ADB:Theiner, Johann Anton

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Artikel „Theiner, Johann Anton“ von Johann Friedrich von Schulte in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 37 (1894), S. 677, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Theiner,_Johann_Anton&oldid=3041601 (Version vom 20. November 2017, 19:14 Uhr UTC)
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Theiner: Johann Anton Th., katholischer Theolog, geboren am 15. December 1799 zu Breslau und hier † am 15. Mai 1860. Er machte in Breslau die Gymnasialstudien am St. Matthias-Gymnasium, die theologischen an der Universität, trat ins Priesterseminar, wurde 1822 zum Priester ordinirt und in Zobten und Liegnitz als Caplan angestellt. Durch die Verwendung seines Lehrers Dereser (A. D. B. V, 60) wurde er 1824 außerordentlicher Professor der Exegese und des Kirchenrechts an der katholisch-theologischen Facultät in Breslau, erwarb 1826 den Grad eines Dr. theol. und juris canonici. Er nahm lebhaften Antheil an den freiheitlichen Bestrebungen des Clerus, die am Ende der zwanziger Jahre in Schlesien wie in Süddeutschland für die Aufhebung des Zwangscölibats und andere Reformen auftraten, wodurch die Regierung sich veranlaßt sah, ihm die Vorlesungen über Kirchenrecht zu untersagen. Nunmehr legte er die Professur nieder und wurde 1830 Pfarrer in Polsnitz, 1836 in Größau, 1837 in Hundsfeld. Als die sogenannte deutsch-katholische Bewegung durch Ronge hervorgerufen wurde, schloß er sich unter Niederlegung seines Amtes dieser an, jedoch nur für kurze Zeit. Oeffentlich excommunicirt lebte er ohne amtliche Thätigkeit in Breslau, bis ihn im J. 1855 die Regierung zum Secretär der Universitätsbibliothek ernannte, welche Stelle er bis zum Tode bekleidete. Th. war ein fleißiger, nicht hervorragender Gelehrter, nicht gemacht zum Reformator, infolge seiner Bildung ohne festen Halt schwankend. Seine schriftstellerischen Leistungen gehören dem Gebiete der Exegese und verwandten theologischen an, vorzugsweise aber Gegenständen, welche seiner Richtung nahe lagen. Schon in der Dissertation „Variae doctorum catholicorum opiniones de jure statuendi impedimenta matrimonium dirimentia“ 1824 tritt er auf dem Boden der Gallicaner und des Josefinismus stehend für das selbständige Recht des Staates zur Regelung des Ehewesens ein. Die nächste „De Pseud-Isidoriana canonum collectione“ 1827 ist wesentlich eine Zusammenstellung. Seinen Namen hat am bekanntesten gemacht das mit seinem Bruder Augustin herausgegebene Werk „Die Einführung der erzwungenen Ehelosigkeit bei den christlichen Geistlichen und ihre Folgen“ (Altenb. 1828, 2 Thle., 2. Aufl. 1845), welches ein sehr großes Material geschichtlicher Art und für die Beurtheilung des Gegenstandes bietet und, wie bereits hervorgehoben wurde, auf seinen Lebensgang bestimmend einwirkte. Das letzte hierher gehörige Buch „Die reformatorischen Bestrebungen in der katholischen Kirche“ u. s. w. (Altenb. 1845 fg. 3 Hefte) enthält mancherlei Material, besonders über die Haltung der preußischen Regierung gegenüber den Reformbestrebungen in Schlesien, beschreibt sodann unter scharfer Befehdung des Fürstbischofs v. Diepenbrock des Verfassers Lebensgang.