Lied eines abwesenden Bräutigams

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Textdaten
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Autor: Johann Christoph Friedrich Haug oder Ferdinand Friedrich Pfeifer[1]
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Titel: Lied eines abwesenden Bräutigams
Untertitel:
aus: Anthologie auf das Jahr 1782, S. 187 – 189
Herausgeber: Friedrich Schiller
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1782
Verlag: J. B. Metzler
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Erscheinungsort: Stuttgart
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Quelle: Scans auf Commons
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[187]
Lied eines abwesenden
Bräutigams.


Verfliegen noch zwey Jahre, dann
     Nenn’ ich mein Mädchen mein!
Und gieng es noch so schlimm, es kann
     Kein ganzes drüber seyn!

5
Und die verfliegen wie der Wind –

     Zwar eine hübsche Zeit!
Doch die zwey längsten Jahre sind
     Lang keine Ewigkeit!

Und ist nicht diese ganze Zeit

10
     Auch schon mein Mädchen mein?

Sie wirds gewiß nicht mehr als heut
     In zehen Jahren seyn!

[188]

Zwar dann in meinen Armen mein,
     Und das ist freilich viel!

15
Doch sich im Voraus drauf zu freun,

     Ist auch kein Kinderspiel.

Der Freude wird die Zeit nicht lang
     Und mir ist bis dahin
Deswegen nicht für Freuden bang

20
     Weil ich nicht bey ihr bin:

Dann bin ichs nur, so giebt sie mir
     Solch einen Vorrath mit,
Der mich mit guter Laune schier
     Ein Vierteljahr versieht.

25
Ein Kuß in einem Vierteljahr!

     Das macht das Jahr durch vier!
Das sind nur wenig – denkt ihr zwar
     Doch schmek ich die dafür
Die ich bekomme, mehr als ihr!

30
     Bey euch ist’s bloses Spiel,

Und erst vier Wochen drauf wird mir
     Die Wange wieder kühl!

[189]

Zwey hab ich noch für heuer gut,
     Zwey hab ich schon geschmekt,

35
Das fühlt ihr nie, wies einem thut

     Die ihr euch ewig lekt!
Zwey hab’ ich jezt noch gut – die zwey
     Nicht einen gäb ich euch
Um tausend andre, meiner Treu!

40
     Nicht um ein Königreich.


Den dritten hol’ ich bald bey ihr!
     Wie fliegt die Zeit vorbey?
O Mädchen! Mädchen! bleibe mir
     Nur noch zwey Jahre treu.

45
Zwar die verfliegen wie der Wind,

     Doch zur Beständigkeit
Du lieber Gott! – zwey Jahre sind
     Gar eine lange Zeit!

G.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Die Autorschaft des Textes ist nicht zu hundert Prozent geklärt, da sich die Chiffre G. nicht mit Sicherheit einem bestimmten Schriftsteller zuordnen lässt.
    Eduard Bülow kann die Chiffre keinem bestimmten Autor zuordnen.
    Eduard Boas vermutet Ferdinand Friedrich Pfeifer als Autor.
    Edmund Goetze hingegen schreibt die Chiffre G. (sowie die Chiffren Ha. und U.) Johann Christoph Friedrich Haug zu. Aus diesen Chiffren kann auch der Name "Haug" gebildet werden.
    Genaueres in:
    • Edmund Goetze: Grundrisz zur Geschichte der deutschen Dichtung aus den Quellen von Karl Goedeke. Zweite ganz neu bearbeitete Auflage. Fünfter Band - Vom siebenjährigen bis zum Weltkriege. Zweite Abteilung. Dresden: Verlag von L. Ehlermann, 1893, Seite 165f.
    • Eduard Boas; Wendelin von Maltzahn (Hrsg.): Schiller’s Jugendjahre. – Zweiter Band. Hannover: Carl Rümpler, 1856. Seite 205 f.
    • Friedrich Schiller; Eduard Bülow (Hrsg.): Anthologie auf das Jahr 1782 von Friedrich Schiller — Mit einer einleitenden Abhandlung über das Dämonische und einem Anhange neu herausgegeben von Eduard Bülow. Heidelberg: Verlag von Bangel & Schmitt; Hoffmeister’sche Univ.-Buchhandlung, 1850. Seite XXXIX. f.