Abschreckungstheorie in Schnupftaback

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Titel: Abschreckungstheorie in Schnupftaback
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 27, S. 296
Herausgeber: Ferdinand Stolle
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1853
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[296] Abschreckungstheorie in Schnupftaback. Professor Miller erzählte neulich in einem Arbeiter-Verein zu Edinburg folgende Geschichte, die in einem schottischen Dorfe passirt war, wo Geistliche und Laien noch in sehr reinen, gemüthlichen Beziehungen stehen sollen. Ein junger Geistlicher sollte sich nach seiner Verheirathung durchaus das Schnupfen abgewöhnen. Er that alles Mögliche seiner jungen Frau zu Liebe, fiel aber immer wieder heimlich in die alten Sünden zurück, indem er besonders Leute besuchte, die schnupften. Endlich weinte die Frau und schmollte und er faßte nun einen heroischen Entschluß. Er arbeitete die ganze Woche an einer Predigt gegen das – Schnupfen, ohne sich durch eine einzige Prise dabei aufzumuntern. Sonntags fühlte er sich zwar sehr miserabel, predigte aber doch herzhaft gegen die Sünde des Schnupfens, begeistert von dem beifälligen Lächeln seiner jungen Frau und empört über das deutliche Schnarchen eines ehrsamen Mitgliedes seiner Gemeinde dicht an der Kanzel. Das ehrsame Mitglied machte es endlich so arg, daß ihn ein Nachbar so lange rüttelte, bis er aufwachte, worauf er seine große runde Dose herauszog, ernsthaft und bedächtig auf den Deckel klopfte, diesen abnahm und unter die Dose schob, worauf er mit dem feierlichsten Ernste eine tüchtige Prise nahm und sehr umständlich die Nase damit fütterte. Dem Prediger blieb die Rede in der Kehle stecken; mit der größten Aufregung beobachtete er jede dieser Manipulationen und donnerte endlich: „John, was ist das? Welch eine Schande, Sir! Wie können Sie mich so beleidigen? Haben Sie nicht gehört, was ich gepredigt?“ Er hatte in der That keine Sylbe gehört und starrte seinen Seelsorger im größten Erstaunen an. „Ich weiß wirklich nicht, was ich verbrochen habe,“ stammelte er. – „Fern sei es von mir,“ erwiederte der Geistliche mit Salbung, „meine Lippen durch Namhaftmachung dessen, was Sie thaten, zu entweihen. Ich will Ihnen zeigen, was Sie thaten, damit es Alle sehen und davor zurückschaudern. Geben Sie mir Ihre Dose da!“ („Hand me up that box!“) Man reichte ihm die Dose hinauf. Jetzt machte der Prediger den ganzen Proceß des Nehmens einer Prise durch und zwar in möglichster Nachahmung des Sünders unter ihm. „Das ist es, was Sie thaten, Sir!“ sagte der Prediger, „und was noch viel schlimmer ist“ (mit ungeheurer Begierde die Prise nehmend) „sogar dies thaten Sie, Sir!“