ADB:Geldorp, Gortzius

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Artikel „Geldorp Gortzius“ von Wilhelm Schmidt (Kunsthistoriker) in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 8 (1878), S. 531–533, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Geldorp,_Gortzius&oldid=- (Version vom 25. Juni 2019, 22:26 Uhr UTC)
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Geldorp Gortzius, Maler, war nach van Mander, der ihn Gualdrop Gortzius nennt, geboren zu Löwen in Brabant im J. 1553. Nach dem Bericht desselben Schriftstellers kam G. in seinem 17. oder 18. Jahre nach Antwerpen in die Malergilde zu Franz Francken dem Aelteren, sodann zu dem Porträtmaler Frans Pourbus, der damals eines großen Namens sich erfreute. Auch G. kam in Ruf, und der Herzog von Terranova nahm ihn in seine Dienste. [532] Als derselbe im J. 1579 wegen Friedensunterhandlungen nach Köln kam, begleitete ihn unser Maler und seitdem blieb der letztere bis an seinen 1616 oder 1618 erfolgten Tod daselbst ansässig. G. war hauptsächlich Bildnißmaler, doch malte er auch historische Vorwürfe; so erwähnt van Mander einer Diana, einer Susanna, eines Evangelisten, der Geschichte von Esther und Ahasverus, zweier Brustbilder von Christus und Maria. Die beiden letzteren, wie eine Susanna (vielleicht nach dem bei van Mander erwähnten Bilde), die vier Evangelisten, eine Verkündigung Mariä, eine Magdalena und andere Blätter wurden von dem bekannten Crispiaen de Pas in Kupfer gestochen, andere Blätter führte P. Isselburg aus. Die Historien von G., die ohnedem einen mehr oder weniger porträtartigen Charakter haben, sind in der Weise der niederländischen Manieristen gehalten. Durchaus erfreulich jedoch ist G. in seinen Bildnissen; dieselben sind von Affectation frei, treu nach der Natur ausgeführt und zeichnen sich durch eine angenehme Farbe und gewissenhafte Zeichnung aus. Von der sprühenden Manier, welche die späteren Niederländer kennzeichnet, haben sie noch nichts, sie erinnern noch an die Bildnisse eines A. Moro, Fr. Pourbus und anderer Meister des 16. Jahrhunderts. Besonders häufig sind sie in Köln, doch kommen auch anderwärts (so in der Pinakothek zu München und in der kaiserlichen Gallerie zu Wien) Werke von ihm vor. Sein Zeichen war ein verschlungenes GG. mit beigefügtem F. (d. h. fecit).

Melchior G., Maler, zu Köln wohnhaft, ist vermuthlich als Sohn des Obigen zu betrachten. Wenigstens malte er in dessen Stil Bildnisse, die jedoch den Alten nicht erreichen. Merlo in seinen Nachrichten von dem Leben und den Werken kölnischer Künstler führt Bilder zwischen 1615 und 1637 von ihm auf. Hier ist übrigens zu bemerken, daß Merlo die Monogramme mit einander vertauscht hat und in seiner hinten angefügten Tafel die des Gortzius dem Melchior und umgekehrt gibt – ohne Zweifel in Folge eines bloßen Irrthums der Feder. A. Hogenberg stach nach Melchior das Reiterbildniß von Wolfgang Wilhelm, Pfalzgrafen bei Rhein und Herzog von Baiern.

Georg G., Maler, wahrscheinlich ebenfalls ein Sohn des Gortzius G., kommt im Antwerpener Liggere (Malerzunftbuch) von 1610–23 vor. 1636 kam er auf der Durchreise von Köln nach London, wo or vielleicht schon früher sich aufgehalten, durch Antwerpen und bestellte für einen „Freund in Köln“ (der Name ist leider unbekannt geblieben) bei Rubens die große und berühmte Kreuzigung Petri, die sich in der St. Peterskirche daselbst befindet. Georg blieb noch in den J. 1637 und 38 mit Rubens in Verhandlung über das Bild. Sehr sonderbar ist, was Sandrart (Teutsche Malerakademie) von G. berichtet; wir setzen den Passus hierher: „G. war ein guter Contrafäter zu Londen, allwo er sehr viel Lebens-große Angesichter und wolgleichende Contrafäte gemahlt: Hingegen war er ein so schlechter Zeichner, daß ihme fast unmöglich gefallen, ein Angesicht von freyer Hand auf das Tuch oder Papier zu bringen: Diesem Ubel vorzubiegen, hatte er 6 oder 8 wolgestellte Angesichter von einem andern Meister auf Papir, so mit Nadeln durchstochen waren: Von diesen suchte er Dasjenige, so sich zum bästen auf das unter Handen habende schickte, aus, durchbauschte selbiges mit geschabener Kreide auf sein Tuch und formirte sodann nach demselben sein Contrafät. Gleichwol brachte er bey so überaus schlechter Zeichen-Kunst gar ähnliche Contrafäte zuwegen und sich selbsten darmit wol hin“. Nach Walpole besaß G. in Drury-Lane ein prachtvolles Haus mit Garten, wo die Vornehmen zusammen zu kommen und Kabalen zu schmieden pflegten. Seiner Landsleute, die nach England kamen, nahm er sich an, und selbst A. van Dyck wohnte eine Zeit lang bei ihm. Auch gehörte er zu den Aufsehern der königl. Gemäldesammlung. Im J. 1653 bezog er ein Haus in der Archer-street. [533] Georg G. und G. Gortzius sind öfter mit einander verwechselt worden. Nach Georg G. stach der in London lebende R. van Voerst die Bildnisse von J. Stewart Duke of Lenox und R. Barty Count of Lindsey.

Noch erwähnen wir, daß ein Franz Geldrup 1644 als Meister in das Kölner Malerbuch eingeschrieben wurde.