An Mignon (Goethe)

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Textdaten
Autor: Johann Wolfgang von Goethe
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Titel: An Mignon
Untertitel:
aus: Friedrich Schiller:
Musen-Almanach für das Jahr 1798, S. 179 – 180
Herausgeber: Friedrich Schiller
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1798
Verlag: J. G. Cotta
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Erscheinungsort: Tübingen
Übersetzer:
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Quelle: HAAB Weimar, Kopie auf Commons
Kurzbeschreibung:
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[179]
An Mignon.


     Ueber Thal und Fluß getragen
Ziehet rein der Sonne Wagen,
Ach! sie regt in ihrem Lauf,
So wie deine, meine Schmerzen,

5
Tief im Herzen,

Immer morgens wieder auf.

     Kaum will mir die Nacht noch frommen,
Denn die Träume selber kommen
Nun in trauriger Gestalt,

10
Und ich fühle dieser Schmerzen,

Still im Herzen,
Heimlich bildende Gewalt.

     Schon seit manchen schönen Jahren
Seh ich unten Schiffe fahren,

15
Jedes kommt an seinen Ort,

Aber ach! die steten Schmerzen,
Fest im Herzen,
Schwimmen nicht im Strohme fort.

[180]

     Schön in Kleidern muß ich kommen,

20
Aus dem Schrank sind sie genommen,

Weil es heute Festtag ist;
Niemand ahndet daß von Schmerzen,
Herz im Herzen,
Grimmig mir zerrissen ist.

25
     Heimlich muß ich immer weinen,

Aber freundlich kann ich scheinen
Und sogar gesund und roth;
Wären tödtlich diese Schmerzen
Meinem Herzen,

30
Ach schon lange wär ich todt.


GOETHE.