur zahlreiche sowol poetische wie prosaische Beiträge lieferie und gab auf diese Art der Stadt Stralsund und dem Lande Pommern und Rügen für seine geistigen Bedürfnisse und Interessen ein litterarisches Organ, welches jüngeren und aufstrebenden Kräften mit größter Liberalität eröffnet ward. Außer unterhaltenden und belehrenden Artikeln gab die Sundine eine fortlaufende Chronik aller für Neuvorpommern und Rügen wichtigen Ereignisse und besprach provinzielle und städtische Angelegenheiten. Die Gründung eines neuen Schauspielhauses in Stralsund, die Kunststraße von dort nach Greifswald, der Neu- und Vorpommersche Kunstverein, die Belebung des Schiffsbaues und manche andere Einrichtungen wurden in der Sundine angeregt und gefördert. Dem neugeschaffenen Berufe gemäß lebte er gesellschaftlich zurückgezogen unermüdlich mit der Redaction und schriftstellerischer Production beschäftigt, mit bescheidenen Ansprüchen, wenn auch infolge seiner publicistischen Thätigkeit nicht unangefochten, so das ihm ein Preßproceß drohte. Um jene Zeit entschloß er sich nach Griechenland zu gehen, für welches Land als Wiege aller höheren Geistescultur er stets eine [111] warme Begeisterung im Herzen getragen, schied aus der Redaction seines Blattes und begab sich im Mai 1833 von Berlin, woselbst ihm der geforderte Abschied erst nach abgemachter Untersuchung zu theil werden sollte, über München als Philhellene nach Griechenland. Nach einjährigem Aufenthalte daselbst kehrte er, von den preußischen Behörden als Deserteur angesehen und genöthigt sich zur Untersuchung zu stellen, zurück, ward durch kriegsgerichtlichen Spruch zu einjähriger Festungshaft verurtheilt und trat dieselbe Ende 1834 im Fort Preußen bei Stettin an, ward jedoch nach einem halben Jahre durch königliche Gnade entlassen. Sodann lebte er, der früheren litterarischen Thätigkeit zurückgegeben in Stralsund, bis ihn seine zunehmende Kränklichkeit zwang, derselben zu entsagen und seinen dauernden Aufenthalt in einem milden Klima zu suchen. Er siedelte nach Wernigerode über, wo er, nachdem er in Nizza vergebens Heilung gesucht hatte, am 13. Jan. 1854 seinem Leiden erlag. Sein frühestes poetisches Werk führt den Titel „Nachklang der Waffen“ (1816), zehn Jahre später erschienen „Harfenlieder“; zur 25-jährigen Jubelfeier der Leipziger Schlacht gab er unter dem Titel „Die Fahnenlieder der alten Zeit“ ein militärisches Liederbüchlein mit beigefügter Melodieensammlung heraus (1838). Unter seinen Beiträgen zur Sundine heben wir als besonders original und interessant hervor: „Winterliche Reisebilder“ (1831); die „Septemberfliegen“ (1837); die aus Dichtung und Wahrheit zusammengesetzte Erzählung „Maria Flint“ (1838/39); seine Schilderungen Griechenlands „Aus dem Tagebuche eines griechischen Jägers“ (1833–36); die „Seebilder“ (1835); „Blätter aus dem Tagebuche eines griechischen Jägers“ (1836–37). Als selbständige Schrift erschien: „Fortgesetzte Blätter“ u. s. w. (1837). Dem litterarisch-geselligen Vereine gehörte er seit 1836 an und trug wiederholt in Poesie und Prosa vor.

Zober, Berichte des literarisch-geselligen Vereins zu Stralsund IX, 39 bis 47. – F. v. Suckow’s Tagebücher aus der Zeit von 1837–1852 befinden sich jetzt in der Fürstl. Stolbergschen Bibliothek zu Wernigerode.