ADB:Loeffs, Rudolph

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Artikel „Loeffs, Rudolph“ von Jakob Franck in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 19 (1884), S. 84–86, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Loeffs,_Rudolph&oldid=- (Version vom 14. Dezember 2019, 21:11 Uhr UTC)
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Loeffs: Rudolph L., niederländischer Buchdrucker in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Sein Geburtsort ist das holländische Dorf Driel an der Maas, in der Nähe der Stadt Bommel in Geldern, wie er dies selbst in einem seiner Drucke anzeigt, sein Geburtsjahr aber ist unbekannt. In der Typographengeschichte wird er bald unter dem angegebenen Namen, der sein [85] Familienname war, bald als Rudolph von Driel aufgeführt. Sein Name begegnet zuerst in der Matrikel der Universität Löwen, wo er am 5. März 1472 als Zögling der Facultas artium und mit den Worten inscribirt wurde: Rudolphus filius Remboldi de Driel, Trajectensis dioecesis, in artibus, V Martii“, am Ende steht ein „P“ (d. h. pauper). Seine Kunst erlernte er sehr wahrscheinlich in einer oder der anderen Officin dieser Stadt, wo bereits seit 1474, unter dem besonderen Schutze der Universität, Joh. v. Westphalen (Bd. XIV, 478), dann Johann Veldner 1475 und Konrad Braens 1476 arbeiteten. Doch kennt man von hier durch ihn allein gedruckt bis jetzt nur sehr wenige Bücher, so aus dem J. 1484: ein Werk des Juristen Bernhard von Parma „Casus domini Ber | nardi super quinque libris decreta |liū lovanij impssi impensa Rodol | phi loeffs de driell Anno domini | M. cccc. lxxxiiij mensis Februarij | die sexta“. Fol.; es ist die zweite Ausgabe dieser Arbeit, deren erste von den Druckern Peter Keysere und Johann Stoll (Bd. XV, 696) 1475 zu Paris hergestellt worden war. Es kann jedoch keinem Zweifel unterliegen, daß noch mehrere Drucke aus seiner Presse hervorgingen, welche bis jetzt noch unentdeckt oder auch gänzlich verloren gegangen sind. Man nimmt an, daß L. gegen das J. 1490 Löwen verließ, um sich in dem Städtchen Bommel mit kaum 2000 E. niederzulassen. Es ist eigenthümlich, daß, muß auch das Recht der Erfindung des Bücherdrucks mit beweglichen Lettern den Holländern abgesprochen werden, diesen doch unbestritten die Ehre gebührt, mehr als jedes andere Volk für die Verbreitung der Kunst Gutenberg’s geleistet zu haben. Denn während der Bücherdruck im 15. Jahrhundert nur erst in den großen europäischen Städten Eingang gefunden hatte, besaßen schon fast alle holländischen Städte und unter diesen verhältnißmäßig sehr unbedeutende wohl eingerichtete Officinen. So errichtete man u. a. auch (Bulletin du Bibliophile belge VIII, 113) zu Maertensdyk, einem Dorfe von nur 1600 Einw., in der Nähe des Städtchens Tholen in Zeeland eine Druckerei und unser Typograph die seinige in Bommel. Was ihn bewog, Leyden zu verlassen, wissen wir nicht, es sei denn, daß er seine Tage in der Nähe seines Geburtsortes beschließen wollte. Leider hat sich aus diesem seinem Aufenthalte kein einziger Druck erhalten, obgleich uns unzweideutige Zeugnisse seiner hiesigen typographischen Thätigkeit vorliegen. Denn die jetzt in dem Archive der Abtei Parc bei Löwen befindlichen Rechnungen des Klosters Marienweert (Insula beatae Mariae Virginis) in der Nähe der Stadt Kuilenburg in Geldern führen für das J. 1491 eine Anzahl von Büchern auf, welche, als von ihm gedruckt, die Mönche dieses Klosters von ihm gekauft hatten. Diese aber lauten: („Exposita monasterii Insularis B. M. V. an. 1491): „Item altera Epiphaniae, van Rodolpho, te Bommel, 1 boeck, de naturis animalium et herbarum“ ende „Novum preceptorium cum quibusdam aliis libris pariter vij rijnsguld. 1 stuver“. „Item pro quattuor libris impressis a Rodolpho pro iiij hollandsche guldens, V stuvers, facit vj rijnsguldens vij stuvers“. Allerdings wird hier der Drucker mit seinem Vornamen bezeichnet und sein Familienname kommt in diesen Rechnungen nicht vor, aber dieser „Rudolphus“ kann nur Rudolph L. sein, weil damals kein anderer niederländischer Drucker diesen Vornamen trug, wie aus Panzer, Hain so wie aus allen anderen Bibliographien zu ersehen. Welcher Art aber waren die vier letzten Drucke? Es ist dies eine bis jetzt ungelöste Frage geblieben und kein Bibliograph erwähnt dieselben, so daß die Möglichkeit nicht ausgeschlossen ist, daß sie ohne seinen Namen erschienen sind. L. scheint im J. 1491 gestorben zu sein. Während seines Löwener Aufenthaltes druckte er gemeinschaftlich mit zwei anderen Berufsgenossen: Egidius (Gillet) van der Heerstraten und Hermann von Nassau. Der erstere war wahrscheinlich zu Löwen geboren, doch findet sich sein Name nicht in [86] der Universitätsmatrikel. Der erste seiner durch ihn allein besorgten Drucke (Bibl. belge 1866, 61) „Commentum insignis Sacre Theologie Profess. Mag. Joh. Beets super decem praeceptis decalogi“, 1486. Fol., den er mit der Unterschrift versah: „per Egidium van der Heerstraten, artis impressorie magistrum“ hat sich bei den Bibliographen durch den Umstand bemerklich gemacht, daß eine gleichzeitige Feder in mehreren Exemplaren die drei letzten Worte gestrichen hat, während in einem anderen Drucke H. diese Bezeichnung unterließ, sei es, daß man ihm diese Eigenschaft bestritt oder daß man ihn förmlich zwang, dieselbe, die damals nur Joh. v. Westphalen (Bd. XIV, S. 478) allein das Recht hatte, sich beizulegen, zurückzuziehen. Da H. bei der Universität nicht eingeschrieben war, so ist zu glauben, daß er auf Befehl dieser Körperschaft gezwungen wurde, eigenhändig diese Worte in den ersten Exemplaren und in den folgenden gänzlich zu unterdrücken (Lambinet, Recherches sur l’origine de l’imprimerie p. 27). Das ansehnlichste Erzeugniß seiner Presse ist ohne Widerspruch: „Boccacius de Praeclaris mulieribus“, 1487. Fol. m. Holzschn. Heerstraten starb den 23. Decbr. 1490. Der zweite Geschäftsgenosse unseres Druckers war der bis vor wenigen Jahren allen Bibliographien gänzlich unbekannte Hermann von Nassau, ohne Zweifel entweder aus dem Herzogthum Nassau oder dem Marktflecken Nassau daselbst gebürtig. Aber über seine anderweitigen äußeren Verhältnisse finden sich in den Acten der Stadt Löwen keinerlei Aufzeichnungen, und man hat bis jetzt nur ein einziges Buch aufgefunden, das seine Unterschrift trägt, es ist dies: „Nicolai Perotti … Institutio grammaticalis …“, o. J. 4°; jedoch mit dem Kolophon: „Impresse louanii per me Hermannum de nassou et Rodulphum Driel“. Das Buch hat aber dadurch Werth, daß im Texte eine Anzahl Beispiele in das Vlämische übersetzt ist, z. B. „Lectio quam a magistro docendi sunt discipuli est difficilis – Die lesse die de Kinder van den meester leeren selen is zweer“, „Cum legendus a praeceptore et a nobis audiendus sit Virgilius audiendus est diligenter – Wat Virgilius van den meester ghelesen sal worden en van ons ghehort soe moeten wy neernstelyc hooren“ etc. – Ein Bartholomäus Loeffs hielt sich um die Mitte des 16. Jahrhunderts in der Stadt Herzogenbusch (Bois-le-Duc) auf, wo er in Verbindung mit zwei anderen Gelehrten eine Geschichte dieser Stadt ausarbeitete. Das lateinische Manuscript, welches bis zum Jahre 1565 reicht, findet sich in der Bibliothèque de Bourgogne, vgl. M. Marchal, Catal. des Mss. T. III. p. 51. Ob dieser B. L. ein Sohn unseres Druckers gewesen sei, ist noch nicht festgestellt.

Le Bibliophile belge 1852, 248–51. 1866, 61–65. 153–54. Meersch, Imprimeurs belges et néerlandais I, 89–90. Serna Santander, Diction. bibliogr. I.