Anmerkungen zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm I/Das Rätsel

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Aschenputtel Anmerkungen zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm I von Johannes Bolte, Jiří Polívka
22. Das Rätsel
Wie Kinder Schlachtens miteinander gespielt haben
Für verschiedene Auflagen des Märchens der Brüder Grimm siehe Das Rätsel.

[188]

22. Das Rätsel. 1856 S. 39.

1819 nr. 22: aus Zwehrn in Niederhessen; eingesetzt für 1812 nr. 22 ‘Wie die Kinder Schlachtens miteinander gespielt haben’ (unten nr. 22a).

Die Zwehrner Fassung beginnt damit, daß eine stolze Königstochter ein Gebot ausgehen ließ, wer ihr ein Rätsel brächte, das sie raten könnte, der hätte dafür sein Leben verloren[1]; wenn sie es aber nicht erriete, so wollte sie auch seine Gemahlin werden. Ein Kaufmannssohn hört davon und will mit seinem klugen Diener hinreisen. Darüber fallen Vater und Mutter in große Trauer, und weil sie gewiß glauben, ihr liebes Kind müsse dort umkommen, sprechen sie: ‘Es ist besser, daß er bei uns stirbt und begraben wird, als in der Fremde’, tröpfeln Gift in den Abschiedswein und reichen ihm das Glas auf das Pferd; er aber gibt dem Pferde die Sporen, daß der Wein verschüttet und dem Pferde davon ins Ohr spritzt. Nach einer Weile fällt das Pferd um, der Herr setzt sich auf das Tier des Dieners. Nun sieht der Diener, wie Raben von dem vergifteten Pferde fressen und bald tot umfallen. Er nimmt drei tote Raben, läßt sie im Wirtshause klein hacken und drei Brote daraus backen; als am andern Morgen im Walde zwölf Spitzbuben sie anhalten, gibt er ihnen die Brote; sie essen davon und fallen alle tot nieder. Nun kommen sie in die Stadt, und der junge Kaufmann tritt vor die Königstochter und gibt ihr das Rätsel auf: ‘Auf einen Schlag eins, auf zwei Schlag drei, auf drei Schlag zwölf: wie ist das zu lösen?’ Die Königstochter kann es nicht herausbringen und sendet in den nächsten beiden Nächten zwei Mägde in das [189] Schlafgemach des Freiers, um ihn zu belauschen, der Diener aber jagt sie mit Ruten weg und nimmt ihnen ihre Kleider. In der dritten Nacht kommt die Königstochter selber und meint, er werde ihr im Traum antworten; er ist aber wach, sagt die Lösung und hält, da sie gehen will, ihr nebelgraues Kleid fest, das er am Morgen als Wahrzeichen vorlegt.

Mit dieser Fassung ist in den späteren Ausgaben eine andre Erzählung verbunden, die in den Anmerkungen von 1822 (3, 41) ohne Angabe der Herkunft angeführt wird; die 3. Auflage der Anmerkungen (1856) vergißt jedoch, auf diese Abänderung hinzuweisen. Ein Königssohn erblickt ein Mädchen, dessen Schönheit ihn so reizt, daß er ihm nachgeht und in das Haus einer Hexe gerät, deren Tochter es war. Das Mädchen selbst ist gut gesinnt und warnt ihn vor den Zauber- und Gifttränken seiner Mutter. Er reitet fort, aber sie eilt ihm nach und will ihm einen Trank bringen. Da sie ihn nicht erreichen kann, gibt sie das Glas seinem Diener, der soll es ihm geben; aber das Glas springt, und das Pferd, auch von dem Gift bespritzt[2], fällt tot nieder. Der Diener läuft dem Herren nach und erzählt ihm, was geschehen ist; sie gehen zurück, um den Sattel zu holen, da sitzt ein Rabe auf dem Pferd und frißt davon. Der Königssohn tötet ihn, und sie nehmen ihn mit; und als sie ins Wirtshaus kommen, geben sie ihn dem Wirt, der soll ihn braten. Sie sind aber in eine Mördergrube geraten und werden eingeschlossen. Nachts kommen die Mörder, um den Fremden das Leben zu nehmen, essen aber zuvor den Raben, der für jene gebraten war, und sterben alle davon. Nun geht die Tochter des Wirts, die es redlich meint, öffnet den Fremden die Türe und zeigt ihnen das viele Gold und die Schätze. Der Königssohn sagt, das solle sie zum Lohn behalten, reitet mit seinem Diener weiter und kommt in die Stadt, wo die Königstochter die Rätsel löst. Er legt ihr nun vor: ‘Einer schlug keinen und schlug doch zwölf’. Das übrige stimmt mit der Zwehrner Fassung überein.

Aus Tirol bei Zingerle, Sagen 1859 S. 436 = Märchen 1 ², 237 nr. 45 ‘Die drei Raben’ (der Diener des Prinzen Ratgeb probiert den von der Königin mitgegebenen Trunk zuerst an den Pferden. ‘Eins tötet drei, drei töten zwölf’. Angehängt das Märchen von Drosselbart, unten nr. 52). – Aus Oesterreich bei Vernaleken nr. 36 ‘Eins schlägt zwölf, zwölf schlagen neunundvierzig’ (der Prinz [190] schüttet den vom Vater erhaltenen Becher auf den Kopf des Pferdes). – Aus Pommern in den Blättern f. pomm. Volkskunde 1, 148 = Brunk, Rad to wat is dat 1907 S. 108 nr. 669 ‘Eins schlug eins’. Haas, Rügensche Sagen 1891 nr. 224 ‘Hans und sein Herr’ (Ein schlug ein, und ein schlug drei, und drei schlugen vierundzwanzig) = Haas, Schnurren von Rügen 1899 S. 115 nr. 108. – Aus Mecklenburg bei Wossidlo, Mecklbg. Volksüberlieferungen 1, 231 nr. 979 ‘Eins schlug drei’ (9 Fassungen. ‘Eins schlug eins, eins schlug zwei, zwei schlug sieben, und davon sind wir beide geblieben’ u. ä.).

Vlämisch bei de Mont-de Cock, Wondersprookjes S. 216 ‘Van den eenigen zoon’ (Een doodt er vier, vier doodt er twaalf. Der Vater, der dem Sohn den Giftbecher reicht, hat früher seine Frau umgebracht, deren Geist den Sohn warnt).

Dänisch ganz kurz bei Feilberg, Fra Heden 1863 S. 145 nr. 26; ungedruckt nach Grundtvigs hsl. Register nr. 19 ‘Gåderne’ und Grundtvig, Danmarks gamle Folkeviser 4, 52; verbunden mit dem Märchen vom dankbaren Toten (R. Köhler 1, 5) bei Kristensen, Aeventyr 1, 288 nr. 38 ‘Gaaden’ und 3, II ‘Engelens Følgeskab’; hier rettet der verkappte Engel den Jüngling aus allen Nöten, kocht ihm Speise in der einsamen Kirche mit Gesangbüchern, fährt im Kanzeldeckel mit ihm übers Wasser zum Schlosse und legt der Prinzeß das Rätsel vor: ‘Horn tötete das Pferd, das Pferd tötete zwölf Krähen, und zwölf Krähen zwölf Räuber, dadurch wurden zwei Unschuldige gerettet, die bereiteten ihr Essen mit Gottes Wort und brachen den Himmel ab und fuhren darin übers Wasser’. – Schwedisch bei Bondeson, Folksagor nr. 63 ‘Vaktepojkens gissegåta’ (En dödade två, två dödade tolf). Hackmans Register nr. 851. – Norwegisch bei Moe, Rejse til Telemarken (aus Norsk Universitets Annaler 1880) S. 18 ‘Kóngssónen å fygjesveinen honoms’. – Im isländischen Märchen bei Rittershaus S. 82 nr. 21 ‘Ganti á Hálnum’ werden Haraldur und sein Pflegebruder von einem Pferdeknecht beraten. Vergifteter Apfel, elf Wölfe, elf Drachen, drei Riesen. – In der gälischen Fassung bei Campbell nr. 22 ‘Ridere of riddles’ (= Jacobs, Celtic fairy tales 2, 210 nr. 45; vgl. R. Köhler 1, 218) warnt der rechte Sohn den Helden, den die Stiefmutter vergiften will, und reitet mit ihm fort; aus den vergifteten zwölf Raben werden zwölf Pasteten gemacht: ‘Einer tötete zwei, zwei töteten zwölf, zwölf töteten vierundzwanzig, und zwei kamen [191] davon.’ Macdougall, Folk and hero tales 1891 p. 276 nr. 6. – In der bretonischen bei Luzel, Contes 3, 326 ‘Petit-Jean et la princesse devineresse’ ersinnt der verabschiedete Soldat, der den Junker zur Brautfahrt bewogen hat, das Rätsel: ‘Quand nous[WS 1] partîmes de la maison, nous étions quatre; de quatre il est mort deux; de deux il est mort quatre; de quatre nous avons fait huit; de huit il est mort seize, et nous sommes encore venus quatre vous voir’. Zuletzt muß der Junker einen Sack mit Wahrheiten füllen (wie der Hasenhirt bei Köhler 1, 554) und beschämt dabei die beiden Mägde und die Prinzeß. Ähnlich Revue des trad. pop. 18, 366 ‘Histoire d’une devinette’: ‘Ma mère m’a fait un gâteau; j’en ai donné à Paul; Paul en a crevé; Paul en a fait crever sept; avec mon arbalète j’ai tué ce que je ne voyais pas; j’ai mangé de la chair qui n’était pas digne, et qui était cuite avec des paroles saintes’.

In den italienischen Fassungen fehlt der Diener, statt des Pferdes erscheint oft ein Hund oder Esel, und das Rätsel ist durch andre Erlebnisse des Helden vermehrt; er beobachtet etwa, wie der Wasserfall einen Felsen ausgehöhlt hat, er schläft auf der Brücke zwischen Himmel und Erde ein, er schießt nach einem Vogel und trifft dafür eine trächtige Häsin, deren Junge er an einem Feuer aus Büchern brät. Aus Basilicata bei Comparetti p. 106 nr. 26 = Crane p. 343 nr. 24 = Kaden S. 180 ‘Vom Hündlein Fortuna’ lautet das Rätsel:

Die Matter hatt’ auf mein Ende gedacht,
Das hat Fortuna den Tod gebracht.
Wegen Fortuna starben vier,
Wegen der vier blieben sechse mir.
Schoß, was ich sah, und traf versteckt,
Was ich mit Augen nicht entdeckt.
Geschaffnes Fleisch, noch nicht geboren,
Hab ich zum Mahle mir erkoren;
Da ich kein andres Feuer vermocht,
Hab mit gedrucktem Wort ich’s gekocht.
Dann schlief zwischen Himmel und Erd ich ein.
Nun rate das, o Königin mein![3]

[192] Ähnlich bei Grisanti 2, 236 ‘Andreuccio’ und bei Nerucci nr. 19 ‘Il figliuolo del mercante di Milano’:

Pizzio ammazzò Bello,
E Bello salvò me.
Molle passò Duro,
E Morto porta tre[4].

Oder bei Pitrè, Novelle toscane 1885 p. 107 nr. 16 = Archivio 1, 57 nr. 4 ‘Soldatino’, wo die Katze den vergifteten Kuchen frißt:

Tirai a chi viddi,
Chiappai chi non viddi.
Mangiai carne creata e non nata,
Cotta a fumo di parole. –
Stiaccia ammazzò Paola. –
Il morvido consuma il sodo.

Der Sieger im Rätselkampf wird hier ins Gefängnis gesteckt und hilft sich mit einem Wunschtuch, Geldbeutel und Tanzpfeife. Die Prinzessin soll eine Nacht mit ihm zubringen, ihm aber nichts als Nein antworten (vgl. ZfVk. 15, 69²). – Aus Mantua bei Trotter, Archivio 19, 493 ‘L’indovinello del contadino’: ‘Der Kuchen tötet den Hund, der Hund tötete drei [Vögel], drei töteten vier [Räuber]; ich schoß, den ich sah, und tötete, den ich nicht sah, aß erschaffenes, ungeborenes Fleisch, mit Worten gebraten; gut ist der Baum [auf dem der Vogel saß], aber besser die Wurzel [das Geld der Räuber].’ – Aus Venedig bei Widter-Wolf, Jahrb. f. roman. Lit. 7, 269 ‘Das Rätsel’; vgl. R. Köhler 1, 321. – Aus Rovigno bei Ive, Novelline pop. rovignesi 1877 p. 13 nr. 2 ‘Bierde’ = Crane p. 68 nr. 14. Aus St. Stefano bei De Gubernatis, Novelline p. 49 nr. 24 ‘L’indovinello e gli animali riconoscenti’ (vergiftetes Brot, Esel, drei Raben. Angehängt die dankbaren Tiere, s. unten nr. 62). Coronedi-Berti 2. ediz. nr. 15 ‘La fola d’ i indvini’. Balladoro, Archivio 18, 367 nr. 3. – Aus den Abruzzen bei De Nino 3, 180 nr. 33 ‘Spiegami il [193] latino’ (Rätsel ähnlich wie bei Comparetti). – Aus Sicilien bei Pitrè, Fiabe e leggende 1888 nr. 1 ‘La riginedda chi s’ avia a maritari’ mit der Variante ‘Lu cacciaturi’. Pitrè, Indovinelli 1897 p. 310 nr. 947 ‘Lu cuntu di Bella’. – Aus Corsica bei Ortoli p. 123 ‘La bête à sept têtes’: der dritte Bruder gibt dem Könige das Rätsel auf und tötet einen Drachen (Ich hatte zwei Kuchen, die töteten Bertu und töteten sieben, die töteten hundert). – Aus Malta bei Ilg 1, 90 nr. 26 ‘Der einfältige Bursche und die drei Rätsel’ (Kika starb und mit ihr noch mehrere. – Geschossen hab ich auf den Erblickten, getroffen hab ich den Verborgenen, gegessen hab ich das Fleisch der Ungeborenen, aus keiner Eischale schlüpften die Gefundenen. – Der Tote befördert die Lebendigen). – Aus Mallorca bei Alcover 2, 129 ‘Der einäugige Peter’ (Coca mata Baulos, Baulos mata dos, los dos matan altres dos; me’n aní per camí, vaig tirar al qui veya, vaig matar el qui no veya, y me’n vaig calar set que no eran nats). – Spanisch bei Demófilo, Enigmas y adivinanzas 1880 p. 310 ‘Las tres adivinanzas’ = Lehmann-Nitsche, Adivinanzas Rioplatenses p. 445 und Revista de folklore chileno 2, 353:

Paula muerta mató a siete,
Y siete mataron á tres. –
Tiré lo que ví,
Maté lo que no ví,
Comí carne muerta y por nacer,
Pasada por las Ilamas de la iglesia;
Bebí agua, ni en el cielo ni en la tierra. –
Duro sobre blando,
Y tres pajaros encima cantando.

Portugiesisch bei Braga 1, 134 nr. 56 ‘A princeza que adivinha’:

Atirei ao que vi,
Matei o que não vi;
Antre palavras de Deus
Assei e tudo comi.

Coelho, Contos populares p. 90 nr. 38 ‘As tres lebres’:

Comi carne sem ser caçada
Em palavras de Deus assada;
Bebi agua que não foi do ceo caida,
Nem tambem na terra nascida.

[194] Von den Azoren in Folk-lore 14, 135 ‘A story from Rasto de Caõ’:

Meu Amor matou o Amor,
Eo Amor seu cavallo,
Seu cavallo cem aves,
Cem aves a cem ladroẽs.
Adevinham coracoẽs,
Quem matou tantoa ladroẽs?

Griechisch in Νεοελληνικὰ Ἀνάλεκτα 1, 35 nr. 7 ‘Die Königstochter und der Hirt’ = Legrand 1881 p. 39; vgl. R. Köhler, 1, 372: ‘Der Kuchen fraß die Schöne [Hündin]; die arme getötete Schöne fraß drei Schwarze [Raben]; ich bekam geborenes und nicht geborenes Fleisch; ich briet es mit Buchstaben und trank Wasser weder vom Himmel noch von der Erde [aus der heiligen Lampe der Kapelle].’ Laographia 2, 366. 381. – Rumänisch bei Brunneck 1901 S. 91 ‘Wie aus einem Bettler ein König ward’. Şăinénu p. 767. – Slowenisch bei B. Krek S. 87 nr. 40 (Zwei Tote töteten einen Lebenden, der war nun tot und tötete andere zwölf, und diese zwölf Toten töteten andere vierundzwanzig; aber den jene zwei töten sollten, ist noch am Leben). – Polnisch aus dem Krakauer Land bei Ciszewski S. 41 nr. 50 (Kuchen, Pferd, vier Raben, Räuber). Wisła 10, 9 nr. 15 (Einer tötete einen, einer tötete drei, drei töteten vierundzwanzig. Vergiftete Ente, Hund, Raben, Räuber. Die Prinzessin wird von den Hofleuten gehängt). Kolberg, Lud 8, 204 nr. 83 (das Gift, das der Prinz sich für alle Fälle von der Mutter erbeten hat, fällt ihm im Schlafe aufs Gras; das Pferd frißt davon, dann drei Raben und zwölf Räuber. Nicht er gibt das Rätsel auf, sondern die Prinzessin: Einer macht drei, und drei machen zu drei, wenn wir die ersten drei hinzufügen; wer das errät, wird mir süßer sein als Honig). Aus Masuren bei Toeppen 1867 S. 164 ‘Rätselmärchen’ (Vom Verstande [Mützenfutter] Feuer gewonnen, von der Lust [Fiedel] sich erwärmt; schoß in das, was er gesehen [Rehkuh], und tötete das, was er nicht gesehen [Rehkalb], hat gebraten und aufgegessen, nahm hinter sich weg, legte vor sich hin [zwei Bretter, um den Sumpf zu überschreiten] und kam zum Könige zu Mittag). – Großrussisch bei Afanasjev 5, nr. 35 = 1 ³, 349 nr. 116a = Ralston p. 240 ‘The blind man and the cripple’; hier findet der Diener des Prinzen unterwegs einen Beutel mit Geld, tut dies in seine Börse, und der Prinz gibt der Schönen das Rätsel auf: ‘Wir fuhren des Weges, erblickten am Wege ein Gut liegen, nahmen das Gut mit dem Gut und legten es in unser Gut’. Aus dem Gouv. Archangelsk bei Afanasjev ³ 2, 288, wo der Soldat das Rätsel vom vergifteten [195] Pferd, den Raben und Räubern dem basurmanischen Kaiser aufgibt, der den rechtgläubigen Zaren zum Rätselkampf herausgefordert hatte. Aus dem Gouv. Orenburg ebd. 2, 279 nr. 185a, wo der Kaufmann es dem Weibe aufgibt, bei dem er früher übernachtet und das den Mordanschlag auf ihn gemacht hatte. Aus dem Gouv. Archangelsk bei Ončukov S. 568 nr. 284 (‘Ich setze mich auf den Vater, ritt auf der Mutter, trieb an mit der Schwester’ [diese hatten Roß, Sattel und Peitsche gegeben]. ‘Ich wusch mich weder mit Tau noch mit Wasser [Pferdeschweiß], ich trocknete mich ab weder mit Seide noch mit Linnen’ [Mähne]. ‘Ich briet die Gans nicht auf der Erde noch am Wasser [in einer Grube] und aß sie oberhalb des Waldes’ [auf einem Baumwipfel]). Aus dem Gouv. Olonetz bei Kolosov Zamětki S. 201 nr. 4 (‘Ich verjagte das Gute aus dem Guten mit dem Guten’ [Stier, Korn, Kornbüschel]. ‘Ich hob das Böse aus dem Bösen mit dem Bösen’ [Schlange, Feuer, Säbel]. ‘Wir übernachteten im Freien, wuschen uns nicht mit Wasser, wischten uns ab nicht mit Linnen’). Ähnlich aus dem Gouv. Jenisej Zap. Krasnojarsk. 1, 43 nr. 28. Ein Lied ist nach N. Th. Sumcov, Etnograf. Obozr. 22, 114. 129 in Chomjakovs Werken abgedruckt; Millien, Les chants oraux du peuple russe 1893 p. 101 ‘La soeur empoisonneuse’ und p. 152 ‘Les devinettes’. – Kleinrussisch bei Moszyńska nr. 25 (Zbiór 9, 134 ‘Er schlug, was er nicht gesehen, aß, was nicht geboren war’ [die Jungen einer im Finstern erschossenen Ziege]. ‘Ich ging und nahm die Fußtapfen mit’, wie bei Toeppen). Aus dem Gouv. Kiew bei Rudčenko 2, 179 nr. 43: ein heimkehrender Soldat schüttet den Branntwein, den ihm seine Frau reicht, auf sein Pferd; das verendet alsbald, ebenso zwei Raben, aus denen sechs Kuchen gemacht werden, und zwölf Räuber. Das Rätsel gibt der Soldat dem Kaiser auf, der auf das Nichtlösen der Rätsel die Enthauptung gesetzt hat; er köpft den Kaiser und heiratet die Kaiserin. – Weißrussisch bei Federowski 3, 106 nr. 194: um den Dummling loszuwerden, schicken die Nachbarn ihn zu der rätselratenden Zauberin und geben ihm ein vergiftetes Brot mit, daß aber nur seinem Pferde, zwei Raben und zwölf Räubern den Tod bringt. – Lettisch bei Böhm, Schwänke nr. 26, 2: ‘Brot tötete den Kläffer, der Kläffer tötete drei, drei töteten sieben; dann warf ich einen Stein; nach wem ich nicht warf, den tötete ich, nach wem ich warf, den tötete ich nicht; dem Getöteten entsprang halbfertiges Fleisch, das briet ich mit Gotteswort und verspeiste es.’ – Finnisch in Aarnes Register nr. 851. – Ungarisch bei Arany-Gyulai [196] 3, 339 ‘Die zauberkundige Prinzessin’ (Von einem Tropfen starb einer, von einem zwei, von zweien zwölf). Horger nr. 33.

Unheimlicher und schauerlicher klingt das Rätsel in den bei Wossidlo 1, Nr. 980 ‘Ungeboren’ zusammengestellten Erzählungen aus Mecklenburg: ‘Ungeburen sitt up Ungeburen un drecht sien Mudder uppe Hand’ oder ‘Ich ungeboren, mein Pferd ungeboren, meine Mutter trag ich auf Händen und Lenden’ oder ‘Ungeboren bin ich, auf Ungeboren reit ich und trage meine Hände in meiner Mutter Brüsten’.[5] Busch S. 131 nr. 39. – Italienisch bei Comparetti Nr. 59 ‘L’enimma’ und im Archivio 1, 188:

Nato non sono io
Neppure il cavallo mio,
In man porto mia madre,
Son figlio della figlia del mio padre.

Aus Mentone bei Andrews, Romania 10, 244 ‘L’énigme’: ‘Je ne suis pas né, ni mon cheval non plus; je suis fils de la fille de mon père, et je porte les mains de ma mère.’ Als Erklärung dazu erzählt Comparetti, daß ein Witwer eine sündige Liebe zu seiner heranwachsenden Tochter faßte, sie schwängerte und dann aus Furcht vor der Schande töten ließ. Der aus dem Leibe der Toten geschnittene Knabe erfuhr von seinem Lehrer das Geheimnis seiner Geburt, suchte im Grabgewölbe die Leiche seiner Mutter auf und schnitt sich aus deren Haut ein paar Handschuhe zurecht. Mit einem Füllen, das gleich ihm aus dem Leibe der Stute geschnitten war, zog er zu einer Königstochter, die alle Rätsel ihrer Freier erriet, und gab ihr das oben angeführte Rätsel auf. Da sie die Lösung nicht fand, schlich sie nachts in Männerkleidung zu ihm, machte ihn trunken und entlockte ihm das Geheimnis. Am andern Morgen offenbarte sie den Sinn des Rätsels und wollte den Freier zum Tode führen lassen, da zeigte dieser das Hemd vor, das die Prinzessin mit dem seinigen vertauscht hatte, und wurde ihr Gemahl. – Griechisch bei Georgeakis-Pineau, Lesbos p. 105 ‘Les deux énigmes’; hier wird die Prinzeß durch dieselbe Aufgabe genötigt, ihr eignes Rätsel vom ermordeten Geliebten zu erklären, das auch bei R. Köhler 1, 350. 372, Wisła 5, 143 und Sobolevskij, Großrussische Volkslieder 1, 211 nr. 154–162 begegnet. – Kleinrussisch aus [197] Ostgalizien bei Rozdolśkyj nr. 31 (Etnograf. Zbirnyk 7, 25): der sündige Vater schneidet seiner Tochter den mit ihr erzeugten Sohn aus dem Leibe und begräbt sie neben seiner Frau; das Rätsel lautet: ‘Der nicht Geborene ist angekommen auf dem nicht Geborenen, und seine Mutter hat er auf den Händen gebracht.’ Der Jüngling löst mit Hilfe dankbarer Tiere die Aufgaben der Königstochter. Bei Kolberg, Pokucie 4, 220 nr. 49 schneidet der aus dem Incest von Vater und Tochter hervorgegangene Bursch seiner Mutter auf deren Geheiß die Haut der Brust ab, um sich Handschuhe daraus machen zu lassen, und nimmt das Fohlen aus dem Leibe der Stute, damit er alles wisse, was in der Welt vorgeht. Sein erstes Rätsel lautet: ‘Es reitet der nicht Lebende auf dem nicht Lebenden und trägt seine Mutter auf den Händen’; sein zweites spielt auf die den Mägden und der Prinzessin weggenommenen Kleider an: ‘Ich war gestern auf der Jagd, erschlug drei Rehe, zog ihnen die Haut ab, da entliefen sie mir; dem vierten hab ich den Schweif abgezogen.’ – In dem griechischen Märchen Νεοελληνικὰ Ἀνάλεκτα 1, 42 = Legrand p. 50 ‘La fille qui allaite son père’ (vgl. R. Köhler 1, 373) dagegen und in einem spanischen Rätsel bei Demófilo p. 386 nr. 24 (Vengo á caballo en lo que nunca ha nacido, y traigo las piernas encima de su madre) und Revista de folklore chileno 2, 365 handelt es sich nur um ein ausgeschnittenes Pferd und das Fell der Mutterstute.

Nur der Schluß des Märchens, wo der Held der Prinzessin oder ihren Dienerinnen, die nachts sein Geheimnis stehlen wollen, ihr Hemd wegnimmt, um es am andern Tage öffentlich zu zeigen, erscheint bei den Albanesen (Dozon p. 159 nr. 20 ‘Le joueur de violon’) und Russen (Dietrich S. 158 nr. 12 ‘Der Schuster und sein Diener Prituitschkin’. Vogl 1841 S. 75 ‘Der Schuster Gorja und sein Diener Briditschkin’).

In einer Erzählung türkischer Zigeuner (Paspati 1870 p. 595 nr. 1 = Groome p. 9 nr. 3 ‘The riddle’) erhält ein Verschwender, der seine Eltern verkauft hat,[6] vom Könige einen Uriasbrief, den er aber am Brunnen liest; er gibt darauf der Prinzessin das Rätsel auf; ‘Meine Mutter trag ich, meinen Vater ritt ich, aus meinem Tode trank ich Wasser.’ Das stimmt zu dem arabischen Volksrätsel in [198] Hammers Fundgruben des Orients 1, 76: ‘Wer war der, welcher auf seiner Mutter (dem Pferde, das er durch Verkauf seiner Mutter erhielt) ritt und sich mit seinem Vater bewaffnete, der Wasser trank, aber weder von der Erde noch vom Himmel (Herr seines Pferdes) und der den Tod (Uriasbrief) auf seiner Schulter trug?’ Eine syrische Fassung bei Landberg, Proverbes et dictons du peuple arabe 1, 156 (1883) beginnt ähnlich dem Ruodlieb (ZfVk. 6, 169) mit drei Ratschlägen des Vaters; der unschuldig verleumdete Jüngling sendet seinen Gefährten mit dem Uriasbrief zum Statthalter, ißt das ungeborne Junge der erlegten Gazelle und trinkt den seinem Pferde abgewischten Schweiß; sein Rätsel lautet: ‘Wer aß lebendes Fleisch aus totem Leibe und trank Wasser weder von der Erde noch vom Himmel, während er den Tod auf dem Kopfe trug?’ – Ähnlich in einer Göttinger Hs. (arab. 70) und aramäisch bei Lidzbarski 1896 S. 265 ‘Geschichte der Kahramâneh und des jungen Prinzen’, vgl. S. X (Eltern verkauft, Uriasbrief, Schweiß des Rosses, getrunken, 22 Fragen der Prinzessin).

In einem merkwürdigen armenisch-persischen Märchen bei Haxthausen, Transkaukasia 1, 326 = Benfey, Pantschatantra 1, 445 gibt der Freier nicht selber ein Rätsel auf, sondern hat die Frage der persischen Königstochter zu beantworten; ‘Was hat Senoba dem Gül und was Gül der Senoba getan?’ Diese Frage bezieht sich, ebenso wie das Rätsel des blutschänderischen Königs Antiochus in der Geschichte des Apollonius von Tyrus und wie die dritte Frage der Prinzessin in Andersens Märchen vom Reisekameraden (unten zu nr. 133), auf die geheime Buhlerei der Prinzessin, die in einem unterirdischen Gemache einen häßlichen Zauberer verborgen hält und ihm schon zwei Kinder geboren hat. Mit Lebensgefahr erkundet der Jüngling von Gül, einem Knechte Salomos, wie derselbe Zauberer mit seinen Genossen sein Weib Senoba zur Untreue verführt hat[7]; er offenbart dem Könige die Schande seiner Tochter, und diese wird nebst ihren Kindern getötet, während der Zauberer entrinnt. – Eine rätselaufgebende Königstochter, die ein kluger Freier durch richtige Lösungen gewinnt, erscheint bereits in [199] Nisamis Dichtung ‘Sieben Schönheiten’ aus dem 12. Jahrhundert[8] und in der berühmten persischen Geschichte von Kalaf und Turandokt, die von Pétis de la Croix 1710 in seinen Mille et un jours[9] veröffentlicht und durch Gozzi (1762) und Schiller (1802) auf die Bühne gebracht wurde. Doch will Kalaf, nachdem er die Rätsel der Prinzeß auf die Sonne, das Meer und das Jahr gedeutet, auf sein Recht an sie verzichten, wenn sie die Frage beantworte: ‘Wie heißt der Prinz, der, nachdem er tausend Mühseligkeiten erduldet und sein Brot erbettelt hat, sich jetzt auf dem Gipfel des Ruhmes und der Freude befindet?’[10] – In einer andern persischen Erzählung vom jungen Perser und der griechischen Prinzessin, die Behrnauer aus einer Wiener Hs. verdeutscht hat (Johannes-Album 2, 57–70. Chemnitz 1857 = Grässe, Märchenwelt S. 79) stellt der Held an die Kaisertochter eine auf sich und seine Eltern bezügliche Frage.[11] Während aber Turandokts Dienerin Kalaf seinen Namen zu entlocken weiß, müssen hier zwei Mägde und die Prinzessin Schmuck und Kleider wie in den europäischen Fassungen zurücklassen; und als der Perser andern Tags das Rätsel aufgibt: ‘Drei Täubchen kamen einmal zu einem Täuberich’ …, erklärt sich die Schöne für besiegt.

Sangiresisch bei Wilken, Mededeelingen vanwege het nederlandsche Zendeling-genootschap 11, 390 = Bezemer, Volksdichtung S. 267 ‘Ein neues Simsons-rätsel: Ein Toter tötet zwei, und zwei Tote töten vierzig’ (entspricht den nordeuropäischen Fassungen: Diener, Pferd, Krähen, Räuber). In einer andern malaiischen Erzählung ‘Les énigmes de Boudaq’ (Revue des trad. pop. 12, 603 [200] nach Meyners d’Estrey) löst der Freier mit Hilfe eines klugen Papageis die Rätsel der Prinzessin. Von den Philippinen im Journal of american folklore 19, 104 ‘Juan the student’ (Two tried to kill one, one killed seven, two were left, and one went away. Juans Eltern, er selbst, sieben Krähen).

Aus Brasilien bei Roméro S. 122 nr. 35 ‘O matuto João’: Brot, Hund, Geier, Räuber; kein Diener, kein Versuch, die Lösung durch List zu erfahren.[12] – Aus Argentinien bei Lehmann-Nitsche, Adivinanzas Rioplatenses 1911 p. 277 nr. 710; vgl p. 444 bis 459.[13] – Aus Lousiana bei Fortier p. 62 nr. 18 ‘Jean Sotte’ (Ich sah einen Toten, der drei Lebende trug und fütterte; der Tote berührte nicht die Erde und war nicht im Himmel. Das vergiftete Pferd fällt in den Fluß und wird von drei Falken gefressen).

Die Gewinnung einer Braut durch Rätsellösung kommt schon in der lateinischen Geschichte des Apollonius von Tyrus[14] vor. Den Freiern seiner Tochter gibt König Antiochus ein Rätsel auf, das sein blutschänderisches Verhältnis zu ihr verhüllt bezeichnet: ‘Scelere vehor, maternam carnem vescor, quaero fratrem meum, meae matris filium, uxoris meae virum, nec invenio’. Durch Rätselfragen hält in der Edda (Alvíssmól) Thor den weisen Zwerg, der seine Tochter zur Gattin begehrt, bis zum Sonnenaufgang hin, dessen Glanz ihn in Stein verwandelt. In den Gesta Romanorum c. 70 stellt dagegen die Königstochter selber drei Fragen, die uns beim Hirtenbüblein (nr. 152) wieder begegnen werden. Ebenso sucht sich in den schottischen Balladen von Hauptmann Wedderburns Werbung und vom stolzen Fräulein Margaret (Child nr. 46. 47) die Schöne durch Rätsel des Freiers zu erwehren; umgekehrt erprobt in deutschen [201] und englischen Liedern (Erk-Böhme, Liederhort nr. 1063. 1064. Child nr. 1) der Freier den Scharfsinn des Mädchens; vgl. Unland, Schriften 3, 210.

Endlich ist unser Märchen auch zu einem derb schwankhaften Redekampfe geworden, in welchem der bäurische Dummling die Prinzessin überwindet.[15] In einem mhd. Gedicht von Heinz dem Kellner (Lassberg, Liedersaal 1, 537 = v. d. Hagen, Gesamtabenteuer 3, 175 nr. 63 ‘Turandot’) läßt die Königstochter den feinen Junker enthaupten, weil er sie nicht ‘drîer dinge überreden’ kann; der Tölpel Konni aber redet sie an: ‘Frau, wie ist Euch der Mund so rot!’ Sie antwortet: ‘Es ist Feuer darin’. Er zieht ein mitgebrachtes Ei hervor: ‘So siedet mir dies Ei!’ Sie entgegnet: ‘Narr, stoß es dir in den Hintern!’ Da zeigt er einen unterwegs aufgehobenen Eggenzahn vor: ‘Das paßt besser dazu’. Und noch gröber lautet die dritte Rede und Gegenrede. – Ähnlich erzählt Estienne Tabourot († 1590) in den Escraignes dijonnoises nr. 41; vgl. Stiefel, Zs. f. vgl. Litgesch. 8, 257. – Deutsch bei Vernaleken nr. 55 ‘Der Brautwerber’. Ey, Harzmärchen S. 52 ‘Die lange Nase’. Latendorf, Germania 17, 94 = Bartsch 1, 508 = Wossidlo 1, 234 nr. 984 ‘Mein ist heiß’. Carsten, ZfVk. 3, 458. – Niederländisch bei de Mont-de Cock, Vertelsels S. 390 ‘Van de koningsdochter, die maar trouwde met eenen, die haar kon vastprasten’. ’tDaghet in den Oosten 10, 138. Dykstra, Uit Frieslands Volksleven 2, 48 ‘De reis naar de koningsdochter’. Kryptadia 4, 344. – Dänisch bei Grundtvig 1884 S. 39 ‘Esben Askepuster’. Skattegraveren 7, 199 ‘Kræng i ord’. Berntsen 1, 29 nr. 3 ‘Klods-Hans’. Andersen, Klods-Hans (Danske Studier 1906, 166). – Schwedisch: Firmenich, Nachträge S. 6 = Djurklou, Ur Nerikes Folksprak 1860 S. 34 = Djurklou, Sagor 1883 S. 190; vgl. 238 ‘Askpóten’. Bondeson, Halländska Sagor nr. 3 ‘Askeprinsen å reddarna’. Steffen 2, 58 ‘Pojken, som gjorde prinsessan svarslös’. Åberg nr. 237 ‘Om Askfísn, som alder va rådløser’. Hackmans Register nr. 853. – Child, Ballads 1, 416. – Französisch bei Luzel, Contes 3, 305 ‘Les compagnons qui viennent à bout de tout’. Kryptadia 2, 72. 5, 331. Cosquin 2, 132 nr. 51 ‘La princesse et les trois frères’. Revue des tr. pop. 13, 403 nr. 5. [202]Kroatisch nach Valjavec bei Krauß 1, 253 nr. 53 ‘Die drei Brüder’. Strohal 2, 271 nr. 19 (scherzhaft). Bei Vuk Stef. Karadžić S. 169 nr. 45 überwindet der Hirt den König im Redekampf und erhält dessen Tochter. – Polnisch: Mater. antropol. 10, 290 nr. 56. – Kaschubisch: Bronisch 2, 30. – Kleinrussisch: Hrinčenko, Iz ust naroda S. 402 (auch biblische Rätsel). Ana Südungarn in Etnogr. Zbirnyk 30, 294 nr. 150 (schmutzig); aus der Ukraine bei Tarasevśkyj 1, 151 nr. 199 (ebenso). – Litauisch bei Leskien-Brugman S. 469 nr. 33 ‘Von dem Dummbart, der gegen die Königstochter das letzte Wort behielt’. Dowojna-Sylwestrowicz 1, 304 = Landau, Zs. f. vgl. Litgesch. 9, 371. – Lettisch bei Böhm, Schwänke 1911 nr. 26, 1 ‘Wie der Dumme eine Königstochter mundtot machte’. – Finnisch: Salmelainen 4, nr. 8. Suomi 3, 2, 209. Aarnes Register nr. 853. – Ungarisch bei Arany 1862 S. 216; vgl. R. Köhler, Zs. f. roman. Phil. 3, 617 und Katona, Zs. f. vgl. Litgesch. 2, 40. – Grusinisch: Sbornik Kavkaz. 13, 2, 46 nr. 3.


  1. Daß auf das Mißlingen der Aufgabe Todesstrafe gesetzt wird, kommt ebenso in den zertanzten Schuhen (nr. 133) und in den sechs Dienern (nr. 134) vor.
  2. Vgl. Grimm, Deutsche Sagen ² nr. 547 ‘Das Oldenburger Horn’.
  3. Mamma voleva uccider me, | Io non volendo uccisi Fortuna. | Per Fortuna ne morirono quattro, | Pei quattro ne morirono sei. | Sparai a chi vidi, | E colpii chi non vidi. | Mangiai carne creata e non nata, | La feci cuocere con parole stampate. | Ho dormito nè in cielo nè in terra. | Indovinatela voi, reginella! – Vgl. auch Bernoni, Indovinelli veneziani 1874 nr. 62: ‘Trago a chi vedo’. Sébillot, Litt. orale 1881 p. 310: ‘J’ai tué sans voir’. Revue celtique 4, 70: ‘Mon père a tué ce qu’il ne voyait pas.’ Zum Essen des Ungeborenen vgl. Wossidlo 1, 218 nr. 970. Brunk, Rad to 1907 nr. 664. Kbl. f. nd. Sprachforschung 22, 11 = Busch S. 131 nr. 38. Kolberg, Pokucie 4, 223 nr. 49. Ončukov S. 536 nr. 255 (Erzeugt, aber nicht geboren, war ich so frei, nahm es [ein ungeborenes Kalb], buk es und aß es).
  4. Drei Raben sitzen auf dem toten Esel.
  5. Über ungeborene Helden vgl. R. Köhler 3, 518 f. Wossidlo 1, 327. G. v. Straßburg, Tristan übertr. von W. Hertz 1901 S. 498.
  6. Bei Ilg, Maltesische Märchen 2, 99 nr. 136 äfft ein Schlaukopf, der die Bildnisse seiner Eltern verkauft hat, den Beichtiger mit dem Bekenntnis, er habe seine Eltern einem Bauern verkauft.
  7. Über diese eingelegte Novelle von der büßenden Ehebrecherin vgl. Benfey 1, 443. Oesterley zu Pauli, Schimpf und Ernst nr. 223 und Gesta Romanorum cap. 56. Chauvin, Bibl. arabe 8, 161. Euphorion 6, 84. 462. Über Gül und Sanaubar Archiv f. Litgesch. 6, 601.
  8. Hammer, Geschichte der Redekünste Persiens S. 116. 136. Erdmann, Die Schöne vom Schloß (Kasan 1832). Schack, Anthologie abendländischer und morgenländischer Dichtungen 2, 175 (1893).
  9. Cabinet des fées 14, 227 (1785). Deutsch bei v. d. Hagen, Erzählungen und Märchen 2, 91 und 1001 Tag 2, 1 (1827) = Kletke, Märchensaal 3, 103. – Vgl. Chauvin, Bibl. arabe 5, 193. Köster, Schiller als Dramaturg 1891 S. 147. – Ein wälschtiroler Märchen bei Schneller nr. 49 ‘Die drei Rätsel’. Bei Gliński ³ 3, 33. 57 werden dem Freier zum Schluß noch sechs Rätsel vorgelegt. Kleinrussisch: Žytje i Slovo 2, 136–142.
  10. Über das Motiv des Namen-erratens vgl. unten zu nr. 55; Gedanken-erraten zu nr. 133.
  11. Wie im Arabischen: ‘Was ist das für ein Mensch, dessen Mutter eine Stute und dessen Vater ein Panzer ist’ usw.
  12. Das Rätsel lautet: ‘Sahi de casa com massa e pita; A massa matou a pita, A pita matou tres, Os tres mataram sete, Dos sete escolhi a melhor. Atirei no que vi E matei o que não vi, Com madeira santa Assei e comi; Bebi agua sem ser dos céos, Vi o morto carregando os vivos, Os mortos conversando os vivos; O que o homem não sabe, Sabio o jumento: Ouca tudo isto para seu tormento.’
  13. Das Rätsel lautet: ‘Cuando salí de mi pago, Saqué una tortillita, Tortillita mata siete, Tiré al que ví, Maté al que no ví, Comí carne no nacida. Tomé agua no llovida ni vertida, Tomé vino no fermentado ni oprimido, Sino que un águila llevo á su uido, Vide alzar un muerto a un vivo.’
  14. Vgl. E. Rohde, Der griechische Roman S. 420. Klebs, Die Erzählung von Apollonius aus Tyrus 1899 S. 299.
  15. Vgl. darüber R. Köhler 2, 465. – Ein anderes zotenhaftes Wettgespräch zwischen Götvara und Ericus bei Saxo Grammaticus, Historia danica Buch 5, p. 210 ed. Müller.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Quandn ous
Aschenputtel Nach oben Wie Kinder Schlachtens miteinander gespielt haben
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