ADB:Wolff, Thomas (Drucker)

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Artikel „Wolff, Thomas“ von Karl Steiff in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 44 (1898), S. 54–55, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Wolff,_Thomas_(Drucker)&oldid=- (Version vom 7. Juli 2020, 02:29 Uhr UTC)
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Wolff: Thomas W., ein Basler Buchdrucker, dessen Name uns auf zahlreichen Drucken der Reformationszeit begegnet. Er war der Sohn des gleichfalls in Basel thätig gewesenen Buchdruckers Jacob W. von Pforzheim, der in der Geschichte als Jacob von Pfortzheim (Pfortzen) bekannt ist und unter diesem Namen auch in der A. D. B. XIII, 555 eine Stelle gefunden hat. Erst durch Stehlin’s Regesten (s. u.) ist der eigentliche Familienname des eben genannten Meisters zu Tage gekommen und auch sein Todesjahr läßt sich erst jetzt auf Grund derselben Veröffentlichung feststellen; er starb im J. 1519, zwischen dem 10. Februar und dem 2. April; genauer ist sein Tod noch vor dem 22. März anzusetzen, da an diesem Tage ein Buch bereits mit des Sohnes Namen die Presse verließ. (Berichtigend mag zu dem Artikel Jacob v. Pf. noch bemerkt werden, daß die erste Erwähnung des Mannes im Rathsprotokoll von 1482 nicht lautet, wie allerdings bei Stockmayer und Reber zu lesen ist: „Jakob von Pfortzen, der Buchdrucker von Kempten, kauft das Bürgerrecht“, sondern: „J. v. Pf. und Hans Wurster von Kempten emerunt civilegium“, s. Heitz-Bernoulli a. u. a. O. S. XVII. Hiemit fallen alle Schlußfolgerungen auf einen Aufenthalt desselben in Kempten dahin.) Was nun aber den Sohn Th. W. betrifft, so ist sein Geburtsjahr nicht bekannt; als Ort seiner Geburt [55] dagegen ist sicher Basel zu betrachten, trotzdem daß auch er manchmal noch Thomas von Pfortzheim genannt wird. 1503 wird er in die Universitätsmatrikel, 1516 in die Aufnahmerodel der Safranzunft eingetragen, dort sicher als Student, hier als Buchdrucker. Nach seines Vaters Tod (s. o.) übernahm er sofort die Leitung der Druckerei, die er mit Thatkraft und Geschick weiterführte. Bis zum Jahr 1535 haben wir ohne weitergehende Nachforschungen 70 Drucke gezählt, die seinen Namen oder wenigstens seine Marke tragen und zu den von ihm gezeichneten kommt jedenfalls noch eine ganze Anzahl nicht gezeichneter hinzu. Nachdem W. anfangs noch die lateinische Bibel, verschiedene Missale, Predigt- und Erbauungsbücher der alten Kirche gedruckt hatte, warf er sich bald wie die andern Basler Meister auf den Wiederdruck der Schriften Luther’s und seiner Anhänger; insbesondere druckte er 1523 Luther’s Uebersetzung der Bücher Mosis, seine Uebersetzung des Neuen Testaments aber legte er 1523 und 1524 nicht weniger als fünf, nach Andern gar sechs Mal auf. Doch auch Originaldrucke reformatorischer Schriften sind bei ihm erschienen, namentlich mehreres von Oecolampad. Wegen einer Schrift, die er mit Joh. Bebel für Andr. Carlstadt druckte, wurde er 1524 mit ersterem vom Rath eingethürmt; später kam er wegen dieser ganzen Thätigkeit, wie so mancher Drucker des 16. Jahrhunderts, auf den Index. Neben der Reformation war es insbesondere der Humanismus, den er förderte, indem er allerlei philologische Werke, insbesondere aber auch alte Dichter und Schriftsteller, z. B. einzelnes von Euripides, dann Cäsar, Juvenal und Persius, Silius Italicus u. s. f. herausgab. Außerdem hat er mehreres Medicinische und endlich, im Auftrag des Rathes, amtliche Veröffentlichungen gedruckt. Manche Erzeugnisse seiner Presse zeigen künstlerischen Schmuck, für den er sich der Beihülfe eines Urs Graf, Hans Holbein d. J., Hans Lützelburger erfreuen durfte. Hervorzuheben sind in dieser Richtung neben den Ausgaben des Hortulus animae von 1520 und 1522 diejenigen des deutschen Neuen Testaments, an denen Holbein und z. Th. auch Lützelburger mitwirkte. Auch Wolff’s Büchermarken gehören hierher, von denen er zweierlei Arten führte. Die eine schließt sich an diejenige seines Vaters an und zeigt auf einem Schild zwei V, von denen das eine nach abwärts gekehrt, in das andere geschoben ist; es kommt in verschiedener Verbindung und Umgebung vor. Die andere Druckermarke zeigt einen Mann im Gelehrtengewand, der aus einer Thüre schreitet (oder auch in einer Nische steht) und indem er die linke Hand auf die Lippen legt, zur Schweigsamkeit mahnt. Es ist von Holbein gezeichnet. Wir verweisen inbetreff des Näheren auf die Wiedergabe dieser Marken und der Umschriften bei Heitz-Bernoulli (s. u.) und bemerken nur, daß es sicher falsch ist, wenn Passavant und Andere, durch die Unterschrift Thomas Wolff verführt, in dem Manne mit der Hand auf der Lippe ein Bildniß von W. sehen wollen. Wann der Meister gestorben ist, darüber haben wir die mannichfachsten zeitgenössischen Quellen vergebens befragt. Seine letzten Drucke stammen aus dem Jahre 1535, dann verschwindet sein Name und auch sein Sohn, Augustin, scheint das Geschäft nicht fortgeführt zu haben.

Vgl. außer den Bibliographien, von denen neben Panzer und Weller auch Weigel-Kuczynski und Weale (Bibliographia liturgica) in Betracht kommen, Stehlin’s Regesten z. Gesch. d. Buchdrucks im Archiv für Gesch. d. Buchhandels XIV, 1891, betr. Jacobs von Pfortzheim auch XI, 1888 und XII, 1889 (je im Register) und Heitz-Bernoulli, Basler Büchermarken, 1895 (Reg.). Inbetreff des künstlerischen Schmuckes insbesondere vgl. Woltmann, Holbein u. s. Zeit, Th. 2, 1868 (Reg.); Muther, Bücherillustration d. Gothik u. s. w., 1884, Bd. 1, 1303, 1335 ff.; Bd. 2, Taf. 225 ff.