An ** wegen eines Vorwurfs über Liebe

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Autor: Anton Wilhelm Christian Fink
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Titel: An ** wegen eines Vorwurfs über Liebe
Untertitel:
aus: Neue Thalia – Zweiter Band, Fünftes Stück, S. 235–240
Herausgeber: Friedrich Schiller
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1792
Verlag: G. J. Göschen’sche Verlagsbuchhandlung
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: UB Bielefeld bzw. Scans auf Commons
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[235]
IV.
An ** wegen eines Vorwurfs über Liebe


Jüngling, willst du mich verdammen?
Jüngling, hast du nie geliebt?
Loderte in gleichen Flammen
Nie dein Herz mit der zusammen

5
Die des Himmels Vorschmack giebt?

O so schweig! Vermag dem Kranken
Aller Freuden Götterwein –
Göß auch Hebe selbst ihn ein –
Ungekostet, die Gedanken

10
Seines Trübsinns zu zerstreun? –


Mich verdammen? – Jüngling, weine!
Denn noch lacht kein Morgenroth
Deinem Lenz mit Purpurscheine,
Da den Kelch von diesem Weine

15
Dir noch nie die Göttin bot.

Unter Winternächten starrend,
Schlummert deiner Freude Land
Kaum geahndet! Auf die Hand
Einer mildern Allmacht harrend,

20
Die des Nebels Nacht verbannt.

[236]

Heil! Mir sind sie nun entflogen
Nebelhüll und Winternacht!
Seit im goldnen Strahlenbogen
Du am Aether aufgezogen,

25
Du auf mich herabgelacht.

Wie einst Orpheus Zauberleier
Leben strömte durch den Hain,
Leben durch den Marmorstein,
Goßest du der Liebe Feuer

30
Durch dieß schlummernde Gebein.


In der Jugend schwachem Kahne
Irrt’ ich mit der Sehnsucht Weh
Auf des Lebens Oceane,
Als die hohe Götterfahne

35
Mir vom Ufer flatterte.

Ha! Willkommen Lustgefilde!
Muttererde sey gegrüs’t!
Wo die Thräne, die noch fließt
Mit dem Rosenmund die Milde

40
Von des Dulders Wange küßt.

[237]

Neu durchathmet, neugebohren
Fühl’ ich meines Geistes Kraft;
Röther schimmern mir Auroren,
Freundlicher umtanzen Horen

45
Meine neue Pilgerschaft.

Dichter, schwesterlicher ketten
Sich der Freude Wonnereihn,
Nachtigallen flöten drein,
Singen mich auf Rosenbetten

50
Sanft zu süßen Träumen ein.


Schöner, als beym Göttermahle,
Beut die Liebe mir die Frucht,
Süsser labt der Quell im Thale
Als der Wein der Nektarschaale,

55
Denn den Quell hat sie gesucht!

Werther, daß ihn Pindar [sänge],
Ist der Kranz, den ihre Hand
Im bescheidnen Thale band,
Als die Kron’ im Festgepränge,

60
Die dem Sänger Hellas wand.

[238]

Jüngling, guter Jüngling, weine!
Deiner Freude Blüthe bricht;
Denn die Himmlische, die Eine
Pflegt in ihrem Sonnenscheine

65
Der verwaisten Blüthe nicht .-

Seelig, seelig, wem die Liebe
Zu des Lebens Trost und Stab,
Eine holde Freundinn gab;
Nimmer zieht sein Himmel trübe

70
Sich um seiner Freuden Grab.


Liebe giebt ihm Adlerflügel,
Hoch empor zum Sonnenlauf;
Liebe, Gottes reiner Spiegel,
Drükt der Unschuld heilges Siegel

75
Ihrem Schöngebohrnen auf;

Winkt vom Himmel Engel nieder,
Zaubert ewig jung und grün
Ein Arcadien um ihn,
Wo die Freud’ und Unschuld wieder

80
Traulich durch die Hütten ziehn.

[239]

Wenn der Sturm des Lebens stürmet,
Tausend Wetter ihn umdrohn,
Woge sich auf Woge thürmet,
O! wer faßt, wer hält, wer schirmet

85
Der Verzweiflung Unglückssohn? –

Liebe mit der starken Rechte
Schirmt des Glükkes Königssohn!
Sieh! Die Wetter sind entflohn,
Und durch helle Sternennächte

90
Säuselt sanft ihr Silberton:


„Sey gegrüßt! Vom Wogenschwarme
Sollst du, matter Dulder, nun
Nach des Lebens Müh’ und Harme
In der Liebe sicherm Arme

95
Weich auf Rosenbetten ruhn!

In dem ersten keuschen Kusse,
Den dir deine Milde küßt,
Wenn sich Seel’ in Seel’ ergießt,
Sey mit himmlischem Genusse

100
Jedes Erdenweh versüßt.“

[240]

Sieh! Wie mir der Engelfriede
Labungsvoll entgegenfliegt.
Nachtigall mit deinem Liede
Wird im süssen Traum der Müde

105
Nach Elysium gewiegt.

Still ihr Lüfte. Leis’ umflügelt
In der Ahndung Silberflor
Mich der Träume stilles Chor,
Und ein süsses Sehnen spiegelt

110
Mir ein schön’res Eden vor. –


Dufte süßer, heil’ge Blume,
Rinne leiser, Schattenbach!
Saiten, schweigt vom Heldenruhme,
Hallt in diesem Heiligthume

115
Nur das Kußgeflüster nach!

Ha! dieß Stammeln! Ha, dieß Beben!
Dieser glühe Flammenkuß,
Dieser Wonnen Vollgenuß –
Kündet das ein höhres Leben –

120
Oder Nacht des Erebus? –


W. Fink.