ADB:Vries, Adrian de

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Vries, Adrian de“ von Hermann Arthur Lier in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 40 (1896), S. 407–408, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Vries,_Adrian_de&oldid=- (Version vom 22. Mai 2019, 09:35 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Völter
Band 40 (1896), S. 407–408 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Adriaen de Vries in der Wikipedia
GND-Nummer 118770454
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|40|407|408|Vries, Adrian de|Hermann Arthur Lier|ADB:Vries, Adrian de}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=118770454}}    

Vries *): Adrian de V. oder Fries, Bildhauer, wurde im J. 1560 im Haag geboren. Ueber seine künstlerische Erziehung sind wir nicht unterrichtet. Jedenfalls verließ er seine Heimath schon in jungen Jahren. Wir finden ihn nämlich bereits im J. 1576 in Augsburg bei Max Fugger, durch den er den Auftrag erhielt, für Herzog Albrecht V. von Baiern ein Reliquienkästchen anzufertigen. Im J. 1582 erscheint er in Prag, damit beschäftigt, Spranger bei der Ausschmückung seines Familienaltars zu helfen. In den nächsten Jahren ging er nach Italien, besuchte Rom und Florenz und ließ sich in dieser Zeit durch Giovanni da Bologna beeinflussen, dessen Schüler er möglicherweise war. Im J. 1588 trat er in die Dienste des Herzogs Karl Emanuel I. von Savoyen. Bald darauf scheint er Beziehungen mit Kaiser Rudolf II. angeknüpft zu haben. Für ihn fertigte er im J. 1590 eine Gruppe an: „Mercur, der Psyche zum Olymp emporträgt“. Vermuthlich wandte er sich von Italien direct nach Augsburg. Durch einen Vertrag vom 12. August 1596 verpflichtete er sich zur Ausführung eines monumentalen Brunnens. Es ist dies der im J. 1599 vollendete Mercurbrunnen, der ursprünglich auf dem Fischmarkt errichtet, später aber auf den Jacobsplatz versetzt wurde. Im J. 1602 wurde ein zweiter, von V. entworfener Brunnen errichtet, der prächtige Herkulesbrunnen auf dem Weinmarkte vor dem Siegelhaus, der zu den großartigsten Werken dieser Art in Deutschland gehört. Schon vor Vollendung dieses Brunnens war V. durch ein Patent vom 16. Mai 1601 von Kaiser Rudolf II. zum kaiserlichen „Wachspossirer und Bildschnitzer“ ernannt worden. Er siedelte daher nach Prag über und war die nächsten Jahre hindurch hauptsächlich für seinen kaiserlichen Gönner thätig. Zunächst schuf er in den Jahren 1603, 1607 und 1609 drei Broncebüsten des Kaisers in verschiedener Auffassung, von denen die beiden ersten im kunsthistorischen Hofmuseum zu Wien aufbewahrt werden, während sich die dritte im Besitz des South-Kensington-Museums zu London befindet. Im J. 1607 entstand ferner ein lebensgroßer sitzender Heiland, den der Oberhofmeister des Kaisers, Fürst Karl von Liechtenstein, bei V. bestellt hatte. Diese im Geschmacke der Zeit etwas manierirt gehaltene Statue gehört gleichwol zu den besten Arbeiten des Künstlers. In Prag schuf V. ferner noch ein Broncerelief auf die Einnahme von Raab durch die Christen im J. 1597, auf die Schlacht bei Sissek und auf andere Siege Rudolf’s II., für das dieser selbst die nöthigen Angaben gemacht hatte. Ebenso dürfte die kostbare Broncebüste des Kurfürsten Christian II. in der Dresdener Sculpturensammlung, die Rudolf II. dem Kurfürsten zum Geschenke machte, von V. in Prag angefertigt worden sein. In der Collection Seillière zu Paris befinden sich zwei nackte Frauengestalten von der Hand des Künstlers aus dem Jahre 1610, welche den Triumph des Ruhmes über den materiellen Gewinn darstellen. Im Gothaer Museum kann man eine freie Nachbildung des Farnesischen Stieres vom Jahre 1614 sehen. Verkleinerte Wiederholungen dieser Gruppe werden in der Galerie Liechtenstein in Wien und im Grünen Gewölbe in Dresden aufbewahrt. Aus demselben Jahre rührt die gegossene Platte in der Kathedrale St. Johann zu Breslau her, die den heiligen Johann auf dem Roste darstellt. Nach dem Ableben Rudolf’s II. blieb V. auch unter Matthias noch kurze Zeit in kaiserlichen Diensten; seine Wohnung auf dem Prager Hradschin aber behielt er sogar bis zum Jahre 1626 bei, obwol er in jenen Jahren hauptsächlich mit Arbeiten für auswärtige Besteller beschäftigt war. Er unterhielt nämlich enge Beziehungen zu dem Grafen Ernst zu [408] Schauenburg und Pinnenberg, dem er möglicher Weise in Italien nahegetreten war. Schon im J. 1613 bestellte Ernst bei ihm ein silbernes Taufbecken, das heute in der Pfarrkirche zu Bückeburg aufbewahrt wird. Später übernahm V. die Herstellung eines Mausoleums in Stadthagen, das sich Ernst noch bei Lebzeiten errichten ließ. Im J. 1622 beginnen die Arbeiten, die V. für das Palais des Herzogs Albrecht von Wallenstein ausführte. Im Hofe desselben befand sich ein colossaler quadratischer Brunnen. Die ebenfalls colossalen Erzfiguren, mit denen er geschmückt war, sind jedoch nicht mehr in Prag, sondern sie wurden von den Schweden als Beute entführt und im Parke von Drottningholm aufgestellt, wo man im ganzen achtzehn plastische Arbeiten von V. sehen kann. Die letzte derselben, ein lebensgroßer Neptun mit zwei Störchen, trägt die Jahreszahl 1627. Bis zu diesem Zeitpunkt können wir das Wirken des Künstlers verfolgen; doch fehlen uns bis jetzt die Nachrichten darüber, wann und wo er gestorben ist.

Vgl. G. Rathgeber, Aufbau der niederländischen Kunstgeschichte und Museologie = Niederländische Münzen und Medaillen des herzogl. Museums zu Gotha. Hrsg. von J. Leitzmann. Weißensee 1839. S. 111–120. – Jahrbuch der kunsthistor. Sammlungen des allerhöchsten Kaiserhauses. Wien 1883. II, 118–148. – J. und A. Erbstein, Das königl. grüne Gewölbe zu Dresden. Dresden 1884. S. 4. – Zeitschr. für bildende Kunst. Leipzig 1882. XVII, 8–10 u. 37–42; 1884 XIX, 224–226. – C. van Mander, Le livre des peintres. Traduction par H. Hymans. Paris 1885. III, 232 bis 234. – G. Galland[WS 1], Gesch. der holl. Baukunst u. Bildnerei. Frankfurt a. M 1890. S. 270. – (A. Ilg.) Führer durch die Sammlung d. kunstindustriellen Gegenstände. Wien 1891. S. 132, Nr. 14; S. 214, Nr. 39; S. 216, Nr. 56; S. 217, Nr. 70, 71. – Kunstgeschichtl. Charakterbilder aus Oest.-Ungarn. Hrsg. von A. Ilg. Prag, Wien, Leipzig 1893. S. 216 bis 218. – A. Buff, Augsburg in der Renaissancezeit. Bamberg 1893. S. 95.

[407] *) Zu S. 375.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Georg Galland (1857–1915), Professor für Kunstgeschichte an der Akad. Hochschule für die bildenden Künste in Berlin.