ADB:Weiß, Johann Paul

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Artikel „Weiß, Johann Paul“ von Hermann Arthur Lier in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 41 (1896), S. 572, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Wei%C3%9F,_Johann_Paul&oldid=- (Version vom 18. Juni 2019, 17:26 Uhr UTC)
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Weiß: Johann Paul W., Mitarbeiter Zinzendorf’s bei der Begründung der Brüdergemeine, wurde am 20. Januar 1695 zu Nürnberg geboren. Von Kind auf in den Anschauungen des strengen Lutherthums aufgewachsen, ging er, nachdem er in Nürnberg zum Kaufmann ausgebildet worden war, im J. 1715 nach Holland, wo er sich in Amsterdam niederlassen und ein Geschäft begründen wollte. Von da aus begab er sich auf Reisen, kehrte aber von Genua aus, auf Wunsch seines Vormundes, nach Nürnberg zurück, wo er sich verheirathete und mit seinem Schwiegervater David Schöber eine Companie-Handlung begründete, die er mit Hülfe seiner Verbindungen in Holland, England und Frankreich bald zu hoher Blüthe brachte. Dennoch fühlte er sich nicht glücklich, da er an Glaubenszweifeln zu leiden hatte, bis er eine Erweckung erfuhr und nunmehr mit den Separirten in Nürnberg zu verkehren begann. Während der Michaelismesse 1727 in Leipzig wurde er durch einen gewissen Hans Neißer auf Zinzendorf und sein Werk aufmerksam. Seitdem hielt er zur Brüdergemeinde, besuchte Herrnhut im J. 1734 und nahm an der Abendmahlsfeier der Gemeine theil. Im J. 1738 finden wir ihn bei Zinzendorf in Marienborn, wo er mit dem Grafen eine ernste Auseinandersetzung über Glaubensdinge hatte. Dennoch konnte er sich nicht entschließen, nach Marienborn zu übersiedeln, da seine Frau davon nichts wissen wollte. Da W. in Nürnberg unter den Erweckten Versammlungen abhielt, wurde er von der lutherischen Geistlichkeit bei Rath und Bürgermeister denuncirt. Infolge dessen sah sich der Magistrat veranlaßt, die Versammlungen zu verbieten, und W. hielt es für angezeigt, Nürnberg zu verlassen und nach Herrnhut zu ziehen (1740), obwol er gegen das damalige Thun und Treiben des Grafen Zinzendorf schwere Bedenken hegte. Indessen gelang es Zinzendorf W. von der Aufrichtigkeit seiner Gesinnung zu überzeugen und ihn zu bestimmen, daß er die Aufsicht über die Gemeine in Herrenhaag übernahm. Einige Jahre später begleitete er die Gräfin Zinzendorf nach Ebersdorf, um ihr bei der Beseitigung der gegen die Brüder erhobenen Schwierigkeiten zu helfen. An der Begründung der Brüdergemeine Niesky bei Görlitz nahm W. hervorragenden Antheil. Auch an der Etablirung der Brüdergemeine in Livland und der Einrichtung der drei schlesischen Gemeinden Gnadenberg, Gnadenfrei und Neusalz a. O. half er eifrigst mit. Wiederholt weilte er in Holland und England, da die Brüder sich seiner Gewandtheit in allen ökonomischen Fragen mit großem Vortheil bedienten. So führte er ein äußerst unruhiges Leben, bis er wegen vorgerückten Alters im J. 1772 alle seine Aemter niederlegte. Er starb in Herrnhut am 7. September 1779. – W. gehörte zu den Wenigen, die dem genialen Treiben Zinzendorf’s energischen Widerstand entgegensetzten. Durch seine Aufrichtigkeit und originelle Persönlichkeit bildete er ein wohlthuendes Gegengewicht gegen die Ueberschwänglichkeiten des Grafen. Gerade deshalb aber stand er bei ihm in hohem Ansehen, zumal er sein ansehnliches Vermögen uneigennützig in den Dienst der Brüdersache stellte. Er ist auch als Liederdichter aufgetreten und hat zum Brüdergesangbuch des Jahres 1778 die Nummern 635, 9 und 705, 1–3 beigesteuert.

Vgl. Nachrichten aus der Brüder-Gemeine, 1844. 26. Jahrg. Gnadau. S. 750–776. – (Christian Gregor,) Historische Nachrichten vom Brüder-Gesangbuch des Jahres 1778. 2. Aufl. Gnadau 1851. – (E. W. Cröger,) Geschichte d. erneuerten Brüderkirche. Gnadau 1852–1854. (Register.)