ADB:Zovitius, Jakob

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Artikel „Zovitius, Jakob“ von Johannes Bolte in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 45 (1900), S. 440–441, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Zovitius,_Jakob&oldid=- (Version vom 18. Juli 2019, 05:19 Uhr UTC)
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Zovitius: Jakob Z., neulateinischer Dramatiker aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Er ward 1512 zu Drieschor bei Zierikzee auf der vor der Scheldemündung liegenden Insel Schouwen geboren und wirkte zu Hoogstraten und (1539–40) in Breda als Leiter der lateinischen Schule. Wo er seine gelehrte Bildung empfing, wissen wir nicht; er selber nennt gelegentlich seinen Lehrer Zacharus im Conventiculum Jesuanum zu Zierikzee und seinen Landsmann, den dichterisch begabten Arzt Jason a Pratis (van de Velde). Daß er am katholischen Bekenntniß festhielt, zeigt eine Bemerkung im „Didascalus“ I, 2 über die dogmata Neochristianorum. Sein Todesjahr ist unbekannt. – Angeregt durch das Vorbild des Gnapheus und Macropedius schrieb Z. drei lateinische Schulkomödien, die zwar leidliche Gewandtheit im Versbau und schwerfällige Gelehrsamkeit (stylus familiaris atque elegans, sagt übertreibend Valerius Andreä), aber keinerlei dramatisches Talent zeigen. Das biblische Schauspiel „Ruth“, daß er als Einundzwanzigjähriger herausgab (Antverpiae 1533. Dramata sacra ex veteri testamento, Basileae 1547 1, 452), leidet unter dem Mangel an Handlung; statt Ruth und Boos uns menschlich näher zu bringen, führt er langweilige Gespräche der die Ernte vorbereitenden Knechte und zweier mit dem Stücke in keiner Verbindung stehenden Tagediebe Attabus und Numenius, sowie der Wirtin Lena vor. Selbst dem Auftritt zwischen Noemi und ihren Schwiegertöchtern (II, 4) und der Gerichtsverhandlung zwischen Boos und Misobigamus (V, 4) fehlt dramatisches Leben. Der Ausdruck ist gesucht, oft schwülstig und mit antiken Anspielungen auf die Lehren der Stoa und der platonischen Akademie, auf den Olymp, Atropos, Merkur, Theseus u. s. w. überladen, sodaß der Autor selber 1539 von seiner luxuries plus satis iuvenilis redet. – Frostig und handlungsarm ist auch die sechs Jahre später erschienene Dramatisirung der neutestamentlichen Parabel vom guten Hirten, „Ovis perdita“ (Antverpiae 1539 und 1541; (Coloniae 1539, 1540 und 1541; „Comoediae ac tragoediae aliquot“, Basileae 1541, p. 176), die Z. durch Einfügung allegorischer Figuren zu einer Darstellung des ganzen Erlösungswerkes Christi erweitert. Der gute Hirt sendet zuerst seinen Diener Helias und geht dann selbst in das Reich des Herrn Welt und der Frau Fleisch (Cosmus und Sarx), um das verirrte und verlockte Schaf zu holen. Auf der einen Seite disputiren Gerechtigkeit und Barmherzigkeit mit einander, auf der andern Cosmus, Sarx und ihre Helfer Neid, Ungehorsam und Hoffart; aber alle Handlung liegt hinter der Scene. Weder treffen beide Parteien zu einem Wortgefecht zusammen, noch erscheint das verirrte Schaf, das doch als ein persönliches, verantwortliches Wesen aufgefaßt wird, vor den Augen des Zuschauers, während die verwandten Moralitäten uns den mißleiteten und begnadigten Menschen selber vorführen und gerade dadurch unsre Theilnahme für ihn und den Verlauf der Handlung wachrufen. Trotz dieser offenkundigen Fehler hat das Stück auf andere katholische Dramatiker, wie Hieronymus Ziegler in München (s. o. S. 173) und Jakob Schöpper in Dortmund vorbildlich eingewirkt; letzterer tadelte nur, daß der Heiland (Soter) darin persönlich auftrete. – Das dritte Stück „Didascalus“ (Antverpiae 1540; Coloniae 1541) gehört zu den im Vorworte zur Ovis perdita verheißenen heiteren Schauspielen (aliquot lepidae [441] fabellulae quas tyrunculis literariis impartiam) und setzt sich die Aufgabe, den verachteten Schulmeisterstand (didascalo nihil miserius, seufzt der Titelheld) wider die üblen Nachreden des Pöbels glänzend zu rechtfertigen. Doch geschieht das nicht mit Hülfe eines aus dem wirklichen Leben herausgegriffenen Einzelfalles und mit dem drastischen Humor, den Macropedius (A. D. B. XX, 19) 1535 in seinem Schülerstücke „Rebelles“ bewährt hatte, sondern durch eine steife Allegorie, die dazu in schleppendem Tempo vorgetragen wird. Jupiter ist der vielen Klagen überdrüssig, mit denen ihn weichherzige Mütter und übelwollende Verleumder des Didascalus bestürmen, und bescheidet durch seinen Boten Mercurius den Schulmeister und den Pöbel (Demus) vor das Gericht, das er in Breda, dem Wohnorte des Verfassers abhalten will. Nachdem in drei Acten die Ladung der beiden Parteien und ihre Vorbereitungen zur Verhandlung dargestellt sind, treten im fünften Kläger und Beklagter vor den Thron Jupiters, als dessen Beisitzer Apollo und Minerva fungieren. Glottus, der Anwalt des Demus, verliest die Anklageschrift und stellt als Zeugen die Verleumdung und den Schmeichler (Diabole und Colacoglottus). Als aber darauf Frau Wahrheit (Alithia) für den Schulmeister, der übrigens als ein ziemlich trockener und grämlicher Gesell erscheint, plaidirt hat, erfolgt die Freisprechung des Beklagten, und Demus schleicht eilig davon, um der ihm drohenden Strafe Jupiters zu entgehen. – Ueber die äußere Form dieser Schulkomödien ist noch zu bemerken, daß Chorlieder gänzlich fehlen und daß in den beiden letzten Stücken die metrische Inhaltsangabe den Titel in akrostichischer Gestalt wiederholt, was Ziegler und Schöpper nachgeahmt haben.

Goedeke, Grundriß² 2, 135 und van der Aa, Biogr. Woordenboek der Nederl. 20, 2, 65 führen noch einen sicher auf Irrthum beruhenden Antwerpener Druck des Didascalus von 1534 an, sowie Adagia latinobelgica und Colloquiorum puerilium formula lat. et gallice (Paris 1633). Vgl. noch E. Schröder, J. Schöpper von Dortmund 1889 S. 13.