An unsere Leser (Die Gartenlaube 1854/44)

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Textdaten
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Autor: Carl Ernst Bock
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Titel: An unsere Leser
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aus: Die Gartenlaube, Heft 44, S. 532
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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[532]
An unsere Leser.

So eben ist bei dem Verleger der Gartenlaube erschienen:

Das Buch
vom
gesunden und kranken Menschen
von
Dr. Carl Ernst Bock.
Professor der pathologischen Anatomie zu Leipzig.
1. Abtheilung:
Mit 25 feinen Abbildungen, broch. 25 Ngr.

Der Verfasser des vorliegenden Werkchens, – welcher auch die in der Gartenlaube über den Bau, den Gesundheits- und Krankheitszustand des menschlichen Körpers handelnden Aufsätze verfaßte und dessen Ansicht es ist, daß die Arzneikunst und die Aerzte weit mehr zur Verhütung als zur Heilung von Krankheiten beitragen können, – wünscht durch dieses Buch die Verbreitung vernünftiger Ansichten über die naturgemäße Pflege des gesunden und kranken Menschenkörpers zu fördern. Dieser Wunsch, ein Ergebniß reicher und trauriger Erfahrungen in der Kinderstube, am Krankenbette und Zeichentische, ist gewiß gerechtfertigt, wenn man die jetzige unverständige und naturwidrige Behandlung des menschlichen Körpers in allen seinen Lebensaltern beobachtet und wenn man die abergläubischen, man könnte sagen blödsinnigen Ansichten über Krankheiten und Heilkräfte anhören muß. – Wer die Menschen unserer Tage, vorzugsweise aber die Frauen, hinsichtlich ihrer körperlichen Beschaffenheit einer genaueren Betrachtung unterwirft, wird wahrnehmen, daß sich dieselben in einem betrübenden Zustande befinden. Oder wären nicht hinreichende Beweise dafür: die fortwährend und überall hörbaren Klagen über Unwohlsein (über Brust- und Unterleibsbeschwerden, Verdauungs- und Nervenschwäche, Hypochonderie und Hysterie, Scropheln, Hämorrhoiden, Gicht u. dgl.); der von Jahr zu Jahr steigende Besuch altbekannter und neuentdeckter Bäder; die wachsende Zahl der Charlatane und Geheimmittel, der Kaltwasser- und Heilanstalten; die Untauglichkeit eines sehr großen Theiles der männlichen Jugend zum Soldatendienste; die Unfähigkeit der meisten Mütter zum Säugen ihrer Kinder: die Abneigung der Jünglinge und Männer gegen Beschäftigungen, welche Willenskraft und Ausdauer erfordern, dagegen deren große Vorliebe für geistige und körperliche Ruhe.

Forscht man nach der nächsten Ursache dieses körperlichen Verfalles, so ergiebt sich als solche eine naturwidrige Behandlung des Körpers durch Aeltern, Lehrer und durch eigene Willkür. Die Folgen derselben zeigen sich im Allgemeinen als verzögerte und unvollständige Entwickelung den Körpers im Jünglingsalter bei frühreifem (sogenanntem) Verstande, als vorzeitiges Altern in den Mannesjahren und als frühzeitiges Blöd- und Kindischwerden im höhern Alter. Diese falsche Behandlung mit ihren Folgen geht nun aber aus der Unkenntniß des menschlichen Körpers und dem aus dieser Unkenntniß erwachsenden blinden Glauben an eine übernatürliche Heilmacht der Aerzte und Arzneien hervor. Wären die Mütter mit der auf Physiologie gegründeten Pflege des kindlichen Körpers vertraut, so würde die Gesundheit der meisten Menschen nicht schon von Geburt an, oft nur aus reiner Zärtlichkeit der Aeltern, untergraben werden. Hätten die Lehrer die gehörige Einsicht in den Bau und die Function der menschlichen Organe, so würden sie den Geist, welchen sie zu bilden und zu vervollkommnen haben, nicht vom Körper trennen und dem menschlichen Verstande durch Vernachlässigung der Pflichten gegen den Körper die Stufe der Ausbildung versperren, welche zu erreichen er von Natur befähigt ist. Verstände der Erwachsene die Naturgesetze, denen sein Körper in gesunden und kranken Zeiten unbedingt gehorcht, dann würde er nicht durch unsinnige Eingriffe in dieselben seine Gesundheit vergeuden, seine Constitution zerrütten und gegen seine Krankheit gesetzwidrig zu Felde ziehen. Nur in einer auf Kenntniß gegründeten naturgemäßen Behandlung des gesunden und kranken Körpers besteht das Heilmittel gegen den körperlichen und geistigen Verfall der Menschheit; Arzt ist jeder vernünftige Mensch, Unmündige aber können von Aeltern und Lehrern Schutz ihrer Gesundheit verlangen.

Das vorliegende Werkchen giebt in dieser ersten Abtheilung eine Beschreibung des Baues des menschlichen Körpers und der Verrichtungen seiner einzelnen Organe, stets mit Rücksicht auf die wissenswerthen, chemischen, physikalischen und Krankheits-Verhältnisse. Durch 25 feine Holzschnitte wird hoffentlich das Verständniß des Beschriebenen erleichtert. – Die zweite Abtheilung, welche gegen Weihnachten erscheint, wird lehren, wie durch die richtige Pflege der einzelnen Organe des menschlichen Körpers derselbe vor Krankheit geschützt werden kann und wie man bei Krankheitserscheinungen am naturgemäßesten zu verfahren hat. Ein vollständiges Inhaltsverzeichniß soll übrigens dieses Werkchen zum Rathgeber in allen auf die Gesundheit bezüglichen Verhältnissen machen.
Bock. 
In allen soliden Buchhandlungen Deutschlands vorräthig.