ADB:Trew, Abdias

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Artikel „Trew, Abdias“ von Siegmund Günther in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 38 (1894), S. 591–593, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Trew,_Abdias&oldid=- (Version vom 23. Oktober 2019, 13:09 Uhr UTC)
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Trew: Abdias T., Astronom und Mathematiker, geboren zu Ansbach am 29. Juli 1597, † zu Altdorf am 12. April 1669. Mit seinem Vater, der zuerst Cantor in Ansbach war und nächstdem als Conrector an die damals hoher Blüthe sich erfreuende Stiftsschule in Kloster Heilsbronn berufen ward, siedelte T. dorthin über und absolvirte die Anstalt im J. 1618. Seine Studien begann und vollendete er in Wittenberg, wo er 1620 „de vero et falso“ disputirte und 1621 die Magisterwürde empfing. Gleich darauf kehrte der junge Theologe in die Heimath zurück, um in verschiedenen fränkischen Orten den Kirchendienst zu versehen, allein schon 1625 berief man ihn, der auch auf anderen Gebieten sich tüchtig umgesehen hatte, als Rector der Stadtschule in seine Vaterstadt, und dieses Amt hat er zehn Jahre hindurch mit löblichem Eifer versehen. Die Kriegsnoth hatte aber allmählich auch die Markgrafschaft derart in Mitleidenschaft gezogen, daß die Beamten, deren Gehalt nicht mehr regelmäßig ausbezahlt ward, in die traurigste Lage sich versetzt sahen, und auch T., der damals schon eine kinderreiche Familie zu versorgen hatte, mußte sich um eine andere Stellung umsehen. Soeben war durch den Tod Schwenter’s [592] (s. A. D. B. XXXIII, 413) die mathematische Professur an der Nürnbergischen Universität Altdorf vacant geworden; T. bewarb sich um dieselbe und bekam sie auch unterm 16. Januar 1636. Im J. 1650 wurde ihm auch noch die bisher von einem Mediciner versehene Professur der Physik zugetheilt, und dieser doppelten, anstrengenden Lehrverpflichtung genügte er bis zu seinem Tode. In zwei Ehen hatte T. 22 Kinder erhalten, von denen ein Sohn, Siegmund, in die Fußtapfen des Vaters treten zu wollen schien, denn er disputirte 1633 „De astrologia medica“, allein schon sehr früh verstarb er im dänischen Seedienste. Durch einen zweiten Sohn wurde T. der Großvater des trefflichen Arztes und Naturhistorikers Chr. Jac. T. (s. S. 593).

Die litterarische Thätigkeit des emsigen Mannes war eine überaus große und verzweigte, und wenn er auch keine bahnbrechende Natur war, so haben doch seine Schriften zu ihrer Zeit allenthalben Anklang gefunden. Er begann mit Studien auf dem Gebiete der theoretischen Musik: „Janitor lycaei musici“ (Rothenburg o. T. 1635), und es wurde ihm von den Zeitgenossen „die Erfindung der alleraccuratesten Temperatur“ nachgerühmt. Weiterhin beschäftigte er sich viel mit praktischer Geometrie: „Manuale geometriae practicae“ (Nürnberg 1636); „Geodesia universalis“ (ebenda 1641, dritte Auflage von Doppelmayr 1718); „Ingenieur-Stab“ (Altdorf 1649); „Kurtzer mathematischer Unterricht von der Fortifikation“ (Nürnberg 1640). Ein mit Recht der praktischen Einrichtung halber geschätztes Compendium der Gesammtmathematik kam 1657 zu Altdorf heraus: „Directorium mathematicum, ad cujus ductum et informationem tota Mathesis et omnes ejusdem partes … methodice doceri et facile disci possunt“. Die Hauptthätigkeit Trew’s war jedoch der Sternkunde und den von ihr abhängigen Disciplinen zugewandt. Auf einem Thurme der Stadtmauer („Treus-Thurm“) errichtete er, unterstützt von der Nürnberger Aufsichtsbehörde, ein Observatorium, auf welchem er lange Jahre astronomische und, was ihm sehr zur Ehre gereicht, auch meteorologische Beobachtungen anstellte. Das von ihm verfaßte „Lehrbuch der sphärischen Astronomie“ (Nürnberg 1637) wurde von Vossius seiner Methode halber sehr gerühmt. Alle während seiner Lebenszeit erschienenen Kometen hat T. sorgfältig beobachtet und in akademischen Gelegenheitsschriften, deren es aus seiner Feder eine Menge gibt, beschrieben, wir heben nur eine derselben hervor: „Gründtlicher Bericht von deme im Ende verwichenen Januarii Alten und Anfang deß Februarii Neuen Calenders erschienenen Cometen“ (Nürnberg 1661), weil hier die Positionen des Schweifsternes mit Genauigkeit bestimmt und dessen Bewegungen durch die Sternbilder verfolgt werden. Dem kometarischen Aberglauben stand T. ablehnend gegenüber, und überhaupt bemühte er sich, über die Astrologie, welcher viele seiner Publicationen gewidmet sind [„Discurs von Grund und Verbesserung der Asirologie“ (Nürnberg 1641); „Nucleus astrologiae correctae“ (ebenda 1651); „Astrologia medica, hoc est de siderali scientia ad curam valetudinis et rerum eo pertinentium dextre applicanda“ (Altdorf 1663)], richtigere Anschauungen zu verbreiten, ohne freilich die falsche Prämisse schon gänzlich verwerfen zu können. Als Chronologe hat T. redlich zur Aufnahme des gregorianischen Kalenders in den protestantischen Staaten beigetragen, und sein Handbuch dieser Wissenschaft [„Gründliche Calenderkunst, in zwei Theilen verfasset“ (Lüneburg 1666)] wurde wol als das damals beste betrachtet. Daß er als „Physiker“, nachdem er erst in vorgerückten Jahren dazu gemacht worden war, keine neuen Pfade mehr einschlug, ist leicht begreiflich, vielmehr war und blieb er Aristoteliker, wie seine 1658 (zu Nürnberg) gedruckten Vorlesungen über diesen Gegenstand bekunden.

Daß T. Anticoppernicaner war, ist bekannt, und er hat seiner Gegnerschaft in zwei Streitschriften deutlichen Ausdruck verliehen: „Disputatio de immobilitate [593] terrae contra Copernicum“ (Altdorf 1636); „Examen hypersophiae antibiblicae eorum, qui negant aquas supercoelestes, diluvium particulare faciunt, terrae motum tribuunt“ (Nürnberg 1667). Dagegen ist bis jetzt vollkommen unbemerkt geblieben, daß T., der als kundiger Astronom die Unhaltbarkeit des ptolemaeischen Systems durchschaute und wol mehr aus religiösen Gründen an der Lehre von der Erdbewegung keinen Geschmack fand, entschiedener und bewußter Tychoniker war. Indeß ergibt dieser Umstand sich ganz unzweideutig für Jeden, der Trew’s vielleicht verdienstlichste astronomische Schrift „Compendium compendiorum astronomiae et astrologiae, d. i. Kurtze doch klare Verfassung der ganzen Sternkunst“ (Altdorf 1660) näherer Einsicht unterzieht.

G. Vossius, De universae matheseos natura et constitutione liber, Amsterdam 1650, S. 390 ff. – Doppelmayr, Historische Nachricht von den Nürnbergischen Mathematicis und Künstlern, Nürnberg 1730, S. 102 ff. – Hellmann, Repertorium der deutschen Meteorologie, Leipzig 1883, Sp. 499. – Nürnberger Festschrift zur 65. Versammlung der deutschen Naturforscher und Aerzte, Nürnberg 1892(3).