ADB:Tapper, Ruard

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Artikel „Tapper, Ruard“ von Jacob Cornelis van Slee in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 37 (1894), S. 396, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Tapper,_Ruard&oldid=- (Version vom 24. August 2019, 01:00 Uhr UTC)
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Tapper: Ruard T. hat sich im 16. Jahrhundert als grausamer Inquisitor einen besonders üblen Namen in den Niederlanden erworben. 1488 zu Enkhusen in Nordholland geboren, studirte er zu Löwen Theologie und Philosophie. Dort erhielt er 1520 eine Professur und ward daselbst 1525 Decan der St. Petrikirche und nachher Kanzler der Löwener Universität. Schon um 1522 war ihm mit Franciscus van der Hulst und Franciscus Sonnius die Inquisition wider die Anhänger der Reformation von Kaiser Karl V. übertragen. Sein blinder Fanatismus und seine schlaue Beredsamkeit eigneten sich besonders zu diesem gehässigen Amte. So trat er denn in Brabant und Holland der Reformation mit allem Eifer entgegen. Mehrere Ketzer, wie der bekannte Johann Prätorius aus Woerden (1525) und der hochbejahrte Pastor zu Heenvliet, Angelus Merula (1557), dankten ihm ihre Verhaftung und ihre Hinrichtung, nachdem er umsonst versucht hatte, sie durch subtile Disputationen aus den Kirchenvätern und der kirchlichen Tradition zum Widerruf zu bewegen. Weit über ein Vierteljahrhundert stand er daher in hohem Ansehen beim Kaiser Karl, welcher ihn auch 1551 als Vertheidiger des alten Glaubens zum Tridentiner Concil abordnete. Nach der Heimkehr wurde er aber selbst des Pelagianismus verdächtigt, als er als Gegner des Michael Bajus aufgetreten war, welcher die rein Augustinischen Glaubensansichten in der Kirche zur Geltung bringen wollte. Bald nach dem Tode Karl’s V. sank sein hohes Ansehen bei Hofe, indem der stolze Philipp II. Tapper’s priesterliche Anmaßungen nicht dulden wollte und ihn, den er nach Brüssel zu sich entboten hatte, mit kalter Zurücksetzung empfing. T. ward aus Verdruß darüber vom Schlag getroffen und starb am 2. März 1559. T. war ein durchaus gelehrter Mann, welchem es nicht an Scharfsinn und kirchlich-theologischer Bildung fehlte, wie er in mehreren, der Bekämpfung der Reformation gewidmeten Schriften zeigte. Zu Löwen erschienen 1555 in zwei Bänden seine „Explicationes in articulos circa ecclesiastica dogmata, hoc seculo controversa, a facultate theologica Academiae Lovaniensis Caroli V imperatoris jussu collectos“. Seine „Orationes theologicae una cum corollario de veris calamitatum Belgii causis atque remediis“ sind 1577 und seine „Opera omnia“ in Folio 1582 zu Köln herausgegeben. Einige Sätze in seinen Schriften wurden im spanischen und portugiesischen Index beanstandet. Kurz nach seinem Tode verfaßte Heinrich Geldorp (s. A. D. B. VIII, 533) anonym eine beißend scharfe Satire auf ihn, die „Apotheosis clari theologi D. Ruardi Tappart Enchusiani, haereticae pravitatis primarii et generalis Inquisitoris, Cancellarii Lovaniensis, Gratiano Vero, theologiae Baccalaureo auctore“, in Form einer Unterredung Tappers mit St. Peter, einem Genius, dem Cerberus und einem Chor, welche mit der Verweigerung seiner Aufnahme in den Himmel endet.

Vgl. Bayle, Diction. – Glasius, Godgel. Ned. – van der Aa, Biogr. Woordb. und Moll, Angelus Merula Bl. 81, 85, 106, 181 u. s. w. – Annales de l’Univ. de Louvain 1841, p. 178; 1854, 178. – Reusch, Index III, 269, 574.