Aachener Stadtrechnungen aus dem XIV. Jahrhundert/Weinkultur und Weinverbrauch

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Weinkultur und Weinverbrauch.


Daß das Aachener Becken vor der Entwaldung der Eifel sich einer höheren und konstanteren Wärme erfreut haben muß, ist wohl aus den vielfältigen Angaben über Weinbau innerhalb und außerhalb der Stadt mit Sicherheit zu schließen. Die erste findet sich 1334. It de vineis in gramine civium. Dieser Posten kehrt in allen Ausgaberechnungen wieder und lautet 1385 It den wingart zu machen in der burger huys, welches auch „der Burger Gras" genannt wird und noch heute im Gras heißt. Die noch gebräuchlichen Namen Wirichsbongard (im Jahre 1385 wirichsbungart) und Weingartsberg deuten auch auf Weinbau außerhalb der Stadt, und die Vermuthung scheint sich durch die Rechnungen zu bestätigen. Im Jahre 1334 zahlte die Stadt für die Anlegung eines Morgens Weinberg 5 M. Prämie; im Ganzen werden 9 Morgen, jurnalia vinci positi, aufgezählt, darunter 21/2, angelegt von Gerh. Chorus. Ob die Weinkultur in der Folge noch zugenommen, darüber geben die vorhandenen Rechnungen keinen Aufschluß. Sehr bedeutend aber muß der Weinverbrauch hier gewesen sein, denn in allen vorhandenen Einnahmerechnungen übersteigt die Wein-Accise (Verzehrsteuer) nicht bloß alle übrigen Accisen zusammen, sondern die Hälfte der ganzen Jahres-Einnahme. 1344 betrug:

      „Die assisia vinorum“, „Winassis“, Weinverzehrsteuer 9,324 M.
      Die Mahlsteuer, „assisia multure, mailgelt“, welche an den Stadtthoren und in den beiden innerhalb der Stadt gelegenen Mühlen, der Brudermühle[1] „Brodermoyllen“ und in der Mühle in „Heppiul" (heute Heppion) erhoben wurde, ... 1,421 "

[4]

      Die Bieraccise 2,425 M.
      Sämmtliche Verzehrsteuern mit Ausnahme der Weinsteuer 7,252 " 
      Und die ganze Jahres-Einnahme 18,387 " 
      Im Jahre 1373 brachte:
      Die Weinsteuer 23,300 " 
      Mahlsteuer 733 " 
      Bieraccise 11,400 " 
      Alle Accisen zusammen mit der Weinsteuer 41,237 " 
      Die ganze Jahres-Einnahme 42,327 " 
      Im Jahre 1385 betrug:
      Die „Winassis“ 28,000 " 
      overmitz[2] Herrn Heinrich van der Linden (dieser
war zugleich Bürgermeister), H. Hein. Chorus, H. Gerart Lewen, Arnolt Buck und Joh. Rulant von Hokirchen.
      Die „Bierassis“ 6,905 " 
      Das „Mailgelt“ 875 " 
      Die Total-Einnahme des ganzen Jahres 46,741 " 

[5] Im Jahre 1387 ergab:

      Die Steuer vom Wein overmitz heren Heinrich van der Linden (Bürgermeister), Heinr. Chorus, Arnolt Bück, Joh. Palant 26,000 M.
      Die „Bierassis“ 6,700 " 
      Die hadden Joh. Durrebuyche, Meis ant Kruytz, Rickolf der Bruwer und Heinr. Clercke.
      „Mailgelt“ 705 " 
      Sämmtliche Accisen zusammen 45,211 " 

Nach welchem Maßstabe die Weinsteuer im 14. Jahrhundert erhoben wurde, ist weder aus den vorhandenen Rechnungen, noch aus sonstigen Dokumenten zu ersehen. Es würde sich daraus das verzehrte Quantum mit Sicherheit bestimmen lassen. Daß aber in jenem Jahrhundert das Weintrinken allgemeiner gewesen sein muß, als heut zu Tage, geht aus andern Angaben klar hervor. Kein Geschäft wurde abgeschlossen oder es wurde durch einen Trunk Wein „vinicopium Wynkof“ besiegelt; alle Fremden, alle Boten, Gesandte, kurz, wer irgend ein Geschäft mit den städtischen Behörden hatte, dem wurde mit einer Weinspende aufgewartet. 1344 werden solcher „particulares propinationes“ besonderer Weinspenden, im Gegensatz zu den gewöhnlichen bei allen Festen wiederkehrenden, nicht weniger als 309 mit Namensangabe der beschenkten Personen aufgeführt, die im Ganzen 5 Fuder, 3 Ahm und 17 Sextar betrugen. Das Fuder hatte 6 Ahm. Die Ahm 30 sextaria, welche in den deutschen Rechnungen Veirdell heißen, das Sextar 4 quartas oder Quart. Von zweien dieser Fuder kostete die Quart 2 Hallische Schilling oder 4 Schilling 44/5 Denar Aachener („Eyschen“) Geldes, mithin die Ahm (zu 120 Quart) 24 M., nach dem heutigen Gelde 46 Thlr., ein sehr anständiger


[6] Preis, der nicht auf eigenes Wachsthum schließen läßt. Der Rest kostete per Quart 1 Aachener Schilling, mithin die Ahm 10 M. oder 19 Thlr. 5 Sgr. Im Jahre 1334 wird den Wächtern am Kirmesabend Wein geschenkt, wovon die Ahm 5 M. kostete, was nach dem damaligen Werth der Mark 15 Thlr. 25 Sgr. betrug.

Bedeutend waren oft die Weingeschenke und Spenden an hohe und höchste Personen. Bei der Krönung Karl’s IV. im Jahre 1349 kaufte die Stadt bei Konrad von Eyghorn 6 große Fässer Wein (IV magna dolea vinorum), die 7 Fuder (plaustra), 3 Ahm und 18 Sextar hielten, wovon dem Könige 3 Fässer gespendet wurden (propinata fuerunt). Ferner bei Nikolaus von Tungern 15 Ahm und 6 Sextar, jede Ahm zu 19 Mark, und bei Jakob Saissen 3 Fuder, 5 Ahm weniger 4 Sextar, das Ganze im Betrag von 1619 M. 9 S. Bei der Krönung Wenzel’s 1376 „gaff man unsere here deme kuynnynck vyer stuck wyns, dat eyn hielt sieven åmen ind vyer veirdell, dat ander hielt sievendehalve åme, dat dirde hielt eyn vueder mer dry veirdell, ind dat veirde hielt sievendehalve åme ind eyn veirdell, so compt die summe van den vyer stucken wyns up vyer vůeder wyns, zwå åmen ind eicht veirdell, die comen an gelde dat vůeder vur hundert ind LXX m. vergolden up VIIc XLIIII m. ind II s. VIII d.“ (d. i. 744 M. 2 S. 8 D.)


  1. Brudermühle, nicht Brodmühle, hieß die jetzt außer Betrieb gesetzte, auf der Rennbahn gelegene und an den Klosterplatz anstoßende Mühle, weil sie den Stiftsherren unseres Liebfrauen-Münsters, die in alter Zeit in klösterlichem Verbande als Brüder, canonici regulares, zusammenwohnten, gehörte.
  2. overmitz d. i. durch die Herren Heinrich van der Linden etc. Wie ist dieses overmitz zu verstehen? In der lateinischen Rechnung von 1344 heißt es: magistri civium receperunt de assisia vinorum primi, secundi, tercii et quarti mensis presentibus Goswino Martini, Godefrido Kollin, Jo. Bulgin et Jo. Tilia, für die folgenden 4 Monate presentibus Jo. de Trajecto, Hermanno Hoystein, Ricolfo de Gurzenig et Wilhelmo Beyssel, und für die letzten 5 Monate presentibus Jo. Herman, G. Suysdranc, Ricolfo Nagel et Conrado de Eyghorne. Aus dem Wechsel der Personen und dem Worte presentibus, in Gegenwart, sollte man auf eine von den genannten Herren über die Weinaccise geführte Aufsicht schließen. Dagegen heißt es in der Rechnung von 1373: assisia vinorum valuit hoc anno per Arnoldum Wilde, Conradum de Eyghorn, Ja. de Punt, Arnoldum Volmer, Ja. Elreburn et Hermannum Durzant 23,300 M. Derselbe Ausdruck per wird gebraucht bei der Erhebung der Bieraccis, die, wie aus einer Stelle der Rechnung von 1385, wo von dem Weinkauf bei der Versteigerung der Bieraccis die Rede ist, erhellet, wirklich versteigert wurde. Darum heißt es auch oben bei der Bieraccis: „die hadden“. Nun bedient sich die Rechnung des Jahres 1387 desselben Wortes bei der Weinaccis: „dye wynassise galt dat jair XXVI M. (d. h. 26,000 M.), die hadden her Heynr. van der Linden, der Heyn. Chorus, her Arnolt Buck ind Johan Palant (derselbe Ausdruck: „die hadden“ findet sich 1391); daraus ergibt sich klar, daß im 14. Jahrhundert die Weinsteuer in Verding gegeben wurde, wonach das obige overmitz zu verstehen ist.
    Das Gesagte wird vollständig durch eine Notiz aus dem Jahre 1393 bestätigt und näher erläutert. Darin wird bestimmt, daß die Weinaccise an den Meistbietenden versteigert werden, dem Rath aber frei stehen soll, das letzte Gebot anzunehmen, oder die Accise durch Angestellte erheben zu lassen. Ersteren Falls soll der Ansteigerer „der sy veil off weniche, die solen halven gesellen syn, ind die stat eyn halff geselle syn zo wennen ind zo verliessen, ind dir nach off sy wilt eynen off zwein uyss dem rade dar by schicken;“ d. h. der Ansteigerer soll Gewinn und Verlust mit der Stadt theilen, und diese wenn sie will ihm einen oder zwei Räthe beigesellen. (S. Beil. I.)