ADB:Vornke, Wilhelm

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Artikel „Vornke, Wilhelm“ von Jacob Cornelis van Slee in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 40 (1896), S. 307–308, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Vornke,_Wilhelm&oldid=2508634 (Version vom 26. Mai 2018, 15:45 Uhr UTC)
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Vornke: Wilhelm V., regulirter Kanoniker und oberster Prior der Windesheimischen Congregation, Sohn eines wohlhabenden Bürgers zu Utrecht und um 1375, muthmaßlich dort, geboren. Von dem Rufe des frommen Lebens zu Windesheim angezogen, entschloß er sich mit seinem Freunde Heinrich Walvis der Welt zu entsagen und trat dort 1398 in den Augustinerorden ein. Bald that er sich durch Frömmigkeit und Gelehrsamkeit dergestalt hervor, daß ihm die Priorwürde im Kloster Engelendal bei Leiderdorp anvertraut wurde. Die dortigen Brüder dienten aber lieber dem Fleische als Gott, und V. kehrte nach einjährigem Aufenthalte nach Windesheim zurück. 1408 wurde er aber zum Prior des Agnielenklosters bei Zwolle erwählt und stand diesem Amte in rühmlicher Thätigkeit siebzehn Jahre vor, bis er 22. April 1425 zum Prior in Windesheim selbst ernannt wurde, als welcher er zugleich das Oberpriorat der ganzen Congregation übernahm. Der neue Obere, welcher uns als „inter humiles humilior, inter verecundos verecundior, inter sapientes sapientior“ geschildert wird und sich überhaupt durch alle Klostertugenden auszeichnete, empfand bald die großen Schwierigkeiten seiner Aufgabe. Kaum war er als Prior installirt, als der Tod des Utrechter Bischofs Friedrich von Blankenhein, das bekannte Schisma zwischen Rudolf von Diepholt und Zweder von Culemburg zur Folge hatte und Papst Martin V. die Anhänger des erstgenannten mit dem Interdict belegte. Dadurch kamen die Windesheimischen Klöster, wo die weltliche Obrigkeit auf Rudolf’s Seite stand, in die Lage, entweder dem päpstlichen Befehl entgegen den Gottesdienst fortzusetzen, oder auszuwandern. V. verließ daher mit seinen Conventualen, dem Papste treu und gehorsam, 1429 Windesheim und verweilte drei Jahre im Kloster Freudeswege bei Nordhorn. Schon seit 1426 hatte das jährliche Generalcapitel zu Windesheim nicht abgehalten werden können. Auch nach der Heimkehr nach Windesheim, 1432, dauerten die Schwierigkeiten fort, indem Zweder von Culemburg zwar 1433 starb, nun aber Walraven von Meurs dem vom Papste jetzt als Bischof von Utrecht anerkannten Rudolf entgegentrat. Besonders veranlaßte Johann Passert, der Prior eines der Windesheimischen Klöster zu Utrecht, welcher unnachgiebig zu Walraven hielt, während mehrerer Jahre große Verdrießlichkeiten. Indessen breitete sich, ungeachtet des Schismas, die Congregation unter Vornke’s Leitung bedeutend aus, indem nicht nur mehrere neue Klöster gestiftet wurden, sondern auch 1430 die Incorporation des Klosterverbandes zu Nuis, zu welchem zwölf Klöster gehörten, stattfand. Das Baseler Concil sowie mehrere Päpste und päpstliche Legaten verliehen der Congregation zahlreiche Privilegien. Mit gleichem Eifer wurde auch, vermöge der Vollmachten des Baseler Concils, die Klosterreformation in den Bisthümern Halberstadt, Verden und Hildesheim von Heinrich Loeder, Johann Busch und anderen in die Hand genommen, so daß Nicolaus Cusa, als er 1451 und 1452 in Deutschland [308] und den Niederlanden verweilte und sich auch in mehreren Klöstern der Congregation aufhielt, diese Arbeit keinem Besseren als V. anvertrauen zu können meinte und die Vollmacht auch auf andere deutsche Provinzen ausdehnte. Solchen Ruf eines wahrhaft frommen und sittlichen Lebens verdankte die Windesheimische Congregation und besonders das Hauptkloster nicht zum wenigsten ihrem ehrwürdigen Prior Superior. Neunundzwanzig Jahre verwaltete er sein Amt treu und trefflich, Jedem ein Vorbild gottgeweihten Lebens, bis die Beschwerden des Alters ihn 1453 zu dem Wunsche der Niederlegung seines Priorates veranlaßten. Als aber seine Bitte von dem Generalcapitel abgelehnt war, weil die Congregation den zwar achtzigjährigen aber noch frischen und geistig kräftigen Prior nicht entbehren mochte, meinte er, Gott werde ihn wohl bald abrufen. Schon am folgenden Tage raubte ein Schlaganfall ihm die Sprache, so daß nun seine Entlassung zur Nothwendigkeit ward. Noch ein volles Jahr lebte er friedlich und hochgeachtet zu Windesheim, bis ein neuer Schlaganfall seinen Tod im Juli 1454 herbeiführte. Auch als Schriftsteller soll er sich für Windesheim verdient gemacht haben; ihm wird die Abfassung einer „Epistola de prima constitutione Monasterii in Windesem“(abgedruckt bei Acquoy, het Kloster Windesheim III, bl. 235 v. v.) zugeschrieben.

Acquoy, Het Kloster Windesheim II, bl. 107 und van Slee, De Klostervereeniging van Windesheim, bl. 59 v. v.