ADB:Jablonski, Daniel Ernst

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Artikel „Jablonski, Daniel Ernst“ von Rudolf Schwarze in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 13 (1881), S. 523–526, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Jablonski,_Daniel_Ernst&oldid=2498557 (Version vom 18. November 2017, 08:28 Uhr UTC)
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Jablonski: Daniel Ernst J., evangelischer Theologe, geb. den 26. Nov. 1660 im Dorfe Hochzeit bei Danzig, † den 25. Mai 1741 zu Berlin, stammte aus einer der Brüder-Unität angehörenden Familie. Der Name Jablonski, den sowol er als auch sein älterer Bruder Johann Theodor erst in späteren Jahren annahm, weist hin auf den Geburtsort des Vaters Petrus Figulus; doch ist als solcher unter einer Anzahl gleichnamiger Städte nicht, wie mehrfach geschieht, Jablunka im Herzogthum Teschen anzusehen, sondern nach Rhesa’s Angabe (Presbyterologie von Ostpreußen S. 26) das böhmische Jabloni, Jablonka oder Gabel im früheren Chrudimer Kreise, N. von Landskron. Als das Edikt des Kaisers Ferdinand II. vom 6. Dec. 1627 wiederum Tausende von evangelischen Familien aus Böhmen trieb, verließ auch der erst neunjährige Petrus Figulus seine Heimath und schloß sich dem Amos Comenius an, welcher zuletzt bei Georg von Sadowski in dem benachbarten Slaupnitz eine Zufluchtsstätte gefunden hatte, nun aber eine Schaar Exulanten aus jenen Gegenden über die Grenze durch Schlesien nach Polnisch-Lissa führte. Diese Stadt war durch die Hochherzigkeit ihrer Herrn, der Grafen von Leszczynski, welche selbst damals [524] noch der böhmischen Confession angehörten, ein Sammel- und Mittelpunkt der vertriebenen Brüder geworden. Dort fanden sie ein geordnetes Kirchen- und Schulsystem vor und lebten in ungetrübter Eintracht mit den andern Evangelischen. Wie Comenius am Gymnasium zu Lissa alsbald seine Lehrthätigkeit wieder aufnahm, so wird Figulus daselbst seine Schulbildung erhalten haben. Sodann bereiste er zu weiteren Studien von 1636–1648 [nach Ausweis seines noch erhaltenen Stammbuches) die berühmtesten Universitätsstädte des protestantischen Europa. Nach Lissa zurückgekehrt, vermählte er sich am 19. Oct. 1649 mit des Comenius einziger Tochter Elisabeth, begleitete 1650 seinen Schwiegervater nach Ungarn, ward 1654 als Prediger nach Danzig vocirt, 1657 aber in die Parochie Nassenhuben-Hochzeit, deren Kirche in jener, das Pfarrhaus in dieser Ortschaft gelegen war. Unter Zustimmung des Kammerherrn von Prönen als Patrons, vereinigte Figulus 1659 seine Gemeinde mit der Brüder-Unität – eine Verbindung, welche jedoch nur bis 1709 gedauert hat – und ward 1662 auf der Synode zu Mieltschin zu deren Senior geweiht. 1667 folgte er einem Rufe des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg als Hofprediger nach Memel und starb daselbst am 12. Jan. 1670. J. ward nach dem Tode seines Vaters dem Gymnasium zu Lissa übergeben, studirte von 1677–80 die Theologie zu Frankfurt a./Oder und besuchte sodann mit seinem Bruder Joh. Theodor die holländischen und englischen Universitäten. Bald nach seiner Rückkehr ward er zum Prediger bei der in Magdeburg neu gegründeten reformirten Gemeinde erwählt, siedelte aber schon 1686 wieder nach Lissa über um ein Predigtamt, mit welchem zugleich das Rektorat der Schule verbunden war, zu übernehmen. Dort vermählte er sich 1688 mit Barbara Fergushill und ward sodann 1691 als Hofprediger nach Königsberg i. Pr., 1693 in gleicher Eigenschaft nach Berlin berufen. Bald gewann er hier einen weit über seine amtliche Stellung hinausreichenden Einfluß. An dem von Leibniz angeregten Plan einer in Berlin zu errichtenden Societät der Wissenschaften nahm er den lebhaftesten Antheil; auf Grund der von Beiden entworfenen Statuten vollzog der Kurfürst Friedrich III. am 11. Juli 1700 den Stiftungsbrief. Leibniz ward zum ordentlichen Präsidenten der Societät (1733 ward J. sein zweiter Nachfolger in dieser Würde), J. zum Director der Klasse für die morgenländische Sprachkunde ernannt. Was seine Leistungen auf diesem Gebiete betrifft, so verdient seine „Hebräische Ausgabe des Alten Testaments“ (Berol. 1699 in 8°, impensis Knebelii) Erwähnung; auf der Recension Leusden’s von 1667 fußend, lieferte er einen bei weitem correcteren Text und schickte demselben eine werthvolle Einleitung voraus. Längere Zeit unterhielt J. selbst eine eigene hebräische Druckerei, aus welcher noch verschiedene Auflagen seines Alten Testaments, aber auch der Tephillot und anderer jüdischer Gebetbücher, sowie eine Ausgabe des „Babylonischen Talmud“ (12 Bde. fol. 1715–1721) hervorgingen. Letztere war eine Wiederholung der 1697–99 bei Michael Gottschalck in Frankfurt a./Oder erschienenen Ausgabe, welche, wenn auch nicht in der Ausdehnung wie die Baseler von 1578 ff., die gegen das Christenthum gerichteten Stellen unterdrückte (J. C. Wolf, biblioth. hebr. II. 904 sqq.). Als 1734 die polnischen Juden in Zolkiew (bei Lemberg) eine vollständigere Talmudausgabe beabsichtigten, begann J., da seine frühere vergriffen war, eine neue Auflage und verband sich zu diesem Zwecke mit dem Professor Joh. Dan. Grillo in Frankfurt a./Oder. Doch gerieth durch allerlei unglückliche Umstände das Unternehmen ins Stocken und Grillo, der nach dem Tode Jablonski’s den Betrieb allein übernahm, erlitt dabei große pekuniäre Verluste. Trotz dieser gelehrten Arbeiten entwickelte J. auch eine vielseitige praktisch-kirchliche Thätigkeit. Dies beweisen sowol die verschiedenen Funktionen, welche ihm nach und nach mit der Ernennung zum Mitglied des [525] Consistoriums (1718) und Reformirten Kirchendirectoriums (1729) übertragen wurden, als auch die Herausgabe einer großen Anzahl von Predigten und Casualreden durch den Druck. Vorzugsweise aber mußte J. bei seinem die confessionellen Unterschiede minder scharf betonenden Standpunkt geeignet erscheinen, in die Unionsverhandlungen fördernd einzugreifen, welche von Seiten des brandenburgischen Hof zwischen Reformirten und Lutheranern gepflogen wurden. Er ward daher 1699 zu diesem Zwecke nach Hannover gesandt, um mit Leibniz, der sich noch mit weitern, auch die Katholiken umfassenden Unionsplänen trug, zu verhandeln. Doch das endlich 1703 zu Berlin anberaumte, von dem Hofprediger Ursinus geleitete collegium charitativum hatte nicht den gehofften Erfolg und ließ auch für die Zukunft von weiteren Religionsgesprächen absehen (vgl. C. W. Hering, Kirchl. Unionsversuche II. 312 ff.). – Daß J. die Interessen der Brüderunität nicht aus den Augen verlor, sondern bei jeder Gelegenheit zu fördern bestrebt war, begreift sich um so mehr, als er 1699 zu ihrem Generalsenior für Großpolen und Preußen geweiht worden war, eine Würde, die er also nicht, wie wol behauptet wird, schon von seinem Vater erhalten hat. Durch seine Vermittelung erfreute sich Lissa, welches er als seine zweite Heimath betrachtete, während der Drangsale des Nordischen Krieges mehrfach der wirksamsten Hülfe von Seiten des preußischen Hofes und nach Einäscherung der Stadt im J. 1707 eröffnete der König Friedrich I. einerseits den Einwohnern ein Asyl in seinen Landen, andrerseits half er durch eine Kollekte Kirche und Schule größer denn früher wieder aufbauen. Als später auch unter den polnischen Dissidenten confessionelle Streitigkeiten ausbrachen, suchte J. sie auf einer Synode zu Thorn 1712 wieder unter dem Banner des 1570 zu Sendomir geschlossenen Vergleiches zu vereinigen, von dem er auch eine neue, mit historischer Einleitung versehene Ausgabe („Historia consensus Sendomiriensis“, Berol. 1731. 4°) besorgte. Schon seine früheren anonym erschienenen Schriften: „Jura et libertates Dissidentium in regno Poloniae“, 1706, fol. und „De ordine et successione episcopali in Unitate Fratrum conservata“ 1717 (später als Anhang zu Pfaff’s Institutiones iuris ecclesiastici, 1727, wieder abgedruckt), hatten der Sache seiner Glaubensbrüder dienen sollen. Seine besonderen Sympathien aber wandte J. der zu Herrnhut neu organisirten Brüdergemeinde zu und durch ihn ward die bischöfliche Weihe zuerst am 13. März 1735 zu Herrnhut auf David Nitschmann und am 20. Juni 1737 zu Berlin auf den Grafen Zinzendorf übertragen. – Bis in sein hohes Alter blieb ihm die körperliche und geistige Rüstigkeit bewahrt, welche ihn von der Erlaubniß sich von den Geschäften zurückzuziehen, keinen Gebrauch machen ließ. Noch sah er wie ein Vorzeichen der spätern Union zwischen Lutheranern und Reformirten, daß König Friedrich Wilhelm I. die in Berlin neu erbaute Dreifaltigkeitskirche für den Gebrauch der beiden Confessionen bestimmte und bei der am 30. Aug. 1739 unter Theilnahme des ganzen Hofes Statt findenden Einweihung derselben durfte er seinen jüngsten Sohn Friedrich Wilhelm (geb. 1706, † 1760) als reformirten Prediger einführen, wie der Propst Reinbeck den lutherischen Prediger Joh. Jul. Hecker. Als J. im 81. Lebensjahre starb, hinterließ er druckfertig die 1742 erschienenen „Betrachtungen vom göttlichen Ursprung der heil. Schrift“.

Johann Thedor J., der ältere Bruder Daniel’s, geb. am 15. Dec. 1654 wol in Danzig, † zu Berlin am 28. April 1731. Er ward früh zur Erziehung seinem Großvater Comenius übergeben, welcher nach dem großen Brande Lissas 1656 nach Amsterdam übergesiedelt war. Im Juni 1669, etwa ein Jahr vor Comenius Tode (s. d. Art. Bd. IV S. 434), verließ er Holland, setzte seine Studien am Joachimsthal’schen Gymnasium zu Berlin sowie auf der Universität in Königsberg fort und vereinigte sich später 1680 in Frankfurt [526] a./Oder mit seinem jüngern Bruder zu der oben erwähnten Reise nach Holland und England. Bald nach seiner Rückkehr trat er in Beziehung zum Hofe des Herzogs Joh. Georg von Anhalt-Dessau, sofern er 1678 dessen Tochter Marie nach ihrer Vermählung mit dem Fürsten Georg Joseph Radziwill auf die polnischen Besitzungen ihres Gemahls als Secretär begleitete; nach ihrem frühzeitigen Tode 1689 übernahm er das gleiche Amt bei dem Gemahl ihrer älteren Schwester Elisabeth, dem Herzog von Sachsen-Weißenfels zu Barby; 1700 ward er zum Secretär bei der neuen Societät der Wissenschaften in Berlin ernannt, über deren Einrichtung er 1711 eine Abhandlung verfaßte. Und wieder überträgt ihm hier eine Tochter jenes Herzogs Joh. Georg von Dessau, die verwittwete Markgräfin Joh. Charlotte von Schwedt, welche nach dem Tode ihres Gemahls, des Markgrafen Philipp († 1711) nach Berlin in das Schwedter Palais (jetzt Palais des Kaisers Wilhelm) übergesiedelt war, die Erziehung ihres ältesten Sohnes Friedrich Wilhelm (geb. 1700, † 1771). Diese pädagogische Thätigkeit veranlaßte ihn, unter dem Namen Pierre Rondeau eine Grammatik und ein Wörterbuch der französischen Sprache (1711–12) herauszugeben, sowie 1715 eine „Christliche Tugendlehre zum Privatgebrauch einer hohen Standes-Person“. Von 1715–17 begleitete er seinen fürstlichen Zögling auf einer Reise nach Italien. Später dedicirte er ihm sein „Allgemeines Lexikon der Künste und Wissenschaften“ (Berlin 1721 in 4°), eine Art Real-Encyklopädie, deren Artikel ohne sonderliches Geschick aus einer Reihe auf den ersten Seiten namhaft gemachter Werke zusammen getragen sind. Mehrere andere seiner Schriften erschienen anonym, z. B. eine „Lobschrift auf den Staatsminister Paul von Fuchs“, eine Uebersetzung der Germania des Tacitus (1724), eine „Geschichte der Thorner Unruhen 1724“, von welcher Ch. L. de Beausobre eine französische Uebersetzung (Amsterdam 1726) veranstaltete.

Kapp, Vertraute Briefe zwischen Leibniz, Dan. Ernst J. u. a. Gelehrten, 1745. – G. G. Küster, A. und N. Berlin I, 179 ff., 658, 1007 f. IV. Anhang Nr. 9. – Jöcher III. 577 f.[1] – Döring in Ersch u. Gruber, Allg. Encykl. – Pressel in Herzog’s Real-Encykl. – Neues Material bei Ziegler Gesch. des Gymnasiums zu Lissa (Progr. 1855) und Strehlke, Ueber Georg Forster’s Geburtsort (geb. 26. Nov. 1754 zu Hochzeit) im Progr. der Petri-Schule zu Danzig 1862. 63. – Ein Artikel der Magdeburgischen Zeitung (1879, Beibl. 18., S. 139 ff. Ein Actienunternehmen der Wissenschaft) bespricht unter Berufung auf die Akten der reform. Kirche zu Frankfurt a./O. ausführlich die Talmudausgabe Daniel Jablonski’s von 1734; da er sie aber dessen Sohn Paul zuschreibt, so entstehen daraus eine Reihe anderer irrthümlicher Angaben über das Leben des Letzteren.

[Zusätze und Berichtigungen][Bearbeiten]

  1. S. 526. Z. 25 v. u. statt: 1007 f. IV. Anhang Nr. 9. – Jöcher III. 577 f. ist umzustellen: 1007 f. III. 577 f. IV. Anhang Nr. 9. – Jöcher. – [Bd. 16, S. 798]