ADB:Passe, Crispin van

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Artikel „Passe, Crispin van“ von Johann Jakob Merlo, Joseph Eduard Wessely in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 25 (1887), S. 207–210, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Passe,_Crispin_van&oldid=- (Version vom 15. Dezember 2019, 20:51 Uhr UTC)
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Passe: Crispin van P., ein geachteter Kupferstecher, war nicht, wie Sandrart aussagt, „von Cölln gebürtig“, was sich schon durch des Künstlers eigene Angabe auf verschiedenen seiner Arbeiten widerlegt, wo er sich „Zelandus“ nennt. Sein Zeitgenosse Mathias Quad (Teutsch, Nat. Herrl. 357) macht uns mit seinem Geburtsort genau bekannt, indem er bei Beschreibung der Grafschaft Zeeland berichtet: „Gegen Oosten ligt das stattlin Armuien, darauß Chrispin de Passe der figurschneider burtig ist.“ In welchem Jahre er (um 1565) in Armuyden oder Arnemuyden, wie das Städtchen heutzutage heißt, geboren worden, ist nicht bekannt. Die frühesten Daten auf seinen Blättern nähern sich dem Ende des 16. Jahrhunderts und die letzten reichen bis um 1630. Nachdem er das [208] Zeichnen und Kupferstechen bei Dirk Volkaert Coornhaert erlernt hatte, übte er seine Kunst in verschiedenen Städten aus, hauptsächlich in Köln, Utrecht, Amsterdam, Paris und London. Er hat als Kupferstecher ausgezeichnete Verdienste, den Grabstichel wußte er mit Kraft und Zartheit in verständiger Abwechslung zu handhaben, so daß manche seiner Leistungen eines Goltzius würdig genannt zu werden verdienen; doch unternahm er zu viel und mitunter zu Geringfügiges, als daß er in seinen Arbeiten sich immer hätte gleich bleiben können. Mit der Liebe zur Kunst verband er Geschmack an den Wissenschaften und suchte den Umgang gelehrter und angesehener Männer. In dem Vorbericht zu seinem Werke über das Zeichnen und Kupferstechen erzählt er in französischer Sprache einiges von seinen Lebensumständen; dort heißt es: „Dès ma jeunesse je me suis adonné à plusieurs et divers exercices; mais je me suis particulièrement attaché à estudier, avec les plus fameux maistres, le Sieur Freminet, peintre de sa Majesté très-chrétienne, le renommé peintre et architecte Sieur Petro Paulo Rubens, Abrah. Bloemart, Paulo Morelson, peintre et architecte de Utrecht; mais plus particulièrement le trés-noble Seigneur Van der Burg, avec lequel je visitay l’académie ou étoient les plus célèbres hommes du siècle – L’illustre prince Maurice, de heureuse mémoire, pour enseigner le deseign à l’académie du Sieur Pluvinel, premier écuyer du roy.“ Das Werk, dem diese Stelle entliehen ist, erschien zu Paris; es ist mit vielen Kupfern versehen und handelt über die Verhältnisse des menschlichen Körpers, über Perspective, akademisches Zeichnen, Gebrauch des Gliedermannes zum Anordnen der Gewandung u. s. w. Ueberaus zahlreich sind die kleinen Bildnisse, welche de Passe geliefert hat. Sie gehören einer Zeit an, die reich an bedeutenden Persönlichkeiten war, und viele werden daher, neben ihrem Kunstwerth, aus doppeltem Grunde hochgeschätzt. In England hat er zweimal das Bild der Königin Elisabeth gestochen, in ganzer Figur und als Hüftbild, wovon besonders das erstere als eine Perle hoch gewerthet wird. Von seinen Folgewerken nennen wir: Die Sibyllen, Sibyllarum icones, 16 Blätter, 1601 zu Köln erschienen und dem Bürgermeister Johann von Lyskirchen gewidmet; Metamorphoseon Ovidianarum typi, 1602, eine zweite Ausgabe erschien 1606 und ist dem Doctor der Theologie Wilhelm Salsman in Köln dedicirt; Romani imperatores, opera Crispiani de Pass, apud Colonienses aericidas, Anno 1604, 23 Blätter; Illustriss. Juliacensium etc. principum tabula genealogica, Coloniae 1610, 16 Blätter; Abbildung Herrn Friderichs deß V. Pfaltzgraffen bey Rhein und Frawen Elisabeth ihrer Fürstlichen Gnaden Gemahlin, daneben ihrer Königlichen und Churfürstlichen Eltern und nechsten Blutsverwandten, 1613, 11 Blätter; sehr selten. – Dem Rath von Köln wollte der Künstler im Jahre 1607 eine Aufmerksamkeit erweisen, die jedoch eine nichts weniger als geneigte Aufnahme fand. Sein Antrag, den Häuptern der Stadt die nach dem Kölner Maler Geldorp Gortzius in Kupfer gestochenen vier Evangelisten widmen zu dürfen, wurde, ungeachtet der Fürsprache Constantin’s von Lyskirchen, zurückgewiesen. Die Ursache war, weil man dahinter gekommen, daß de Passe sich zur Secte der Wiedertäufer bekannte. Dagegen fanden sich unter den angesehensten Einwohnern der Stadt auch manche kunstsinnige Männer, welche das hervorragende Talent des Künstlers durch eine wohlwollende Gesinnung anerkannten, so der gelehrte Dechant beim Maria-ad gradus-Stifte Georg Braun, der Canonikus Gerhard Stempelius vom St. Georgs-Stifte, der Doctor der Theologie Wilhelm Salsman, der Propst von St. Severin Jacob Chimarraeus, der Doctor der Rechte und kaiserliche Hofrath Johann Baruit (Barwitz), die Kunstsammler Everard Jabach und Heinrich Stapedius u. a. m. Vornehmlich aber hatte er sich der Gewogenheit der Herren von Lyskirchen zu erfreuen. Der arbeitsame Mann hat allein in Köln weit [209] über 200 Platten ausgeführt, die von 1595 bis 1611 datirt sind. Auch in der benachbarten Kaiserstadt Aachen hat er eine kurze Zeit verweilt; hier erschien eine Folge von sechs Blättern: Die Geschichte des verlorenen Sohnes nach Martin de Vos, die er dem dortigen Rath widmete.

Seit 1612 wählte P., in sein Vaterland zurückgekehrt, Utrecht zu seinem ständigen Aufenthalte. In demselben Jahre erschien in seinem Verlage in Utrecht das Werk „Academia“. Wir ersehen daraus, daß P. wie es fast allgemein üblich gewesen, auch Verleger und Kunsthändler gewesen ist und manches Blatt, das nur de Passe exc. bezeichnet ist, mag in seiner Officin von einem Schüler ausgeführt sein. Wie in Köln, so erfreute sich der Künstler auch in Utrecht der Achtung seiner Mitbürger; im J. 1613 wurde er in Utrecht als Bürger aufgenommen. Sein Kunsthandel war sehr verbreitet; so wissen wir, daß ein Joh. Wils in Paris 1634 Vollmacht von ihm erhielt, Schuldforderungen von verschiedenen Händlern daselbst zu ordnen. P. hatte drei Söhne und zwei Töchter; die ersteren und die Tochter Magdalena wurden vom Vater in seiner Kunst unterwiesen. Sie eigneten sich desselben Stichweise so vollkommen an, daß man ihre Stiche, wenn sie unbezeichnet sind, nicht von einander unterscheiden kann. Nur Simon de Passe zeichnet sich durch eine weichere abgerundetere Strichlage aus, während der Grabstichel der anderen etwas spitzig und hart erscheint.

Crispiaen van de P., der jüngere, ältester Sohn des Vorigen, ward in Köln 1593 oder 1594 geboren und starb in Amsterdam nach 1663. Er war unter den Augen seines Vaters von frühester Jugend an mit der Führung des Grabstichels vertraut gemacht. Als sein Vater nach Utrecht zog, war er bereits ausübender Künstler; trotzdem besuchte er noch in letzterer Stadt die Kunstschule. Im J. 1617 hielt er sich in Paris auf, wo er die Platten zu Pluvinel’s: Le Maneige royal stach. Im J. 1630 war er wieder in Holland und gab verschiedene Bildnisse heraus. Beim Tode seines Vaters dürfte er sich in Utrecht aufgehalten haben, im J. 1639 finden wir ihn aber in Amsterdam, wo er bis zu seinem Tode thätig war.

Simon van de P. war ein zweiter Sohn des alten Crispin, geb. um 1590. Das Sterbejahr ist unbekannt. Sein erster Stich, vom J. 1612, stellt Heinrich Prinz von Wales vor. Er arbeitete bei seinem Vater bis 1616; in diesem Jahre befand er sich in London, wo er für den Verleger Compton Holland die schönen Bildnisse von Herren und Damen in ihren reichen Anzügen in trefflichen Stichen ausführte. Im J. 1619 entstand, nachdem sich der Künstler wahrscheinlich wieder in Holland befand, die Folge der Kurfürsten zu Pferd. Für die Maneige royal stach er auch ein Blatt, vielleicht gelegentlich eines Besuches seines Bruders Crispin in Paris. Er wandte sich später nach Kopenhagen, vielleicht dahin berufen. Seit 1631 führte er den Titel eines kgl. Kupferstechers. Wahrscheinlich starb er in Dänemark.

Willem van de P., dritter Sohn des Crispin, Geburts- und Sterbejahr unbekannt. Ersteres dürfte um 1595 zu setzen sein; sein erster datirter Stich trägt das Jahr 1623. Er stach viele Illustrationen in Bücher, wie z. B. für die Embleme von J. de Brune, die Zeeusche Nagtegael von A. van de Venne u. a. m. Sein Aufenthalt in England ist durch viele Bildnisse englischer Persönlichkeiten documentirt. Ob er auch in Paris thätig war, ist nicht mit Sicherheit anzugeben.

Magdalena van de P., Tochter des alten Crispin, ist geboren um 1600 in Köln und starb 1640. Sie heirathete den Frederik van Bevervoorde, war aber 1630 Wittwe geworden. Zur Zeit ihrer Wittwenschaft wohnte ihr Vater bei ihr. Im J. 1617 stach sie mehrere Sibyllen. Bei ihrer späteren Thätigkeit [210] suchte sie die feine, effectvolle Stichmanier des Grafen Goudt nachzuahmen, der damals in Utrecht lebte. Das Werk der Familie van de P. ist sehr reich; ein besonderes Verdienst derselben, das wir noch nicht hervorhoben, besteht darin, daß uns vielfach Compositionen alter berühmter Meister übermittelt werden, die den Künstlern zugängig waren und die sonst für uns verloren gegangen wären. Wir nennen hier nur Joh. von Achen, J. de Baker, H. van Balen, H. Bol, J. Brueghel, Elzzeimer, L. von Leyden, Mabuse, Q. Metsys, Moreelse, Vackenburg, A. van de Venne und viele andere.

Franken, L’oeuvre gravé des van de Passe.
Wessely.