ADB:Geldorp, Heinrich

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Artikel „Geldorp, Heinrich“ von Carl Krafft in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 8 (1878), S. 533, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Geldorp,_Heinrich&oldid=- (Version vom 21. Juli 2019, 00:46 Uhr UTC)
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Geldorp: Heinrich G. (sein Familienname ist Castritius), ein niederländischer Schulmann aus Geldorp, welchen die reformatorischen Bewegungen in den Niederlanden nach Deutschland getrieben haben. Wir finden ihn als Rector der Schule zu Sneek in Friesland, später in gleicher Eigenschaft zu Delft, wo er Gegenstand inquisitorischer Verfolgung, insbesondere durch den bekannten Ruard Tapper von Enchusen wurde. Es waren besonders kleine satirische Schriften Geldorp’s, welche Anlaß zu diesen Verfolgungen gaben und den Verfasser nöthigten, sich durch Flucht denselben zu entziehen. Nachdem er sich durch eine pseudonyme Schrift an Tapper gerächt hatte, kam er als Rector nach Duisburg am Rhein, wo man unter Mitwirkung des berühmten Kosmographen Gerhard Mercator 1559 ein Gymnasium gründete. Die Eröffnung erfolgte laut der Duisburger Stadtrechnung am 18. Oct. d. J., an welchem Tage „dem rectori Geldorpio als er die lectiones angefangen und seine oration gethan hatte, mit 8 Quart Weins verehret“ wurde. Allein G. konnte sich mit einem seiner Lehrer, dem aus Bremen nach Duisburg berufenen niederländischen Landsmann Johann Molanus nicht vertragen, weshalb er nach zweijähriger Wirksamkeit seiner Stelle enthoben wurde. Er setzte seine Thätigkeit jedoch in Duisburg und anderen benachbarten Orten durch Errichtung einer gelehrten Privatschule fort. Ein für ihn als ausgezeichneten Lehrer begeisterter Schüler ist der als Schriftsteller nicht unbekannte Westfale Heinrich v. Hövel, der ihm in dem (noch ungedruckten ) „Speculum Westphaliae“ ein Denkmal seiner Dankbarkeit setzt. Ein Gönner und Beschützer Geldorp’s war auch der berühmte Graf Hermann von Nuenar zu Meurs. Er blieb außerdem mit gelehrten und angesehenen Niederländern in Verbindung, wie z. B. mit Philipp Marnix, Janus Dousa, Joachim Hoppers, Eberhard Reidanus etc. Im J. 1578 besuchte ihn der nachmals berühmt gewordene ostfriesische Geschichtschreiber Ubbo Emmius. Im J. 1582 sollte er als Professor nach Leiden berufen werden, was sich aber zerschlug. Er kehrte übrigens nach Westfriesland zurück, wo er nach dem Zeugnisse seines Schülers Hövel im J. 1585 verstorben ist. Die von den belgischen Biographen Sweertius und Andreä verzeichneten Schulschriften (z. B. „Institutio rei literariae in Schola Delfensi“, Antverp. 1556; „Nomothesia, sive de Legum latione ad constituendum vitas moresque studiorum ad S. P. Q. Duysburgensem“, 1561. 4. „De institutione Scholarum ex monasticis opibus facienda“ (an den Grafen von Nuenar) etc., sowie seine meist satirisch gehaltenen und anonym erschienenen lateinischen Gedichte sind verschollen. Ein Sohn Geldorp’s, Onias G., studirte 1577 zu Genf (? „Onias Flansemus Frisius“ im livre du Recteur, catalogue des Etudiants de l’Academie de Genève, 1860, S. 22), wurde später Doctor der Rechte.

Henricus ab Hoevel, Speculum Westphaliae (handschriftl. zu Münster). Gabbema, Illustrium et clarorum virorum epistolae. Editio altera, Harlingae 1669, wo im Anhange Briefe von und an G. Reitsma, Honderd jaren uit de geschiedenis der Hervorming en de Hervormde Kerk in Friesland. Leeuwarden 1876. Briefe des Joh. Molanus im Stadtarchiv zu Bremen. Köhnen im Progr. des Duisburger Gymnasiums 1860, S. 14 ff. Köhnen, Rede z. 300jähr. Jubelfeier d. Gymn. zu Duisburg 1859, S. 3 f.