ADB:Zinzendorf, Nicolaus Graf von

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Artikel „Zinzendorf und Pottendorf, Nicolaus Ludwig Graf von“ von Paul Tschackert in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 45 (1900), S. 344–353, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Zinzendorf,_Nicolaus_Graf_von&oldid=2957915 (Version vom 21. Juli 2017, 02:46 Uhr UTC)
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Band 45 (1900), S. 344–353 (Quelle).
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Zinzendorf: Nicolaus Ludwig, Graf v. Z. und Pottendorf, † 1760. Unter den religiösen Persönlichkeiten der neueren Zeit hat Z. innerhalb des Protestantismus eine hervorragende Bedeutung, indem er in einer Zeit, wo das religiöse Bewußtsein der Gebildeten auffällig verflachte, eine weit reichende Gegenwirkung dadurch ausübte, daß er im Kreise seiner Anhänger und weit darüber hinaus eine persönliche Frömmigkeit erneuerte; ja sein religiöser Einfluß wirkt heute noch nach, wie das ganze Leben und Weben der Herrnhuter Brüdergemeinde auf Schritt und Tritt zeigt. Als concrete geschichtliche Gestalt steht Z. im besondern aber innerhalb des Pietismus, dessen Vorzüge und dessen Fehler sich förmlich in ihm personificiren, den er aber über das kleinliche und bloß individualistische, das ihm anhaftete, hinaushob, ihn zu universalistisch-christlichem Denken anregte und dadurch die evangelische Heidenmission in Gang brachte. Noch heute sind die Missionsleistungen der Herrnhuter Brüdergemeinde von keiner deutschen Missionsgesellschaft erreicht; sie geht noch immer, und nun schon länger als anderthalb Jahrhunderte, der deutschen evangelischen Christenheit mit leuchtendem Beispiel voran. Unter solchen Umständen ist es gerechtfertigt, das Leben ihres Stifters hier in relativer Ausführlichkeit darzustellen.

Z. stammt aus einem alten niederösterreichischen Dynastengeschlechte, von dem ein Zweig protestantisch geworden und ausgewandert war. Dieser Linie gehörte der kursächsische Cabinetsminister Graf Ludwig Z. an; diesem wurde unser Nicolaus Ludwig am 26. Mai 1700 geboren. Unter seinen Taufpathen war auch Spener. Da Zinzendorf’s Vater frühe starb, und seine Mutter eine zweite Ehe einging, übernahm seine fromme pietistisch gesinnte Großmutter, eine Frau v. Gersdorf zu Hennersdorf, die Erziehung des Knaben. Bald zeigte sich [345] seine glänzende geistige Begabung vereint mit zartester Empfindung und Tiefe des Gemüthes; doch neigte er schon als Knabe zu genialen Einfällen und Absonderlichkeiten. Durch die pietistische Großmutter war er bereits angeleitet, seine Seligkeit in dem innigsten persönlichen Umgange mit dem Heilande zu suchen, als er im Alter von zehn Jahren in das Pädagogium der Francke’schen Stiftungen nach Halle kam. Hier schlug die pietistische Gemeinschaftsidee der Sammlung von ecclesiolae in ecclesia[WS 1] in seinem Herzen tiefe Wurzeln, und sie hat ihn zeitlebens nicht mehr verlassen. Schon im fünfzehnten Lebensjahre suchte er sie unter seinen Mitschülern durch Stiftung eines „Senfkornordens“ (nach Matth. 13, 31) zu verwirklichen. Sein Oheim und Vormund sah solche pietistische Extravaganzen ungern; um ihnen entgegenzuwirken, schickte er den Jüngling zum Studium der Rechtswissenschaft auf die von der Orthodoxie beherrschte Universität Wittenberg. Der Aufenthalt daselbst (1716–19) brachte das Gute, daß Z. einigermaßen ernüchtert und über die Enge des Halleschen, subjectiv-pietistischen Gesichtskreises hinausgehoben wurde, was der universellen Richtung seines Geistes durchaus entsprach; aber die Grundidee der Sammlung der ecclesiolae in ecclesia hielt er fest, wenn auch die Realisirung derselben zunächst noch aufgeschoben werden mußte. Nach damaliger Sitte begab sich Z. nach Abschluß seiner Wittenberger Studien 1719 auf Reisen nach Holland und Frankreich. Zwei Jahre konnte er darauf verwenden und fand Gelegenheit, bedeutende Persönlichkeiten der verschiedenen christlichen Confessionen und Secten kennen zu lernen. Die Erfahrungen, die er machte, concentrirten sich schließlich alle auf seinen „Lieblingsgedanken einer großartigen Seelensammlung für den Herrn Jesus“. In dieser Stimmung trat Z. nach seiner Heimkehr im J. 1721 als Hofrath zu Dresden in kursächsische Dienste; doch liegt auf der Hand, daß eine solche Beschäftigung seiner von hohen Plänen erfüllten Persönlichkeit schlechterdings nicht genügte; der Gedanke seines Lebens verließ ihn nie, und unerwartet schnell bot sich ihm Gelegenheit ihn in die Wirklichkeit umzusetzen, als Flüchtlinge aus der böhmischen und mährischen Gemeinde auf sächsischem Boden Zuflucht suchten. Reste der alten evangelischen Brüderkirche hatten sich in Böhmen und Mähren trotz aller Bedrückungen von seiten des Katholicismus erhalten, konnten aber nur heimlich und in steter Todesgefahr ihren evangelischen Gottesdienst halten, während sie öffentlich der katholischen Kirche angehören mußten. Da geschah es, daß ein Mitglied ihres Kreises, das auf Reisen zu tiefer evangelischer Frömmigkeit erweckt war, der Zimmermann Christian David, den Gedanken der Auswanderung unter ihnen rege machte, und unter seiner Führung suchten und fanden sie im J. 1722 Zuflucht jenseits der sächsisch-böhmischen Grenze auf den Gütern des Grafen Zinzendorf in der Lausitz. Zwar war der Graf gerade abwesend; aber sein Verwalter wies ihnen mit Genehmigung der Großmutter des Grafen Land am Hutberge bei Berthelsdorf zur Niederlassung an. Mit den Worten Ps. 84, 4[WS 2] that Christian David den ersten Axthieb bei Fällung der Bäume zum Bau des ersten Hauses der Brüdercolonie, die sinnig den Namen Herrenhut erhielt. Ungesucht erwuchs so für den Grafen ein Ort, den er zum Mittelpunkte der Seelensammlung, wie sie ihm vorschwebte, machen konnte. Die Kunde von dem Aufbau dieses Zions der Gemeinde zog alsbald nicht nur weiter böhmische und mährische Exulanten, sondern auch allerlei andere religiös erregte Seelen, Pietisten, Separatisten, Schwenkfeldianer u. A. hierher, und wie ein Wunder erscheint es, daß die Persönlichkeit des Grafen durch ihre erhabene Religiosität, ihr Organisationstalent, Klugheit und Elasticität diesen disparaten Haufen zur Einheit zusammenzuhalten verstand. An Separation von der lutherischen Landeskirche dachte Z. zunächst nicht, die Colonie wurde zuerst der Parochie Berthelsdorf eingepfarrt; aber bald stellten [346] sich Schwierigkeiten ein. Die Mähren forderten Herstellung ihrer alten mährischen Verfassung und Zucht; von den übrigen Elementen wollte Jedes das, was ihm als Hauptsache erschien, in den Vordergrund gestellt wissen; einig waren sie nur alle in dem Wunsche, sich nicht dem lutherischen Pfarrer Rothe in Berthelsdorf unterzuordnen. Da fand der Graf ein neues Einigungsband; er ließ über die Verfassung der Gemeinde das Loos als Stimme Gottes entscheiden, und als dies zu Gunsten der altmährischen Verfassung entschieden hatte, entwarf er eine Verfassung mit altmährischen Formen und Namen. Sie bot dabei den Vortheil, daß man als Fortsetzung einer vorreformatorischen Märtyrerkirche auftreten konnte. Daraufhin constituirte sich die Colonie am 13. August 1727 als erneuerte Brüderkirche (oder Brüderunität. Die von Z. entworfenen „Statuten“ derselben bei Kölbing, Gedenktage der erneuerten Brüderkirche, Gnadau 1848, S. 49).

Gleich nach ihrer Constituirung begann die Herrnhuter Brüdergemeinde eine erstaunliche Propaganda zu entfalten; theils wurden in Deutschland, Holland, England, Irland, Dänemark, Norwegen und Nordamerika neue Gemeindeorte gegründet, theils Glieder der Gemeinde in evangelische Länder geschickt, um innerhalb der Landeskirchen kleinere Gemeinschaften (Societäten) mit herrnhutischem Geist und Formen zu stiften. Entsprechend der mährischen Verfassung nahm die Brüderkirche das altmährische Bischofsamt herüber; der Berliner Hofprediger Jablonsky, der selbst mährischer „Bischof“ war, ordinirte 1735 ein Mitglied der Herrnhuter Gemeinde, den Stellmacher David Nitschmann, und 1737 den Grafen Z., der sich 1734 in Tübingen als Candidat des Predigtamtes hatte examiniren lassen, zu Bischöfen; die nahe Beziehung der Herrnhuter zu England trug das ihrige dazu bei, daß man seither in den Kreisen der Brüdergemeinde auf die bischöfliche Succession großes Gewicht legte. Aber die herrnhutischen Bischöfe sind nur Titularbischöfe; sie haben keinen Sprengel, kein Kirchenregiment, keinen Kirchenbann. Das ruht alles in den Händen der Unitätsältesten, unter denen das Laienelement entschieden vorherrscht. Statt der Pastoren gibt es predigende Brüder, die Seelsorge ist Aeltesten und Chorhelfern überwiesen. Diese Verfassung ist das Einheitsband der Gemeinde, von der Z. annahm, daß sie die Sammlung von Seelen sei, die dem Heiland angehören, so daß von der Proclamation eines besonderen kirchlichen „Bekenntnisses“ zunächst Abstand genommen wurde; in Wahrheit war indeß die Person des Grafen selbst der eigentliche Einheitspunkt der Herrnhuter Gläubigen. Inzwischen hatte aber die Gemeinde bei den Kirchen- und Staatsregierungen Aufsehen erregt, das sich beständig steigerte; es bedurfte nur eines Anlasses, um gegen sie einzuschreiten. Derselbe kam wahrscheinlich von Oesterreich, dessen Regierung auf den Grafen Z. schlecht zu sprechen war, da er ihr soviele böhmische und mährische Emigranten entzog. Aus Rücksicht auf Oesterreich verwies die kursächsische Regierung 1736 ihn des Landes. Er nahm seine Zuflucht zu dem damaligen Asyl der Verfolgten in der Wetterau, wo alle um der Religion willen Verfolgten Schutz fanden. Zu Ronneburg bei Büdingen ließ er sich mit einer kleinen „Haus- und Pilgergemeinde“ nieder, gründete die bald blühenden Gemeinden Marienborn und Herrnhag und machte ausgedehnte Reisen in Europa (Ostseeprovinzen) und Amerika. Die Fluth von Streit- und Schmähschriften, die sich jetzt über die Gemeinde und ihren Stifter ergoß, focht ihn nicht an; und doch bot sie allerdings Anlaß zur Kritik genug.

Damals geschah es nämlich, daß die Gemeinde einen Specialbund mit Jesus schloß; es ereignete sich dies am 16. September 1741, auf einer Synode zu London, als der „Generalälteste“ Leonhard Dober um Entlassung aus seinem Amte bat, weil die Synode bemerkt hatte, daß er dazu nicht die rechte Art der [347] Gabe habe. Da entschied man sich, keinen anderen als Jesum selbst zum Generalältesten anzunehmen; „und er gab uns“, so berichten die brüderischen „Gedenktage“, „seine Genehmigung zu erkennen“ (wahrscheinlich durch das Loos). „Die Rede war nicht davon, ob der Heiland der Hirte und Bischof unserer Seelen überhaupt sei, sondern unser Sinn und Herzensanliegen war, daß er einen Specialbund mit seinem geringen Brüdervolk machen, uns als sein besonderes Eigenthum annehmen, sich um alle unsere Umstände bekümmern, über uns ganz besonders wachen, sich mit einem jeden Gliede der Gemeinde persönlich einlassen und alles dasjenige in Vollkommenheit thun wolle, was unser bisheriger Ältester unter uns in Schwachheit gethan hatte.“ (Spangenberg, Leben Zinzendorf’s, S. 1352 ff.) Würde die hier wirksame Vorstellung in ihre Consequenzen fortgeführt werden, so müßte die Gemeinde (da sie sich für wahre Gotteskinder hielten) zu novatianischem Separatismus haben kommen müssen; daß dies nicht geschah, daß man sich vielmehr 1749 auf den Boden der Augsburgischen Confession stellte, war eine heilsame Inconsequenz; wir werden später erfahren, warum die Brüdergemeinde zu dieser Inconsequenz kam. Hier wollen wir nur darauf hinweisen, daß ernste und nüchterne kirchliche Kritiker schon auf Grund des sog. „Specialbundes“ Anlaß genug fanden, die Brüdergemeinde als eine novatianisch gerichtete Genossenschaft zu tadeln. Dazu kamen aber noch ganz andere Extravaganzen.

Alles Thun und Treiben Zinzendorf’s ging auf die Erregung und Erfahrung des Gefühles heiliger Liebe im Verkehr mit Jesus und in der „philadelphischen“ Gemeinschaft; das Gefühl waltete überall vor, und da in den ersten Jahren der Brüdergemeinde alle nüchterne Kritik fehlte, so gerieth Z. und mit ihm seine Anhänger in so überschwänglich sentimentale Stimmungen, daß man selbst die abgeschmacktesten Liebeleien in das Verhältniß der Seelen zu Gott hineintrug, man schwelgte in Christi Blut und Wunden; man machte, wie Bengel sagt, aus dem Blute Christi ein „Opium“, mit dem sich die liebesüchtigen Seelen berauschten; die Brüdergemeinde hat, so urtheilt der erwähnte nüchterne schwäbische Pietist über sie, den Stock der heilsamen Lehre abgeblattet, das Innerste entblößt und dieses noch dazu halbirt. Die Erlösung wird lediglich vom Gottmenschen abgeleitet und auch von dessen Heilswerk nur das Leiden und Sterben in Erwägung gezogen. Gott der Vater und der heilige Geist treten zurück. Der eigentliche Vater, der Specialvater, unser directer Vater ist Jesus Christus (nach Jes. 9, 6); der Vater unsers Herrn Jesu Christi ist nur, „was man so in der Welt einen Schwiegervater, einen Großvater nennt“. – Sinnlich-phantastisch stellte sich Z. die Dreieinigkeit vor, als „Mann, Weib und Kind“ („Papa, Mama und ihr Flämmlein, Bruder Lämmlein“). Gott-Vater hat ein ewiges Gemahl, den H. Geist, seine „Herzmama, Ehmama“; ihr Mutteramt bethätigt sie bei der ewigen Zeugung des Sohnes Gottes, bei der Empfängniß des Menschen Jesu, bei der Wiedergeburt der Gläubigen. – Eine der schlimmsten Extravaganzen betraf aber das Ehegeheimniß, wofür man Eph. 5, 32 phantastisch ausnutzte. Die Gemeinde und jede einzelne Seele in ihr ist Christi geistliches Ehegemahl. Um die Innigkeit dieses Verhältnisses klar zu machen wurde besonders in den geistlichen Liedern das eheliche Leben bis zur Obscönität ausgemalt und auf die geistliche Ehe mit dem Heiland angewandt. Aber auch im leiblichen Ehebunde ist Christus der eigentliche Ehemann. Das Kindererzeugen ist ein Werk Christi (gehört zu seinem Vateramte); die irdischen Ehemänner sind nur seine Procuratores, denen er es abgetreten; sie sind der Ehefrauen Vicechristi, Vicemänner. Die Ehe ist ein wirkliches Sacrament; dazu geheiligt durch die Beschneidung Christi und die Oeffnung seiner Seite mit dem Speer. Das dabei vergossene Blut Christi ist das Oel des Ehebundes, und [348] Kindererzeugen ein heilig, göttlich Werk, das bei wahren Christen ohne alle Empfindung fleischlicher Lust, folglich auch ohne Scham vor sich gehen sollte. Den vom Apostel Paulus (I. Cor. 7, 9) „tolerirten Hunds-Principiis, die jetzt nur noch bei Mohren und Insulanern am Platze sind“, muß in der Gemeinde der Paß versperrt werden. Zu diesem Zwecke wurde das Eingehen der Ehe und die Copula carnalis unter specielle Aufsicht der Gemeindepfleger gestellt, eine Zeitlang auch die letztere von den Neuvermählten unter Gebet und Gesang der in einem Nebenzimmer versammelten Gemeinde vollzogen.

Noch nach andern Seiten hin gab die Gemeinde damals, etwa bis 1749 Anlaß zur Lästerung über sie. Die Gemeinde wollte und sollte nach Zinzendorf’s Wunsch in der Gnade ihres Heilands selig ruhen; der Bußkampf des Halleschen Pietismus, der schmerzvolle Durchgang durch das Strafgericht des Gesetzes und die Theorie von dem darauf folgenden Durchbruch der Gnade war ihr zuwider; sie spielte lieber mit Jesus, und das nannte sie echt kindlich; man veranstaltete sogenannte „Niedlichkeiten“, d. h. ausgelassen lustige Festlichkeiten, deren Mittelpunkt der Cultus des Seitenhöhlchens war, mit illuminirten oder transparenten Abbildungen und abgeschmackten Emblemen oder Verzierungen desselben, und besondere „Schätzelgesellschaften“ dienten der Ausrichtung solcher „Niedlichkeiten“. Unter den zahlreichen Stimmen, die sich kritisch über diese neumodische Frömmigkeit äußerten, verdient neben Bengel’s „Abriß der Brüdergemeinde“ (Stuttg. 1751) besonders Tersteegen Beachtung. Er erhob in einem „Warnungsschreiben“ gegen die herrnhutische Frömmigkeitspraxis den Vorwurf der „Leichtsinnigkeit“. Solche, von gläubiger Seite erhobenen und laut in alle Welt hinausgesprochenen Aeußerungen wirkten denn doch endlich auf Z. ein. Er wurde aufmerksamer auf sich, vorsichtiger in seinen Reden und bedachtsamer in seinem Vorgehen. Er beseitigte die ärgsten Auswüchse in Lehre und Praxis. Seitdem beurtheilt man jene Zeit als Periode der „Sichtung“, aus welcher die Brüdergemeinde relativ geläutert hervorging, allerdings ohne ihre Eigenart aufzugeben. Dies zeigte und zeigt sich noch besonders im Cultus. Der Gottesdienst der Gemeinde wurde nach der Gefühlsseite hin reich ausgestaltet durch liebliche geistliche Musik und reichgegliederte Liturgie; es wurden ferner die altchristlichen Liebesmahle, die Agapen, wieder hergestellt, jetzt modernisirt, mit Thee, Zwieback und Choralgesang; ebenso der Bruderkuß bei der Communion, in der ersten Zeit auch die Fußwaschung. Die tägliche gemeinsame Erbauung wurde (wol seit 1729) durch das Loos geregelt, indem man Bibelsprüche aus dem Alten Testamente, die sogenannten „Losungen“ zog, wie Orakel, welche die religiösen Gefühle und Betrachtungen Tag für Tag beherrschen sollten; aus dem Neuen Testamente wählte man dann freie „Lehrtexte“ dazu. Diese Losungen und Lehrtexte sind heute noch weit über den engeren Kreis der Herrnhuter Brüdergemeinde hinaus ein beliebtes Mittel bei Laien, welche nicht lieben, die biblischen Bücher im Zusammenhange zu lesen, oder bei Predigern, die um freie Predigttexte verlegen sind. (Vgl. über die Losungen und ihre Geschichte: Brüder-Almanach 1877, Neusalz, S. 1 ff.) Schon 1727 erhielt die Gemeinde ein eigenes Gesangbuch mit 972 Liedern, die zum großen Theile aus ihr selbst hervorgegangen waren und die Gährungszustände wiederspiegeln; die Anhänge, welche in der „Sichtungszeit“ hinzukamen, enthalten vielfach jene Spielereien einer exaltirten Gefühlsschwelgerei, von der bereits die Rede war. Als Z. seine Verirrung selbst erkannte, bearbeitete er ein neues Gesangbuch, das sogenannte Londoner (s. unten), welches die Auswüchse jener Anhänge nicht mehr enthält. Zahlreiche Dichter folgten den Anregungen, die der sangesfrohe Graf gegeben hatte; aber er selbst blieb doch der fruchtbarste. Man zählt mehr als 2000, größtentheils beim Gottesdienste selbst improvisirte Lieder Zinzendorf’s, aus denen [349] Albert Knapp im J. 1845 700 der besten überarbeitet herausgab; manche zeichnen sich durch große Innigkeit und Lieblichkeit aus; einige sind von wahrhaft poetischem Gehalte; einzelne, wie „Jesu geh voran“ und „Du unser auserwähltes Haupt“, „Herz und Herz vereint zusammen“, haben auch Eingang in die kirchlichen Gesangbücher gefunden; die meisten aber sind werthlose Reimereien, oft mit babylonischer Sprachmengerei.

Das Lebensideal der Gemeinde zeigt eine fast mönchische Verengung des Gesichtskreises in bürgerlicher und socialer Hinsicht. Die Kopfbekleidung des weiblichen Geschlechtes wurde geregelt; es wurden einfach weiße Hauben vorgeschrieben für die Wittwen, Frauen, Jungfrauen und weiblichen Kinder, aber unterschieden von einander durch die Farbe der Bänder, weiß, blau, rosa, roth. Die Gemeinde zerfällt in die Chöre der Verheiratheten, Verwittweten, ledigen Brüder, Jungfrauen und Kinder, mit besonderen Pflegern; sie wohnen zum Theil auch in besonderen Häusern und feiern neben den allgemeinen Gottesdiensten auch noch ihre besonderen. Die Verwaltung der gesammten Gemeindeangelegenheiten liegt der Unitäts-Aeltesten-Conferenz ob. Die Aemter gliedern sich in die der Bischöfe, Presbyter, Diakonen, Diakonissen und Akoluthen. Von Zeit zu Zeit werden auch Generalsynoden mit constitutiver Gewalt berufen.

Im Zeitalter der Aufklärung, als der Sinn für die positiv christliche Frömmigkeit schwand, ist die herrnhuter Brüdergemeinde zum Asyl für zahlreiche „Stillen im Lande“ geworden, die dem Heiland in heiliger Liebe nachfolgen wollten. Für jene Verhältnisse hat sie eine hohe Mission zur Pflege des inneren Lebens gehabt. Seitdem aber in den Landeskirchen Deutschlands wol überall ein entschiedenes Aufleben des Glaubens und der Liebe eintrat und sich vielseitig segensreich geltend machte, ist die Pflege eines separatistischen Gemeinschaftsgeistes doch nicht recht am Platze; die Idee des „Specialbundes“ des Heilands ist in der herrnhuter Brüdergemeinde aber bis in die Gegenwart hinein wirksam geblieben, obgleich sie sich 1749 (nachdem 1747 die kursächsische Regierung ihr Verbannungsedict gegen die Person des Stifters aufgehoben) ausdrücklich zur Augsburgischen Confession bekannt hatte; sie that dies, um sich als evangelische Genossenschaft bekannt zu geben, nicht weil sie dem Detail der Augsburgischen Confession zugestimmt hätte. Darauf war sie in Kursachsen förmlich anerkannt worden, wie sie auch in England durch eine Parlamentsacte 1749 als eine der anglikanisch-bischöflichen ebenbürtige Kirche mit reiner bischöflicher Succession unter dem Titel „Unitas fratrum“ anerkannt war. (Vgl. Zinzendorf’s Acta unitatis fratrum in Anglia 1749.) Die eigentliche Seele der Gemeinde aber war und blieb, so lange er lebte, Z. selbst; bis an seinen Tod ordnete er alle ihre wichtigen Angelegenheiten; sie hing ihm mit kindlicher Hingebung an, während er wieder von ihr die Ueberzeugung hegte, daß sie das „Philadelphia“ der Offenbarung Joh. (3, 7 ff.) und mit ihr „der philadelphische Periodus“ der Kirchengeschichte angebrochen sei, von welchem alle Propheten und Apostel geweissagt.

Zinzendorf’s Größe liegt in seinem von Liebe zum Heilande brennenden Herzen; „Ich habe nur eine Passion; die ist Er, nur Er“, lautete sein Wahlspruch; und unter dessen Kreuze hätte er am liebsten alle Gläubigen gesammelt in heiligem Liebesuniversalismus. In diesem Berufe ging all sein Denken und Sinnen auf; sein ganzes Leben, Geist, Herz, Hab und Gut hat er ihm gewidmet und alle Vortheile, welche Geburt, Stand und Bildung ihm darboten, wußte er dieser seiner Lebensaufgabe dienstbar zu machen. Rücksichtslose Hingabe, unermüdliche Thätigkeit und selbstverleugnende Treue drücken seinem Wirken den Stempel der Großartigkeit auf. Er war von seinem göttlichen Berufe überzeugt; aber da er nicht gewohnt war, sich unter das geschriebene Wort Gottes [350] zu beugen, sondern es nach seinem subjectiven Maßstabe „es ist mir so“ verstand und danach (neben dem Loose) handelte, so konnte es nicht ausbleiben, daß er trotz hoher geistlicher Erleuchtung und gediegenen christlichen Sinnes auf schwärmerische Abwege gerieth. Seine Schriften, deren man über 100 zählt, zeichnen sich durch geistreiche Originalität, geniale Gedanken und eigenthümliche Sprache aus. – Aber in allen den Verhältnissen, die wir bisher betrachtet haben, steht Z. vor unserm Blicke doch nur in seinen Beziehungen zur Christenheit; das war aber nur die nach innen gewandte Seite seines Wesens; schon diese Seite würde genügen, seine Person und sein Wirken in der Geschichte des christlichen Lebens als selten einflußreich erscheinen zu lassen. Aber dieser bewunderungswürdige Geist ließ auch seine Kraft nach außen wirken; er verband mit dem innigsten religiösen Quietismus der „Stillen im Lande“ die feurigste Activität der Heidenmission und hier hat er eine Bewegung ins Leben gerufen, die heute unser Staunen hervorruft; denn unter allen evangelischen Missionsunternehmungen der Gegenwart in Deutschland stehen die Leistungen der Herrnhuter Brüdergemeinde obenan. Wir dürfen daher auf diese Seite des Zinzendorf’schen Lebens besonders eingehen.

Im Princip der Brüdergemeinde lag von vorn herein das Bestreben, die Seligkeit des Glaubens, welche man selbst genoß, auch Anderen zu bringen. Die Kraft und der Trieb zur Heidenmission lebte also in ihr; es fehlte nur der äußere Anlaß zur Ausübung des Missionssinnes; dieser Anlaß kam unerwartet im J. 1731, als Graf Z. zur Krönung des ihm befreundeten Königs Christian VI. in Kopenhagen weilte. Hier erfuhr er durch einen Neger von der westindischen Insel St. Thomas den kläglichen Zustand der dortigen Sklaven; auch lernte er bei dieser Gelegenheit zwei Grönländer kennen, in deren Heimath damals bereits der Norweger Hans Egede eine Mission unternommen hatte. So reifte der Missionsgedanke auch in seiner Seele. Aber er wollte nichts ohne Zustimmung der herrnhuter Gemeinde unternehmen. Nach der Rückkehr trug er ihr seine Gedanken vor, und bald meldeten sich vier Brüder, von denen nach reiflicher Prüfung im J. 1732 zwei nach Westindien, nämlich Dober und Nitzschmann nach St. Thomas, und zwei, die Vettern Matthias und Christian Stach, nach Grönland gingen. Von diesem Jahre an datirt die reich gesegnete Missionsarbeit der Brüdergemeinde; die Gemeinde zählt in der Heimath etwas über 30 000 Seelen, auf den Missionsfeldern aber hat sie ihrer über 90 000 in Pflege, also im Verhältniß von 1 : 3, so günstig, wie es in keiner anderen christlichen Denomination vorkommt. So lange Z. lebte war er und blieb er auch die Seele der Heidenmission der Gemeinde. An Arbeitern fehlte es nicht; alle Hemmnisse wurden von der glaubensfrohen Schar schnell überwunden. Als im J. 1734 in Herrnhut die erschütternde Kunde eintraf, daß von den nach Westindien, besonders nach St. Croix ausgesandten Brüdern und Schwestern im Laufe eines Jahres zehn gestorben waren, ließ man den Muth nicht sinken, sondern Z. dichtete und die Gemeinde sang es – das berühmt gewordene Lied „Es wurden zehn dahingesät – Als wären sie verloren – Auf ihren Beeten aber steht: – Das ist die Saat der Mohren“. Im J. 1739 landete Z. selbst in St. Thomas, um in eigener Person die Missionsarbeit der Brüder in Amerika zu leiten. Die Zeit seines Exils, „als er aus der Heimath vertrieben war“, benutzte er zu großartigen Reisen in die Missionsgebiete. Von seiner Tochter Benigna begleitet, begab er sich selbst zu den Indianern und schloß einen Bund mit ihnen. Unter seinem feurigen Antriebe erweiterte sich so das Werk der Mission von den Eisfeldern Grönlands und Labradors, zu den Indianern Nordamerikas, durch fast alle westindischen Inselgruppen, nach Südamerika und in Südafrika, im Kaplande, zu den Hottentotten. Es waren lauter culturlose [351] Völker, zu denen die Brüder kamen; für sie eigneten sie sich auch am besten; denn sie kamen als schlichte Handwerker, arbeiteten mit und für die Eingeborenen, sorgten nicht bloß väterlich, sondern vielmehr mütterlich für deren leibliches und geistiges Wohl, und die herrnhutische Seelenbevormundung verklärte sich zu einem patriarchalischen Verhältnisse. Unter Culturvölkern, wie in Indien, haben sie bis heute nichts ausgerichtet. Aber auch in ihrer Begrenztheit bleibt die Missionsthätigkeit die glänzende Seite der Brüdergemeinde in Vergangenheit und Gegenwart. Was der gesammte Protestantismus bis dahin vernachlässigt hatte, hat sie aufgenommen: sie ist die glaubenskühne Bannerträgerin der Mission geblieben bis auf diesen Tag. – Im Frühjahr 1760 erkrankte Z. mitten in rastloser seelsorgerischer Arbeit an einem heftigen Fieber; am 9. Mai ging er zu Herrnhut heim. Noch auf dem Sterbebette hat er im Hinblick auf die Entwicklung der Gemeinde die Worte gesprochen: „Habt ihr wol im Anfang gedacht, daß der Heiland so vieles thun würde, als wir nun mit Augen sehen? Bei den Heiden habe ich es nur auf Erstlinge angetragen und nun geht es in die Tausende. Welche formidable Karawane steht nun schon ums Lamm herum aus unserer Oekonomie!“ Auf seinen Grabstein setzte man (in Anlehnung an Ev. Joh. 15) die Inschrift: „Er war gesetzt, Frucht zu bringen, und eine Frucht, die da bleibe“, und einer seiner Mitarbeiter sagte von ihm: „Die gegenwärtige Zeit erkenne es oder sie erkenne es nicht, so wird doch die Nachwelt nicht verschweigen, daß es dieser Knecht Christi gewesen sei, dem der Heiden Seligkeit und, daß aller Welt Ende das Heil Gottes sehen möge, Tag und Nacht am Herzen gelegen habe“. (Warneck, s. u. S. 60.) – Seine Ehe und seine Familienangelegenheiten hatte er vollständig seinem Gemeinschaftsideale untergeordnet. Am 7. September 1722 war er in die Ehe getreten mit der Gräfin Erdmuthe Dorothea Reuß-Ebersdorf. Sie starb am 19. Juni 1756, nachdem Z. das Jahr vorher aus London wieder nach Herrnhut zurückgekehrt war. Sie hatte es ausgezeichnet verstanden, ihrem Gemahl eine echte Gehülfin und doch die gewissenhafte Mutter ihrer Kinder und Leiterin ihrer eigenen Familienangelegenheiten zu sein (Litt. über sie bei Becker s. unt. in der Realencyklopädie, 2. Aufl., 17, 541). Unter rein amtlichem Gesichtspunkt heirathete Z. im Juni 1757 in zweiter Ehe die Aebtissin Anna Nitschmann, Chorpflegerin der ledigen Schwestern in Herrnhut. Beide sind als geistliche Liederdichterinnen bekannt.

Schriften, über hundert meist ascetische: die Titel derselben finden sich in Meusel’s Lexikon der … teutschen Schriftsteller XV (Lpz. 1816), S. 430 ff. und bei v. Lepel, Verzeichniß der Schriften des Grafen v. Z.; in Spangenberg (s. unten) im Register; bei Otto, Lexikon d. oberlaus. Schriftsteller III (1803), 547 ff. Wir erwähnen hier: „Der Dresdnische Socrates (eine Wochenschrift), d. i. bescheidene Gedanken eines christlichen Philosophen“ (1725; 2. Aufl. 1732; 3. Aufl. 1738); „Theologische Bedenken“ (1734, 1740, 1742); „Aufsatz von christlichen Gesprächen“ (Züllichau 1735); „Siegfrieds bescheidene Beleuchtung“ (1743, gegen Sig. Jac. Baumgarten’s Bedenken); „Die gegenwärtige Gestalt des Kreuzreiches“ (Büdingen 1746); „Heidenkatechismus“ v. 1740 (vgl. Büding. Samml. III, 402 ff., auch II, 632); „Die sieben letzten Reden“ (Büd. 1741); „Oeffentliche Gemeindereden“ (1747); „Naturelle Reflexionen“ (1747–49); „Freiwillige Nachlese“ (13 Sammlungen, 1735–38; 2. Aufl. u. d. T.: „Kleine Schriften“ 1740); „Neueste theol. Bedenken, Schreiben und kirchliche Urkunden“ (Lpz. 1740); „Büdingsche Sammlung einiger in die Kirchenhistorie einschlagender Schriften“ (3 Bde., Büdingen 1740–1745); „Geheimer Briefwechsel mit den Inspirirten“ (Frkf. 1741); „Sammlung öffentlicher Reden von dem Herrn, der unsere Seligkeit ist“ (1742, 1744, neue Ausg. u. d. T. „Pennsylvanische [352] öffentliche Reden“, Barby 1760); „Pennsylvanische Nachrichten vom Reiche Christi“ (1742); „Gebetbuch“ (1742); „Zweiunddreißig einzelne Homilien oder Gemeindereden in den J. 1744–46“ (1746, u. Görl. 1749) und zahlreiche darauf folgende andere Sammlungen seiner Reden; „Ein und zwanzig Discurse über die Augsburgische Confession“ (Görl. 1748); „Acta fratrum unitatis in Anglia“ (Londini 1749); „An account of the doctrine, manners, liturgy and idiom of the unitas fratrum“ (ib. eod.); „Verliebtheit eines Sünders gegen die Wunden Jesu“ (Görl. 1751); „Lehre der Brüdergemeine“ (1752); „Liturgien und Litaneien zum Gebrauch der Brüdergemeinen und ihrer Chöre“ (1754 u. ö.) u. a. m. Unter dem Titel „N. L. Graf v. Z. Gedanken über verschiedene Evangelische Wahrheiten“ (Barby 1800) erschien ein Auszug aus s. Schriften. –

Lieder erschienen von ihm u. d. T. „Sammlung geistlicher und lieblicher Lieder“ (Löbau 1725); „Christkatholisches Sing- und Betbüchlein“ (1727); „Sammlung geistlicher und lieblicher Gesänge“ (Jena 1731); „Gesangbuch der Gemeinde in Herrnhut“ (1735 ff.); „Teutsche Gedichte“ I. Theil (1735); zahlreiche „Anhänge“ des Gesangbuchs: „Hirtenlieder von Bethlehem“ (London 1742); „Alt- und neuer Brüdergesang“ (oder londonisches Brüdergesangbuch) (London 1754); „Kleines Gesangbuch“ 1754 (später Kleines Brüdergesangbuch genannt, Barby 1761); „Sammlung von Liedern“ (Anhang zum großen Lond. Gesangbuche, 1755). Die Ausgabe der Zinzendorf’schen Gedichte von Albert Knapp erschien Stuttgart 1845. Vgl. über die Lieder Koch, Gesch. d. Kirchenlieds und Fischer, Kirchenlieder-Lexikon, Gotha 1878, S. 485.

Bildnisse von Z. fertigte an Martin Tyroff zwei Mal und J. Houbraken in Amsterdam in Folio.

Vgl. A. G. Spangenberg, Leben des Grafen v. Z., 8 Theile, Barby 1772–75. – v. Schrautenbach, Der Graf v. Z. (geschrieben 1782), hsg. v. Kölbing. 2. Aufl. Gnadau 1871. – J. C. Duvernoy, Kurzgefaßte Lebensgeschichte des Grafen v. Z., Barby 1793. – J. W. Verbeck, Des Grafen v. Z. Leben u. Char., Gnadau 1845. – J. G. Müller, Z.’s Leben, 2. Aufl. Winterthur 1822. – Varnhagen v. Ense, Leben des Grf. L. v. Z. 2. Aufl. Berlin 1846. – F. Pilgram (Katholik), Leben und Wirken des Grf. v. Z., Lpz. 1857. – J. F. Schröder, Der Graf v. Z. und Herrnhut, 2. Aufl. Lpz. 1863. – F. Bovet, Le comte de Z., Paris 1860. – H. Plitt, Zinzendorfs Theologie, 3 Bde., Gotha 1869–74. – A. Ritschl, Gesch. d. Pietismus, Band 3, Bonn 1886. – B. Becker, Zinzendorf im Verhältniß zu Philosophie u. Kirchenthum seiner Zeit, Lpz. 1886. – Tietzen, Zinzendorf (1888). – H. Reuter, Z. und die Gründung d. Brüdergemeinde in Zeitschr. f. Kirchengesch. 1890. – Eck, Z. u. s. Nachwirkung in d. Gegenwart, 1890. – Holtzmann u. Zöpffel, Lexikon f. Theol. u. Kirchenwesen, 3. Aufl. s. v. – Kramer, Zur Jugendgeschichte Zinzendorf’s, Kirchliche Monatsschrift III, Heft 12, S. 871 ff. und IV, Heft 1, S. 19 ff. – Burckhardt, Zu Zinzendorfs Jugendgeschichte a. a. O. Heft 41, S. 299 ff. – D. Körner, Die kursächsische Staatsregierung dem Grafen Z. und Herrnhut bis 1760 gegenüber, Lpz. 1878. – Hark, Der Konflikt der kursächsischen Regierung mit Herrnhut und dem Grafen v. Z. 1733–1738 im Neuen Archiv f. sächsische Gesch., Bd. III, Heft 1; – ders., Des Grafen v. Z. Rückkehr nach Sachsen, im Neuen Archiv f. sächs. Gesch., Bd. VI, Heft 3. 4. – Bernhard Becker, Art. Zinzendorf in der Realencyklopädie f. Th. u. Kirche, 2. Aufl., Bd. 17 (1886), S. 513–548. – Köstlin’s Abhdlg. über das bischöfl. Amt der Brüdergemeinde in den Theol. Stud. u. Kr. Gotha 1896. – Dazu die ältere Litteratur über die Heidenmission der Brüdergemeinde: D. Cranz, [353] Historie von Grönland, 2. Th., 2. Aufl., Barby 1770. – (F. L. Kölbing,) Uebersicht d. Missionsgeschichte d. evang. Brüdergem. in ihrem 1. Jahrhundert, 3 Thle., Gnadau 1832, 1833; weiteres bei Becker a. a. O., dazu noch C. Mirbt, Der deutsche Protestantismus u. die Heidenmission, Gießen 1896, u. zuletzt G. Warneck, Abriß d. Gesch. d. evang. Missionen, 4. Aufl., Berlin 1898. Endlich die Lehrbücher der Kirchengeschichte, unter ihnen ist bes. benutzt J. H. Kurtz, 13. Aufl., Lpz. 1899, II. Bd., § 171 (bearb. v. dem Unterzeichneten).


Anmerkungen (Wikisource)

  1. ecclesiolae in ecclesia, lat.: „Kirchlein in der Kirche“
  2. Psalm 84, 4: „Der Vogel hat ein Haus gefunden / und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen – deine Altäre, Herr Zebaoth, / mein König und mein Gott“