ADB:Walther (Begharden-Prediger)

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Artikel „Walther (Begharden-Prediger)“ von Ludwig Keller in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 41 (1896), S. 33–34, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Walther_(Begharden-Prediger)&oldid=- (Version vom 16. September 2019, 08:51 Uhr UTC)
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Walther: W., ein wandernder Prediger (Apostel) der Brüdergemeinden, die in der Streitlitteratur des 14. Jahrhunderts „Begharden“ oder „Lollharden“ genannt werden, wurde ums Jahr 1322 in der Nähe von Köln, wohin er von Mainz zu reisen im Begriff war, auf Befehl des Erzbischofs Heinrich von Virneburg verhaftet, ins Gefängniß geworfen, gefoltert und zuletzt verbrannt. W. wird in den Quellen als einer der angesehensten Vertreter der damaligen „Begharden“ bezeichnet und es ist ausdrücklich überliefert, daß er religiöse Schriften in deutscher Sprache verfaßt hat. Mosheim vermuthet (De Beghardis et Beguinabus. Lips. 1790, S. 294), daß W. der Verfasser des bekannten Tractats von den „neun Felsen“ sei. Es läßt sich dafür keinerlei Anhalt beibringen, aber es bleibt wichtig, daß wenigstens einzelne der zahlreichen sog. mystischen Tractate, die in jener Zeit anonym erschienen, an bestimmte Namen angeknüpft werden können; viele derselben [34] wurden später Meister Eckhard oder Tauler zugeschrieben, weil man vergeblich nach den Spuren der wahren Verfasser suchte. W. stammte angeblich aus den Niederlanden, war von großer Beredsamkeit, verstand auch lateinisch, und wirkte lange bevor er ergriffen wurde, in den Rheingegenden und vielleicht auch in Westfalen. Das Provinzialconcil, das Erzbischof Heinrich von Köln im J. 1322 abhielt, beschäftigte sich mit Vorkehrungen gegen das weitere Umsichgreifen der Ketzerei und die Mittel, die man anwandte, waren besonders in Westfalen so wirkungsvoll, daß diese Gegenden ihren Glauben besonders rein bewahrten. Die Versuche, den gefangenen W. durch die Folter zur Anzeige seiner Mitschuldigen zu zwingen blieben erfolglos. Die Chronisten berichten, daß er zahlreiche Glaubensgenossen am Rheine, besonders aber in Oesterreich, Böhmen und den benachbarten Ländern besessen habe, wo ihre Zahl 800 000 Seelen betragen haben soll.

Nach Catal. Cod. Lat. Bibl. Reg. Monacensis Tom. I, P. II (1871) Nr. 336 findet sich in München ein Mscr. mit dem Titel: „De quodam Walthero“, das Nachrichten über Walther enthält. – Mosheim, De Beghardis et Beguinabus. Lips. 1790, p. 270 ff. 585. – H. Stangefol, Annal. Circ. Westphalici. Col. 1656, Lib. III, p. 410. – Trithemius, Annales Coenobii Hirs. Tom. II, p. 155. – Schaten, Annal. Pad. I. II, p. 249 f. – Ch. Lea, A history of the inquisition II, 373.