ADB:Wagner, Friedrich Ludwig

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Wagner, Friedrich Ludwig“ von Ferdinand Sander in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 40 (1896), S. 494–495, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Wagner,_Friedrich_Ludwig&oldid=- (Version vom 8. Februar 2023, 01:26 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 40 (1896), S. 494–495 (Quelle).
Wikisource-logo.svg [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Friedrich Ludwig Wagner in der Wikipedia
Wikidata-logo.svg Friedrich Ludwig Wagner in Wikidata
GND-Nummer 11709577X
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|40|494|495|Wagner, Friedrich Ludwig|Ferdinand Sander|ADB:Wagner, Friedrich Ludwig}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=11709577X}}    

Wagner: Friedrich Ludwig W., hessischer Theolog und Schulmann, geboren am 22. Juli 1764 in Seeheim an der Bergstraße, † am 15. November 1835 in Darmstadt. Sohn eines lutherischen Pfarrers, verlor W. früh den Vater und erklomm mühsam unter drückenden Umständen die Bahn zum gleichfalls von ihm erwählten theologischen Berufe. Zum Besuche des Darmstädter Gymnasiums nahm ihn sein Oheim, der Hofglaser Wagner, ins Haus. Auf der Universität Gießen befreundete W. sich besonders mit Friedrich Heinrich Christian Schwarz (s. d.). Beide gehörten einer von W. gestifteten, regsamen litterarischen Gesellschaft an. Mit Schwarz zusammen bestand er 1785 die theologische Prüfung und trat 1786 als Hauslehrer bei einer Familie von Valentini in Hachenburg ein. Schon hier begann er, seine Muße litterarisch zu verwerthen, als Mitarbeiter an Schönebeck’s „Rheinischen litterarischen Unterhaltungen“ und als Uebersetzer einer Biographie Buffon’s. Im J. 1790 zum Lehrer an der Mädchenschule in Darmstadt ernannt, warf W. sich fortan mit Eifer auf Theorie und Praxis des Schulwesens; 1794 trat er als Lehrer ans Gymnasium über, ward 1802 Garnisonsprediger, 1803 daneben Hofbibliothekar, 1806 als Kirchen- und Schulrath (später Geheimer Kirchenrath) Mitglied der Landesbehörde für Kirchen- und Schulwesen, in der er als Examinator und wohlwollender Gönner junger Theologen, wie ganz besonders als begeisterter Förderer des Volksschulwesens neben seiner pfarramtlichen Thätigkeit rastlos wirkte. Voll Empfänglichkeit für alle neuen, fortschrittlichen Gedanken und Bestrebungen, brachte W. auch Pestalozzi warmes Interesse entgegen und verweilte bei diesem auf einer Schweizreise mehrere Wochen in Burgdorf. Die Keime mancher treibenden Ideen mögen damals in seinem Innern gelegt sein. Im Ganzen aber war W. ein echter Sohn des 18. Jahrhunderts und einer der begeistertsten, rückhaltlosesten, dabei aufrichtigsten und ehrenwerthesten Verfechter des s. g. Vulgärrationalismus. Man kann kaum eine bezeichnendere Probe dieser Sinnesart, namentlich auch in pädagogischer Hinsicht, aufweisen als seine unglaublich nüchternen, altklugen und oft geschmacklosen, dabei aber überaus ernst und gut gemeinten „Lehren der Weisheit und Tugend“, die bis zu seinem Tode bereits 16 starke Auflagen erlebt hatten und u. A. noch 1870 und 71 von gemeinnützigen Vereinen als Lazarettlectüre verbreitet wurden. Verdienstlichen Antheil nahm W. besonders auch an der Gründung des Lehrerseminars zu Friedberg (1817). Mitten im ruhigen und glücklichen Alter trafen 1835 den rüstigen Greis schwere häusliche Trauerfälle, besonders im Mai der Tod seiner Gattin, und erschütterten seine Lebenskraft, sodaß er im Spätherbste, gestärkt durch festen, fröhlichen Glauben an Gott, Tugend und Unsterblichkeit, seinem Siechthum erlag: viel betrauert im Kreise seiner gleichgesinnten Freunde und Anhänger, während er dem jüngeren theologischen Geschlechte durch nachdrückliches Eintreten für Aufklärung nach dem Sinne des absterbenden Zeitalters längst unbequem geworden war. – W. gab heraus: „Buffons Leben nebst dessen Theorie der Erde und Epochen der Natur. Aus dem Französischen“ (Frankfurt und Leipzig 1789); „Lehren der Weisheit und Tugend in Fabeln, Erzählungen und Liedern“ (Leipzig 1792, oft aufgelegt); „Handbuch der Jugend in Bürgerschulen“ (Frankfurt 1796, viele Auflagen); „Versuch eines faßlichen Gesammtunterrichts der Welt- und Völkergeschichte in ihrem periodisch-synchronistischen Zusammenhange aus einer neuen historischen Welttafel in 6 Blättern“ (Gießen 1806); „Frische Proben deutscher Dichtkunst aus dem 13. Jahrhunderte, oder Hugo von Trimberg und sein Werth“ (im Norddeutschen Merkur von 1808, 4 Stücke): „Ewiger Musenalmanach junger Germanen“ (Frankfurt 1806, 2. Aufl. 1808). In höherem Auftrage redigirte W. das hessische „Allgemeine evangelische Gesangbuch“ (Darmstadt 1811); außerdem gab er einige Predigten, geistliche Casualreden, liturgische Gebete u. s. w. in Druck. [495] Mit Schwarz in Heidelberg, d’Autel in Stuttgart, Schellenberg in Wiesbaden verband er sich zur Herausgabe der „Jahrbücher für Volksschulen“ (Darmstadt 1820–30, 10 Bände).

Vgl. Hergang’s Pädagog. Realencyklopädie und Allgemeine Schulzeitung (1836).