ADB:Loeder, Heinrich

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Artikel „Loeder, Heinrich“ von Jacob Cornelis van Slee in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 19 (1884), S. 84, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Loeder,_Heinrich&oldid=- (Version vom 24. Juli 2019, 07:32 Uhr UTC)
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Loeder: Heinrich L., ausgezeichneter Klosterreformator, dem Windesheimischen Kreise angehörend, war auf dem Schlosse Loder bei Osnabrück geboren. Seine Hinneigung zur ascetischen Frömmigkeit führte ihn nach dem Kloster zu Windesheim, wo er anfangs als geringer Laienbruder seine Dienste beim Ackerbau oder im Brau- und Backhause leistete. Bald aber erkannte man seine geistige Begabung; er ward als Convers und 1404 als Chorbruder aufgenommen und folgte dem Gerlach Peterse als Sacristan; 1419, vielleicht schon 1417 wählten die Fratres des mit Windesheim incorporirten Klosters Frenswege bei Nordhorn im Bentheimischen ihn zum Prior. Als solcher gab er ein schönes Beispiel christlichen Lebens in Demuth, Duldsamkeit, Gehorsam, Fleiß und Liebe. Umsomehr vermochte er eine strenge Disciplin auszuüben. Doch war seine Ascese keine überspannte, noch seine Lust an demüthigen Werken etwa kränklicher Art. An den niedrigsten Verrichtungen nahm er Theil, die geringsten Speisen waren ihm gut genug und seinen Gästen wusch er die Füße. Wiewol sein Kloster nur mäßig mit zeitlichen Gütern begabt war, übte er dennoch eine weithinreichende Wohlthätigkeit aus, und die Windesheimer Brüder fanden zu Frendeswege ein zeitweiliges Obdach, als sie 1429 in Folge des kirchlichen Interdicts ihr Kloster räumen mußten. Der Ruf des frommen Lebens zu Frendeswege stieg daher unter Loeder’s Regierung und war auch dem zeitlichen Wohlstande des Klosters nützlich. Aber Loeder’s Thätigkeit beschränkte sich nicht auf sein Kloster. Schon hatte er 1418 die Vertheidigung der Brüder des gemeinsamen Lebens dem Dominicanermönche, Matthäus Grabow zu Groningen gegenüber, auf sich genommen, und diesem Widersacher eine bischöfliche Verurtheilung zugezogen. Als nun die Windesheimer Congregation um 1420 die Klosterreformation auch auf deutschen Boden übertragen wollte, beauftragte sie damit auch den L., welcher sein Kloster bald zum Mittelpunkte dieser Reformation in Westfalen, Sachsen und der Rheingegend erhob. 1420 reformirte er das Kloster Marienkamp zu Esens in Ostfriesland, 1423 das Marienkloster zu Wittenburg in Niedersachsen und das Kloster Marienberg zu Bödingen, doch nicht ohne großen Widerstand. 1429 nahm er die Reformation des Marienconvents zu Richenberg bei Goslar und 1430 des Meinulphusklosters zu Bodiken im Bisthume Paderborn in die Hand, und alle diese Klöster verbreiteten dann die Reformation weiter, indem sie mit Windesheim incorporirt wurden. Diese Herstellung des Klosterlebens war nicht nur eine äußerliche und rituelle, sondern sie trug einen durchaus sittlichen Charakter, fand auch eben deswegen bei vielen leichtsinnigen und faulen Klosterbewohnern heftigen Widerstand. Zu Bödingen besonders hatte er mit dem weltlichen Sinne der Mönche zu kämpfen. Nicht ohne Lebensgefahr arbeitete er gleichwol unermüdet, bis er wahrscheinlich um 1493 starb. Mit vollem Rechte hatte er sich den Namen eines „apostolus Westphaliae“ erworben.

Vgl. Delprat, Bruedersch. v. G. Groote bl. 50 etc. Moll, Kerkgesch. v. Nederl. II. 2e. st. bl. 218. Acquoy, het klooster Windesheim II. bl. 350 vlg. 366 vlg. van Slee, De Kloostervereen v. Windesheim bl. 250 vlg. 284 vlg. und Karl Grube, Johann Busch, passim.