Abendfeierstündlein

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Autor: Friedrich Hofmann
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Titel: Abendfeierstündlein
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft Deutsche Blätter, S. 773
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1863
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Die Gartenlaube (1863) b 773.jpg

Das Abendfeierstündlein.

Die Sonne sinkt zu Thale. Da erhebt
Der würd’ge Pfarrherr sich vom Arbeitstische.
Er hat den Tag in Büchern hingelebt
Und sehnt sich nach der Fluren Athemfrische.

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Die Grüße freundlich sendend rechts und links

Durchwandelt er des Dorfes Häuserzeilen;
Gewärtig jeder Bitte, jedes Winks,
Erfreut es ihn, vor mancher Thür zu weilen.

Es spendet gern ein Mann, der durch das Licht

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Des Wissens ist beglückt, von seinen Gaben

Den Andern, denen es daran gebricht;
Nicht Jedes kann im Haus die Leuchte haben.

Zufrieden im Gemüthe läßt er nun
Dahinten Dorf und Thal und steigt zum Hügel,

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Wo’s ihm am liebsten heimelt, auszuruhn,

Derweil sein Sinnen regt die stärk’ren Flügel.

Wie still rings die Gefilde, für den Mann,
In dem die Pulse seiner Zeit nicht schweigen,
Drängt’s von der Geister Strömung hoch heran,

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Daß ihre Wogen ihm zum Herzen steigen.


„Ja, Gott und Herr, Du hast es wohlgemacht!
Vertheilt hast Du allein die Siegeskränze,
Erstritten in der großen Geisterschlacht
Und grünend frisch in jedem neuen Lenze.

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„„Mit deutschen Fahnen war die Stadt geschmückt““ –

Schreibt mir mein Sohn von Leipzig. – Heil’ge Farben!
Wie habt ihr einst mein Burschenherz beglückt,
Und wie verbittert, als sie euch verdarben!

Heut schwingt das deutsche Volk euch als Panier,

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Ihr müßt empor auf Königsschlössern ragen, –

Als Demagagenfarben mußten wir
Oft unterm Hemde euch verborgen tragen!

Wer bringt die edlen Jünglinge zurück,
Die grausam warf der Arm des Rechts darnieder?

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Was raubte ihnen Freiheit, Leben, Glück?

Die Farben dieser Zeit und ihre Lieder!

Ja, Du hast’s wohlgemacht, mein Herr und Gott,
Am deutschen Volke! War doch unser Glühen
Für’s Vaterland einst der Philister Spott!

40
Der Baum der Jugend sollte nicht mehr blühen!


Und sieh, nun blüht des ganzen Volkes Baum!
Der Mann der Arbeit ist Student geworden,
Er strebt nach Wissen, und Du weißt heut kaum,
Wer steht zuhöchst im Tugendbundesorden!

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Sogar das tiefste Leid, das uns gedrückt,

Der schwerste Hohn, der uns das Herz geschlagen,
Die Hand des Herrn hat Beides uns entrückt
Und aufgethan das Thor zu neuen Tagen:

Sieh, Nordalbingiens alten Herzogsthron

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Erhebt das Volk, das nimmer ward bezwungen,

Für seines Bodens treuen echten Sohn,
Und frei wird Schleswig-Holstein, meerumschlungen!

Wie’s in mir jubelt! Meine Seele singt,
Als wäre neue Jugend ihr gegeben!

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Und wenn Mariechen mir mein Gläslein bringt,

Heut laß’ ich Dich, mein herrlich Deutschland, leben.“

Da kommt Mariechen schon, Hochwürdiger!
So nimm Dein Glas und klinge an dem meinen:
Ist einst Dein Sohn, wie Du, ein alter Herr,

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Mög’ auch solch Feierstündlein ihm erscheinen!


Mög’ solch ein Abendfeierstündlein auch
Begeistern ihm die treue deutsche Seele!
Und werd’ es recht im Vaterlande Brauch,
Daß solch ein Stündlein keinem Alten fehle!

Friedrich Hofmann.