ADB:Vukassovich, Josef Philipp von

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Artikel „Vukassovich, Josef Philipp Freiherr von“ von Julian Pallua-Gall in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 40 (1896), S. 375–377, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Vukassovich,_Josef_Philipp_von&oldid=- (Version vom 20. August 2019, 10:17 Uhr UTC)
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Vukassovich: Josef Philipp Freiherr v. V., k. k. Feldmarschalllieutenant, geboren in der Licca in der Militärgrenze im J. 1755, † in Wien am 8. August 1809. Als Sohn eines Grenzofficiers wurde V. in einem Regimentserziehungshause erzogen und aus demselben als Fähnrich in das 1. Grenzregiment eingetheilt; mit diesem machte er den bairischen Erbfolgekrieg in den Jahren 1778 und 1779 mit und kehrte nach Beendigung desselben mit seinem Regimente in die Militärgrenze zurück. Im J. 1787 fand er Gelegenheit Montenegro zu durchreisen und sich eine genaue Kenntniß von Land und Leuten dortselbst anzueignen, eine Kenntniß, die ihm in den bald darauf ausgebrochenen Türkenkriegen von unberechenbarem Werthe war. V. wurde nämlich im J. 1788, bereits als Hauptmann, beauftragt, von Cattaro, seinem Garnisonsorte, aus mit dem Pascha von Scutari und den Bewohnern von Montenegro, Albanien und der Herzegowina [376] wegen Bündnisse gegen die Türkei zu unterhandeln; anfangs fand er reichliche Unterstützung von Seiten der Bergbewohner; als dieselben jedoch bemerkten, daß V. mit seinen geringen Streitkräften (1 Bataillon Grenzer) nicht in der Lage sei, sie von dem verhaßten Türkenjoche zu befreien, ließen sie ihn gänzlich im Stiche; ja, sie traten sogar feindlich gegen sein immer kleiner werdendes Häuflein von Soldaten auf, als sie die Ueberzeugung gewannen, daß V. mit seinem Bataillon nur einen kühnen Streifzug unternommen habe und nicht, wie sie gehofft und erwartet hatten, die Vortruppe größerer österreichischer Streitkräfte bilde. Unter welchen Mühen, Entsagungen und Strapazen es V. endlich gelang mit dem Rest seiner Truppe über Cettinje nach Cattaro zu gelangen, welche List und Geistesgegenwart zu diesem meisterhaft ausgeführten Rückzuge erforderlich war, schildert ausführlich der nachmalige Feldmarschalllieutenant v. Kempen im 5. und 6. Heft der österreichischen militärischen Zeitschrift, Jahrgang 1828. Für sein ruhmvolles Verhalten bei diesem Streifzuge, der doch manche Vortheile mit sich brachte verlieh dem bereits am 11. Juni zum Major vorgerückten V. Kaiser Josef am 15. November 1788 das Kleinkreuz des Maria-Theresienordens, weil „er mehrere Monate in Montenegro gewesen ist, allda mit größter Unerschrockenheit Feinds- und Mörder-Gefahr ausgestanden und mit vieler Geschicklichkeit seinen Auftrag verrichtet hat, und da durch den Meineid des Pascha von Scutari seine Gesellschafter ermordet worden sind, wo also nichts Gedeihliches allda mehr zu thun war, er den Pascha, der ihn angriff, aus dem Feld geschlagen und nacher alle seine Leute durch List und Standhaftigkeit sammt einer sehr ansehnlichen Summa Geldes und vielen Geräthschaften, so ihm anvertraut und auch alldorten zu verlassen gestattet war, dennoch zurückgebracht hat“. Bald darauf errichtete V. aus Montenegrinern, Liccanern und Küstenländern ein Freicorps von 3000 Mann und wurde zum Oberstlieutenant und Commandanten dieses Corps ernannt. Im J. 1790 wurde er zum 1. Grenzregimente rückübersetzt und wurde in demselben am 8. Februar 1794 zum Oberst befördert. Am 23. November 1795 vertheidigte V. in der Schlacht bei Loano durch neun Stunden das Kloster La Certosa, wurde jedoch durch die feindliche Uebermacht zur Capitulation gezwungen, gerieth in feindliche Gefangenschaft, wurde nach Nizza gebracht und konnte erst im März 1796 wieder zur Armee einrücken. Sodann wirkte V. bei der Eroberung der feindlichen Schanzen von Voltri und Masone am 10. April 1796 mit, erhielt hierauf den Befehl schleunigst nach Dego zu marschiren um an den dortigen Gefechten theil zu nehmen, erschien aber infolge eines Datirungsfehlers erst am 15. April am Kampfplatze; sein verspätetes, dem Feinde völlig unerwartetes Eintreffen brachte jedoch große Verwirrung in die französische Armee, welche der Meinung war, das ganze Corps des FZM. Br. Beaulieu stehe ihr entgegen. Die entstandene Verwirrung benützend erbeutete V. 18 Geschütze und 28 Munitionswagen, machte bei 500 Gefangene und vertheidigte sich gegen das von Massena in drei Colonnen zusammengezogene französische Heer durch volle zwei Stunden bis ihn die Uebermacht zwang den Rückzug auf Acqui anzutreten. Er warf sich dann nach Mantua, nahm, inzwischen am 2. Mai 1796 zum Generalmajor befördert, an der Vertheidigung dieser Festung im Juni und Juli 1796 theil und erhielt dann im September das Commando einer Brigade in Tirol; er eroberte am 2. November Segonzano, zog sich aber bei den am 4. November stattgefundenen hartnäckigen Kämpfen um die Stellung von Marco durch einen Sturz eine Verletzung des Schenkels zu, die infolge des Reitens sich derart verschlimmerte, daß er nach Bozen gebracht werden mußte, von wo er am 15. November wieder zu seiner Truppe einrückte.

Im Feldzuge des Jahres 1799 gelang es V. den französischen General Serrurier im Gefechte bei Verderio am 28. April gefangen zu nehmen, er entsetzte [377] die Bergfeste Ceva am 26. Mai und betheiligte sich an den Kämpfen um Mondovi im October und November 1799. Mittlerweile wurde V. am 15. Mai 1799 zum Inhaber des neu errichteten Infanterieregimentes Nr. 48, und am 29. September desselben Jahres zum Feldmarschalllieutenant ernannt. Als solcher hatte er im J. 1800 die Aufgabe bei Bellinzona den Uebergang Bonaparte’s über den St. Gotthard zu verhindern, mußte jedoch der großen Uebermacht weichen und zog sich, sämmtliche Vorräthe auf seinem Wege rettend, in musterhaftester Ordnung nach Mailand, Mantua und über den Mincio zurück. V. wurde am 9. April 1802 als Maria-Theresienordens-Ritter in den erblichen Freiherrnstand auf Grund der Statuten erhoben. Im Feldzuge 1805 commandirte V. eine Division in Italien. Im J. 1809 kämpfte er in der Schlacht bei Aspern am 21. und 22. Mai, sodann am 5. und 6. Juli bei Wagram mit besonderer Bravour, wurde aber am letzteren Schlachttage tödlich verwundet und starb zu Wien am 8. August 1809 an den Folgen dieser Verwundung. Ebenso tüchtig, wie als Soldat, bewährte sich V. als Ingenieur; unter seiner Leitung wurde die Straße über den Wratnigg nach Zengg, sowie die berühmte Luisenstraße über Karlstadt nach Fiume erbaut.

FML. Freiherr v. V. war mit Johanna Gräfin Malfatti vermählt und hinterließ bei seinem Tode einen Sohn Philipp, während die Tochter Johanna am 30. October 1809 nachgeboren wurde.

Acten des k. u. k. Kriegs-Archivs. – Acten der Fachrechn.-Abth. des k. u. k. Reichs-Kriegs-Ministeriums. – Hirtenfeld, Der Militär-Maria-Theresien-Orden und seine Mitglieder, 1. Bd. – Wurzbach, Biographisches Lexicon, 52. Bd. – Hold, Geschichte des kk. Infanterie-Regimentes Nr. 48.