An Minna (Schiller)

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Textdaten
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Autor: Friedrich Schiller
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Titel: An Minna
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aus: Anthologie auf das Jahr 1782, S. 190 – 192
Herausgeber: Friedrich Schiller
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1782
Verlag: J. B. Metzler
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Erscheinungsort: Stuttgart
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Quelle: Scans auf Commons
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[190]
An Minna.


Träum’ ich? Ist mein Auge trüber?
     Nebelt’s mir ums Angesicht?
Meine Minna geht vorüber?
     Meine Minna kennt mich nicht?

5
Die am Arme seichter Laffen

     Blähend mit dem Fächer ficht,
Nimmer satt sich zu begaffen? –
     Meine Minna ist es nicht.

Von dem Sonnenhute niken

10
     Stolze Federn, mein Geschenk,

Schlaifen, die den Busen schmüken,
     Rufen: Minna, sei gedenk!

[191]

Blumen, die ich selbst erzogen,
     Zieren Brust und Loken noch –

15
Ach die Brust, die mir gelogen! –

     Und die Blumen blühen doch!

Geh! umhüpft von leeren Schmeichlern!
     Geh! vergiß auf ewig mich.
Ueberliefert feilen Heuchlern,

20
     Eitles Weib, veracht’ ich dich.

Geh! dir hat ein Herz geschlagen,
     Dir ein Herz das edel schlug,
Groß genug, den Schmerz zu tragen,
     Daß es einer Hure schlug.

25
Schönheit hat dein Herz verdorben,

     Dein Gesichtchen! schäme dich.
Morgen ist sein Glanz erstorben,
     Seine Rose blättert sich.
Schwalben, die im Lenze minnen,

30
     Fliehen wenn der Nordwind weht;

Buler scheucht dein Herbst von hinnen,
     Einen Freund hast du verschmäht.

[192]

In den Trümmern deiner Schöne
     Seh ich dich verlassen gehn,

35
Weinend in die Blumenscene

     Deines Mays zurüke sehn.
Die mit heißem Liebesgeize
     Deinem Kuß entgegen flohn,
Zischen dem erloschnen Reize,

40
     Lachen deinem Winter Hohn.


Schönheit hat Dein Herz verdorben,
     Dein Gesichtgen! – schäme dich.
Morgen ist sein Glanz erstorben,
     Seine Rose blättert sich –

45
Ha! wie will ich dann dich höhnen!

     Höhnen? Gott bewahre mich!
Weinen will ich bittre Thränen,
     Weinen Minna über dich.

M.


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