ADB:Vos van Heusden

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Artikel „Vos van Heusden“ von Jacob Cornelis van Slee in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 40 (1896), S. 324–325, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Vos_van_Heusden&oldid=- (Version vom 22. August 2019, 11:50 Uhr UTC)
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Vos van Heusden (Johann Goossens): Augustiner regulirter Kanoniker, Prior und Prior-Superior zu Windesheim; 1363 zu Heusden geboren, erhielt er an der damals blühenden Kapitelschule zu Deventer seinen ersten Sprachunterricht. Dort kam er mit Florentius Radewynsz und seinen Klerikern, wie auch mit Gerhard Groote in Berührung und schloß sich den Brüdern des Gemeinsamen Lebens an. Nach der Errichtung des Klosters zu Windesheim, 1387, trat er im folgenden Jahr in den Orden ein und legte unter dem ersten Prior Werner Hehnkamp 1389 seine Gelübde ab. Bald that er sich durch besondere Frömmigkeit, Einfalt und Demuth hervor und wurde 1391 einstimmig zum Prior erwählt. Einen klügeren, fröhlicheren und edleren Prior hat es wohl in Windesheim niemals gegeben. Seine durchaus fromme und liebenswürdige Persönlichkeit übte einen wahrhaft heiligenden Einfluß auf die Brüder; jede seiner freundlichen Bitten war ihnen Befehl. Inzwischen waren auch die Klöster Marienborg bei Arnhem und Neulicht bei Hoorn gegründet, und Johann V. faßte eine Union mit diesen Stiftungen, wie auch mit dem Kloster Elmsteyn bei Dordrecht ins Auge, welche 1395 zur Gründung der Windesheimischen Congregation führte. Johann V. trat als oberster Prior an die Spitze der Congregation, die sich während seines Priorats bis zu vierundzwanzig Männer- und vier Frauenklöstern ausbreitete und unter seiner Verwaltung ihr goldenes [325] Zeitalter erlebte. Kirche und Kloster zu Windesheim wurden von ihm vergrößert, und mit besonderer Sorgfalt veranstaltete er die Abfassung eines Ordinariums, Kalendariums und Manuale, wie auch um 1402 der Statuta oder Constitutiones Capituli Windesemensis, welche nachmals 1508 im Kloster de Hem bei Schoonhoven, auch 1553 zu Utrecht und 1639 zu Löwen gedruckt wurden. Besonders war er auch bedacht auf die Herstellung einer vollständigen Übereinstimmung der Missales, Evangeliarien, Epistolarien, Lectionarien, Psalterien, Kapitularien und Collectarien aller Windesheimischen Klöster; er trug diese mühselige und schwierige Arbeit einer Kommision auf, welche sich dieser Aufgabe in höchst verdienstlicher Weise unterzog. Am bedeutendsten in kritisch-litterarischer Hinsicht war aber die Arbeit, die er dem gelehrtesten seiner Klosterbrüder übertrug, die Herstellung eines correcten Textes der Vulgata, auf der Vergleichung und Prüfung mehrerer alten Manusripte beruhend. Auf gleiche Weise stellte er eine treffliche und in ihrer Art einzige Sammlung der Schriften der vornehmsten Kirchenväter her. Die Klosterbibliothek enthielt zur Zeit Johann Busch’s über hundert Codices und 35 Bücher für den Kirchendienst, die mit der genauesten Sorgfalt abgeschrieben waren. Die scholastischen Schriften eines Thomas von Aquino und dergleichen hielt er aber für weniger geeignet zur Förderung wahrer christlicher Frömmigkeit, empfahl dagegen den Brüdern besonders die stete Vertiefung in ein frommes und gemüthstiefes Büchlein, in der Landessprache geschrieben, welches vom Leben und Leiden Christi handelte, im Cronicon Windesemense aber nur in lateinischer Übersetzung aufbewahrt ist. Freund einer gesunden Mystik, war er jeder überspannten Ascese abhold; er zeichnete sich durch praktischen Sinn und Wohlthätigkeit aus. Groß war daher bald der Ruf des wahrhaft geistlichen und christlichen Lebens, das von Windesheim und seinem Prior ausgehend in allen diesen Klöstern herrschte. Auf dem Concil zu Konstanz, wo Johann V. die Brüder des Gemeinsamen Lebens wider die Verleumdungen eines Dominicaner Mönches, Matthäus Grabow aus Gröningen, zu vertheidigen hatte, wurde es lobend ausgesprochen: „diese Brüder aus Windesheim seien die Geistlichen, welche die Väter des Concils zu sehen und zu hören lange gewünscht hätten.“ Zahlreiche päpstliche und bischöfliche Privilegien legen Zeugniß ab von der hohen Achtung, welche sich die Congregation mehr und mehr erwarb, und fortwährend erbaten neue Klöster die Vereinigung mit Windesheim, so 1414 die dem Kapitel von Grünenthal in Brabant angehörigen sieben Convente. 29 Jahre vertrat Johann V. auf diese Weise nicht nur die Interessen seiner Congregation, sondern auch in weiterem Kreise die der Freunde der modernen Devotion und der Brüder des Gemeinsamen Lebens, welche ihn nach dem Tode des Florentius Radewynsz als ihren geistigen Vater und Berather betrachteten. Gegen das Ende seines Lebens wurde er mehr und mehr vom Asthma gequält; am 2. Decbr. 1424, als er 61 Jahre alt war, erlag er diesem Leiden. In einer Trauerklage heißt es von ihm:

Omnis namque fuit omnibus, ut decuit;
Et dare cum studuit ipse ditior fuit,
Dum memor, ut canitur: Da tibi, tunc dabitur.

Vgl. Acquoy, Het Kloster Windesheim I bl. 230 v. v. II bl. 371 v. v. und van Slee, De kloostervereeniging van Windesheim bl. 28–59, 310 v. v. u. s. w.