ADB:Wüstenfeld, Ferdinand

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Artikel „Wüstenfeld, H. Ferdinand“ von Julius Wellhausen in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 55 (1910), S. 139–140, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:W%C3%BCstenfeld,_Ferdinand&oldid=- (Version vom 15. September 2019, 17:23 Uhr UTC)
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Wüstenfeld: H. Ferdinand W. ist am 31. Juli 1808 zu Münden geboren und hat dort und in Hannover die Schule besucht. Er studirte ein Jahr in Berlin, vornehmlich aber in Göttingen unter Tychsen und dem damals noch sehr jugendlichen Ewald. In Göttingen promovirte (1831) und habilitirte (1832) er sich auch und führte dann dort länger als sechzig Jahre ein stilles Gelehrtenleben. Sein Hauptamt war das des Bibliothekars, als akademischer Lehrer trat er wenig hervor. Seine Muße verwandte er auf das Arabische, worauf er sich mehr und mehr beschränkte, nachdem er anfangs die orientalischen Sprachen in weitem Umfang, z. B. auch das Sanskrit, in den Kreis seiner Studien gezogen hatte. Die Summe seiner litterarischen Leistungen, die er selbst in dem Göttinger Katalog gebucht hat, ist erstaunlich, wenn man bedenkt, daß er ursprünglich von zarter Gesundheit war und außer in den Ferien bis Nachmittags um drei oder vier Uhr auf der Bibliothek zu thun hatte; sie zeigt, wie weit man es bei regelmäßigem Leben und regelmäßigem Fleiße bringen kann. Seine Hauptthätigkeit war auf die Herausgabe arabischer Prosaisten gerichtet; einige davon hat er selber, in seiner sauberen, klaren Schrift, lithographirt. Vorzugsweise waren es Historiker und Geographen, die er edirte. So die älteste Biographie des Propheten Mohammed von Ibn Hischam, das historische Compendium des Ibn Kutaiba, die Chroniken der Stadt Mekka, die große Biographiensammlung des Ibn Challikan; ferner die geographischen Wörterbücher von alBekri und von Jakut, und die Kosmographie des Kazvini – lauter wichtige und meist sehr umfangreiche [140] Werke, deren Herausgabe jetzt nur Akademien unternehmen würden. Ueberall sind sorgfältige und zum Theil ganz ausführliche Indices beigegeben; die Register zum Jakut füllen einen Band von fast 800 Seiten. Solche Arbeit, die Anderen eine unerschwingliche Selbstverleugnung kostet, verrichtete W. mit Vergnügen; Er hat auch höchst nützliche genealogische Tabellen und Verzeichnisse über die Stämme, Geschlechter und Familien der Araber angefertigt; ferner eine vergleichende Uebersicht der islamischen und der christlichen Zeitrechnung; endlich eine Menge von Abhandlungen für die Göttinger Gesellschaft der Wissenschaften, meist Excerpte aus unedirten arabischen Handschriften enthaltend, aber auch z. B. ein chronologisch geordnetes Verzeichniß der arabischen Geschichtschreiber. Kritik war nicht gerade seine Sache; von Poesie, die auch von den arabischen Prosaisten überall eingestreut wird und bei Jakut geradezu die Hauptsache ist, verstand er nichts. Aber ohne seine Arbeiten könnten wir jetzt doch gar nicht auskommen; sie gehören zum nothwendigen, selbstverständlichen Handwerkszeug des Arabisten und sind trotz der ihnen anhaftenden Mängel außerordentlich dankenswerth. Er starb hochbetagt und erblindet am 8. Februar 1899 zu Hannover.

Nachrichten über seine Familie hat Wüstenfeld selbst gegeben in einem sehr genauen Stammbaum auf mehreren Tafeln in Großfolio und in einem Geburtskalender von einigen hundert Verwandten. – In der Göttinger Universitätschronik für das Rechnungsjahr 1898–1899 steht ein Nekrolog über ihn von Dziatzko, der einige Daten enthält.