ADB:Trattner, Johann Thomas Edler von

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Artikel „Trattner, Johann Thomas Edler von“ von Anton Mayer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 38 (1894), S. 499–501, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Trattner,_Johann_Thomas_Edler_von&oldid=2507921 (Version vom 15. Juli 2018, 22:43 Uhr UTC)
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Trattner: Johann Thomas Edler v. T., geboren am 8. Juli 1717 zu Jahrmannsdorf bei Güns in Ungarn, wo sein Vater ein armer Pulvermüller war, kam früh verwaist nach Wiener-Neustadt. Hier begann er im Alter von 15 Jahren die Buchdruckerei zu erlernen, die für ihn das Glück seines Lebens werden sollte. Im J. 1739 wanderte er nach Wien und trat hier in eine der ersten Officinen, in die des Johann Peter van Ghelen, um sich hier in seinem Berufe vollends auszubilden. Bereits nach neun Jahren gelang es ihm mit [500] Unterstützung eines Gönners die Zahn’sche Officin zu kaufen und wurde er schon im folgenden Jahre „Universitätsbuchdrucker“. „Das war die erste Sprosse der Leiter, auf der er nun zu Reichthum und Ansehen emporsteigen sollte; von nun ging es mit Unterstützung einflußreicher Freunde bei Hof und in den kaiserlichen Aemtern rasch vorwärts, und als es ihm gar gelungen war, die Protection van Swietens und des Hofphysikers Marci zu gewinnen und eine Audienz bei Maria Theresia zu erhalten (1750), trat der wachsenden Beliebtheit im Publicum die entscheidende Protection des Hofes an die Seite“. Es ist daher unter solchen günstigen Umständen nicht auffällig, daß T. rasch die ersten und einträglichsten Aufträge zur Ausführung erhielt. Am 5. October 1754 wurde ihm nach Ghelen’s Tod das Privilegium impressorium auf die Hofarbeiten gegeben, nachdem ihm bereits 1751 das Privilegium als Hofbuchhändler ertheilt worden war, Schon um diese Zeit (1752) hatte er auf Veranlassung des Commercialrathes eine eigene Schriftgießerei eingerichtet, so daß man die Schriften nicht mehr von Prag zu beziehen brauchte, obgleich noch die Schriftgießereien von Kalliwoda und v. Ghelen in Wien bestanden. Solche Privilegien, die später immer erneuert wurden und wozu auch immer neue kamen, sowie der schwungvoll betriebene Nachdruck deutscher Verlagswerke, wobei ihm die in Oesterreich herrschende Ansicht über denselben sehr zu statten kam, wurden die Quelle seines großen Reichthums. Daß gegenüber der Bevorzugung Trattner’s auch außer den Buchdruckerkreisen einige Opposition sich kund gab, ist erklärlich; selbst sein einstiger Gönner, Gerhard van Swieten, war in seiner Eigenschaft als Präsident der „Censur-Hof-Commission“ sein Gegner geworden; dieser scheint aber doch nicht so sehr aus amtlichen Gründen, als durch die vielen persönlichen Vortheile erbittert gewesen zu sein, die T. so zu sagen in den Schooß fielen. Dessen ungeachtet erhielt T. noch nach dem Jahre 1759 zahlreiche Privilegien. Gerade in diesem Jahre wurde er nach dem Tode der Maria Eva Schilgen auch „Landschaftsbuchdrucker“ und erbaute in der Josefstadt die im Munde des Volkes als „typographischer Pallast“ bezeichnete T. Buchdruckerei mit Setzerei, Buchbinderei, Schriftgießerei, Kupferstecherei und Kupferdruckerei. Aus Anlaß der Krönung Josef’s II. zu Frankfurt a. M. (1764) wurde ihm über sein Ansuchen der Ritterstand des „Heiligen Römischen Reiches“ verliehen. Er ließ durch den Architekten Peter Mollner an Stelle des Freisingerhofes den heute noch nach seinem Namen bestehenden „Trattnerhof“ erbauen, der 1776 vollendet wurde. 1788 kaufte er vom Fürsten Alois von Lichtenstein die Herrschaft Eberpassing, wo sich auch seine Papierfabrik befand. „Aus dem armen, unbemittelten Waisenknaben … war des Heil. Röm. Reiches Ritter, des Königreiches Ungarn Edelmann, niederösterreichisches Ständemitglied, Herrschaftsbesitzer, Besitzer von blühenden Officinen, acht Buchhandlungen und achtzehn Bücherniederlagen und zwei Papierfabriken, sowie des größten Zinshauses in Wien geworden“. – Es läßt sich nicht leugnen, daß zu einem solch ungestörten Entwicklungsgange ganz hervorragende persönliche Eigenschaften nothwendig sind; und T. hat auch deren nicht wenige besessen: ungewöhnlicher Fleiß, Ausdauer, Klugheit und Muth. „Schnell erfaßte T. jederzeit den günstigsten Moment; aus dem Aufschwunge des geistigen Lebens in Oesterreich nach dem siebenjährigen Kriege, aus der herrschenden Ansicht über den Nachdruck und aus dem damals geltenden national-ökonomischen Systeme, daß das Geld im Lande erhalten bleiben müsse, zu dessen Verwirklichung die Regierung selbst zu materiellen Opfern sich herbeiließ, hat er, wie Keiner, energisch, ja mitunter rücksichtslos wie beim Nachdruck, seinen Vortheil gezogen“. Namentlich hat der Nachdruck T. in Deutschland viele erbitterte Feinde, die sich oft in Pasquillen und heftigen persönlichen Anfeindungen ergingen, wachgerufen; war er ja der eifrigste Nachdrucker des In- und Auslandes, besonders deutscher Classiker. (Vgl. hierüber die Klage Klopstock’s in einem Briefe desselben [Kopenhagen am [501] 4. August 1767] an Denis, wegen eines Nachdruckes seines Messias. Ueber den Nachdruck in Wien siehe: Mayer, Wiens Buchdruckergeschichte von 1482 bis 1882, II. Band, S. 105 f., 293, 295 ff.) – T. starb am 31. Juli 1798 im Alter von 81 Jahren. Er war zweimal verehelicht und mit Kindern reich gesegnet; seine zweite Gemahlin – Maria Theresia – war eine Tochter des berühmten Hof-Mathematikers Josef Anton v. Nagel. Ueber Trattner’s typographisch oder litterarisch bemerkenswerthe Werke vgl. Mayer a. a. O. S. 42 f.