Abstecher: Reichenbach im Vogtland

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Textdaten
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Autor: Joachim Ringelnatz
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Titel: Abstecher: Reichenbach im Vogtland
Untertitel:
aus: Reisebriefe eines Artisten, S. 112f.
Herausgeber:
Auflage: 5.–9. Tausend
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1928 (EA 1927)
Verlag: Ernst Rowohlt
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Erscheinungsort: Berlin
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Quelle: Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
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[112]
ABSTECHER:
REICHENBACH IM VOGTLAND


Es sang sich ein Lied in der Nacht.
Da wurden zwei Bürger in Reichenbach
Im Vogtlande wach.

Was wollte ich sonst in dieser Stadt

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Als nur meine Fahrt unterbrechen;

Frug: ob sich hier ein Wirtshaus hat,
Wo Leute um die Zeit noch zechen.

Am Himmel standen Zeichen.
Warum – so hatte ich mir gedacht –

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Soll Reichenbach in dieser Nacht

Nicht Guatemala gleichen?

Was geht mich Guatemala an,
Wenn ich daselbst nicht bin. –
Stieg aus. Bereute das. Doch ach:

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Da flog mein Zug schon weiter hin.

Und ich stand nachts in Reichenbach.

Vielleicht erlebe ich Rübezahl,
Den Ollen!?
Doch sicher bin ich heute einmal

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Für jedermann verschollen.


Aussteigen plötzlich, besonders noch spät,
Das kann ich jedem empfehlen.

[113]
Er braucht ja, wie sein Leben vergeht,

Gerade nicht Reichenbach wählen. –

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Es klang ein Gesang wie Männerverein

Und brachte Dachrinnen zum Schmelzen
Und roch so nach Wein. Da trat ich hinein
Und kam mir dort vor wie Lord Nelson.

Im Seichtlärm eines Stammlokals

30
Der Honoratioren

Im Stile Anno dazumals
Beneugiert und verloren – – –

Gott segne die Azoren!