Anhang zum raisonirenden Journal vom deutschen Theater zu Hamburg auf die Monate October, November, December 1800

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Autor: J. F. Ernst (d. i. Johann Friedrich Ernst von Brawe, 1746–1806)
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Titel: Anhang zum raisonirenden Journal vom deutschen Theater zu Hamburg auf die Monate October, November, December 1800
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Erscheinungsdatum: 1800
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[1]
Anhang
zum
raisonirenden Journal
vom deutschen Theater zu Hamburg
auf die Monate
October, November, December
1800.

Mittewochs, den 31. December 1800.
[3]

Montags, den 3. December, wurde Verbrechen aus Ehrsucht, Familiengemählde in fünf Aufzügen von Iffland, auf Hamburgs deutschem Theater, zur vollständigsten Zufriedenheit aller Sachkenner und Kunstverehrer aufgeführt.

Es spielten den Ober-Commißair Ahlden Herr Steiger, und den Eduard Ruhberg Herr Herzfeld, durchaus als Künstler, die beyden wichtigen Rollen ganz gewachsen waren. Da hiernächst Herr Löhrs als Rentmeister Ruhberg; Madame Eule als dessen Gattin; Madame Herzfeld als Luise, Herr Sollbrig als Secretair Ahlden; Herr Wohlbrük als Baron von Ritau, die Hebung des Stüks sehr fleißig förderten; und endlich auch in denen episodischen Rollen der Hofräthin, des Fiscals, des Bedienten Christian, des Cammermädchen Henriette, und des Haushofmeister Lorenz, Madame Hönike, Herr Langerhans, Herr Kruse, die iüngere Mamsel Stegmann, und Herr Leo, Nichts versäumten: so entwikelte sich aus dem Allen ein Ganzes, zum deutlichsten Beweiß, daß unsere Theatergesellschaft viel Kräfte in sich und ihren Mitgliedern vereiniget, um vollendete Meisterstüke hervorzubringen. – Herr Zahrt hatte als Hofrath Walther nur wenig zu thun, aber auch das Wenige verlohr in seiner Steifheit alles Gewicht.

Donnerstags, den 4. December, wurde, in unveränderter Rollenbesezung, das Gelübde wiederholt. Application beseelte auch heute den Vortrag ieder einzelnen [4] Rolle. In der des Wilibald übertrifft sich Herr Steiger von einer Vorstellung zur andern selbst. Man wünscht im Allgemeinen, daß Herr Wohlbrük seinen Theodor mit feurigerm Affect spielen möchte, aber abgerechnet, daß des Herrn Wohlbrük Sprachorgane zur heftigen Declamation sich nicht eignen, kann er auch den studirten Vorsaz haben, das Weiche, Schüchterne, Schwankende, in Theodors Temperament und Character ausdrüklich durch Stimme und Spiel zu nuanciren – im leztern Falle giebt ihm mein Urtheil vollkommen Recht. Denn iene Eigenheiten stechen in der Zeichnung des dichterischen Ideals am sichtlichsten hervor – und Theodor ist in so contrastirende Situationen verwikelt, daß man ihm den Mangel männlicher Contenance im Aeußern nicht zum Fehler anrechnen darf. – Das Costume der geistlichen Ortenstrachten ist nicht gleichförmig genug geordnet, und besonders sind die Tonsuren derer Mönche sehr unnatürlich nachgeahmet.

Freytags, den 5. December, füllte das Familienabendessen, häusliches Sittengemählde in einem Aufzuge, nach französischem Model, vom Dr. Schmieder für deutsche Bühnen bearbeitet, die erste Vorstellung. Es liegt viel Interesse in diesem kleinen Stük; es war gut besezt; Herr Langerhans zeichnete sich als Vater Gutthal sehr künstlerisch aus; und das Ganze reußirte so vollständig, wie man es nur wünschen konnte.

Zur zweyten Vorstellung folgte: Liebe wagt Alles, Oper in zwey Aufzügen, als Uebersezung derer Visitandines, von Devienne componirt.

Es spielten und sangen den Dr. Bellfort Herr Langerhans; Maximilianen Madame Herzfeld; den Adolph Herr Gollmik; den Johann Herr Eule; den Martin Herr Stegmann; den Postillon Herr Petersen; die Aebtißin Madame Gollmik; die Pförtnerin Madame Langerhans; die Nonnen [5] waren mit Madame und mit beyden Demoisels Stegmann, mit Madame Hönike, Löhrs, und Ehlers besezt. Viel Rühmens kann ich von dieser Production nicht machen, desto weniger, da nach meinen Grundsätzen nie auch nur Religionsgebräuche zum Gegenstand des Lächerlichen auf der Bühne ausgestellt werden sollten.

Madame Herzfeld verwebte ihren heutigen Gesang mit vorzüglicher Empfindung. Beyde Arien: In des Klosters stille Mauern etc. und: Wirst du Erinnerung etc. gelangen ihr daher sehr gut, nur mußte erstere noch sachter als es geschahe vorgetragen werden, weil eigentlich die Illusion gar nicht dran denken soll, daß die Sängerin hinter der Coulisse stehet.

Die Pförtnerin wird auf denen französischen Bühnen mehrentheils als Alte dargestellt; Madame Langerhans spielt sie jugendlich, und macht sie dadurch allerdings interessanter; recht niedlich sang sie die Romanze: Erweke nicht den leisen Schmerz etc.

Herr und Madame Gollmik leisteten ihren Parthien durchaus Genüge – er sang das Rondeau: Mit Mädchen stets geliebelt, gewiß brav, würde darinn excellirt haben, wenn er es nur ein wenig geschwinder genommen hätte.

Herrn Eule wird nicht leicht eine comische Rolle mislingen – auch sein heutiger Gesang verdient durchgängiges Lob; er zeichnete sich schon in der ersten Arie: Wie ist man glücklich etc. am trefflichsten aber in der, als verkleideter Pater im II. Act gesungenen, aus.

Das von den Nonnen gleich anfänglich vorgetragene Quartet verfehlte alle Wirkung, weil man Wenig davon verstehen konnte. Von Seiten des Orchester wurde die Oper im Ganzen recht gut unterstüzt.

Sonntags, den 7. December, wurde Oberon wiederholt. Die Rollen waren so besezt, wie ich es [6] bereits im vierten Stük d. Journ. angezeigt habe, aber die heutige Vorstellung fiel gegen die neuliche äußerst mangelhaft aus. Zu geschweigen, daß die schon lezthin von mir gerügten Hauptdefecte: des Oberon ganz weiblicher, und des Hüon schofler Anzug im III Act, abermals, ohne die mindeste Verbesserung, hervortraten, befand sich auch Krankheitshalber die ältere Mamsel Stegmann, in deren Händen doch die erste Singerolle lag, ganz außer Stand, auch mit der äußersten Anstrengung nur einen gefälligen Ton zu bewerkstelligen. Man mußte mit der Künstlerin Mitleid haben – desto unwilliger aber es der Direction verargen, daß sie unter solchen Verhältnissen den Oberon zum Vorschein bringen konnte. – Doch was bekümmert sich Hamburgs deutsche Theaterdirection um dergleichen Unwillen und Verargungen? Wenn das Schauspielhaus, und ihre Casse, voll sind, können die Darstellungen, und die Urtheile darüber, ausfallen, wie sie immer wollen. – Minima non curant prætores!

Madame Herzfeld, Madame Langerhans, die jüngere Mamsel Stegmann, Hr. Gollmik, und Herr Eule, erfüllten zwar im Spiel und Gesang einzeln ihre Pflichten, denn sie ließen es Nirgends an Innigkeit des Ausdruks, an humoristischer Würze, und an richtiger Beobachtung der musicalischen Vorschriften, fehlen, aber das Ganze hatte zu große Lüken, die sie mit allem Bemühen nicht deken konnten. Denn außer denen schon angezeigten Hauptmängeln, sang zwar Madame Haßloch im III. Act die Arie: O! Raubt dem Bliz die Feuerschwingen, allerdings brav, grimacirte aber dabey mit der linken Hand convulsivisch, und lies die zweyte: Nein Geliebter du mußt leben etc. – ob aus Erschöpfung oder aus Nonchalance, wird sie am besten wissen – ganz weg; fand Herr Petersen für gut, den Orakelspruch unter so merklichen Abweichungen von der Partitur [7] vorzutragen, daß er allen Effect verlohr; verunglükte die Scene, wo Scherasmin an Hüons Stelle in das Horn blasen soll, ganz.

Montags, den 8. December, wurde die Verschwörung des Fiesko anderweit wiederholt. Die Rollen waren gerade so, wie neulich besezt, und ich berufe mich auf alle meine Seite 188. 189. darüber gefällte Urtheile, mit Ausschluß des leztern, in specieller Beziehung auf des Herrn Wohlbrük dort gerügtes Versehen, buchstäblich.

Dienstags, den 9. December, unterhielt man das Publikum zuerst mit einer Wiederholung derer Eifersüchtigen, welche alles bestätigte, was ich darüber im fünften Stük d. Journ. angezeigt und geurtheilt habe; denn bey der Rollenbesezung war Nichts abgeändert, und die heutige Production reußirte wieder durchaus so glüklich, als die neuliche, am 10. October.

Auf die Eifersüchtigen folgten: die eingebildeten Philosophen, Oper in zwey Aufzügen, von Paisello componirt, und aus italienischem Unsinn in mattes Deutsch übergetragen.

Herr Eule als Philosoph Petronio war auch in dieser comischen Rolle, als Schauspieler und Sänger, wie immer, an Ort und Stelle.

Madame Herzfeld als Clariße, spielte munter, und sang sehr gefällig, besonders im II. Act das Duet mit Petronio: das wird warrlich nicht geschehen etc.

Die ältere Mamsel Stegmann zeigte sich heute als Caßandra an ihrer Gesundheit, und an der Kraft ihrer Stimme, gegen Vorgestern ganz wiederhergestellt.

Herr Gollmik soutenirte sich in der Rolle des Julian als Sänger sehr gut, fehlte aber als Schauspieler manchmal, besonders bey der Arie: Solche [8] große Wissenschaften etc., in der mimischen Carricatur des Greises, merklich.

Mittewochs, den 10. December, wurde das Gelübde abermals wiederholt, und in unveränderter Rollenbesezung mit dem besten Erfolge durchgeführt.

Donnerstags, den 11. December, repetirte man auf unserer deutschen Bühne die am 25. vor. Mon. gegebene Oper: im Trüben ist gut Fischen. Die Rollen waren heute unverändert so, wie neulich besezt. Herr Eule sang in der Arie: Lern erst mich näher kennen, den italienischen Text! Mia speranza etc. im Falzet; Madame Haßloch unterhielt abermals das Publikum mit der aus dem rothen Käpchen eingelegten Arie.

Freytags, den 12. December, wurde der Fremde, Lustspiel in fünf Aufzügen von Iffland, hier zum ersten mal, gegeben.

Es ist bereits gedrukt, und ich bin daher des Berufs, seinen Inhalt zu detailliren, überhoben. Der Dichter hat darinne eine glänzende Probe seiner ächten ausgebreiteten Menschenkenntniß abgelegt; jede einzelne Rolle ist originel und characteristisch; ohne daß das Ganze viel oder wichtige Thatsachen darstellt, handelt iedes Individuum nach seiner Stimmung, und interessirt den Zuschauer sehr fühlbar. – Wer es heute nicht gesehen hat, besuche dessen nächste Vorstellung, er wird nicht unbefriediget bleiben.

Herr Solbrig, als Kaufmann Fersen, zeichnete sich durch sein Spiel sehr aus, bewies wie tief er die Rolle studirt hatte, und trug sie so treffend, so natürlich vor, daß man diese Production ihm ohne Schmeicheley zum Meisterstük anrechnen kann.

Madame Langerhans als Fersens Gattin, Madame Fiala als Großmutter, Madame Herzfeld als Hauptmännin Wartendamm, Madame Haßloch als Philippine Orau, spielten unverbeßerlich; Herr Herzfeld als Hauptmann Wartendamm, [9] Herr Langerhans als Finanzrath Orau, Herr Stegmann als Hofrath Gerling, Herr Wohlbrük als dessen Sohn, hatten Jeder ein eigenes Stekenpferd zu reuten, und saßen Jeder auf dem seinigen fest ohne zu Wanken, dirigirten es nach allen Regeln der Kunst. Selbst die drey Bedienten Peter, Benedict, und Franz, wurden von denen Herren Nätsch, Leo, und Eule, zur Originalität erhoben. Es war in der That Seltenheit, in einer dramatischen Vorstellung lauter Characteristic, und doch so viel interessante Wirkung, zu finden.

Sonnabends, den 13. December, gab Herr Gollmik sein Benefiz Concert im deutschen Schauspielhause.

Die Sinfonie des ersten Theils war von Hayd’n, mit Paukenschlag begleitet, und wurde sehr gut executirt. Das erste Singestük lieferte in einem Recitativ, und einer Arie, von Neumann Herr Gollmik selbst, zu seiner vollständigsten Empfehlung. Herr Petersen blies Hofmeisterische Variazionen auf der Flöte unter allgemeinem Beyfall. Die Herren Kirchner, Haßloch, Petersen, und Gollmik, trugen ein Quartet aus Palmira, ohne Begleitung derer Instrumente, desto bemerkenswerther vor, weil sie die Intonation durchaus richtig erhielten, und dadurch eine eßentielle Schwierigkeit künstlich besiegten.

Den zweyten Theil eröfnete eine musicalische Bataille, nach Neubauerischer Composition, welche das ganze Orchester mit größter Precision durchführte, ob man sie gleich vorher nicht probirt hatte. Desto verdienter war der Beyfall, welchen das Publikum darüber bezeugte. Herrn Maßouneau hörten wir heute abermals auf der Viole d’amour – und das gewählte Acompagnement einer einzigen Geige signalisirte den Vortrag des Künstlers ungleich besser, als lezthin, am 29. November, das derer drey blasenden Instrumente.

[10] Sonntags, den 14. December, wurde Otto von Wittelsbach, Trauerspiel in fünf Aufzügen von Babo, gegeben.

Es spielten den Kayser Philipp Herr Löhrs; dessen Töchter Kunigunde und Beatrix Madame Langerhans und Madame Herzfeld; den Herzog Ludewig Herr Solbrig; dessen Gemahlin Madame Eule; den Heinrich von Adechs Herr Herzfeld; den Friedrich von Reuß Herr Langerhans; dessen Hausmeister Herr Leo; den Waffenträger Wolff Herr Stegmann; die Ritter Wenzel, Kallheim, und Wallrich, die Herrn Wohlbrük, Kruse, und Gollmik; den Truchses von Waldburg Herr Ehlers: den Conrad von Aicha Herr Eule, insgesammt ohne Tadel, aber auch ohne Auszeichnung – leztere konnte man allein Herrn Steiger, als Otto von Wittelsbach, zugestehen.

Montags, den 15. December, wurde der Fremde in unveränderter Rollenbesezung, mit gleichmäßiger Aßiduität derer handelnden Personen, und mit eben so wirksamen Erfolge, als das erstemal, wiederholt.

Dienstags, den 16. December, trat das große Geheimniß anderweit auf die Bühne. Es war gerade so besezt, wie am 2. des v. M., und ich sahe auch heute meine bereits im zehnten Stük dieses Journals darüber gefällten Urtheile fast allenthalben neuerdings bestätigt: – Herr Stegmann legte mehrere Würde in den Charakter des Ministers. – Der Vice-Admiral Ferdinando erfährt in der Scene, wo ihm Prinzes Marie den Brief ihres Bruders, welcher auf ihn so viel Beziehung hat, zu lesen giebt, erst, beym Umschlagen, auf dessen zweyter Seite den Willen seines Königs: daß nur der Thronfolger Mariens Gemahl werden soll, denn die Prinzes erinnert ihn, da er schon einmal im Lesen abgesezt hat, ausdrüklich: weiter darinne [11] fortzufahren. Unmittelbar darauf giebt Ferdinando den nemlichen Brief in die Hände des Herzogs; Herr Steiger blickte kaum eine Minute lang auf dessen erste Seite, wendete nicht um, konnte mithin vom Inhalt der zweyten auch nicht die mindeste Wissenschaft haben, und bekam daher die Anwandlungen der Ohnmacht ohne allen zureichenden Grund. – Der Irthum war für attente Zuschauer auffallend, und gerade dem großen Schauspieler, der sich nie vergessen darf, am unverzeihlichsten.

Mittewochs, den 17. December, gab man zum Anfang, das kleine, nach französischem Original bearbeitete, Vorspiel: Die Milchbrüder.

Es waren die Rollen der Frau von Dahlheim mit Madame Fiala, des Junker Friz mit Mamsell Kruse, des Hofmeister mit Hrn Löhrs, der Bäuerin Marthe mit Madame Eule, des Hännschen mit Mamsel Eule, des Cammermädchen mit der jüngern Mamsel Stegmann, des Bedienten mit Herrn Leo, des Gärtner mit Herrn Eule durchaus gut besezt, und es wurde das Ganze beyfallswerth durchgeführt, im Einzelnen aber verdient es Bemerkung, daß Madame Eule durch das vierländerische Costüme, in welchem sie die Marthe darstellte, und durch den plattdeutschen Dialect, dessen sie sich bediente, viel Sensation erregte; auch daß Mamsel Kruse, als verkleideter Friz, anfänglich sehr brav und wohlgefällig spielte, nur auf die Lezt bey denen Nuancen des Schmerzgefühls zu viel grimacirte Dehnungen in ihre Mimic legte.

Auf die Milchbrüder folgte: die Schachmaschine, Lustspiel in vier Aufzügen von Beck.

Herr Löhrs als Baron Rink; Madame Fiala als dessen Gemahlin; Madame Herzfeld als Julie; Madame Langerhans als Sophie; Herr Langerhans als Onkel von Ruf, und Herr Solbrig als [12] Wendheim wirkten insgesamt mit unverkennbarem Eifer zur wohlgefälligsten Vollendung des Ganzen. Herr Haßloch zeichnete sich vor jenen Allen in künstlicher Carricatur als Graf von Balken aus; aber der in jedem Betracht Unübertrefliche war heute – Herr Herzfeld, als Carl von Ruf.

Donnerstags, den 18. December, wurde der Fremde, in unverändert besezten Rollen, zur fortdauernden Zufriedenheit des Publikums, wiederholt.

Freytags, den 19. December, wurden die Schwestern von Prag, Posse in zwey Aufzügen, nach Wenzel Müllerischer Composition, aufgeführt.

Das Orchester beförderte den günstigen Erfolg dieser Oper aus allen Kräften. Gleich die im richtigsten Tempo genommene Ouvertüre, und durchgängiges Festhalten des Tactes in selbiger, machten viel voraus empfehlenden Eindruk, welchen auch in der Folge strictes Beobachten des Forte und Piano, nebst schonender Behandlung derer tändelnden Melodien, mehrentheils bis ans Ende bestätigten.

Herr Kruse als Gerhard spielte gut, und sang nach dem Maaße seiner Fähigkeiten. – Bey der Arie sollte er statt des Basses ein Violoncel in der Hand haben, und es figürlich spielen, denn er hat ein Solo zu executiren, welches im Orchester auf dem leztern Instrumente vorgetragen wird.

Madame Gollmik wendete allen Fleiß an, denen Vorschriften ihrer Rolle, als Kunegunde, Genüge zu leisten. Bey dem Gesange aber, wo sie auf der Harfe sich selbst accompagniren sollte, fehlte sie zu auffallend in der Haltung der Harfe, und auch das Orchester begleitete jenen nicht sanft genug.

Die ältere Mamsel Stegmann war wieder bey Stimme, und bestätigte es als Fräulein Bärbchen in der Cavatine: Ich bin nicht wie Mädchen etc. und im Duet: Zum Aufenthalt [13] wählen wir künftig das Land etc. sattsam. Sie sang beyde recht gut, hätte aber das fast ausbrechende Lachen vorsichtiger unterdrücken sollen. Da in Bärbchens Rolle gar keine comische Carricatur liegt, so wünschte ich auch, daß in der Singeparthie im ersten Final, wo das Fräulein mit dem Cammermädchen am Fenster steht, die Stelle: Sind sie es, goldner Herr Marquis? geändert, die sechs Noten im Abfallen auf die Silbe quis in die Instrumente gegeben, und dadurch ein höchst widerliches Gequike vermeiden würden.

Die jüngere Mamsel Stegmann spielte und sang das Cammermädchen Lorchen empfehlend, Herr Stegmann aber den Baron Pappendeckel mit viel eigner Theilnahme.

Herr Gollmik war als Marquis Zuckerbrod zwar glänzend, aber gar nicht zur Rolle passend, angezogen; jezt kleiden sich die jungen Elegants ganz anders – warum sezte Herr Gollmik die Modetracht des seinigen so weit ins Altväterische zurük? – Die erste Arie: Gieb mir Muth, o Lieb’ und Treue! etc. sang er recht brav; in der zweyten als Doctor Saßafraß reichte die natürliche Tiefe seiner Stimme nicht hin, um bey den Worten: Mensch denk’ ans memento mori! etc. die ganze Octave absteigend singen zu können. Auch als geschikter Violnist zeigte sich Herr Gollmik in dieser Rolle practisch.

Herr Haßloch traf als Chevalier Chemise den Ton des ächt französischen Stuzers vollkommen, und hatte dazu den adäquatesten Anzug gewählt.

Herr Ehlers als Bedienter Johann sang und spielte im Ganzen der Parthie angemessen; die von ihm eingelegte Arie mit der Guitarre gelang nicht – denn dieses Instrument hat viel Angenehmes, wenn es von einer Singestimme begleitet wird, aber es ist zu schwach, um vom ganzen Orchester, auch nur pizzicato, [14] accompagnirt zu werden – es wurde kaum dann hörbar, wie Herr Ehlers bey der Fermate den Accord allein anschlug. Sehr ins Lächerliche fiel es, daß Herr Ehlers bey der Nachtmusic einen Fagot manipulirte, da doch sein vorgetragenes Solo im Orchester vom Waldhorn geblasen wurde.

Herr Kirchner zeichnete sich als Schleifer Crispin characteristisch und meisterhaft aus; die Kaltblütigkeit, womit er seine Arie: Ich bin der Schleifer Wez, Wez, Wez etc. sang, verdiente unstreitig den Beyfall eines jeden Kenner.

Herr Eule gab ihm als Hausknecht Caspar im Spiel und Gesang Nichts nach; er executirte die erste Arie: Ein Hausknecht wird überall stark honorirt etc. sehr brav, und besonders die zweyte: Wer niemals eingesperret war etc. mit unübertrefflicher Laune.

Jene, und das Duet zwischen Lorchen und Johann, wo beyde dazu walzen, sind von den jüngern Herrn Eule ganz im Geschmak der Oper compenirt. Die Ensembles, besonders die Finals, reussirten durchaus gut, nur wankte beym ersten Final der Nachtwächter im Tacte, und sang zu tief.

Sonnabends, den 20. December, gab Herr Schröder im deutschen Schauspielhause sein Benefiz-Concert. Es fieng mit der nemlichen Sinfonie von Hayd’n an, welche vor 8 Tagen im Gollmikschen Concerte so wohl gefiel. Herr Schröder sang zwey Arien, die erste deutsche sehr gut, bey der zweyten aber verrieth er im Vortrage des Textes Unkunde der französischen Sprache. Ein vom Herrn Massonneau executirtes Pleylisches Violin Quartet, nahm sich, seiner Antiquität unbeschadet, recht wohlgefällig aus. Das große Final aus Figaro’s Hochzeit machte viel Sensation, und erzeugte den mannigfaltigen Wunsch, einmal nächstens die ganze Oper auf unserer Bühne zu sehen. Mamsel Julie, ein Kind von 8 Jahren, [15] Schülerin des Pariser Conservatoriums, sang unter großem Beyfall zwey Romanzen. Eine von 8 blasenden Instrumenten vorgetragene Harmonie stimmte nicht ganz zusammen. Man hatte Don Juan zu oft vollstimmig gehört, um an diesen Bruchstücken Geschmak zu finden. Das lezte Terzet von Gardini, zwischen Herrn und Madame Haßloch, auch Mamsel Fried. Stegmann, wurde von denen blasenden Instrumenten nicht ganz günstig begleitet; – Die sehr kalte Witterung verhinderte wahrscheinlich heute den sonstigen bessern Erfolg mancher einzelnen Production.

Sonntags, den 21. December, wurde Johanne von Montfaucon, Schauspiel in fünf Acten von Kotzebue, gegeben.

Man muß dieses Stück unumgänglich lesen und studiren, wenn man seinen Werth faßen und fühlen will, dann bey jeder, auch der besten Aufführung, verlieret es um deswillen unfehlbar, weil es fast nicht möglich ist, daß die verschiedenen Situationen, welche der Dichter sehr meisterhaft, und auch nicht schlechterdings unwahrscheinlich, mit Worten auszeichnete, eben so treffend auf irgend einer Bühne mit der That dargestellt werden können, und weil dann, wenn an einer derselben das Mindeste verschoben oder vernachläßiget wird, sich Verunstaltungen über das Ganze verbreiten, die der Illusion, und dem Interesse, unersäzlichen Nachtheil bringen. Zwey Beyspiele werden diese Behauptung evident rechtfertigen: Die 4. Scene des fünften Acts, wo Johanne ihr Kind gegen die Angriffe des Henkers vertheidigen, und wie es ihr dennoch auf Lasarra’s Befehl entrissen und fortgeschleppt wird, sinnlos zu Boden schlagen, sich die Haare ausraufen soll – durchdringt gewiß jeden Leser, denn sie ist erschütternd gezeichnet, hinreißend beschrieben – aber sie kann unmöglich auf der Bühne treffend genug ausgeführt werden, und verliert dadurch ihre ganze Würde. Nach wörtlicher Vorschrift [16] der Rolle soll in der 9ten Scene des V. Acts Johanne mit lautem Schrey herzu stürzen, ihr Schwerd mit beyden Händen fassen, und aus allen Kräften einen Streich auf Lasara’s Haupt führen – daß sein Helm gespalten herab fällt, und eine blutende Kopfwunde sichtbar wird. Wie kann das eine Schauspielerin auf der Bühne bewerkstelligen? – und gleichwohl beruhet in dieser That die Auflösung des Hauptknoten. Es geben gewiß schon diese zwey von mir ausgehobenen Beyspiele den deutlichsten Beweis, daß in Johanne von Montfaucon die Erfordernisse der dichterischen Phantasie die Kräfte der ausübenden Schauspielkunst übersteigen, daß eigentlich kein Theater dieses Kozebueischen Tableau umfaßen kann.

Bey allem Bemühen des Herrn Herzfeld, als Adalbert von Estavajel, des Herrn Solbrig als Lasarra, des Herrn Schröder als Philipp, des Herrn Langerhans als Einsiedler, und der Madame Haßloch als Johanne, in deren Händen die Hauptrollen lagen, entwikelte sich daher auch auf unserer Bühne die heutige Vorstellung – ohne Verschulden der praktischen Kunst – als ein Ganzes, dem die Vollkommenheit im Einzelnen zu merklich fehlte, fehlen mußte, weil sie Herr v. Kozebue zu weit über die Grenzen irgend einer Bühne hinaus geschraubt hat.

Montags, den 22. December, wurden die Schwestern von Prag mit unveränderter Rollenbesezung wiederholt.

Heute beobachtete Madame Gollmik eine richtigere Haltung der Harfe. Mamsel Stegmann, die ältere, sang ihre Cavatine abermals recht gut, wurde aber von der zu tief blasenden Clarinette verhindert, sie richtig zu intoniren. Des Herrn Gollmik erste Arie wurde vom Anfang nicht precis genug accompagnirt; er aber hatte in der Verkleidung des Docters, [17] sein Gesicht gar nicht zum Alter verzeichnet, und verfehlte dessen Darstellung in der ganzen Mimic, wider ausdrükliche Vorschrift der Rolle. Die Arie des Herrn Ehlers mit der Guitarre war zwar etwas verändert, gewann aber dadurch eben so wenig Wirkung, als neulich; die widersinnige Idee mit dem Fagot drang Herr Ehlers dem Publikum anderweit auf; in der Verkleidung als zweyte Schwester von Prag schien er sich, bey Erzählung der Gefährlichkeiten auf der Reise selbst zu fürchten, denn er detonirte einmal sehr stark, und machte durch wiederholtes Ueberschreyen im Falzet einen höchst widerlichen Eindruk auf die Zuhörer. Der Nachtwächter sang richtig. Das Orchester führte die Ouvertüre auch heute sehr beyfallswerth durch, fehlte aber, bey der Ariette von Madame Gollmik mit der Harfe, bey des Herrn Kirchner Arie: Die Mädel betrachten mich hinten und forn etc., und bey dem Quartet: Nur her die Hand, der Puls geht schwer etc. durch zu starkes Accompagnement.

Dienstags, den 23. December, sahen wir den Hausfrieden, ein trefflich bearbeitetes Lustspiel von Iffland, in fünf Aufzügen.

Bey der Darstellung zeigten Herr Steiger als Hofrath Stahl, Madame Fiala als dessen Schwester, Madame Langerhans als Friederike Hainfeld, und Herr Eule als Fabritius, wie weit es die dramatische Kunst auf der Bühne bringen kann, wenn natürliche Talente, ausgearbeitete Cultur, tiefes Studium der Rollen und guter Humor ihr hülfreiche Hände bieten. Jener meisterhaftes Spiel wurde zugleich von Madame Eule als Hofräthin, vom Herrn Herzfeld als Wohling, von Madame Herzfeld als dessen Gemahlin, und vom Herrn Solbrig als Hauptmann von Berg, thätigst und empfehlendest unterstüzt.

[18] Mittewochs, den 24. und Donnerstags den 25. December, blieb, wegen des eintretenden Weihnachtsfestes unsere deutsche Bühne geschlossen.

Freytags, den 26. December, wurde Gustav Wasa zum siebentenmal aufgeführt. In der Besezung des Stüks war Nichts verändert. Herr Herzfeld behandelte heute die erste Scene, im Wirthshaus bey Lübek, mit weit mehr Delicatesse – überhaupt seine ganze Rolle viel empfehlender, als sonst. Auch Madame Eule schien, wenn ich mir nicht zu viel schmeichle, meine Winke an sie Seite 174 d. Journ. ihrer Aufmerksamkeit nicht unwerth geachtet zu haben, sie erschien, und spielte, heute ausnehmend characteristisch – überhaupt dirigirte ein guter Genius das Ganze, den ich in den vorherigen Darstellungen dieses Stüks nicht immer bemerkt habe.

Sonnabends, den 27. December unterhielt man ein außerordentlich zahlreich versammeltes Publikum mit der Oper: Don Juan.

Viel wagte allerdings die Direction durch diese Vorstellung, wenn sie dabey auf die Delicatesse der musicalischen Zuhörer einige Rüksicht nehmen wollte. Die ersten Singeparthien wurden ja von ganz kranken Kehlen entstellt. Madame Haßloch konnte sich kaum im Spiel und Dialog, geschweige denn im Gesange, aufrecht erhalten. Ich bin erschrokken, wie sie in der Introduction sich mit denen ersten Tönen herauswagte. Die ältere Mamsel Stegmann, und Herr Haßloch, waren merkbar heisch. Oft wußte deshalb in denen Recitativen das Orchester nicht, wie es richtig einfallen sollte, denn man konnte die recitivirenden Stimmen kaum hören. Herr Ritzenfeldt sang als Reconvalescent zum erstenmal sehr gut, und intonirte äußerst rein, wenn er nur als Bildsäule auf die lezte Note keine Fermate gelegt, und bey dem Worte Ja! nicht länger angehalten hätte, als Mozarts Composition es vorschreibt! Herr Eule war sehr [19] in comischer Laune – ob er sie nicht übertrieb? überlasse ich seinem Kunstgefühl zu entscheiden, und erinnere ihn nur an das Stöhnen als Schildwache, und an die Schnupfenäußerungen im lezten Final. Herr Ehlers flikte, um das comische Fach zu behaupten, in Masetto’s Parthie sogar eine plattdeutsche Floskel ein – mit Discernement – wird er wohl selbst nicht glauben, wenn gleich der Pöbel darüber laut gelacht hat. Madame Langerhans bewerkstelligte heute ein großes Meisterstük. Die ganze Parthie der Zerline hatte sie überaus wohlgefällig durchgeführt, schon am Schluß des III. Acts half sie der kranken Madame Haßloch mit zwey Tacten Colloratur aus – aber gewiß zu allgemeiner Ueberraschung trat sie im IV. als Donna Anna auf, und sang das Recitativ nebst der großen Bravour Arie meisterhaft. Eine Vorbereitung dazu hatte nicht leicht statt finden können, und Mozarts Aufgaben lassen sich nicht so leicht aus dem Stegreif lösen. Gesezt also auch, Madame Langerhans wäre von sonst her mit der Parthie bekannt gewesen, so wird ihr doch das heutige Unternehmen selten eine Sängerin vom ersten Range so unbefangen und mit so glücklichem Erfolge nachthun. Sie zeichnete dadurch ihre musicalischen Talente prächtig aus, sie verdiente damit die lauten Applaudissements und Bravo’s, welche das dankbare Publikum ihr widmete, vollständig. Mit meinen Remarquen über die Schlußscene vom Don Juan habe ich Seite 165. d. Journals unter die Tauben geschossen, denn man sahe heute in selbiger Herrn Schröder ganz gelassen, noch dazu eine Furie an der Hand führend, zur lezten Coulisse auf der rechten Seite der Bühne hinaus wandeln. Das Orchester that sein Möglichstes die Oper zu heben, es executirte die Ouvertüre sehr gut, und beobachtete durchgängig die Vorschriften des Piano! Forte! Forzando! und Fortepiano! mit discretiver Genauigkeit.

[20] Sonntags, den 28. December, wiederholte man den Fremden in unveränderter Rollenbesezung. Feuer und Leben beseelte alle Handelnde auf der Bühne, Herr Solbrig spielte meisterhaft, und die ganze Vorstellung reußirte unverbesserlich.

Montags, den 29. December, kamen die Schwestern von Prag noch einmal an die Reihe. – Alle Rollen waren wie vorher besezt. Die ältere Mamsel Stegmann ließ heute ihre Cavatine ganz weg, und that wohl daran, denn die Heischerkeit ihrer Stimme war so schon merkbar genug. Herr Gollmick sang im Ganzen gut, hätte aber in seiner ersten Arie bey der Fermate die Manier auf I. verschlucken, lieber beyde Töne zusammen ziehen sollen. Wenn er sich auch nicht nach meinem im 12ten Stük, Seite 181 diesfalls gegebenen Winken zu achten für gut fand, so müßte, dächte ich, doch schon musicalische Theorie jeden festen Sänger von solchen Fehltritten zurükhalten. Herr Ehlers verschonte das Publikum mit der sonst eingelegten Arie unter Begleitung der Guitarre, und verdient dafür eine Danksagung. Sein Duet mit der jüngern Mamsel Stegmann reußirte nicht in gehöriger Precision. Herr Eule und Herr Kirchner wurden, Ersterer die Arie: Wer niemals eingesperret war etc. Lezterer die: Die Mädel betrachten mich hinten und forn etc. da Capo zu singen, wohlverdientermaßen aufgefordert.

Dienstags, den 30. December, wurden die dramatischen Vorstellungen auf Hamburgs deutscher Bühne im Achtzehnten Jahrhundert mit dem Vaterhause beschlossen.

Sämtliche Rollen waren wie sonst besezt, und jede wurde Beyfallswerth durchgeführt. Herr Haßloch wird wohl erst im neuen Seculum sein fehlerhaftes Hornfessel, nach meinem Rathe Seite 42. d. Journ. – oder vielleicht, aus Caprice, gar nicht abändern lassen.

[21] Aus der lezten Groupe in der Schlußscene entwand sich Herr Steiger als Oberförster mit einer poetischen Harangue, welche in der Ideenverbindung mit dem Inhalt des Vaterhauses auf die wichtige Epoche des jezigen Zeitwechsels übergieng, sich an das Publikum, durch manche philosophische auch politische Reflexion, verwendete, und endlich in die edelsten Wünsche für Hamburgs fortdauernden Flor, für seiner Bürger gesegneten Wohlstand, zusammen zog. Herr Steiger trug sie gut, aber nicht als Redner, sondern mit theatralischer Mimic vor.

Heute hat auch Herr Ehlers, als Jäger Hans, seine lezte Rolle auf unserer deutschen Bühne gespielt. Er verläßt sie, und ist beym Hoftheater in Weimar engagirt. Wir werden ihn mit seinen guten Anlagen zum comischen Vortrag oft vermissen, und er wird, wenn er auch mit meinen zeitherigen Raisonements über sein Spiel nicht allemal zufrieden gewesen ist, weil sie es wegen vieler Uebertreibungen oft tadeln mußten, durch künftige Erfahrungen, besonders in seinem neuen Beruf, noch manchmal überzeugt werden, daß Hamburgs jeziger Theater-Journalist ihm nie partheiisches Unrecht gethan hat. Herr Ehlers arbeitet nach seiner künftigen Bestimmung unter den Augen und Urtheilen großer Dramaturgen, er tritt auf Weimars Bühne vor ein Publikum, dessen Kunstgeschmak ich kenne, der sehr geläutert ist. Man lacht dort auch gern, aber nur über feinen Spaß – man duldet dort sogar keine Plattituden. Wenn Herr Ehlers in der Folge von seinen eigenthümlichen Attributen discretiven Gebrauch macht, wenn er die Würde seines Berufs, edle Belustigung zu befördern, nie vergißt, wenn er etwaige üble Angewohnheiten ganz beseitiget, dann gewinnt er gewiß in Weimar bald Achtung und Liebe, dann befindet er sich dort sehr wohl. – Beydes wünsche ich ihm aufrichtigst. –

[22] Auch ich beschließe heute das erste Quartal meiner Raisonements über Hamburgs deutsches Theater! –

Darf ich, theures Publikum, für dessen Unterhaltung ich sie so gut schrieb, als meine Kräfte es gestatteten, darf ich Dich mit der nemlichen Zuversicht, wie dort Ritter Guaston am Schluß des Gelübdes seinen Bayard, fragen: hab ich bis hieher Wort gehalten? Ja! ich darf es, eigne gewissenhafte Ueberzeugung erlaubt die Frage, und aus der Zukunft wird hoffentlich keine gegründete verneinende Antwort mir entgegen treten. Herzlichen Dank für den zeitherigen Beifall, für jede ihn bezeugende Unterstüzung! – Bescheidene Bitte um Fortdauer von beyden – und ich habe für dieses Jahrhundert als Schriftsteller vollendet. –


[23]
Zur Nachricht an das Publikum.

Eine schon längst an mich gerichtete Aufforderung kann ich erst jezt befriedigen. Ich soll auf den im vorigen Monat geschehenen Blik in Hamburgs deutsches Theater, eine Replic in Gesellschaft meines Journals zur Publicität befördern. Recht gern will ich es thun, wenn die jezige Anzeige nicht zu spät kömmt, wenn sie für den Zwek des Autors hinreichend ist. Von aller weitern Concurrenz dabey, von jeder nähern Explication darüber, sage ich mich schlechterdings ein für allemal los. – Diese Replic unter dem Titel: Der Augenarzt, ist in allen hiesigen Zeitungsladen, welche mein Journal debitiren – oder auch aus meinen eigenen Händen, für 4 Schill. von heute an zu kaufen.


Die folgenden Stükke des raisonirenden Journals vom deutschen Theater zu Hamburg werden im neuen Jahr, wie zeither, in denen Zeitungsladen für 3 Schillinge einzeln, alle Sonnabende, ausgegeben. Abonnement auf die nächsten drey Monate kann man nur von mir unmittelbar für 2 Mark, gegen Quitung, noch bis zum 16. Januar 1801 erhalten. Die Abonenten genießen fernerhin das Vorrecht, daß die wöchentlichen Bogen in ihre Behausungen jeden Sonnabend, für meine Kosten, überbracht werden.

J. F. Ernst,
im Hotel de Saxe. auf dem Valentinskamp, wohnhaft.