ADB:Zrinyi, Nicolaus Graf

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Artikel „Zrinyi, Nicolaus Graf“ von Oscar Criste in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 45 (1900), S. 441–443, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Zrinyi,_Nicolaus_Graf&oldid=- (Version vom 17. September 2019, 13:18 Uhr UTC)
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Zrinyi: Nicolaus Graf Z., kaiserlicher Feldoberst, geboren im J. 1518 als dritter Sohn des Grafen Nicolaus Z. und der Gräfin Johanna v. Corbavien, zeichnete sich schon 1529 als elfjähriger Knabe bei der Belagerung von Wien durch Unerschrockenheit derart aus, daß ihn Kaiser Karl V. mit einem Streitroß und einer goldenen Ehrenkette beschenkte. In dem Feldzuge des Jahres 1537 befand sich Z. an der Seite seines älteren Bruders Johann, der einen Theil der ungarischen Reiterei commandirte und entkam mit ihm der verhängnißvollen, hauptsächlich durch den Oberbefehlshaber der kaiserlichen Truppen Katzianer herbeigeführten Niederlage von Gorjan. Von König Ferdinand vor ein Kriegsgericht gefordert, entzog sich Katzianer der Untersuchung durch die Flucht und begab sich auf das Schloß Kostanicza der beiden Brüder Z. Seine Versuche diese zu bewegen mit ihm zu den Türken überzutreten scheiterten an ihrer Festigkeit und als K. endlich drohte die Burg den Türken auszuliefern, wurde er am 27. October 1539 von dem Grafen Nic. Z., der an diesem Tage unter dem Vorwande weiterer Verhandlungen in dem Schlosse angekommen war ermordet. Während der Belagerung von Pest durch das kaiserliche Heer unter dem Oberbefehle des Kurfürsten Joachim von Brandenburg, 26. Sept. bis 5. Oct. 1542, war eine glänzende Attaque croatischer Reiter unter dem Commando Zrinyi’s auf türkische Ausfallstruppen die einzige hervorragende Waffenthat dieser ganzen verunglückten Unternehmung. Im folgenden Jahre gelang es Z., seit 1542 Banus von Croatien, durch das Gefecht bei Somlyó, südl. Stuhlweißenburg, den Verwüstungen der „Renner und Brenner“ in der Gegend um den Plattensee Einhalt zu thun und im J. 1544 deckte er mit großem Erfolg den Rückzug nach dem unglücklichen Gefechte bei Szelnicz. Seit 1556 gewann die kleine, von dem [442] Flüßchen Almás umflossene Festung Szigeth für Z., der katholisch erzogen, später zum evang. Glauben übergetreten war, besonderes Interesse und an diese Festung sollte sich auch für immerwährende Zeiten die ruhmvollste That seines Lebens knüpfen. Szigeth, seit 11. Juni 1556 von den Türken belagert, von Horvath-Stancsics vertheidigt, war bereits dem Falle nahe, als Palatin Nádasdy und Banus Z. mit einem aus Ungarn, Croaten, Steirern und Oesterreichern bestehenden Heere vor Babocsa erschienen und den Platz hart bedrägten, um die Türken von Szigeth abzuziehen. Thatsächlich eilte auch das Belagerungscorps dem bedrohten Babocsa zu Hülfe, wurde jedoch am 22. Juli in der Nähe des festen Platzes geschlagen und zum Rückzug gezwungen. Als es dann nach Szigeth zurückkehrte, waren die Mauern der Feste ausgebessert, die Belagerungswerke aber zerstört, und ein glücklicher Ausfall der Besatzung veranlaßte den gänzlichen Abzug der Türken. Nach dem Tode Horvath-Stancsics’, 1561, wurde Z., der im J. 1557 nach Niederlegung der Würde eines Banus zum Tavernicus ernannt worden war, Commandant der Festung Szigeth und dann Oberbefehlshaber der königlichen Truppen am rechten Donauufer. Als nach dem Tode König Ferdinand I., 25. Juli 1564, sein Nachfolger Maximilian II. bemüht war die Waffenruhe mit der Pforte im Sinne des Friedens von 1562 zu erhalten, war es hauptsächlich Z., der sich für den Krieg erklärte und gegen die Weiterleistung des schimpflichen Tributes. Die Bemühungen Kaiser Maximilian’s waren denn auch vergebens und schon am 1. Mai 1566 brach Sultan Soliman zu seiner sechsten und letzten ungarischen Heerfahrt auf, die eine weltgeschichtliche Bedeutung erlangt hat durch die in Lied und Wort gefeierte Vertheidigung von Szigeth durch Z. Sultan Soliman’s ursprünglicher Plan war, die Donau bei Peterwardein zu überschreiten und gegen Erlau anzurücken. Als er jedoch hörte, daß Z. bei Sziklós den Sandschak Mohamed von Tirhala überfallen, nebst seinem Sohne getödtet und das ganze Heergeräth sammt 17 000 Ducaten erbeutet habe, änderte er den Plan und zog gegen Szigeth, um Z. zu züchtigen. Am 1. August stand das Heer, 90 000 Mann mit 300 Geschützen vor Szigeth, am 5. kam der Sultan selbst dort an. „Die Festung bestand aus drei Theilen, der neuen und alten Stadt, die, durch tiefe Gräben geschieden, durch Brücken mit einander verbunden waren und der inneren, von dreifachen Wassergräben umgebenen Burg. Sie hatte keine mächtigen Steinmauern, sondern nur aus Erde und Holz errichtete Wälle; selbst die fünf Basteien der inneren Burg waren aus demselben Material und nur der innerste Thurm, in dem auch das Pulver aufbewahrt wurde, war aus Stein gebaut. Ihre Stärke bildeten die Sümpfe des Almásflusses, die sie umringten und ihr zugleich den Namen Szigeth „Insel“ gaben“. Die Besatzung bestand aus 2500 Ungarn und Croaten; zwei Fahnen deutscher Landsknechte, zur Unterstützung nach Szigeth gesandt, langten dort zu spät an und konnten nicht mehr aufgenommen werden. Z. verfügte über 69 Geschütze, auch Munition und Mundvorrath war genügend vorhanden. Beim Anrücken der Türken versammelte Z. seine Krieger und schwor „Gott dem Allmächtigen zuforderst, dann der Römisch Kaiserlichen Majestät, als meiner höchsten Oberkeit und diesem verheerten Lande, dann auch euch redlichen Männern und Kriegsleuten, wie ihr hier versammelt seid, als was mir Gott der Vater, Sohn und heiliger Geist, die heilige Dreifaltigkeit und einiger Gott helfen solle: Daß ich euch zu keiner Zeit verlassen sondern bei euch sterben und genesen und alles Gute und Böse, so zufallen möchte, neben euch leiden und gedulden will!“ Einen ähnlichen Eid nahm er seinen Kriegern ab. Am 7. August begann der Angriff auf die Neustadt, die Z. nach zweitägiger Beschießung, da sie nicht mehr zu halten war, sammt den Brücken in Brand stecken ließ und sich in die Altstadt zurückzog. Sogleich schritten die Türken zur Ausfüllung der Gräben und griffen die Altstadt von drei [443] Seiten an. Am 19. August war sie, trotz aller Gegenanstrengungen der Belagerten erstürmt und die Besatzung in die innere Burg gedrängt. Den glänzenden Versprechungen Soliman’s widerstand Z. ebenso standhaft wie den Drohungen, seinen von den türkischen Vorposten gefangenen Sohn getödtet zu sehen. Am 26. August wurde der erste Sturm auf die Burg glänzend zurückgeschlagen, wobei der Statthalter von Aegypten und der Oberbefehlshaber der Artillerie fielen und die Belagerten 2 Fahnen eroberten; am 29. wurde im Angesichte des schwerkranken Sultans der zweite Sturm zurückgewiesen. Am 5. September flog eine am 2. gelegte Mine auf, die einen Theil der äußeren Mauern der Burg zertrümmerte; zwar wurden die anstürmenden Türken abermals zurückgetrieben, aber das Feuer, von einem heftigen Winde genährt konnte nicht mehr gelöscht werden und nöthigte Z. die Burg preiszugeben und sich mit den übrig gebliebenen 500 Waffengefährten in den festen innern Thurm zu werfen. In der Nacht vom 5. auf den 6. September starb Solimann II. der „Prächtige“, einer der Gewaltigsten, die je auf türkischem Throne geherrscht; „sein Wunsch sich mit dem Sohne Ferdinand’s I. in offener Feldschlacht zu messen, ging nimmer in Erfüllung, eine Festung und ein Mann in des Wortes vollster Bedeutung hemmten seinen Weg“. Am 7. September wurde der Thurm Szigeths von Sonnenaufgang bis in die Nacht hinein unausgesetzt beschossen, am 8. stand er in Flammen. Als die Türken zum letzten Sturm sich anschickten, zog Z. den Dolman an und hing sich die Mente um, mit denen er am Tage seiner Vermählung bekleidet gewesen, steckte den mit Diamanten verzierten Reiherbusch auf seinen Kalpag, umgürtete sich mit dem Säbel seines Vaters, nahm die Schlüssel der Festung und 100 ungarische Ducaten zu sich „damit derjenige, der seinen Leichnam plündern werde, nicht sagen könne, daß er nichts gefunden habe“, trat dann unter seine im Hofe aufgestellten treuen Kampfgenossen und ermahnte sie mit feurigen Worten, in den Tod zu gehen. Schon stürmt der Feind heran, da öffnet sich das Thor, eine große mit Kugeln und Eisenstücken geladene Kanone schleudert Verderben in dessen dichte Reihen; Z. stürzt mit gezücktem Säbel hinaus auf die Brücke und die andern drängen ihm nach, tödtliche Streiche führend. Der Kampf war kurz; Z. sank, am Kopfe und in der Brust verwundet, nieder, neben ihm fielen bis auf wenige, die lebend übermannt wurden, die übrigen dem Tode Geweihten edler und gemeiner Abkunft, aber alle geadelt durch den Tod fürs Vaterland. Z. wurde sterbend vor den Janitscharen-Aga gebracht, auf dessen Befehl auf die Kanone Katzianer’s gelegt und enthauptet.“ Der Kopf Zrinyi’s wurde an den Grafen von Preßburg Eckard Salm gesandt mit folgendem Schreiben: „Empfange als Zeichen meiner Gunst das Haupt eures verwegensten Heerführers, den ihr künftig schwer vermissen werdet; den Rumpf habe ich begraben, denn es wäre Schmach und Schande, wenn der Leichnam eines so tapferen Mannes auf dem Felde den Vögeln des Himmels zur Speise läge.“ Vor solcher Pflichttreue, sagt Krones, solchem Todesmuthe, den auch der Türke in der Behandlung der sterblichen Reste Zrinyi’s an den Tag legte, schwindet die Erinnerung an die Ermordung Katzianer’s von Zrinyi’s Hand, an das Unruhige, Habgierige im Wesen dieses croatisch-ungarischen Standherrn. Ein solcher Tod adelt das ganze Leben im Andenken der Nachwelt.

Die Acten des k. u. k. Kriegs-Archivs. – Feßler-Klein, Geschichte von Ungarn. Leipzig 1874. – Schweigerd, Oesterreichs Helden und Heerführer. Leipzig und Grimma 1852. – Krones, Handbuch der Geschichte Oesterreichs. Berlin 1878. – Széchy, Graf Zrinyi Miklós. Budapest 1896. – Stier, Ehrengedächtniß des Grafen Niclas Zrinyi von Szigeth. Colberg 1866. – Reilly, Skizzirte Biographien der berühmtesten Feldherrn Oesterreichs. Wien 1808.