ADB:Zastrow, Heinrich Adolf von

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Artikel „Zastrow, Heinrich Adolf von“ von Adolf Häckermann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 44 (1898), S. 717–719, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Zastrow,_Heinrich_Adolf_von&oldid=- (Version vom 26. Mai 2019, 03:49 Uhr UTC)
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Zastrow: Heinrich Adolf von Z., General der Infanterie, ward geboren zu Danzig am 11. August 1801 und starb am 12. August 1875 in der Heilanstalt zu Schöneberg. Einer altpreußischen Adelsfamilie entstammt, in welcher sich der Kriegsdienst von Geschlecht zu Geschlecht fast als traditioneller Beruf vererbte, erhielt er seine Vorbildung vom Jahre 1815 ab im Berliner Cadettencorps und ward am 3. October 1819 dem 1. Garderegiment zu Fuß zugetheilt. Die allgemeine Kriegsschule besuchte er von 1823 bis 1825 und bethätigte schon hier eine große Vorliebe für die Fortification, deren Studium er namentlich auch dadurch gefördert hat, daß er eine sinnreiche Methode für die wohlfeile Herstellung lehrreicher Modelle erfand. Mit Rücksicht auf diese Bestrebungen ward ihm im J. 1826 ein längeres Commando beim Ingenieurcorps anvertraut. Ins Jahr 1828 fällt Zastrow’s erster Versuch, sich litterarisch hervorzuthun, indem er sein „Handbuch der vorzüglichsten Systeme und Muster der Befestigungskunst“ herausgab, welches, 1839 in zweiter Auflage zu einer „Geschichte der beständigen Befestigung“ erweitert, 1854 in dritter unter dem nämlichen Titel erschien. In der Lehre der Fortification hat er höchste und allerhöchste Persönlichkeiten von maßgebender Autorität für das neuere preußische Kriegswesen zu Schülern gehabt. Ein besonderes Augenmerk widmete er den militärischen Einrichtungen unserer westrheinischen Nachbarn, denen man damals noch den Vorzug vor allen übrigen der großen europäischen Militärmächte einräumen wollte. Anonym gab er eine Schrift „Carnot und neuere Befestigungen“ heraus und übersetzte 1841 Vauban’s „traité de l’attaque des places“. Die Uebernahme eines Commandos nach der Türkei, zu welchem Zastrow wie Moltke designirt waren, zerschlug sich durch den inzwischen eintretenden Tod des Sultans Mahmud im J. 1839. Seiner Heimath erhalten, beschäftigte er sich als Hauptmann der Leibcompagnie des 1. Garderegiments auf das eifrigste mit der Verbesserung des Infanteriegepäckes und förderte diese Vorbedingung der Feldtüchtigkeit bei verschiedenen Truppentheilen, zu denen er für solchen Zweck von 1845 bis 1846 entsandt ward. Im J. 1848 eröffnete sich ihm eine Bahn zu militärischer Auszeichnung, indem er zur schleswig-holsteinischen Armee abcommandirt wurde. Am 23. April, dem Tage der Schlacht bei Schleswig, lieferte er als Führer der Avantgarde ein glückliches Treffen bei Missunde, nahm an den Gefechten bei Hadersleben, Christiansfelde und Holnis, 1849 als Führer der schleswig-holsteinischen Avantgarden-Brigade unter dem Commando Bonin’s an der Erstürmung von Kolding, der dort gelieferten Schlacht und den Gefechten [718] von Gudsö und Thaulof, sowie der Belagerung von Fridericia Theil. Bei dem siegreichen Ausfalle der Dänen unter den Generalen Rye und de Meza am 9. Juli 1849 war es der inzwischen zum Divisionscommandeur beförderte Zastrow, der mit seinen Truppen energisch aushielt und vorzugsweise verhindern half, daß die Katastrophe nicht größeren Umfang annahm. Im April 1850 nach Preußen zurückberufen, erhielt Z. ein Bataillon im damaligen Königsregiment Nr. 2 und ward zum Stadtcommandanten von Stralsund ernannt. Während seines mehrjährigen Aufenthaltes daselbst erwarb er sich die allgemeinste Anerkennung der städtischen Behörden durch humanes Entgegenkommen bei Lösung mancher Schwierigkeit, welche durch die oft mit einander streitenden Interessen der bürgerlichen und militärischen Verwaltung herbeigeführt ward. Auch vermählte er sich hier mit der verwittweten Gräfin Ranzau geb. Israel, und erwarb sich um die militärische Anleitung und Vorbildung seines später zur Marine übergetretenen Stiefsohnes Grafen Detlev Ranzau ein besonderes Verdienst. Von Stralsund ward er nach Aachen als Oberstlieutenant des 28. Infanterieregiments, sodann nach Berlin als Oberst und Commandeur des Garde-Grenadierregiments Kaiser Alexander versetzt, 1858 aber zum Commandeur der 19. Infanteriebrigade ernannt. Der Kriegsausbruch von 1866 fand v. Z. in Breslau als Generallieutenant und Commandeur der 11. Division. Am 3. Juli, dem Tage von Königgrätz, befand sich das 6. Armeecorps auf dem Vormarsche die Elbe hinab in der Richtung auf Josephstadt, als die Directiven für gänzlich neue Operationen anlangten. Es gelang ihm, mit seiner Division die Elbe bei Stangendorf so früh zu passiren, daß dieselbe bereits um 8¾ Uhr den rechten Thalrand erklimmen konnte. Während des Vorrückens von gewaltigem Kanonendonner aus der Ferne begleitet, passirte er die Gewässer der Trotina und Trotinka in aller Eile und formirte die Division, in richtiger Erkenntniß der durchaus offensiven Aufgabe, erst jenseits. Solchem unaufhaltsamen Vordringen gegen die rechte Flanke und den Rücken der feindlichen Armee verdankt die preußische zu großem Theile die überaus reiche Ernte an Trophäen. Im Kriege 1870–71 trat Z. als commandirender General des VII. Armeecorps auf. Am 6. August übernahm er bei seinem Eintreffen auf dem Schlachtfelde von Spicheren den Oberbefehl und gab denselben späterhin an General v. Steinmetz ab. Sein specielles Verdienst ist, daß die 13. Division in die für den Feind so gefährliche Richtung auf Forbach dirigirt wurde. In der Schlacht bei Courcelles am 14. August commandirte er gemeinsam mit dem General v. Manteuffel und bildete am 18. August bei Gravelotte mit seinen Westfalen den äußersten rechten Flügel der Armee. Nach der Einnahme von Metz wurden ihm die Abwickelung des Gefangenentransportes und die Belagerung von Thionville, Montmedy, Longvy und Mezières übertragen. Im December 1870 auf Châtillon sur Seine dirigirt, trat er mit seinem Corps zur Südarmee unter General v. Manteuffel und hatte namhaften Antheil an der Ueberwältigung des Bourbaki’schen Heeres. Unter den vielfachen Auszeichnungen, welche ihm zu theil geworden sind, heben wir die Bezeichnung eines Forts von Metz nach seinem Namen hervor. Als Mitglied der Landesvertheidigungscommission nach Berlin berufen, verlebte er die letzten Lebensjahre daselbst, bis zunehmende Kränklichkeit ihn zwang, um seinen Abschied einzukommen. Bedeutsam flicht sich der Name Zastrow’s in die neuere Geschichte der preußischen Armee, was die taktische Ausbildung und Einübung sowie die Waffenthaten derselben betrifft. Näherstehende rühmen, daß er des soldatischen Humors auch in ernstester Lage nicht vergaß und martialisches Wesen mit Bonhommie und Herzensgüte verband.

Militär-Wochenblatt 1875, Nr. 67, S. 1807 ff. – Sonntagsbeilage zur Norddeutschen Allgemeinen Zeitung 1875, Nr. 35. – Illustrirte Geschichte [719] des deutschen Krieges vom Jahre 1870 und 1871, S. 402. – H. v. Löbell, Jahresberichte über Militärwesen II, 1875, S. 601 ff.