ADB:Winckel, Ludwig Heinrich Sophus

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Artikel „Winckel, Ludwig Heinrich Sophus“ von Franz von Winckel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 43 (1898), S. 341–342, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Winckel,_Ludwig_Heinrich_Sophus&oldid=- (Version vom 21. Oktober 2019, 03:05 Uhr UTC)
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Winckel: Ludwig Heinrich Sophus W. wurde am 28. November 1809 zu Berleburg in Westfalen als Sohn des fürstlichen Sayn-Wittgenstein-Berleburgischen Leibarztes geboren. Seine erste Schulbildung erhielt er in der Vaterstadt, besuchte dann das Gymnasium in Soest; trat 1827 in das königl. medicinisch-chirurgische Friedrich Wilhelms-Institut ein und wurde am 4. August 1832 auf Grund einer Doctordissertation: „De partus dolorum natura“ promovirt. Bald darauf wurde er, auf Antrag des Fürsten seiner militärischen Verpflichtungen entbunden, als zweiter Arzt in Berleburg angestellt, blieb dort bis zum Jahre 1842; dann zog er nach Gummersbach im Regbez. Köln und von hier im J. 1868 nach Mülheim a. Rhein, wo er als Kreisphysicus und Geheimer Sanitätsrath am 15. August 1892 starb.

Als er nach Gummersbach übergesiedelt war herrschte dort ein große Typhusepidemie und kam außerdem die Knochenerweichung bei Frauen ganz außerordentlich häufig vor. Er begnügte sich nun nicht damit den Frauen in den durch jenes Leiden bewirkten Geburtsnöthen beizustehen, sondern war jederzeit beflissen, seine Patientinnen über die Natur jenes gefährlichen Knochenleidens zu belehren und so durch die schönste ärztliche Thätigkeit die Frauen jener Gegenden vor dieser traurigen Erkrankung zu bewahren. Der Erfolg dieser Bemühungen war ein sehr glücklicher, denn die Abnahme der Knochenerweichungsfälle ist in jenen Gegenden nach Angabe dortiger Aerzte in den letzten Jahrzehnten sehr deutlich zu bemerken. Die ausgedehnte schwere geburtshülfliche Praxis, welche er zu besorgen hatte, führte ihm naturgemäß eine Reihe sehr interessanter und wichtiger Fälle zu, besonders in operativer Beziehung und es dürfte kaum einen zweiten Bezirksarzt geben, der so oft in die Nothwendigkeit versetzt wurde in Privathäusern und unter den dürftigsten Verhältnissen den Kaiserschnitt auszuführen, wie er. Seine Resultate sind dabei für die damalige Zeit sehr günstige gewesen. Dieselben wurden von ihm in der Monatsschrift für Geburtshülfe etc. von Credé und Martin Bd. XVI, XVII, XXII u. XXV publicirt. Seit 1856 war er zum Kreisphysicus des Kreises Gummersbach ernannt. Als er 1868 auf seinen Antrag in derselben Stellung nach Mühlheim a. Rhein versetzt worden, brachte er es durch unausgesetzte Bemühungen bei Hoch und Niedrig, bei der Regierung und Gemeinde durch Schriften und Vorträge dahin, daß ein eigenes städtisches Krankenhaus daselbst gegründet wurde, an dem er dann längere Zeit als Arzt thätig war. Seine weiteren Publicationen bezogen sich auf den Werth der künstlichen Frühgeburt bei Beckenenge (Centralblatt f. Gynaek. V 197, 1881), auf die Anwendung von Extractionsinstrumenten [342] in der Seitenlage der Kreißenden (Centralblatt f. Gynaek. 1883, Nr. 2), und auf weitere Kaiserschnitte (Centralbl. f. Gynaekol. 1886, Nr. 24). 1870/71 war er Vorstand eines Hospitals für im Krieg Verwundete und hat in demselben viele Operationen ausgeführt. Seinen letzten (18.) Kaiserschnitt machte er im J. 1889 kurz vor Beendigung seines 80. Lebensjahres wiederum mit Erhaltung von Mutter und Kind.

Er war von Liebe für seine Wissenschaft durchglüht, ein theilnehmender aber doch sehr energischer Arzt, eine vielfach anregende Persönlichkeit, ein ausgezeichneter Operateur und vielen jungen Aerzten ein trefflicher Lehrer.