ADB:Wäser, Johann Christian

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Artikel „Wäser, Johann Christian“ von Hermann Arthur Lier in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 41 (1896), S. 228–230, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:W%C3%A4ser,_Johann_Christian&oldid=- (Version vom 17. September 2019, 01:34 Uhr UTC)
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Wäser: Johann Christian W., Schauspieldirector, wurde im J. 1743 auf dem kurfürstlichen Lustschloß Dobrilugk in der Niederlausitz geboren. Er kam schon im J. 1757 zum Theater, indem er sich der Truppe einer gewissen Frau Hochbrucknerin anschloß, die mit Kindern herumzog und Pantomimen aufführte. Als er sich von ihr trennte, begab er sich mit Demoiselle Maria Barbara Schmidtschneider, seiner nachmaligen Frau (geboren zu Nürnberg 1750) nach St. Petersburg, wo damals die Truppe Johann Friedrich Neuhoff’s spielte. Bald darauf scheint er eine eigene Gesellschaft gebildet zu haben, mit der er in Reval, Riga, in polnischen Städten, in Lübeck, Hamburg, Stralsund, Kiel und Rostock spielte. Von Rostock aus wandte er sich im Jahre 1769 in einem langen, schmeichlerisch gehaltenen Brief an den Rath zu Frankfurt, um für dort die Spielerlaubniß zu erhalten. Im Jahre 1770 kam er nach Leipzig, wo er zu Neujahr „in einer vorm Grimmischen Thore bei Großbosen’s Garten dazu erbauten großen Bude“ spielte, mit seinen Abgaben aber im Rückstand blieb. Für die Zeit vom 7. bis 18. Mai erhielt er eine zweite Spielerlaubniß und ebenso für die vom 12. Juni bis zum 24. October, so daß er im Ganzen während dieses Jahres an 79 Tagen in Leipzig spielen durfte. Durch sein Erscheinen in Leipzig wurde der im Comödienhause auftretenden Koch’schen Gesellschaft eine lebhafte Concurrenz bereitet. W. fand namentlich mit der Aufführung von Pantomimen und Ballets, die von dem vorzüglichen Balletmeister Kummer geleitet wurden, großen Beifall, während sich die Freunde des besseren Schauspiels zu Koch hingezogen fühlten. Jedenfalls gerieth das Leipziger Theaterpublicum, für das offenbar schon damals ein kleiner Theaterscandal Bedürfniß war, in eine beträchtliche Aufregung, die in der Presse ihren Wiederhall fand. Am leidenschaftlichsten erklärte sich ein gewisser Siegmund von Schweigerhausen, ein Pseudonymus, unter dem sich vielleicht Ch. H. Schmid, der Verfasser der Chronologie des deutschen Theaters verbarg, in einem umfangreichen Buche: „Ueber die Leipziger Bühne an Herrn J. F. Löwen zu Rostock. 1. und 2. Schreiben“ (Dresden 1770) gegen W., der selbst als Schauspieler nur von untergeordneter [229] Bedeutung gewesen sein soll, aber durch seine schöne Figur imponirte, während seine Frau, obwohl häufig gleichfalls ungünstig beurtheilt, doch im Ganzen in dem Ruf einer guten Schauspielerin stand und namentlich in den Rollen der Medea, Ariadne, Orsina und Lanassa und ähnlichen wilden Frauencharakteren gefeiert wurde. Jedenfalls war eine doppelte Gesellschaft für die damaligen Leipziger Verhältnisse zu viel. Aber obwohl sich Koch gegen seinen Nebenbuhler beschwerte, so wurde W. das weitere Auftreten bis zu seiner Abreise nach Dresden gestattet, die erst Ende October erfolgte. Doch kehrte er noch zweimal nach Leipzig zurück, zuerst im Jahre 1771, wo er an zwanzig Tagen vom 3. bis 23. October, und dann noch einmal im Jahre 1775, wo er an dreißig Tagen vom 26. April bis 26. Mai in seiner Bude vor dem Grimmaischen Thore spielte, die der Rath erst im April 1777 abbrechen ließ. In Dresden eröffnete W. seine Vorstellungen am 19. November 1770, und zwar im Theater auf dem Brühl’schen Walle oder Garten, das nach seinem Weggang nicht mehr benutzt wurde. Am 19. November des folgenden Jahres wurde sein Contract noch um ein Jahr verlängert. Er machte jedoch schlechte Geschäfte und siedelte zu Michaelis 1772 nach Breslau über, das er schon früher von Dresden aus für kürzere Zeit besucht hatte. Von dort aus bereiste er die kleineren schlesischen Städte und brachte es bald zu einem solchen Wohlstand, daß er sich außer dem schlesischen Privilegium, das nach dem Tode Schuch’s ihm übertragen wurde, noch ein zweites preußisches Privilegium erwerben konnte. Ein Versuch, den er im Jahre 1776 in Wien machte, scheint ihm dagegen mißglückt zu sein. Er zog sich nicht ohne Verlust aus dem Handel, fand aber schon im folgenden Jahre reichen Ersatz, indem er neben seiner ersten Gesellschaft durch die Uebernahme der Thymischen eine zweite neue bildete, mit der er im Westen Deutschlands, z. B. in Küstrin, Brandenburg, Braunschweig, Hannover, Minden und Osnabrück, Halberstadt und Magdeburg mit großem Erfolg auftrat, während seine Frau die Leitung der ersten Gesellschaft in Breslau und Schlesien weiter führte. Er starb zu Breslau im J. 1781. Sein Privileg für Schlesien ging auf seine Wittwe über, die das Breslauer Theater bis zu ihrem am 16. December 1797 erfolgten Tode leitete und mit ihren beiden Truppen nicht nur in den schlesischen Gebirgsstädten und in Glogau, sondern auch in Stettin, Magdeburg und in Westfalen spielte, in den letzten Jahren ihrer Direction aber ihre Gesellschaft mehr und mehr in Verfall gerathen ließ. Auch Wäser’s Bruder, geboren 1741, widmete sich der Theaterlaufbahn, obwohl er von Haus aus Radmacher war. Eine Zeit lang vertrat er seinen Bruder Joh. Christian, dann aber bildete er eine eigene Truppe, mit der er in Gesellschaft eines gewissen Krosseck die westpreußischen Städte besuchte. Er war ein rauher, aber biederer Mann, der namentlich in militärischen Rollen Tüchtiges zu leisten vermochte. Er starb in Folge eines Pferdesturzes zwischen Graudenz und Danzig im J. 1789.

Vgl. [Ch. H. Schmid], Chronologie des deutschen Theaters, o. O. 1775 (Register). – Theater-Journal für Deutschland. 14. Stück. Gotha 1780. S. 73–80. – „Etwas von der Wäser’schen Schauspieler-Gesellschaft, zur Ergänzung und Berichtigung der Geschichte der Deutschen Bühne“, abgedruckt in verschiedenen Jahrgängen des „Theater-Kalenders“, z. B. auf das Jahr 1776. Gotha. S. 133, 134, und im Taschenbuch für die Schaubühne auf das Jahr 1778. Gotha. S. 91. Ferner Theater-Journal. 9. Stück. Gotha 1779. S. 39–50 und 11. Stück. S. 33–47. – Theater-Kalender auf das Jahr 1788. S. 249; auf das Jahr 1799. S. 216, 217, 224. – Neues Lesebuch für alle Stände. Hrgg. von C. M. Plümicke. 1789. S. 170–179, 273–282. – Litteratur- und Theater-Zeitung für das Jahr [230] 1783. Berlin. I, S. 23, 61, 113, 227. – Großmann, Lessings Denkmal. Hannover 1791. S. 26. – J. Friedr. Schütze, Hamburgische Theatergeschichte. Hamburg 1794. S. 363, 364. – [Blümner], Geschichte des Theaters in Leipzig. Leipzig 1818. S. 163–173. – Mittheilungen des königlich sächsischen Alterthumsvereins. 25, S. 54–56. Dresden 1875. – R. Prölß, Geschichte des Hoftheaters zu Dresden. Dresden 1878. S. 271 bis 273. – G. Wustmann, Quellen zur Geschichte Leipzigs. I, 471, 489, 490. Leipzig 1889.