ADB:Thulden, Theodor von

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Artikel „Thulden, Theodor von“ von Hermann Arthur Lier in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 38 (1894), S. 158–159, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Thulden,_Theodor_von&oldid=- (Version vom 19. Juli 2019, 08:33 Uhr UTC)
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Thulden: Theodor v. Th. (die Schreibung Thulden scheint richtiger zu sein als Tulden), Maler, wurde im August 1606 in Herzogenbusch geboren (getauft daselbst am 6. August). Seine künstlerische Erziehung erhielt er in Antwerpen, wo er bis zum Jahre 1622 Schüler eines gewissen Abraham van Blijenberch war. Später fand er Aufnahme in die Schule des Rubens. Im J. 1627 wurde er als Meister in die Antwerpener Lucasgilde aufgenommen, als deren Decan er im J. 1638 erscheint. Nach Vollendung seiner Studien wandte er sich nach Paris, wo er im J. 1632 einen Cyclus von Bildern aus der Geschichte des heiligen Johannes von Malta für die Kirche der Maturins oder Trinitarier malte. Diese Bilder sind sämmtlich zu Grunde gegangen, doch können wir uns wenigstens einen Begriff von ihnen machen, da sie Th. später selbst radirte. Nach Beendigung dieser Arbeit radirte er in Fontainebleau die von Nicolo dell’Abate nach F. Primaticcio’s Zeichnungen ausgeführten Odysseebilder, eine Folge von 58 Blättern, die er dem Herzog von Liancourt widmete (1633). Nach Antwerpen zurückgekehrt, verheirathete er sich am 24. Juli 1635 mit Maria van Balen, der Tochter des Malers Henrik van Balen. Als in demselben Jahre Rubens die Zeichnungen zu den Triumphbögen für den Einzug des Cardinal-Infanten Erzherzog Ferdinand entwarf, betheiligte sich Th. an dieser Arbeit und gab dann ein Prachtwerk von 49 von ihm selbst radirten Blättern darüber heraus, das die Jahreszahl 1641 trägt, aber erst 1642, [159] mehrere Monate nach dem Tode des Cardinal-Infanten, dem es gewidmet ist, erscheinen konnte. Im J. 1647 finden wir ihn wieder in Paris, damit beschäftigt, für die bereits erwähnte Kirche der Trinitarier „die Dreifaltigkeit“, „die Himmelfahrt Mariä“ und „die Ausgießung des heiligen Geistes“ zu malen, Bilder, die gegenwärtig in den Museen zu Grenoble, Angers und Le Mans aufbewahrt werden. Im J. 1648 wurde er nach dem Haag berufen, um im Oraniensaal des neu erbauten Schlosses „Huis ten Bosch“ eine Anzahl Scenen aus dem Leben des Prinzen Friedrich Heinrich von Oranien zu malen, unter denen die Darstellung des waffenschmiedenden Cyklopen am berühmtesten geworden ist. Nach Abschluß dieser Arbeiten zog sich Th. in seine Vaterstadt Herzogenbusch zurück, wo er um das Jahr 1676 starb. – Th. war ein sehr fruchtbarer und vielseitiger Künstler, Maler und Radirer in einer Person. Er hat Historienbilder, Porträts, Bauernscenen und Kirchweihen gemalt und sich vielfach auch in religiösen Darstellungen versucht. In seinen früheren Werken erweist er sich als ein würdiger Schüler von Rubens, später verfällt er einem gewissen Manierismus. Seine Bilder sind in den meisten größeren Galerien Europas zu finden, am häufigsten aber in Belgien. Dort, in der Michaeliskirche zu Gent und in der Jesuitenkirche zu Brüssel, muß man auch seine Hauptwerke suchen: in Gent „das Martyrium des heiligen Hadrian“ und in Brüssel „den Empfang der Maria durch Christus im Himmel“. Großer Berühmtheit erfreuen sich auch die nach Thulden’s Entwurf von J. de la Baer ausgeführten Glasmalereien in der südlichen Capelle Notre Dame de Délivrance der Cathedrale Ste. Gudule zu Brüssel.

Vgl. Catalogue du Musée d’Anvers. 2. édition. 1857. 245–248. – A. Michiels, Histoire de la peinture flamande. 2. édition. VIII, 116–137. Paris 1869. – H. Hymans, Histoire de la gravure dans l’école de Rubens. (Register.) Bruxelles 1879. – F. J. van den Branden, Geschiedenis der Antwerpsche Schilderschool S. 771–777. Antwerpen 1883. – F. Schlie, Beschreibendes Verzeichniß der Werke älterer Meister in der großherzoglichen Gemäldegalerie zu Schwerin S. 637. 638. Schwerin 1882. – E. v. Engerth, Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses: Gemälde. Beschreibendes Verzeichniß II, 493–496. Wien 1884. – A. Woltmann und K. Woermann, Geschichte der Malerei III, 1, 460. 461. Leipzig 1888. – A. Rosenberg, Der Kupferstich in der Schule und unter dem Einflusse des Rubens (Die Rubensstecher). (Register.) Wien 1888–92.