ADB:Wüllerstorff-Urbair, Bernhard Freiherr von

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Wüllerstorff-Urbair, Bernhard Freiherr von“ von Oscar Criste in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 44 (1898), S. 308–309, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:W%C3%BCllerstorff-Urbair,_Bernhard_Freiherr_von&oldid=- (Version vom 23. Juli 2019, 01:52 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Wullenwever, Jürgen
Nächster>>>
Wüllner, Franz
Band 44 (1898), S. 308–309 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Bernhard von Wüllerstorf-Urbair in der Wikipedia
GND-Nummer 118635433
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|44|308|309|Wüllerstorff-Urbair, Bernhard Freiherr von|Oscar Criste|ADB:Wüllerstorff-Urbair, Bernhard Freiherr von}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=118635433}}    

Wüllerstorff: Bernhard Freiherr v. W.-Urbair, k. k. Viceadmiral, wurde am 29. Januar 1816 in Triest als der Sohn eines Gubernialrathes geboren, besuchte das Gymnasium in Padua, später in Ofen und trat im J. 1828 in die Pioniercadettenschule zu Tuln, die er als Cadett des Infanterieregimentes Herzog von Württemberg Nr. 40 verließ. Im J. 1833 folgte er einer Aufforderung des Hofkriegsrathes und übertrat als provisorischer Cadett in die Marine und wurde nach gut überstandener Prüfung am 16. April 1835 effectiver Cadett. Im folgenden Jahre als „Officiersdienst thuender Seecadett“ auf der Goëlette „Sphynx“ eingetheilt, studirte er während der Jahre 1837 und 1838 in Wien Astronomie unter der Leitung Littrow’s, wurde am 1. Juni 1839 zum Schiffsfähnrich befördert und mit der Leitung der Marinesternwarte in Venedig, sowie mit der Lehrkanzel für Astronomie und Nautik an der Marineakademie betraut. In dieser Stellung verblieb er, bis der Ausbruch der Revolution ihn zur Flucht nöthigte, deren Folgen seiner ihm am 12. April 1848 angetrauten Gattin (Anna O’Conor of Connaught) das Leben kosteten. In Triest, wo FML. Graf Gyulay die wenigen treu gebliebenen Officiere der kleinen Kriegsmarine gesammelt hatte, wurde ihm das Marine-Divisionscommando und die Verwaltung jenes Materials anvertraut, welches der österreichischen Marine nach dem Abfall der Venetianer übrig geblieben war. Als Escadre-Adjutant dem Commodore Kudriaffsky, dann als Adjutant beim Marineobercommando zugetheilt, mit der besonderen Aufgabe, den Dienst auf deutscher Grundlage zu organisiren, wurde W. später dem FML. Freih. v. Welden, welcher Venedig blockirte, zugewiesen und im Frühjahr 1849 vom Viceadmiral Dahlrup zum Militärreferenten ernannt, in welcher Eigenschaft er sich hervorragend an der Organisation der Marine betheiligte. Bereits am 16. April 1848 zum Fregattenlieutenant, am 16. August desselben Jahres zum Schiffslieutenant befördert, rückte W., mit dem Orden der eisernen Krone III. Cl. ausgezeichnet, am 17. September 1849 zum Corvettencapitän vor und erhielt im folgenden Jahre das Commando über die Brigg „Montecuccoli“. Während des Jahres 1851 betheiligte sich W. als Präsidialreferent und Admiralitätsrath hervorragend an den Reorganisationsarbeiten der Marine, wurde am 21. März 1852 Fregattencapitän und unternahm längere Kreuzungen und Uebungsreisen mit den Zöglingen der Marineakademie. Am 5. Mai 1856 zum Schiffscapitän befördert, wurde W. vom Erzherzog Ferdinand Maximilian mit der Ausarbeitung von Instructionen für eine große Seeexpedition sowie mit der Ausrüstung der Fregatte „Novara“ beauftragt, die er während der zweijährigen Reise (30. April 1857 bis 26. August 1859) mit dem Range eines Commodore commandirte. Von der Expedition zurückgekehrt, wurde W. mit dem Orden der eisernen Krone II. Cl. ausgezeichnet, in den Freiherrnstand erhoben (13. Februar 1860) und mit der Ordnung aller während der Expedition unter seiner Leitung ausgeführten meteorologischen, astronomischen und sonstigen Beobachtungen, dann mit der Herausgabe des nautisch-physicalischen Theiles derselben beauftragt. Im Mai 1860 erhielt W. das Commando über ein kleines Geschwader, das er nach Sicilien führte, um daselbst im Momente des Einbruchs der Garibaldi’schen Freischaaren die Staatsangehörigen und die Handelsinteressen Oesterreichs zu schützen, wurde nach seiner Rückkehr zum Hafenadmiral und Festungscommandanten von Pola ernannt, am 23. März 1861 zum Contreadmiral befördert und in demselben Jahre als Vertreter des Marineobercommandanten beim Reichsrathe nach Wien gesandt. Während seines Aufenthaltes in der Residenz lernte er die Tochter des FML. Grafen Rothkirch, Leopoldine, kennen, mit welcher er sich am 3. August 1861 vermählte. Nach einer größeren Reise durch Deutschland, die Schweiz, Frankreich, Belgien und Holland zum Zwecke des Studiums der Eisenindustrie mit Rücksicht auf Oesterreich und dessen Marine, wurde W. 1863 Hafenadmiral und [309] Arsenalcommandant von Venedig, im folgenden Jahre aber beauftragt mit sämmtlichen ausgerüsteten Schiffen nach dem nordischen Kriegsschauplatz abzugehen, wohin Schiffscapitän Tegetthoff bereits vorausgeeilt war. Nach Ueberwindung mannigfacher Schwierigkeiten, darunter Seestürme im adriatischen Golf und im atlantischen Ocean, langte W. im Norden an, wo jedoch Tegetthoff mit der Seeschlacht von Helgoland den Feldzug schon entschieden hatte. W. segelte nun nach Cherbourg und verblieb dort bis zum Ablauf des Waffenstillstandes, worauf er nach Cuxhaven fuhr, um sich dort mit Tegetthoff zu vereinigen. Von hier aus unternahm er mit einer Division einen Angriff auf die noch besetzten Westinseln, die er nahm, um dann mit der Escadre nach Pola zurückzukehren. Diese Expedition hatte die volle Zufriedenheit nicht zu finden vermocht; W. wurde am 3. December 1864 in Disponibilität versetzt und trug sich mit dem Gedanken, den Befehl über die von Dr. Petermann geplante Polarexpedition zu übernehmen, als er am 30. September 1865 zum Handelsminister ernannt wurde. In dieser Stellung gelang es W. vortheilhafte Handelsverträge mit England, Frankreich, Italien, Belgien, Holland und der Schweiz abzuschließen; besondere Aufmerksamkeit aber widmete er dem Post- und Communicationswesen. „Die beträchtliche Portoreduction für Briefe, Werthpapiere und andere Sendungen, die Einführung der Correspondenzkarte haben sich von ungeheurer Tragweite für die Erweiterung der internationalen Beziehungen des Volkes erwiesen und eine Steuer beseitigt, welche bisher nicht minder empfindlich auf Fortschritt und Intelligenz als auf Handel und Verkehr lastete“. Eine der wichtigsten und großartigsten Unternehmungen, welche unter Wüllerstorff’s Amtsleitung reiften, war der Bau eines Dockhafens in Triest. Der ohne Wissen Wüllerstorff’s fast einstimmig abgeschlossene staatsrechtliche Ausgleich mit Ungarn – W. war besonders gegen eine vollständige Trennung der volkswirthschaftlichen Angelegenheiten der beiden Reichshälften – veranlaßte ihn, seine Demission zu geben, die unter Verleihung des Großkreuzes vom Leopoldsorden und Ernennung zum lebenslänglichen Mitgliede des Herrenhauses am 18. April 1867 angenommen wurde. An demselben Tage wurde W. zum Commandanten der ostasiatischen Expedition ernannt; Kränklichkeit und Ueberanstrengung nöthigten ihn jedoch auf diese Stelle zu verzichten und um die Versetzung in den Ruhestand zu bitten. Am 19. October 1867 in den Disponibilitätsstand, am 15. Februar 1869 in den bleibenden Ruhestand übernommen, lebte W. größtentheils auf dem Gute Ruhberg bei Graz. Er starb am 10. August 1883 zu Klobenstein in Tirol. W., der Mitglied der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften und zahlreicher ausländischer geographischer und naturwissenschaftlicher Gesellschaften war, hat auch als Fachschriftsteller eine wirksame und fruchtbare Thätigkeit entwickelt. Von seinen zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten seien hervorgehoben die Vorschläge über die Verwerthung des Aneroid zur Bestimmung der Schwere, seine Beiträge zur Theorie der Luftströmungen und seine Analyse des Curses des Schiffes „Tegetthoff“ während der Weyprecht-Payer’schen Expedition.

Die Acten der Marinsection des k. u. k. Kriegsministeriums. – Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreichs. – Allgemeine Zeitung, Jahrgang 1883, Nr. 340.